Augenerkrankungen

Grüner Star (Glaukom) - Ursachen

Das Tückische: Meist verläuft der Grüne Star zunächst symptomlos. Bleibt die fortschreitende Schädigung des Sehnervs unerkannt droht die Erblindung. Deshalb gilt die Empfehlung: Ab 40 regelmäßig zum Augenarzt!

Im Augeninneren bildet sich ständig eine farblose Flüssigkeit. Sie wird durch ein schwammähnliches Gewebe, das Trabekel-System, aus dem Auge in die Blutgefäße abgeleitet. Der Augeninnendruck steigt, wenn dieser Abfluss verstopft ist.

Ein erhöhter Augendruck kann die Durchblutung des Sehnervenkopfes behindern. Wenn das Blut über die Gefäße in den Augapfel fließt, muss es gegen den Augendruck in das Auge hineingepumpt werden. Bei erhöhtem Augendruck nimmt also der Blutfluss ab und es kann zu einer schlechten Versorgung des Sehnervenkopfes kommen. Dies führt wiederum zu einem Absterben der Nervenfasern, die für die Weiterleitung der Lichtwahrnehmung von der Netzhaut zum Gehirn zuständig sind. Weil sich Nervenzellen nach der Geburt nicht wieder ersetzen können, ist der Verlust von Nervenfasern unwiederbringlich.

Wenn viele Nervenfasern abgestorben sind, kann der Augenarzt das an der Papille erkennen: Die normale Vertiefung in der Mitte der Papille (Excavation, lateinisch für Aushöhlung) wird größer. Bei fortgeschrittenem Glaukom, wenn nur noch wenige Nervenfasern übrig sind, kann die Excavation fast die ganze Fläche der Papille einnehmen.

Aus dem oben Beschriebenen kann man sich die Ursachen für die verschiedenen Glaukomformen ableiten.

Primäres Offenwinkelglaukom

Das Primäre Offenwinkelglaukom ist die häufigste und gefährlichste Glaukomform. Es ist deshalb so gefährlich, weil es dem Patienten sehr lange keine Beschwerden bereitet. Der Augendruck ist meist nur leicht erhöht und verursacht praktisch nie Schmerzen. Dafür besteht die Druckerhöhung aber über Jahre. Eventuell erhöht sich der Druck auch nur zu bestimmten Tageszeiten oder nachts. Das ist besonders tückisch, wenn der Augenarzt immer gerade zu anderen Tageszeiten den Augendruck misst. Deshalb können bei Glaukomverdacht und normalen Druckwerten Messungen an verschiedenen Tageszeiten (Tagesdruckprofil) oder sogar nachts sinnvoll sein.

Entzündungen

Entzündungen können durch Verklebungen des Kammerwinkels ein Abflusshindernis verursachen. Außerdem können Entzündungszellen das Trabekelwerk verstopfen. Ein solches Glaukom, das als Folge andere Augenerkrankungen auftritt, wird als Sekundärglaukom bezeichnet.

Seltenere Glaukomformen

Angeborenes Glaukom

Beim angeborenen Glaukom ist das Trabekelwerk oder der Schlemm´sche Kanal missgebildet - das Kammerwasser kann nicht richtig abfließen. Weil beim Kind die Augenhüllen noch dehnbar sind, wird das Auge groß (Kuhauge). Deshalb sollen Säuglinge und Kleinkinder mit besonders grossen Augen ("schöne große Augen!") auf jeden Fall von einem Augenarzt untersucht werden.

Steroidglaukom

Steroide (Kortison) können bei prädisponierten Personen (Steroidresponder) eine Erhöhung des Augendrucks bewirken. Dennoch sind Kortison-Augentropfen zum Beispiel bei entzündlichen Glaukomen sinnvoll und können dort den Augendruck senken! Dies zeigt, wie differenziert man die unterschiedlichen Glaukomformen diagnostizieren und behandeln muss! Auch deshalb ist eine Selbstbehandlung gerade beim Glaukom sehr gefährlich.

Pigmentdispersionsglaukom

Beim Pigmentdispersionsglaukom wird Pigmentstaub der Iris (Regenbogenhaut) freigesetzt. Man nennt diese Freisetzung des Farbstoffs der Regenbogenhaut auch Dispersion. Der Pigmentstaub wiederum verstopft das Trabekelwerk. Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist unbekannt, doch man weiß, dass diese Erkrankung häufiger bei kurzsichtigen (myopen) Patienten vorkommt.

Pseudoexfoliationsglaukom

Der Begriff setzt sich zusammen aus "pseudo" für "Schein-" und "Exfoliation" für "Abblättern, Entfernen abgestorbenen Gewebes". Auch beim Pseudoexfoliationsglaukom wird das Trabekelwerk durch Eiweißstoffe (Proteine) verstopft, die sich an Linse und Iris niederschlagen. Die Herkunft der Proteine ist nicht geklärt. Man vermutet, dass beim Pseudoexfoliationsglaukom keine reine Augenerkrankung vorliegt, sondern auch andere Organe betroffen sind (zum Beispiel Haut, Herz, Lunge, Nieren).

Neovasklarisationsglaukom (Glaukom bei Diabetes und nach Gefässverschlüssen)

Der Begriff setzt sich zusammen aus "neo" für "neu" und "Vaskularisation" für "Gefäßbildung". Vor allem bei Diabetikern können sich in der Netzhaut neue Blutgefäße bilden, die den Kammerwinkel verlegen. Solche Gefäße können sich auch nach Verschlüssen von Netzhautvenen bilden. Wenn sich solche Gefäße ausbilden, dann ist das Auge immer hochgradig gefährdet, da sich meist ein nur sehr schwer behandelbarer Druckanstieg ausbildet. Deshalb werden Patienten mit Diabetes oder Netzhaut-Venenverschlüssen vorsorglich mit dem Laser behandelt. Wann eine solche Laserbehandlung nötig wird, erkennt der Augenarzt. Wenn es bereits zur Ausbildung solcher Gefäße gekommen ist, wird der Ziliarkörper vereist oder mit dem Laser teilweise zerstört. Da der Ziliarkörper ja das Kammerwasser bildet, kann damit der Augendruck vermindert werden.

Engwinkelglaukom

Beim Engwinkelglaukom besteht ein enger Kammerwinkel. Dies ist häufiger bei kurzen Augen von weitsichtigen Patienten der Fall. Ein enger Kammerwinkel kann sich bei weiter Pupille völlig verschließen und dann einen schmerzhaften Glaukomanfall mit sehr hohen Druckwerten verursachen. Dabei wird die Hornhaut trüb, der Patient sieht Farbringe um Lichtquellen (zum Beispiel eine Art Heiligenschein um eine Straßenlaterne) herum und sieht schlecht, das heißt verschwommen.

Ein solcher Glaukomanfall kann innerhalb kurzer Zeit (Stunden bis wenige Tage) zu einer Erblindung führen.

Glücklicherweise ist ein Glaukomanfall eher eine Ausnahme und kommt nur selten vor.

Normaldruckglaukom

Beim Normaldruckglaukom ist der Augendruck erstaunlicherweise im Normbereich. Wie kann es dann zu einer Nervenfaserschädigung kommen? Man geht heute davon aus, dass manche Menschen anlagebedingt eine schlechtere Durchblutung des Sehnerven haben. Für diese Menschen ist der normale Augendruck bereits zu hoch. Häufig haben Patienten mit einem Normaldruckglaukom einen niedrigen Blutdruck. Dadurch ist schon der normale Augendruck zu hoch, um ausreichend Blut in den Augapfel zu pumpen.

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