Schwangerschaftsübelkeit ist meistens harmlos

Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft: Tipps und Hilfen

Übelkeit und Erbrechen kennen viele Frauen aus der eigenen Schwangerschaft. Meist verschwinden die Beschwerden spätestens bis zur 20. Schwangerschaftswoche. Die Symptome sind harmlos – es gibt jedoch auch seltene Fälle, in denen das Erbrechen krankhaft ist.

Zitronenduft gegen Schwangerschaftsübelkeit
Schwangerschaftsübelkeit muss meist nicht ärztlich behandelt werden. Oft helfen Hausmittel, wie der Duft einer Zitrone.
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Übelkeit in der Schwangerschaft (Emesis gravidarum) ist keine Erkrankung, sondern nur ein unangenehmer Nebeneffekt der Schwangerschaft. Zwischen 50 und 90 Prozent aller Schwangeren sind davon betroffen.

Als Ursache wird vor allem der Anstieg der Konzentration der Hormone vermutet. So beeinflusst das Schwangerschaftshormon HCG auch den Geruchs- und Geschmackssinn. Es wird bereits wenige Tage nach der Einnistung der befruchteten Eizelle gebildet – auch deshalb ist morgendliche Übelkeit ein – wenn auch unsicheres – frühes erstes Anzeichen für eine Schwangerschaft.

Die HCG-Konzentration steigt in der Frühschwangerschaft bis zur zwölften Woche stark an. Ab dem dritten Monat sinkt der HCG-Spiegel wieder und die Schwangerschaftsübelkeit lässt bis zur 20. Schwangerschaftswoche nach oder verschwindet ganz. Ein Fünftel der Frauen leidet jedoch mehr oder weniger die gesamte Schwangerschaft daran.

Zusätzlich beeinflusst das Schwangerschaftshormon Progesteron die Muskulatur im Körper. Es entspannt nicht nur die Gebärmutter, sondern auch die Muskeln des Verdauungssystems: Der Verdauungsbrei in Magen und Darm wird langsamer befördert, das führt nicht nur zu Verstopfung und Völlegefühl, sondern auch zu einem sensibleren Mageneingang.

Hausmittel gegen Übelkeit: Das beruhigt den flauen Magen

Symptome: Übelkeit und Erbrechen – nicht nur am Morgen

Den betroffenen Frauen ist vor allem am Morgen schlecht, entweder direkt nach dem Aufstehen oder noch im Bett. Der landläufig bekannte Begriff "Morgenübelkeit" täuscht jedoch über den Umstand hinweg, dass sie auch zu jeder anderen Tages- und Nachtzeit auftreten und von Unwohlsein begleitet sein kann. Die Übelkeit tritt bei manchen Frauen – aber nicht bei allen – in Verbindung Würge- und Brechanfällen auf.

Auslöser: Geruch und Geschmack von Lebensmitteln

Die Auslöser für die Schwangerschaftsübelkeit können dabei ganz unterschiedlich sein. Bei mancher Schwangeren kommen sie aus heiterem Himmel. Oft ist es jedoch ein bestimmter Geruch oder Geschmack, der die Übelkeit verursacht, zum Beispiel fette, stark gewürzte Speisen, Lebensmittel und Gewürze mit einem besonderen Aroma. Auch andere starke Gerüche wie zum Beispiel, Kaffee, Parfüm, Deodorants und andere Körperpflegemittel sowie Zigarettenrauch können Auslöser sein.

Nicht selten können betroffene Frauen ihre bisherigen Lieblingsspeisen nicht mehr riechen oder gar essen. Zum Glück legt sich dieser Zustand bei den meisten Frauen bald wieder.

Tipps: Was hilft bei Übelkeit in der Schwangerschaft?

Moderate Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft müssen in der Regel nicht medikamentös behandelt werden. Vielfach helfen eine leichte Umstellung der Ernährung und Essgewohnheiten, auch Hausmittel verschaffen Linderung.

Betroffenen Frauen werden folgende Tipps empfohlen:

  • Nehmen Sie lieber kleinere Portionen über den Tag verteilt zu sich als zwei, drei größere Mahlzeiten. Trinken Sie über den Tag ausreichend – leicht gesüßte Tees, Saftschorlen oder stilles Mineralwasser sind besonders geeignet.

  • Verzichten Sie auf alles, was den Magen reizt: stark gewürzte, scharfe, fettreiche, zuckerreiche Speisen sowie kohlesäurehaltige, saure oder besonders aromatische Getränke (Kaffee)

  • Vermeiden Sie Gerüche, für die Sie sensibel sind wie Parfüm, Deo, Duschbad. Auch schlecht gelüftete Räume, Küchendünste oder kalter Zigarettenrauch sind für viele betroffene Frauen nicht zu ertragen.

  • Starten Sie in den Tag, indem Sie bereits frühmorgens am Bett ein Stück Zwieback, Toast oder Brötchen kauen und lauwarmen Kräutertee oder einfach nur lauwarmes Wasser dazu trinken.

  • Das langsame Kauen von Nüssen, Mandeln, trockenen Haferflocken oder Trockenfrüchten hat einen ähnlichen Effekt. Die Knabbereien liefern dazu noch wichtige Mineralstoffe.

  • Als Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen eignet sich vor allem Ingwer – zum Beispiel als Tee. Sie können auch zwischendurch immer wieder kleine Stücke rohen Ingwer kauen. Wer den etwas scharfen Geschmack nicht mag, kann ein paar Scheibchen Ingwer in heißes oder auch kaltes Wasser legen und leicht mit Honig süßen. Ingwerkekse, Pastillen oder Tabletten wirken ähnlich.

  • Frische Luft: Atmen Sie bei geöffnetem Fenster mehrmals tief und bewusst durch. Zum Schnuppern für zwischendurch eignen sich Fläschchen mit ätherischen Ölen. Ideal sind zum Beispiel Zitrone, Mandarine oder Lavendel.

  • Ein homöopathisches Mittel gegen Übelkeit und Brechreiz ist Nux vomica. Globuli sollten allerdings in der Schwangerschaft nicht auf eigene Faust eingenommen werden. Lassen Sie sich von einer Hebamme, einem homöopathisch geschulten Heilpraktiker oder Arzt über Dosis, Potenz und Einnahme beraten.

  • Akupunktur und Akupressur haben sich ebenfalls gegen Übelkeit in der Schwangerschaft bewährt.

Hält die Schwangerschaftsübelkeit trotz dieser Tipps an oder sind Sie sich unsicher, dann beraten Sie sich mit Ihrem Arzt. Er wird abklären, ob möglicherweise eine andere Erkrankung wie ein Infekt oder eine Magenverstimmung als Ursache infage kommt.

Die richtige Ernährung in der Schwangerschaft

Lifeline / Wochit

Hyperemesis gravidarum als Schwangerschaftskomplikation

Normale Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft sind nicht zu vergleichen mit dem übermäßigen Erbrechen. Dies ist unter Begriff Hyperemesis gravidarum bekannt. Die Erkrankung ist verhältnismäßig selten: Nur 0,5 bis ein Prozent aller schwangeren Frauen sind betroffen.

Risikofaktoren für übermäßiges Erbrechen in der Schwangerschaft sind:

  • Übergewicht
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Erstschwangerschaft
  • Alter der Mutter unter 20 Jahre
  • bestimmte Vorerkrankungen wie Asthma, Allergien, Stoffwechselstörungen (Schilddrüsenüberfunktion, Störungen der Leber oder des Fettstoffwechsels),
  • vorangegangene Esstörungen (Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa)
  • ein gestörtes Plazentawachstum
  • zum Wissenstest

    Was darf ich essen, was muss ich meiden? Ist Sport während der Schwangerschaft gefährlich oder gesund?

Auch psychische und psychosomatische Faktoren (Stress, Depressionen) und die Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori werden als Ursache für Hyperemesis gravidarum vermutet.

Symptome des übermäßigen Erbrechens während der Schwangerschaft

Die Patientin erbricht dabei mindestens drei- bis viermal täglich und verliert dadurch mehr als fünf Kilo Gewicht. Durch das häufige Übergeben gehen viel Flüssigkeit und Elektrolyte, zum Beispiel Kalium und Natrium verloren. Der Allgemeinzustand der betroffenen Frau kann sich innerhalb weniger Tage verschlechtern: Sie ist benommen, ihre Temperatur erhöht sich.

Aufgrund des gestörten Stoffwechsels ist die Leberfunktion beeinträchtigt – die Haut kann einen gelblichen Ton annehmen. Durch den starken Verlust an Flüssigkeit und Mineralstoffen ist der Körper geschwächt.

Behandlung von Hyperemesis gravidarum

Übermäßiges Erbrechen ist eine schwerwiegende Schwangerschaftskomplikation und erfordert den Einsatz von Medikamenten, manchmal auch einen Krankenhausaufenthalt.  

Behandelt wird Hyperemesis gravidarum mit verschiedenen verschreibungspflichtigen Medikamenten. Diese vermindern den Brechreiz und führen Elektrolyte zu.

Schwangere Frauen, die sich mehrmals am Tag erbrechen und bis zu fünf Kilogramm abnehmen, sollten schnell ärztlich behandelt werden. Der Zustand kann für Mutter und Kind gefährlich, mitunter lebensbedrohlich werden.

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