Alles im Gleichgewicht

Work-Life-Balance: Maßnahmen für ein ausgeglichenes Berufs- und Privatleben

Ein ausgewogenes Verhältnis von Beruf und Freizeit, die sogenannte Work-Life-Balance, ist die Voraussetzung für ein produktives, erfolgreiches und vor allem glückliches Leben. Damit der Balanceakt gelingt, müssen vier Lebensbereiche in Einklang gebracht, persönliche Ziele und Stärken definiert und überflüssige Rollen losgelassen werden.

Mann entspannt am Schreibtisch
Eine gute Work-Life-Balance wirkt sich auch auf das Berufsleben positiv aus!
© iStock.com/milanvirijevic

So sehr einige Arbeitnehmer bereits von Teilzeit-, Heimarbeit oder Downshifting und der damit einhergehenden Flexibilität profitieren – entsprechende Arbeitsmodelle, die Beruf und Privatleben besser vereinen, sind die Ausnahme in deutschen Unternehmen. Dabei ist die Zeit längst reif für ein Umdenken auf allen Ebenen, denn immer mehr Menschen fühlen sich dem zunehmenden Zeit- und Leistungsdruck nicht mehr gewachsen und klagen über dauerhaften Stress, der auch aufs Privatleben übergreift. Erschöpfungszustände bis hin zu Depressionen sind dann vorprogrammiert.

Umso wichtiger ist es, selbst die Regie zu übernehmen und Privat- und Berufsleben wieder in ein ausgeglichenes Verhältnis zu bringen. Diese sogenannte Work-Life-Balance geht dabei nicht zulasten der beruflichen Leistung – im Gegenteil: Zufriedene Arbeitnehmer erzielen bessere Ergebnisse. Sie setzen ihre Karrierevorstellungen meist nachhaltiger als dies durch Selbstausbeutung, die nur kurzfristig effektiv sein kann, möglich ist. Mit Zeitmanagement zu weniger Stress

Eine gesunde Work-Life-Balance ist nicht nur für Mitarbeiter und Führungskräfte erstrebenswert, sondern für alle Menschen, die unter Leistungs- und Zeitdruck stehen wie Schüler, Studenten oder Hausfrauen.

Vier Faktoren für eine gesunde Work-Life-Balance

Das Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben wird von vier Faktoren beeinflusst (nach Nossrat Peseschkian aus Lothar Seiwerts "Zeit zu leben"):

  • Körper: Gesundheit, Entspannung, Sport, Ernährung
  • Leistung/Arbeit: Beruf, Wohlstand, Karriere
  • Kontakte: private Beziehungen, Freunde, Familie, Zuwendung
  • Sinn: Werte, Religion, Liebe, Zukunftsfragen
  • zum Test

    Haben Sie das Gefühl, nie genug Zeit zu haben? Viel zu arbeiten, aber wenig zu schaffen? Dann könnten Sie von der "Hetzkrankheit" betroffen sein!

Für eine gelungene Work-Life-Balance muss nicht jeder dieser Bereiche 25 Prozent ausmachen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, daher dominiert dieser Bereich bei den meisten Menschen zwangsläufig. Wird seine Vorherrschaft aber übermächtig, zieht er die restlichen Bereiche in Mitleidenschaft. Ein solches Ungleichgewicht wirkt sich nicht nur aufs Private, sondern letztlich auch auf den Beruf negativ aus. Daher sind Pausen vom Effizientsein dringend geboten: "Schnelligkeit braucht auch Langsamkeit", sagt Professor Lothar Seiwert, Experte für Zeit- und Lebensmanagement.

Work-Life-Balance funktioniert nur mit klaren Prioritäten

Um aus dem Hamsterrad auszusteigen, ist es notwendig, Prioritäten zu setzen. Jeder Mensch nimmt verschiedene Rollen in seinem Alltag ein. Sind es zu viele gleichzeitig, mündet das unweigerlich in Zeitdruck und dem Gefühl, nicht hinterherzukommen. Manche der alltäglichen Rollen sind essenziell – für unser Lebensglück sowie das anderer. Das kann etwa die Rolle als Vater, Partner, Freund, Bruder, aber auch als Arbeitnehmer und Versorger sein. Auf Nebenrollen, beispielsweise des Elternbeirats oder Betriebsrats, kann man mitunter verzichten. Strukturieren Sie Ihre Prioritäten nach den Hauptrollen und lassen Sie Nebenrollen los. Seiwert empfiehlt, die persönlichen Rollen auf höchstens sieben zu reduzieren, denn: "Wer weiter nach oben will, der muss Ballast abwerfen."

Fokussieren Sie sich auf Ihre Stärken

Statt Alleskönner sein zu wollen, sollten Sie sich spezialisieren, rät Seiwert in seinem Buch "Zeit zu leben. So bekommen Sie Ihr Leben in Balance". Fokussieren Sie Ihre Kräfte auf das,

  • was Sie am besten können
  • womit Sie sich und anderen den größten Nutzen bringen

Kultivieren Sie diejenigen Stärken, die Ihnen Spaß machen. Damit lassen sich Ergebnisse erzielen statt bloßer operativer Hektik.

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Agieren statt reagieren: Übernehmen Sie die Kontrolle

Was dringend ist, bestimmen oft andere, im Berufsleben meist der Chef. Eigene To-Dos stehen dann hintenan. Abends verlässt man das Büro mit dem Gefühl, zwar viel gearbeitet, aber wenig geleistet zu haben. Wenn man sich fremdgesteuert fühlt, löst das jede Menge negative Emotionen aus, die das Wohlbefinden beeinträchtigen, etwa Unzufriedenheit, Ärger, Frust, Neid, Eifersucht, Angst. Seiwert rät, die Kontrolle über die eigene Zeit zurückzugewinnen: "Machen Sie die wichtigen, aber nicht dringlichen Dinge dringlich", sagt der Experte und nennt das Life-Leadership: "Sie müssen bewusst entscheiden, was Ihnen persönlich wert ist, getan zu werden." Dazu ist es notwendig, Ziele zu formulieren und sich an ihnen auszurichten.  

Setzen Sie sich erreichbare Ziele

Eine gute Work-Life-Balance ist unmöglich, solange man sich der eigenen Ziele nicht bewusst ist. Persönliches Glück sollte dabei das Lebensziel sein. "Sie können niemand anderen glücklich machen, wenn Sie nicht selbst glücklich sind", sagt Seiwert. Formulieren Sie weitere Ziele, die Sie Ihrem Hauptziel näher bringen und halten Sie diese schriftlich fest. Ihre Ziele sollten

  • klar
  • spezifisch
  • detailliert
  • realisierbar
  • messbar

sein.

Damit die Work-Life-Balance dauerhaft gelingt, sollten sowohl die Umsetzung als auch die Resultate regelmäßig und ehrlich kontrolliert werden. Was läuft gut? Nähert man sich seinen kurzfristigen und langfristigen Zielen? Wo gibt es Verbesserungspotenzial?

Praktische Maßnahmen für eine gute Work-Life-Balance

Seiwert gibt folgende Tipps, um die vier Lebensbereiche Leistung, Körper, Kontakt und Sinn in Einklang zu bringen:

  • Planen Sie jeden Tag 20 bis 30 Minuten Bewegung ein.

  • Widmen Sie sich täglich zehn Minuten lang Tätigkeiten, die Sie geistig anregen, etwa einem Gespräch mit einem Freund oder entsprechender Lektüre.

  • Suchen Sie täglich spirituelle oder künstlerische Anregung, beispielsweise in der Natur oder beim Hören guter Musik.

  • Machen Sie täglich anderen eine Freude. Das können freundliche Worte, das Aufhalten der Tür oder der Vortritt an der Supermarktkasse sein.

  • Machen Sie sich täglich selbst eine Freude: Erarbeiten Sie eine persönliche Liste mit wohltuenden Dingen und gönnen sich täglich eine davon.

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