"Sandkorngefühl" im Auge

Sicca-Syndrom: Was tun gegen trockene Augen?

Qualitätssiegel Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft

Ein Beschwerdebild, mit dem man im Alltag oft konfrontiert wird, sind zu trockene Augen, das sogenannte Sicca-Syndrom. Vor allem Frauen zwischen 50 und 70 klagen über die lästigen Begleitsymptome wie Fremdkörper- und Druckgefühle, brennende Schmerzen, rot-geschwollene Lider und reichlich Tränenfluss.

Frau im Büro reibt sich trockene Augen
Trockene Augen entstehen, wenn nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird.
© iStock.com/fizkes

Etwa jeder dritte Patient einer augenärztlichen Praxis leidet unter trockenen Augen (Sicca-Syndrom, Keratokonjunktivitis sicca oder Dry-Eye-Syndrom). Man geht davon aus, dass in Deutschland rund zehn Millionen Menschen vom verschieden stark ausgeprägten Sicca-Syndrom betroffen sind, darunter mehr Frauen als Männer, was vor allem auf die hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren zurückgeführt wird.

Artikelinhalte im Überblick:

Trockene Augen: Die besten Hausmittel

Die häufigsten Beschwerden bei trockenen Augen

Trockene Augen entstehen, wenn nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird oder ihre Zusammensetzung gestört ist. Dies führt dazu, dass der Tränenfilm auf der Augenoberfläche zu früh (das heißt vor dem nächsten Lidschlag) aufreißt, es entstehen trockene Stellen.

Als Folge davon können die Augenlider beim Lidschlag nicht mehr problemlos über die Augen gleiten. Sie kratzen über die Augenoberfläche, was nicht nur zu unangenehmen Empfindungen führt, sondern auch Entzündungen und Infektionen begünstigen und zu Schäden an der Hornhaut führen kann.

Folgende Symptome sind die häufigsten Anzeichen für das Sicca-Syndrom:

  • Juckreiz
  • Augenbrennen
  • Augenschmerzen, -drücken
  • Fremdkörpergefühl ("Sandkorngefühl")
  • Lidschlag wird als unangenehm empfunden
  • gerötete Bindehaut
  • verklebte Augenlider nach dem Aufwachen
  • übermäßiges Tränen der Augen
  • müde Augen
  • Lichtempfindlichkeit

In vielen Fällen werden die Beschwerden jedoch von den Betroffenen als nicht behandlungsbedürftig angesehen und es erfolgt keine oder nur eine unzureichende Therapie. Doch das trockene Auge ist keine harmlose Befindlichkeitsstörung, es ist die häufigste Ursache für eine Hornhaut-Perforation und kann zur Beeinträchtigung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen.

Ursachen für trockene Augen

Zu seinem Schutz überzieht das Auge ein dünner Tränenfilm. Kontinuierliche Lidschläge sorgen dafür, dass die in verschiedenen Drüsen des Auges produzierte Tränenflüssigkeit gleichmäßig über das Auge verteilt und der Schutzfilm nicht reißt. Eine mangelnde Befeuchtung führt zu trockenen Augen.

Oft lassen sich keine eindeutigen Auslöser finden. Meist sind für das Sicca-Syndrom innere und äußere Ursachen verantwortlich.

Äußere Faktoren bei trockenen Augen:

  • langer Aufenthalt in Räumen mit Klimaanlage
  • Zugluft oder überheizte Räume (geringe Luftfeuchtigkeit)
  • Klimaanlage im Auto
  • Ozon (auch aus Kopiergeräten, Druckern)
  • Zigarettenrauch
  • lang andauernde und konzentrierte Bildschirmarbeit, weil durch die zu geringe Lidschlag-Frequenz (Zwinkern) der Tränenfilm stärker verdunstet
  • unzureichende Beleuchtung des Arbeitsplatzes
  • Unverträglichkeit von Kontaktlinsen
  • unzureichende Brille
  • Konservierungsmittel (etwa Benzalkoniumchlorid) in Augentropfen, die gegen andere Augenerkrankungen angewendet werden (zum Beispiel gegen Glaukom)
  • Medikamente: Anti-Baby-Pille, Mittel gegen Bluthochdruck (Betablocker), Antihistaminika, Augentropfen gegen gerötete Augen, Beruhigungsmittel, Antidepressiva, harntreibende Mittel

Innere Faktoren bei trockenen Augen:

  • altersbedingte Veränderungen der Schleimhäute
  • hormonell bedingte Veränderungen der Tränenflüssigkeit in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • Erkrankungen der Tränendrüsen (etwa Entzündungen)
  • Verengungen (Stenosen) in den abführenden Tränenwegen
  • unzureichender Schlaf
  • Vitamin-A-Mangel
  • bestimmte Erkrankungen, die mit einer verminderten Produktion von Tränenflüssigkeit einhergehen (Parkinson-Krankheit, Rheuma, Neurodermitis, Diabetes, Erkrankungen der Schilddrüse)
  • Sjörgen-Syndrom (Erkrankung des Immunsystems, die zusätzlich mit Mundtrockenheit verbunden ist)
  • Fehlstellungen der Augenlider

Diagnose des Sicca-Syndroms beim Augenarzt

Der Augenarzt kann feststellen, ob die Beschwerden tatsächlich von einer Benetzungsstörung der Augenoberfläche herrühren oder ob ein anderer Grund für die trockenen Augen besteht. Spannungsgefühl und Rötung können beispielsweise auch von einer Bindehautentzündung hervorgerufen werden.

Dazu sieht sich der Arzt nicht nur die Oberfläche des Auges an. Auch die Falten an der Lidkante zeigen, ob es sich um trockene Augen handelt. Die Höhe des Tränenfilms an der unteren Lidkante spielt ebenfalls eine Rolle. Die Zusammensetzung des Tränenfilms untersucht der Augenarzt mit einer speziellen Spaltlampe.

Schirmer-Test bei trockenen Augen

Mit dem Schirmer-Test kann der Arzt die Produktion der Tränenflüssigkeit überprüfen. Dazu führt er vorsichtig einen kleinen Papierstreifen aus speziell saugfähigem Material in den unteren Bindehautsack. Je nach Befeuchtung des Untersuchungsmaterials erkennt der Arzt, ob es sich tatsächlich um trockene Augen handelt.

Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt (ein- bis zweimal jährlich) sind zu empfehlen.

Was tun bei trockenen Augen? Diese Tipps helfen!

Augentropfen und Gele: Was hilft bei trockenen Augen?

Die häufigste Behandlungsmethode beim Sicca-Syndrom ist die Anwendung von Augentropfen, -sprays, -gelen oder -salben. Dadurch wird bei trockenen Augen entweder die unzureichende Tränenflüssigkeit ersetzt ("künstliche Tränen") oder die Konsistenz des Tränenfilms verbessert. Die Zubereitungen werden bei Bedarf mehrmals täglich in den Bindehautsack getropft. Das Ziel der Therapie ist eine bessere Benetzung der Augenoberfläche und dadurch eine Linderung der Symptome.

Meist sind die Präparate zur Behandlung des Sicca-Syndroms von dickflüssiger Konsistenz, damit sie möglichst lange auf der Augenoberfläche verbleiben. Der Nachteil ist, dass das Sehvermögen kurz nach der Anwendung manchmal eingeschränkt sein kann (verschwommenes Sehen).

Spezielle Augentropfen bei trockenen Augen verwenden

Besonders empfehlenswert sind bei trockenen Augen konservierungsmittelfreie Zubereitungen. Denn Konservierungsmittel wie das häufig verwendete Benzalkoniumchlorid können die Hornhaut des Auges schädigen und die Zusammensetzung des Tränenfilms negativ beeinflussen.

Bei sehr starkem Mangel an Tränenflüssigkeit kann vom Arzt eine Verödung der Tränenpünktchen (das sind die Abflussstellen der Tränenflüssigkeit) oder ein Verschluss derselben mithilfe kleiner Silikonplomben (punctum plugs) in Erwägung gezogen werden.

Was sonst noch beim Sicca-Syndrom hilft

Oft lässt sich bereits mit einfachen Schutzmaßnahmen viel zum Erhalt der eigenen Augengesundheit beitragen. Betroffene des Sicca-Syndroms sollten zum Beispiel Zugluft und verrauchte Räume meiden. Zum Schutz vor Wind empfiehlt sich das Tragen einer Sonnen- oder Fahrradbrille.

Auch ein feuchtes Raumklima und reichlich über den Tag verteilt getrunkene Flüssigkeit (mindestens 1,5 Liter) lindern die Symptome bei trockenen Augen. Sorgen Sie bei längerer Bildschirmarbeit für ausreichende Pausen. Bei akut auftretenden Beschwerden können kühle Kompressen aufgelegt werden.

Trockenen Augen vorbeugen: die besten Tipps

Die heutigen Lebens- und Arbeitsbedingungen begünstigen das Entstehen von trockenen Augen.

Mit folgenden Maßnahmen kann trockenen Augen vorgebeugt werden:

  • überheizte und verrauchte Räume meiden

  • Augen vor Zugluft schützen

  • möglichst kein längerer Aufenthalt in Räumen mit Klimaanlage

  • Brille statt Kontaktlinsen tragen

  • ausreichend Schlaf zur Regeneration des Auges

  • Kosmetika im Augenbereich sparsam einsetzen

  • regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Augenarzt

Bei länger andauernder Bildschirmarbeit verhindert man das Sicca-Syndrom durch folgendes Vorgehen:

  • ausreichende Beleuchtung am Arbeitsplatz

  • jede Stunde eine Pause von fünf Minuten einlegen

  • häufig zwinkern (durch den Lidschlag wird der Tränenfilm erneuert)

  • auf richtigen Abstand zwischen Auge und Bildschirm (50 bis 80 Zentimeter) achten

  • Bildschirm muss blendfrei aufgestellt sein (im rechten Winkel zum Fenster)

Meistgeklickt zum Thema
Was tun bei trockenen Augen? Diese Tipps helfen!
Trockene Augen

Trockene Augen entstehen oft durch äußere Einflüsse, die man leicht umgehen kann mehr...

Aktuelle Artikel zum Thema
Was hilft?

Fremdkörpergefühl, Juckreiz und Augenbrennen – trockene Augen sind äußerst unangenehm. Was sind die Ursachen und welche Behandlung hilft? mehr...

Wie gut ist Ihr Medizinwissen?
Was meinen Sie: Wie viele Photorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) sitzen in einer gesunden Makula?
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2021/02: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.