Laborwerte A - Z

Tumormarker

Krebs- oder Tumormarker sind wichtige Parameter für die genaue Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Für die Krebsvorsorge sind aber nur die wenigsten der Werte geeignet.

tumormarker Krebszellen
Tumormarker weisen auf Krebszellen im Körper hin. Zum frühen Erkennen einer Tumorerkrankung sind sie jedoch zu unspezifisch.
© iStock.com/Eraxion

Als Tumormarker werden alle Stoffe bezeichnet, die entstehen, wenn sich im Körper ein bösartiger (maligner) Tumor entwickelt. Sie werden auch Krebsmarker genannt und sind meist Eiweiße oder Eiweißbestandteile. Diese Substanzen können von den Krebszellen hergestellt werden oder aber der Organismus produziert selbst Antikörper als Reaktion auf die Gewebewucherung. Tumormarker können im Blut, manche auch in anderen Körperflüssigkeiten wie zum Beispiel im Urin, sowie im Körpergewebe festgestellt werden.

Bluttest auf Krebs ist Zukunftsmusik

Die medizinische Diagnostik kennt mittlerweile eine ganze Reihe unterschiedlicher Tumormarker. Ein Bluttest auf Krebs bleibt jedoch vorerst ein Wunsch. Zwar , doch bisher befinden sich viele Ergebnisse erst im Versuchsstadium, der breite klinische Nutzen muss erst noch bewiesen werden.

Noch ist es nicht gelungen, charakteristische Marker zu finden, mit denen einzelne Krebsarten mit hoher Sicherheit früh erkannt und gezielt behandelt werden können.

Ungenauigkeit der Tumormarker

Zum einen liefern die Marker ungenaue und unzuverlässige Werte: Nicht nur bei Krebs, auch bei vielen anderen Erkrankungen sind sie im Blut zu finden. Ein Beispiel dafür ist das prostataspezifische Antigen PSA. PSA ist zwar ein Marker für das Prostatakarzinom, die Werte können jedoch auch bei Harnwegsinfektionen und Entzündungen der Prostata erhöht sein.

Andere Tumormarker wiederum sind nicht nur bei Krebs, sondern auch in bestimmten Lebensphasen (Alter, Schwangerschaft) oder bei Nikotinkonsum erhöht. Nicht zuletzt können sich die Werte für Tumormarker durchaus im Normbereich befinden, auch wenn ein Patient an Krebs erkrankt ist.

Nur wenige Tumormarker sind organspezifisch

Aus einem weiteren Grund sind die Werte kaum zur Früherkennung geeignet: Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Tumormarker nicht organspezifisch. Das heißt, sie können bei verschiedenen Krebsarten an unterschiedlichen Stellen im Körper vorkommen.

So wird das Immunglobulin CEA (Carcinoembryonales Antigen) zum Beispiel bei Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Brustkrebs und Lungenkrebs gebildet. Zur genauen Bestimmung, wo genau im Körper sich ein bösartiger Tumor entwickelt, ist CEA (wie viele andere Tumormarker auch) demzufolge nicht geeignet.

Außerdem können die CEA-Blutwerte bei verschiedenen Erkrankungen unter anderem an Leber (vor allem Leberzirrhose), Bauchspeicheldrüse, Magen und Lunge ansteigen, ebenfalls haben Raucher erhöhte Werte.

Nur wenige Tumormarker weisen auf Krebs an einem bestimmten Organ hin. Dazu gehören

  • das Prostatastimulierende Antigen (PSA) bei Prostatakarzinom,
  • AFP (Alpha-1-Fetoprotein), welches bei Erwachsenen in Tumorzellen der Leber gebildet wird und
  • Calcitonin, das bei familiär bedingtem Schilddrüsenkrebs auftritt

Tumormarker: Behandlung und Verlaufskontrolle bei Krebs

Für die Früherkennung sind Tumormarker also wegen ihrer zu geringen Sensitivität und Spezifität wenig geeignet. Trotzdem haben sie große medizinische Bedeutung bei der Behandlung der verschiedenen Karzinome.

Ihre Bestimmung ist vor allem dann hilfreich, wenn es um die differenzierte Diagnose von bösartigen Tumoren und die Auswahl der passenden Behandlungsoptionen geht. Denn die Konzentration der Tumormarker gibt Auskunft über die Aggressivität der Erkrankung. Nach Chemotherapie oder Bestrahlung werden die Werte bestimmt, um abzuschätzen, ob die Behandlung anschlägt. Sinkt der Markerwert nach einer Behandlung schnell, so ist die gewählte Therapie erfolgreich. Bleiben die Werte hoch, so wird der Arzt einen Therapiewechsel in Betracht ziehen.

Nach Operationen kann mithilfe der Marker festgestellt werden, ob der Tumor vollständig entfernt wurde. Ein Beispiel dafür ist die Bestimmung des Thyreoglobulin-Werts nach der operativen Entfernung eines Schilddrüsenkarzinoms. Wird kein TG mehr im Blut nachgewiesen, ist davon auszugehen, dass der Tumor vollständig entfernt wurde.

Auch Aussagen zum Verlauf einer Krebserkrankung können anhand der Tumormarker gestellt werden: Sind die Werte hoch beziehungsweise ist zwischen zwei Proben mit einem zeitlichen Abstand ein schneller Anstieg der Werte zu beobachten, dann muss der Arzt  von einer eher ungünstigen Prognose für den Patienten ausgehen. Nicht zuletzt werden Tumormarker bestimmt, um frühzeitig mögliche Rückfälle bei Krebspatienten zu erkennen und bei Bedarf eine erneute Therapie einzuleiten.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

 

Wann lässt der Arzt Tumormarker bestimmen?

Entsprechend ihrer Bedeutung als Kontrollwert bei der Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen werden Tumormarker zu unterschiedlichen Zeitpunkten bestimmt und kontrolliert. Einige Beispiele:

  • Screening von Risikopatienten (beispielsweise AFP bei Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose)
  • Erstdiagnose (Prostatakarzinom, Schilddrüsenkarzinom)
  • Differenzialdiagnose von Tumoren zur Ermittlung der Krebsart und Erkennung von Metastasen (etwa CEA bei Tumoren der Leber; CEA, CYFRA bei verschiedenen Lungenkrebs-Formen)
  • vor Therapiebeginn, bei Therapiewechsel
  • zur Therapiekontrolle: zwei bis 14 Tage nach der Behandlung sowie bei Kontrolluntersuchungen: anfangs alle drei Monate, später halbjährlich
  • bei Verdacht auf Rückfälle und Metastasen

Sehr oft wird bei der Diagnose und Verlaufskontrolle nicht nur ein Marker allein, sondern meist eine Kombination aus mehreren Tumorwerten ermittelt.

Prostatakrebs-Vorsorge mit PSA-Test umstritten

Der PSA-Test, der zur Früherkennung von Prostatakrebs für Männer ab dem 50. Lebensjahr angeboten wird, ist als Mittel zur Vorsorge umstritten. Wird das Antigen im Blut nachgewiesen, kann das ein Hinweis auf Prostatakrebs sein.

Der PSA-Wert allein reicht jedoch nicht aus, um mit Sicherheit einen bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse nachzuweisen. Falsch-positive Werte werden bei einer Reihe weiterer gutartiger Erkrankungen gemessen. Deshalb sind bei einem positiven Ergebnis weitere Tests und Gewebeproben nötig.

Tabelle: Die wichtigsten Tumormarker auf einen Blick

Nachfolgende Tabelle zeigt die häufigsten und wichtigsten Krebsmarker, die bei Verdacht auf bestimmte Tumoren und zu deren Behandlung und Verlaufskontrolle bestimmt werden, welche Normalwerte sie haben und welche Besonderheiten beachtet werden sollten.

Tumormarker mit Abkürzung Krebsart Normalwert bei Gesunden Besonderheit
CEA (carcino-embryonales Antigen)

Darmkrebs

Magenkrebs

Lungenkrebs

Brustkrebs

< 4,6 ng/ml (Mikrogramm pro Milliliter)

relativ unspezifischer Wert, der bei Diagnose und Verlaufskontrolle oft in Kombination bestimmt wird

kann auch bei Entzündungen und Leberzirrhose ansteigen

Raucher haben erhöhte CEA-Werte (bis 10 ng/ml)

PSA (Prostata-spezifisches Antigen) Prostatakrebs < 4,5 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter)

Wert abhängig vom Alter

erhöhte Werte auch bei gutartigen Prostataerkrankungen

AFP (Alpha-Fetoprotein)

Keimzelltumoren (Hoden, Eierstöcke)

Lebertumoren

Leberzellkarzinom

< 8,5 U/l (Einheiten pro Liter) erhöhte Werte in der Schwangerschaft, bei Neugeborenen sowie bei Lebererkrankungen
CA 15-3 (cancer antigen 15-3)

Brustkrebs (Mammakarzinom)

Eierstockkrebs

Gebärmutter-tumoren

Lungenkrebs

Bauchspeichel-drüsenkrebs

 

< 31 U/ml (Einheiten pro Milliliter) Bestimmung vor allem bei Therapie und Verlaufskontrolle von Brustkrebs
CA 19-9 (cancer antigen 19-9)

Pankreas-Tumoren

Leber-Metastasen

Magentumoren

Dickdarmkrebs

Eierstockkrebs

Gallentumoren

< 37 U/ml

wichtigster Marker bei Diagnose, Therapie und Verlaufskontrolle von Bauchspeichel-drüsenkrebs

erhöht auch bei Hepatitis, Mukoviszidose und Entzündung der Bauchspeicheldrüse sowie bei Rauchern

CA 125 (cancer antigen 125) Eierstockkrebs (Ovarialkarzinome) < 33 U/ml erhöht auch in der Schwangerschaft, bei Autoimmun-erkrankungen, Entzündungen von Leber und Bauchspeicheldrüse sowie Leberzirrhose
CYFRA 21-1 (Cytokeratin-fragment 21-1)

nichtkleinzelliger Lungenkrebs, Tumoren an Kopf und Hals, vor allem Plattenepithel-karzinome

Tumoren der Gebärmutter und Blase

< 3,0 ng/ml erhöhte Werte bei Magen-Darm-Erkrankungen, Lungenentzündung, gynäkologischen Erkrankungen
HCG (Humanes Choriongona-dotropin) Keimzelltumoren (Eierstöcke, Hoden)

 

unter 45 Jahre: Frauen: < 3 U/l

Männer < 2 U/l

über 45 Jahre:

< 7 U/l

erhöhte Werte in der Schwangerschaft

 

SCC (squamous cell carcinoma antigen)

zeigt vor allem Plattenzellkarzinome an bei:

  • Gebärmutter-halskrebs
  • Lungenkrebs
  • Analkanal-Karzinom
  • Speise-röhrenkrebs

 

 

< 5 µg/l

 

erhöhte Werte auch bei Lungenerkrankungen, Nierenschwäche, Psoriasis
NSE

Marker vor allem für kleinzelliges Bronchialkarzinom

außerdem bei Schilddrüsen-tumoren, Brustkrebs, Nierentumoren

< 12,5 µg/l bei gutartigen Erkrankungen der Lunge, Bronchien sowie bei Lebererkrankungen ist der Wert ebenfalls erhöht
TPA (tissue polypeptid antigen) Tumore der Lunge, des Darms, Analkanals, der Harnblase und Gebärmutter-schleimhaut < 95 U/l

relativ unspezifischer Marker, dient vor allem zur Kontrolle nach Operation, hohe Werte sind ein Zeichen für ungünstige Prognose

erhöhte Werte auch bei Entzündungen in den genannten Organsystemen, zudem bei Diabetes, Dialyse

Thyreo-globulin bestimmte Formen von Schilddrüsenkrebs <50 ng/ml erhöht bei Schilddrüsen-erkrankungen wie Morbus Basedow

 

Die Normwerte für Krebsmarker können je nach Labor und Bestimmungsmethode abweichen. Bei der Therapie- und Verlaufskontrolle von Krebserkrankungen sollten die Werte für Tumormarker daher immer mit der gleichen Labordiagnostik ermittelt werden. Neben den Krebsmarkern stehen dem behandelnden Arzt weitere Blutwerte zur Verfügung, die Hinweise auf bösartige Tumoren liefern können.

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten
Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Meistgeklickt zum Thema
Leukozyten
Laborwerte A - Z

Die weißen Blutkörperchen sind die Gesundheitspolizei im Körper mehr...

Glomeruläre Filtrationsrate (GFR)
Laborwerte A - Z

Die glomeruläre Filtrationsrate, kurz GFR, ist ein wichtiger Wert zur Einschätzung, wie gut die Nieren arbeiten mehr...

Cholesterinwerte: Das sagen LDL-HDL-Quotient, Gesamtcholesterin und Triglyzeride aus!
Laborwerte A - Z

Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose: Der Laborwert Cholesterin gibt über vieles Auskunft mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

  • Drehen Sie das Glücksrad!Drehen Sie das Glücksrad!

    Vielleicht ist das Glück heute auf Ihrer Seite. Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen haben Sie die Chance auf hochwertige Preise. mehr...

Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Laborbefund verstehen
  • Laborbefund verstehenAlbumin bis Thrombozyten

    Verstehen Sie die Abkürzungen und Fachausdrücke Ihrer Laborergebnisse nicht? Einen roten Faden durchs Fachchinesisch bietet unser Lexikon. mehr...

Ausführliche Informationen zu ...
  • DiagnoseDiagnose

    Wir erklären Ihnen medizinische Untersuchungen einfach und verständlich. Damit Sie Bescheid wissen, was der Doktor mit Ihnen vorhat. mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang