Entzündete Darmausstülpungen

Divertikulitis: Symptome, Diagnostik und Behandlung

Als Divertikulitis wird eine Entzündung abnormer Ausstülpungen des Darms (Divertikel) bezeichnet. Die Erkrankung kann akut oder chronisch auftreten und sehr unterschiedlich verlaufen. Woran lässt sie sich erkennen? Hilft eine spezielle Ernährung bei Divertikulitis? Und wann ist eine OP notwendig?

divertikulitis
Typisch bei einer Divertikulitis sind plötzlich auftretende Schmerzen, oft nach dem Essen.
© iStock.com/Charday Penn

Eine Divertikulitis ist eine Entzündung einzelner oder mehrerer kleiner, sackartiger Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Divertikeln), die hauptsächlich im Dickdarm (Kolon) auftreten. Da in 95 Prozent der Fälle das Sigma, die s-förmige Verbindung von Grimm- und Mastdarm, betroffen ist, wird sie häufig auch als Sigma-Divertikulitis bezeichnet. Bleibt sie unbehandelt, kann sie zu schweren Komplikationen wie Darmverschluss oder Bauchfellentzündung führen. Unterschieden werden die akute und die chronische Divertikulitis.

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Wahrscheinlichkeit und Ursachen einer Divertikulitis

Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Divertikeln (Divertikulose) – und damit auch das Risiko, an einer Divertikulitis zu erkranken – steigt mit zunehmendem Lebensalter: Studienergebnisse zeigen, dass in den westlichen Industriestaaten rund 13 Prozent aller unter 50-Jährigen, 30 Prozent aller 50- bis 70-Jährigen, 50 Prozent aller 70- bis 85-Jährigen und 66 Prozent aller über 80-Jährigen Ausstülpungen im Dickdarm haben. Die Ursachen sind unklar: In Betracht kommen beispielsweise genetisch bedingte Bewegungsstörungen des Dickdarms, Schwachstellen in der Darmschleimhaut, Übergewicht und eine ballaststoffarme oder fleischlastige Ernährung.

Entzünden können sich die Divertikel und ihre Umgebung beispielsweise durch die Ansammlung von (verhärteten) Stuhlbestandteilen, in denen sich zahlreiche Keime befinden. Die Wahrscheinlichkeit eines Menschen mit Divertikulose, eine Divertikulitis zu entwickeln, liegt bei etwa zehn Prozent. Folgende Faktoren scheinen das Risiko für eine Divertikulits zu erhöhen:

  • chronische Vorerkrankungen wie Bluthochdruck
  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Einnahme bestimmter Medikamente (Kortison sowie nichtsteroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac)

In Entwicklungsländern tritt die Divertikulitis deutlich seltener auf als in Industriestaaten, was wahrscheinlich mit der Ernährungsweise, aber auch mit der unterschiedlichen Lebenserwartung zusammenhängt.

Wie äußert sich eine Divertikulitis?

Eine Divertikulose besitzt keinen Krankheitswert und verursacht in der Regel auch keine Symptome. Entzünden sich aber ein oder mehrere Divertikel, so ist das Ausmaß der Beschwerden abhängig vom betroffenen Areal. Wichtigstes Symptom einer Divertikulitis sind plötzlich auftretende, oft anhaltende und ausstrahlende starke Druckschmerzen im Unterbauch, die durch Essen verstärkt werden und nach dem Stuhlgang besser werden. Ist das Sigma betroffen, so werden die Schmerzen meist dem linken unteren Bauchquadranten zugeordnet. Da die anatomische Lage des Sigmas aber variabel ist, kann auch bei Schmerzen im rechten oder mittleren Unterbauch eine Divertikulitis vorliegen.

Stadien einer Divertikulitis

Stadium Bezeichnung Symptome
0 asymptomatische Divertikulose Zufallsbefund ohne Symptome
I akute unkomplizierte Divertikulitis Schmerzen, die Divertikel-Entzündung beschränkt sich auf die Dickdarmwand (Kolonwand)
II akute komplizierte Divertikulitis starke Schmerzen, die Entzündungsparameter im Blut sind stark erhöht, die Entzündung ist mittels Computertomografie (CT) nachweisbar
III

chronische Divertikulitis

 

anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen, die Darmwand weist anatomische Veränderungen wie Fisteln oder Einengungen (Stenosen) auf

Weitere mögliche Symptome einer Divertikulitis sind:

Wie wird eine Divertikulitis diagnostiziert?

Bei Verdacht auf entzündete Darmausstülpungen sind Fachärzte für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Gastroenterologie die richtigen Ansprechpartner. Da die Symptome einer Divertikulitis auch auf andere Erkrankungen wie beispielsweise das Reizdarmsyndrom hinweisen können, ist eine sorgfältige Differenzialdiagnostik wichtig.

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach den konkreten Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme sowie Lebensstilfaktoren wie Ernährung oder Tabakkonsum (Anamnese). Dann tastet, klopft und horcht er den Bauch ab, misst Fieber und führt einen hochauflösenden Ultraschall (Sonografie) sowie gegebenenfalls eine rektale Untersuchung durch. Bei stärkeren Beschwerden wird Blut abgenommen, um im Labor die Entzündungswerte (C-reaktives Protein, weiße Blutkörperchen, Blutsenkungsgeschwindigkeit) bestimmen lassen zu können. Um Komplikationen wie eine Fistel in der Blase und daraus resultierende Harnwegsinfektionen ausschließen zu können, wird in der Regel auch der Urin des Patienten untersucht.

Gesichert ist die Diagnose Divertikulitis laut Leitlinie erst, wenn durch bildgebende Verfahren entzündliche Veränderungen vorhandener Divertikel nachgewiesen sind. Bei ungünstiger, durch Ultraschall nicht einsehbare Lage der entzündeten Divertikel muss zusätzlich eine Computertomografie (CT) veranlasst werden. Auch Komplikationen wie Eiteransammlungen können mittels CT zuverlässiger erkannt werden.

Da die Entzündungsparameter in Blut und Urin in der Regel erst ein bis zwei Tage nach Auftreten einer Entzündung oder gar eines Abszesses ansteigen, ist es wichtig, dass der Betroffene 48 Stunden unter Beobachtung bleibt oder zumindest bei einer Verschlechterung seines Befindens sofort wieder einen Arzt aufsucht.

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) wird bei einer akuten Divertikulitis vermieden, weil sie ein stark erhöhtes Risiko für eine Darmverletzung darstellt. Um Darmkrebs auszuschließen, der in einigen Fällen mit einer Divertikulitis zusammen auftritt, wird aber empfohlen, diese Untersuchung nach dem Ausheilen der Entzündung durchzuführen – speziell, wenn der Betroffene älter als 55 Jahre ist und seine letzte Koloskopie bereits über fünf Jahre zurückliegt.

Wie wird eine Divertikulitis behandelt?

Die Therapie einer Divertikulitis ist abhängig vom Grad der Entzündung. Bei sonst gesunden Patienten ist in der Regel eine ambulante Behandlung möglich. Bei schweren Verläufen oder Vorerkrankungen kann eine Einweisung ins Krankenhaus sinnvoll sein.

Liegt eine unkomplizierte Divertikulitis vor, so verordnet der behandelnde Arzt in der Regel Nahrungskarenz (Fasten), kombiniert mit dflier Aufnahme von viel Flüssigkeit (zum Beispiel Brühe oder lauwarmem Tee mit Traubenzucker), um den Verdauungstrakt zu entlasten und den Entzündungen entgegenzuwirken. Zusätzlich sollte sich der Betroffene körperlich schonen. Bei stationärer Behandlung werden Patienten mit Divertikulitis häufig künstlich (intravenös) ernährt. Klingen die Entzündungen ab, ist ein langsamer Kostaufbau (zunächst pürierte, leicht verdaulichen Speisen wie Kartoffelbrei, dann schrittweise festere Nahrungsmittel) wichtig. Nach der Erkrankung können viel Bewegung, gründliches Kauen, eine ballaststoffreiche Ernährung und eine erhöhte Trinkmenge einer erneuten Entzündung vorbeugen.

Viele Ärzte verschreiben zusätzlich ein Antibiotikum. Die Bedeutung der Antibiotikatherapie ist jedoch in den vergangenen Jahren zurückgegangen: Laut einer neueren Untersuchung können mehr als 90 Prozent der Patienten mit einer akuten unkomplizierten Divertikulitis ohne den Einsatz von Antibiotika kuriert werden. Da die Studienlage diesbezüglich dünn ist, muss der behandelnde Arzt im Einzelfall entscheiden, ob er eine antibiotische Therapie für notwendig hält. Auch zur Art des Antibiotikums kann aus Sicht der evidenzbasierten Medizin bislang keine verbindliche Aussage getroffen werden. Wichtig bei einer Divertikulitis ist eine engmaschige ärztliche Kontrolle, damit bei einer Verschlechterung der Symptome sofort weitere Maßnahmen ergriffen werden können.


Liegt eine komplizierte Divertikulitis vor, müssen die entzündeten Darmabschnitte in der Regel chirurgisch entfernt werden.

Eine Notoperation ist notwendig, wenn:

  • der Darm frei durchgebrochen (perforiert) ist (Stuhl in die Bauchhöhle austritt)
  • das Bauchfell entzündet ist (Peritonitis)
  • eine Blutvergiftung (Sepsis) vorliegt

Um die Heilung zu beschleunigen, wird im Zuge der Operation meist ein vorübergehender künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt, der später in einer weiteren OP wieder entfernt werden kann.

Liegt ein sogenannter gedeckter Darmdurchbruch (die Perforationsstelle wird von einem benachbarten Organ überdeckt, sodass keine Verbindung zur freien Bauchhöhle besteht) mit Abszessbildung (Eiteransammlung) vor, so wird der Patient in der Regel für bis zu zwei Wochen stationär konservativ behandelt, bevor er operiert wird. Gegebenenfalls muss der Eiter bei örtlicher Betäubung über einen dünnen Schlauch (Drainage) abgeleitet werden. Die operative Entfernung der betroffenen Darmabschnitte erfolgt etwa sechs Wochen später. Auf einen künstlichen Darmausgang kann hier meist verzichtet werden.

Wiederholte unkomplizierte Divertikulitisschübe können nach Meinung vieler Fachärzte konservativ behandelt werden, wenn diese Therapieform gut anschlägt. Ob und wann hier eine Operation am Darm (Entfernung der entzündeten Abschnitte) sinnvoll ist, darüber sind Experten unterschiedlicher Ansicht. Wichtig ist eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse durch erfahrene Mediziner (Internistische Gastroenterologen, Chirurgen).

Mögliche Gründe für eine OP bei chronischem Verlauf:

  • Vorliegen einer Immunschwäche
  • Einnahme von Immunsuppressiva wie Kortison, Methotrexat und Azathioprin
  • der Darm weist durch die wiederholten Entzündungen eine Engstelle (Stenose) auf
  • es hat sich eine Fistel (dauerhafte Verbindung) zu einem anderen Organ (zum Beispiel der Harnblase) gebildet
  • die Lebensqualität wird maßgeblich von den Entzündungsschüben beeinträchtigt

Eine geplante Divertikulitis-OP wird in einem entzündungsfreien Zeitraum und in der Regel minimalinvasiv (über kleine Schnitte mittels Schlüssellochtechnik) durchgeführt. Dies ist bei einer Notoperation nicht immer möglich.

Wie verläuft eine Divertikulitis?

Der Krankheitsverlauf einer Divertikulitis ist hochgradig individuell: Einige Betroffene haben schon bei einer erstmalig auftretenden akuten Divertikulitis mit Komplikationen wie einer freien Perforation der Darmwand zu kämpfen, andere haben selbst bei regelmäßig auftretenden Entzündungen keine weitreichenderen Probleme.

Eine Divertikulitis ist grundsätzlich behandel- und heilbar. Rund 95 Prozent aller akuten Divertikulitiden verlaufen unkompliziert. Das Risiko eines Wiederauftretens (Rezidiv-Divertikulitis) nach einer akuten unkomplizierten Divertikulitis ist mit 20 Prozent eher gering. Mit jedem weiteren Entzündungsschub steigt es jedoch an.

Eine akut komplizierte Divertikulitis hat eine deutlich schlechtere Prognose: Hier erkrankt die Mehrzahl der Betroffenen innerhalb weniger Monate erneut – die Hälfte davon schwerer als beim ersten Schub.

Wie kann einer Divertikulitis vorgebeugt werden?

Haben sich Darmausstülpungen gebildet, so ist eine Rückbildung nicht möglich. Um die Ausbildung von Divertikeln zu vermeiden, empfiehlt es sich:

  • eine ballaststoffreiche Diät einzuhalten (viel Vollkornprodukte, faserreiches Gemüse und Obst) ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen (Wasser, ungesüßte Kräutertees)
  • den Konsum von rotem Fleisch und tierischem Fett einzuschränken
  • Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise abzubauen
  • sich viel zu bewegen
  • nicht zu rauchen
  • wenig Alkohol zu trinken

Wer bereits Divertikel im Darm hat, sollten neben den genannten Maßnahmen:

  • verstärkt auf fein gemahlene Vollkornprodukte zurückgreifen: je weicher und feiner der Stuhl, desto leichter passiert er den Darm und desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich Stuhlreste in den Ausstülpungen festsetzen
  • (wenn möglich) auf die Einnahme von kritischen Medikamenten wie nichtsteroidalen Schmerzmitteln (NSAR) oder Kortisonpräparaten verzichten, um das Risiko für eine Divertikulitis zu senken.
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