Zähneknirschen: Ursachen, Folgen und Behandlung des Bruxismus

Knirscher pressen oder reiben unbewusst die Zähne aufeinander – meist im Schlaf. Die Folgen von Zähneknirschen sind Schäden an den Zähnen sowie Kopfschmerzen, Verspannungen oder Tinnitus. Abhilfe und Entspannung schafft eine Beißschiene.

Mann schiebt Beißschiene in den Mund
Eine Beißschiene schützt die Zähne bei Zähneknirschen.
© iStock.com/AndreyPopov

Das unbewusste Aufeinanderpressen oder Reiben der Ober- und Unterkieferzähne wird als Zähneknirschen oder Bruxismus bezeichnet. Es kann während des Schlafs (Schlafbruxismus) oder Wachseins (Wachbruxismus) auftreten. Das Zähneknirschen tritt bereits mit Durchtritt der ersten Zähne und bis ins hohe Alter auf. Insgesamt ist jeder fünfte Deutsche betroffen.

Artikelinhalte im Überblick:

Entspannungstechniken im Überblick

Ursachen für Zähneknirschen

Eigentlich hat Zähneknirschen eine wichtige Funktion beim Abbau von Stress. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft stehen viele Menschen jedoch unter Dauerstress – mit entsprechenden Folgen für die Zähne. Meist stecken daher Stress, Nervosität, Ängste und psychische Erkrankungen hinter dem unbewussten Zähneknirschen und Zähnepressen.

Neben Stress kann ein Fehlbiss die Ursache für Bruxismus sein. Die Zähne von Ober- und Unterkiefer finden keinen gleichmäßigen und gleichzeitigen Kontakt – so kommt es an manchen Stellen zu Frühkontakten, also zum vorzeitigen Aufeinandertreffen der Zähne. Dafür verantwortlich sind:

  • zu hohe Kronen, Füllungen oder Brücken
  • nicht versorgte Zahnlücken
  • schlecht sitzende Prothesen
  • mangelhafte Zahnimplantate
  •  kieferorthopädische Fehlregulierungen

Auch Atmungsstörungen während des Schlafs wie Schlafapnoe, verstärkter Alkoholkonsum und bestimmte Medikamente können verantwortlich für nächtliches Zähneknirschen sein.

Zähneknirschen bei Kindern

Relativ normal ist es, wenn Kinder mit den Zähnen knirschen: Die nach und nach einwachsenden Milchzähne müssen richtig zueinander finden. Bei Milchzähnen ist das noch nicht bedenklich, bei älteren Kindern sollten aber die Ursachen abgeklärt werden.

Symptome und Folgen des Zähneknirschens

Der beim Zähneknirschen entstehende Druck kann bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter betragen – das entspricht mehr als dem Zehnfachen des normalen Kaudrucks. Dennoch bemerken viele Knirscher gar nicht, welchen Anstrengungen sie sich in der Nacht aussetzen. Vielleicht registrieren sie, dass der Kiefer nach dem Schlaf verspannt ist. Oder der Zahnarzt macht sie aufmerksam: Er erkennt Zähneknirschen an abgeschliffenen Zähnen, Zahnfehlstellungen oder sogar Rissen und Frakturen.

Gesunde Zähne und Zähneknirschen
Gesunde Zähne und Zähneknirschen
© iStock.com/Paladjai, Lifeline


Weitere Symptome des Knirschens:

An sich sind das alles typische Symptome für Stress. Und genau in diesem Zusammenhang ist auch das Zähneknirschen zu sehen: Unbewusst arbeiten die Betroffenen ihre Probleme und die Anspannung des Tages damit ab.

Wichtig ist, möglichst schnell den Ursachen für das Zähneknirschen auf die Spur zu kommen, bevor sich das Problem festsetzt und es zur Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) kommt. Von einer CMD spricht man, wenn neben den Schmerzen auch Funktionseinschränkungen der Kieferbewegung auftreten: Die Störungen der gesamten Kieferbewegung äußern sich als Mundöffnungseinschränkung oder Seitenabweichungen des Unterkiefers. Weitere begleitende Symptome können Kiefergelenkknacken oder -geräusche sein.

Zähneknirschen: Was macht der Arzt?

Erste Hinweise erhält der Arzt über Berichte von Betroffenen, die von ihrer Familie oder ihrem Partner auf Knirschgeräusche im Schlaf aufmerksam gemacht werden oder nachts mit zusammengebissenen Zähnen erwachen. Eine Reihe von Fragen hilft ihm, dem Problem auf die Spur zu kommen – darunter unter anderem:

  • Ist morgens Ihre Muskulatur verspannt?

  • Haben Sie morgens regelmäßig Kopfschmerzen?

  • Träumen Sie manchmal, dass Ihnen alle Zähne ausfallen?

  • Haben Sie Schlafstörungen?

  • Knirschen Sie tagsüber mit den Zähnen oder beißen diese aufeinander – zum Beispiel wenn Sie sich langweilen, stark konzentrieren oder wütend sind?

  • Sind Ihre Zähne empfindlich für Hitze, Kälte oder Druck?

Im nächsten Schritt erfolgt eine ausführliche Untersuchung des Zahnapparates und der Kaumuskulatur. Einen möglichen Bruxismus kann man an folgenden Hinweisen erkennen:

  • Schliff-Facetten und Abrieb, vor allem im Frontzahnbereich

  • Risse im Zahnschmelz

  • empfindliche freiliegende Zahnhälse

  • Zahnfleischschwund ohne entzündliche Komponente

  • Schmerzen in der Kaumuskulatur

  • Kiefergelenkgeräusche

Bei dauerhaften Kiefergelenksproblemen ist eine genaue Analyse des gesamten Kauapparates – vor allem seiner Bewegungen – sinnvoll. Polysomnographische Untersuchungen gelten hier als Goldstandard: Dabei werden mehrere physiologische Parameter im Schlaflabor aufgezeichnet (unter anderem EEG, EKG, Sauerstoffsättigung des Blutes) und die Unterkieferbewegungen sowie zahnassoziierte Knirschgeräusche erfasst.

Da diese Diagnosemethode sehr zeit-und kostenintensiv ist und die Betroffenen zudem aus ihrer gewohnten Schlafumgebung herausreißt, kommen alternativ portable Geräte zum Einsatz. Diese weisen in der Regel einen bis drei Kanäle auf, womit sich entweder bilateral Kaumuskeln und die Herzfrequenz ableiten lassen oder nur ein Kaumuskel kontrolliert wird.

Beißschiene: Wie wird Zähneknirschen behandelt?

Eine Therapie ist erforderlich, wenn der Bruxismus chronische Schmerzen und muskuläre Verspannungen verursacht oder wenn die Mahlbewegungen der Zähne im Schlaf das Gebiss der Betroffenen nachhaltig schädigen. Prinzipiell sollte möglichst versucht werden, die Ursache zu beseitigen.

Zahnkorrektur und Beißschiene

Steckt eine Zahn- oder Kieferfehlstellung hinter dem Zähneknirschen, kann das Abschleifen von Zähnen und Kronen, das Anpassen von Prothesen oder das Anfertigen einer Zahnspange Abhilfe schaffen.

Zum Schutz der Zähne wird beim Zahnarzt auch oft eine individualisierte Beißschiene angefertigt. Diese Schiene aus Kunststoff wird nachts zum Schutz der Zähne getragen, entspannt die Muskulatur und führt den Unterkiefer in eine optimale Bissposition. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten.


Stress reduzieren und Physiotherapie

Ist Stress der Auslöser für das unbewusste Zähneknirschen, kommen entspannende, stressabbauende und stressbewältigende Verfahren wie Yoga, Tai-Chi, Meditation oder Autogenes Training zum Einsatz. Auch eine Psychotherapie kann hilfreich sein.

Bei schmerzhaft verspannter Muskulatur oder Fehlhaltungen ist Physiotherapie oft eine sehr gute initiale Therapie und kann durch gezielte Maßnahmen zur Umsetzung im häuslichen Bereich für Muskelentspannung sorgen. Hier kommen auch Techniken aus der Manualtherapie zum Einsatz.

Biofeedback und Selbstbeobachtung

Auch die Selbstbeobachtung zur Bewusstmachung von Knirsch- und Pressphänomenen ist wichtig. Falls der Betroffene weiß, zu welchen Zeitpunkten er knirscht und presst, gibt es Möglichkeiten, dies selbst zu beeinflussen.

Dies kann gegebenenfalls auch mithilfe von Biofeedback-Geräten geschehen: Dabei erkennt eine an die Schläfe des Knirschers geklebte Elektrode die Bewegungsmuster der Kiefermuskulatur, die das Zähneknirschen verursachen, und sendet einen sehr schwachen, nicht spürbaren elektrischen Impuls. Dieser kleine Impuls sorgt einerseits für Entspannung in den Kiefermuskeln und gleichzeitig für das Erlernen eines Reflexes, der das Knirschen mindern soll.

Bei einer akuten Beschwerdeproblematik werden unter Umständen Medikamente zur Schmerzreduktion und Muskelentspannung eingesetzt. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wird deren Einsatz jedoch meist nur kurzzeitig empfohlen.

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