Verletzungen beim Sport

Blumenkohlohr

Heftige Attacken auf das Ohr - etwa beim Boxen oder auch beim Fußball - führen nicht nur zum Bluterguss, sondern verletzen den Knorpel. Bleibt die richtige Behandlung aus, verformt sich die Ohrmuschel dauerhaft. Das wird landläufig als Blumenkohlohr oder Ringerohr bezeichnet.

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Wird ein Ohr verletzt und setzt keine Behandlung ein, kann die Ohrmuschel hässliche Knubbel entwickeln, die Blumenkohlohr genannt werden.
Klaus D. Peter

Mindestens eine völlig verwachsene, geschwollene Ohrmuschel war früher sozusagen das Markenzeichen für Boxer und Ringer - so wie der Tennisellenbogen für Tennisspieler typisch ist und das Läuferknie für den Langstreckenläufer. Das so genannte Blumenkohl- oder Ringerohr erinnert in seiner Struktur tatsächlich an das Gemüse. Und obwohl die meisten Sportler beim Kampfsport heute Ohrenschutz tragen, gibt es diesen typischen Sportschaden immer noch.

Tipps für gesunde Ohren

Die Ursache: Der Leistungssport wird immer härter. Verletzungen nehmen deshalb zu. Das gilt nicht nur für die klassischen Kampfsportarten, sondern auch für Rugby und Fußball wie derzeit bei der WM in Brasilien (siehe auch: Profifußballer nehmen hohes Verletzungsrisiko in Kauf). Rasch gibt es zu viel auf die Ohren, wenn die Köpfe zusammenknallen, die Ohren gedrückt, stark gerieben oder geknickt werden - jetzt besteht das hohe Risiko für ein Blumenkohlohr.

Erst Bluterguss, dann Blumenkohlohr

Prellen und Umknicken führen normalerweise in den meisten anderen Bereichen des Körpers nicht zu bleibenden Verformungen. So schwillt beispielsweise eine Knieprellung meist wieder ab und das Knie sieht nach einiger Zeit genauso aus wie vor der Verletzung. Wird jedoch das Ohr verletzt und setzt nicht sofort die richtige Behandlung ein, lässt sich davon ausgehen, dass die Ohrmuscheln zu hässlichen Knubbeln mutieren.

Gefährlicher Knick im Ohr

Die Ursache: Die Ohrmuschel besteht aus Knorpel. Knorpel ist nicht mit Blutgefäßen durchzogen. Nur in der Haut, die den Knorpel umgibt, verlaufen zahlreichen Adern. Die sorgen dafür, dass der Knorpel ausreichend Nährstoffe bekommt. Wird die Ohrmuschel bei einer stumpfen Verletzung umgeknickt oder geprellt, platzen Blutgefäße in der Knorpelhaut. Zwischen ihr und dem Knorpel bildet sich ein Bluterguss (Hämatom), der nicht abfließen kann. Am Ohr bezeichnet der Mediziner das übrigens als Othämatom.

Richtig handeln bei Hörsturz

Lifeline/Wochit

Bluterguss verformt den Knorpel der Ohrmuschel

Das Ohr schwillt an. Der biegsame Knorpel verformt er sich dabei oft grotesk. Die Folge: Weil die Versorgung zwischen ihm und der Knorpelhaut unterbrochen ist, bleibt diese Verformung auf Dauer. Auch, wenn sich das Hämatom nach einiger Zeit wieder etwas abgebaut hat. Außerdem wird der Knorpel nun in den verletzten Bereichen nicht mehr mit Nährstoffen versorgt. Im schlimmsten Fall kann der Knorpel sogar absterben. Er schrumpft und Infektionen können sich bilden.

Rasche Hilfe bei Ohrverletzungen wichtig

Jeder Bluterguss am Ohr - auch wenn er noch so klein ist - sollte deshalb von einem Arzt behandelt werden. Zuerst wird er die Stelle punktieren, damit das Blut abfließen kann. Danach legt er einen Druckverband an. Damit wird garantiert, dass sich der Knorpel nicht verformt und die Ohrmuschel am Kopf anliegt. Je früher diese Therapie einsetzt, umso erfolgreicher ist sie und umso weniger bleibenden Schaden hat der Knorpel erlitten.

Operation bei größerer Ohrverletzung

Bei besonders massiven Verletzungen ist jedoch eine Operation nötig. Dabei gibt es verschiedene Techniken, die sich nach der Größe und dem Sitz des Hämatoms richten:

  • Die Knorpelfensterung: Dabei schneidet der Chirurg ein kleines Fenster in den Knorpel, damit Blut und Serum abfließen können.
  • Knorpelhaut schließen. Hier wird die verletzte Knorpelhaut über den Knorpel wieder richtig platziert, damit diese Struktur wieder Nährstoffe erhält und nicht abstirbt.

Ist Knorpel bereist abgestorben oder stark verunstaltet, entfernt der Chirurg diesen Teil und ersetzt ihn durch etwas Knorpel aus einem gesunden Bereich.

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Blumenkohlohr kann Gehör beeinträchtigen

Wer versäumt, die Verletzung der Ohrmuschel sofort behandeln zu lassen, muss damit rechnen, dass der verknöcherte Bluterguss und die Verformung der Ohrmuschel auf Dauer bleiben. Zwar tut das Blumenkohlohr später nicht mehr weh. Doch die Verformungen sind nicht nur unschön. Sie können das Gehör beeinträchtigen. Schwerhörigkeit und verzerrtes Hören sind die Folgen. Ein Hörtest klärt ab, ob und in welchem Ausmaß das Gehör beeinträchtig ist.

Kosmetische Operation für das Blumenkohlohr

Besteht das Blumenkohlohr länger, kann nur ästhetische Chirurgie die Ohrmuschel wieder richten. Dazu entfernt der Chirurg über einen Schnitt den verknöcherten Bluterguss und bringt den Knorpel wieder in seine richtige Form. Der Eingriff ist aufwändig und ist keine Kassenleistung. Die Kosten belaufen sich je nach Operationsaufwand auf etwa 1500 Euro.

Vorbeugen: Blumenkohlohr am besten vermeiden

Bei allen Sportarten, die buchstäblich auf die Ohren gehen könnten, also Basketball, Rugby, Boxen, Ringen und den asiatischen Kampfsportarten: Hier sollten nicht nur Profis, sondern auch Hobbysportler ihre Ohren schützen. Einfacher Ohrschutz und Helme mit integriertem Ohrschutz sind nicht unsportlich, sondern zeugen nur von Verantwortung, die man für sich und die eigene Gesundheit übernimmt.

Thema Piercing und Blumenkohlohr

Was die meisten nicht wissen: Auch unsachgemäß ausgeführtes Piercing an der Ohrmuschel im Knorpelbereich kann zu Blutergüssen führen und den Knorpel schädigen. Statt mit Ohrschmuck aufzufallen sind es dann eher die Blumenkohlohren Hingucker. Beim Ohrpiercing – egal ob innere oder äußere Ohrmuschel - sollten Sie darauf achten, dass vor dem Schießen das Ohr durchleuchtet wird. So lassen sich die Blutgefäße erkennen. Das Piercing wird am besten so gesetzt, dass es keines der Äderchen verletzt.

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