Therapie in Schwangerschaft und Stillzeit

Schwanger mit Rheuma: Was ist zu beachten?

Bei rechtzeitiger Planung ist eine ausreichenden Behandlung der Mutter in Verbindung mit dem Schutz des werdenden Lebens jedoch meistens möglich.

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Bei Rheuma sollte eine Schwangerschaft gut geplant werden, bestimmte Medikamente müssen abgesetzt werden.
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Dank der Fortschritte in der medikamentösen Therapie können Patientinnen mit rheumatoider Arthritis heute ebenso häufig Mutter werden wie gesunde Frauen. Viele der betroffenen Patientinnen haben verständlicherweise dennoch Bedenken: Welche Gefahr besteht für das Kind und welchen Einfluss wird die Schwangerschaft auf die Erkrankung haben?

Die Erkrankung beeinflusst die Fruchtbarkeit der Frauen nicht wesentlich. Es dauert allerdings länger, bis sie schwanger werden. So ergab eine Studie, dass Frauen mit Rheumatoider Arthritis in 42 Prozent der Fälle ein Jahr und länger ungeschützten Verkehr ausüben mussten, um schwanger zu werden. Bei gesunden Frauen traf dies nur auf 30 Prozent der Paare zu.

Schwangerschaft bessert Rheuma-Beschwerden

Während der Schwangerschaft kommt es zwar bei einem Großteil der Patientinnen mit einer rheumatoiden Arthritis zu einer Besserung der Symptomatik. Die genauen Mechanismen, die zum Nachlassen der Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft führen, sind noch weitgehend unbekannt. Vermutlich werden jedoch spezielle Immunzellen und entzündliche Faktoren herunterreguliert, die bei der rheumatoiden Arthritis eine wichtige Rolle spielen. Auch die Veränderungen der Geschlechtshormone und Kortikosteroide könnten von Bedeutung sein.

Andere entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew, systemischer Lupus erythematodes) bleiben aber eher aktiv oder verschlechtern sich sogar. Daher können nicht alle Frauen völlig auf ihre Medikamente verzichten, wenn sie schwanger werden.

Rheuma-Medikamente und Schwangerschaft

Manche Medikamente, die bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden, können bei Frauen und Männern die Fruchtbarkeit vorübergehend oder dauerhaft einschränken.

Allerdings kann bei weitem nicht jede Schwangere mit einer rheumatischen Erkrankung vollständig auf ihre Medikamente verzichten. Bei rechtzeitiger Planung ist eine ausreichenden Behandlung der Mutter in Verbindung mit dem Schutz des werdenden Lebens jedoch meistens möglich. Bei Kinderwunsch empfiehlt es sich deshalb rechtzeitig Rücksprache mit den behandelnden Ärzten zu halten.

Wann Medikamente absetzen?

Eine Schwangerschaft bei Frauen mit Rheuma sollte generell möglichst in einer stabilen Phase ohne Beschwerden stattfinden. Da es hinsichtlich der schmerzlindernden, so genannten selektiven Cox-2-Hemmer (Coxibe) bislang zu wenig Daten gibt, sollten diese vor einer Schwangerschaft abgesetzt werden.

Klassische NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen können hingegen bis zur 32. Schwangerschaftswoche weiter eingenommen werden. Eine Behandlung von Gelenkentzündungen und -schmerzen mittels oraler oder intraartikulärer Kortisongabe ist hingegen - mit gewissen Einschränkungen hinsichtlich der Dosishöhe - während des gesamten Schwangerschaftszeitraumes möglich.

Die Basistherapeutika Sulfasalazin, Antimalaria-Mittel, Cyclosporin und Azathioprin können während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden - bei Sulfasalazin empfiehl sich die Kombination mit Folsäure. Da das Antirheumatikum Methotrexat hingegen eine schädigende Wirkung auf den Fetus hat und nur langsam abgebaut wird, muss es drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.

Noch länger, nämlich bis zu zwei Jahre verbleibt das Basistherapeutikum Leflunomid im menschlichen Körper. Obwohl die Datenlage hier noch sehr spärlich sei, im Tierversuch aber Missbildungen beobachtet wurden, empfiehlt sich deshalb auch bei dieser Substanz bei Kinderwunsch ein rechtzeitiges Ab- beziehungsweise Umsetzen der Medikation. Durch Anwendung spezieller Auswaschverfahren kann man beim Leflunomid die lange Wartezeit bis zur Realisierung eines Schwangerschaftswunsches allerdings unter Umständen verkürzen.

Hinsichtlich der Substanzgruppe der TNF-alpha-Blocker gab es zwar bislang - etwa 170 dokumentierte Schwangerschaften - kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Missbildungen oder andere Komplikationen beim werdenden Kind. dDennoch ist der Verzicht auf die Substanzen während der Schwangerschaft ratsam, weil die vorliegenden wissenschaftlichen Daten noch unzureichend sind.

Zeugungsfähigkeit und Spermientätigkeit beeinträchtigt

Auch für Männer gilt: Im Falle eines Kinderwunsches rechtzeitig das Gespräch mit den behandelnden Ärzten suchen! So kann beispielsweise die Behandlung mit bestimmten Antirheumatika in seltenen Fällen mit einer Beeinträchtigungen der Spermienproduktion verbunden sein. Nach dem Absetzen der Therapie ist hier jedoch mit einer Rückbildung zu rechnen. Bei anderen Wirkstoffen besteht in Abhängigkeit von der Dosis  die Gefahr einer irreversiblen Schädigung. Männern, die ihre Fruchtbarkeit erhalten wollen, können ihr Sperma mit einer speziellen Technik einfrieren und lagern lassen (Kryopreservation).

Risiken während der Schwangerschaft

Die Entwicklung des Kindes im Mutterleib bei Rheumatikerinnen verläuft ungestört, das Risiko kindlicher Missbildungen ist nicht erhöht, auch beim Geburtsgewicht gibt es kaum Unterschiede zu gesunden Müttern.

Bei Schwangerschaften von Rheumatikerinnen kommt es jedoch häufiger zu Gestosen (Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft), Frühgeburten und Schnittentbindungen. Um drohende Komplikationen bei Mutter und Kind rechtzeitig abwehren zu können, ist deshalb immer auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Geburtshelfern notwendig.

Medikamente während der Stillzeit

Während der Stillzeit können Sulfasalazin und Anti-Malariamittel ohne Bedenken eingenommen werden. Auch eine Behandlung mit Prednison ist beim Stillen möglich. Von anderen Antirheumatika hingegen, wie TNF-alpha-Blockern, Methotrexat, Leflunomid und Cyclosporin, wird abgeraten. Diese sind entweder nicht ausreichend untersucht oder gehen in die Muttermilch über – ihre Wirkung auf das Kind ist entweder schädlich oder noch nicht erforscht.

Generell lautet die Strategie zur Behandlung von rheumakranken Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit: So wenig Medikamente wie möglich, aber so viele wie nötig. Zudem wird empfohlen, während der Stillzeit die Medikamente unmittelbar vor oder nach dem Stillen einzunehmen.

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Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2016
Quellen: Nach Informationen der Zeitschrift für Rheumatologie, 2006.

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