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Lifeline fragt nach

Hepatitisinfektionen

Wo lauern die Gefahren einer Hepatitisinfektion? Wer ist besonders gefährdet? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Diese und weitere Fragen beantwortet Ihnen Dr. Patrick Ingiliz, Arzt für Infektionskrankheiten am Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum.


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1. Was ist Hepatitis und welche Unterschiede bestehen bei den einzelnen Hepatitisvarianten?

Dr. Patrick Ingiliz

Hepatitis bedeutet erst mal nur Entzündung der Leber. Diese kann aus vielerlei Gründen auftreten. In der Öffentlichkeit ist meistens die Virushepatitis gemeint. Der wichtigste Unterschied zwischen den einzelnen Virushepatitis-Varianten liegt in der Möglichkeit der Chronifizierung, also dem Risiko, dass sich eine dauerhafte Erkrankung entwickelt.

Die Hepatitis A z.B. wird nie chronisch, aber auch sie kann zunächst recht krank machen. In der Regel ist aber nach wenigen Wochen alles wieder vorbei. Die Hepatitis A wird in Europa oft Reisehepatitis genannt, weil Menschen sie durch den Genuss von verunreinigten Nahrungsmitteln während Reiseaufenthalten in Ländern mitbringen, in denen die Erkrankung häufiger vorkommt. Prinzipiell ist eine Ansteckung aber auch in Deutschland möglich. Auch eine weitere Variante der Virushepatitis, die Hepatitis E, verläuft in der Regel nicht chronisch, wobei hier schwere Verläufe bei Schwangeren beschrieben sind und zumindest manche Menschen mit geschwächtem Immunsystem wohl eine chronische Hepatitis E bekommen können.

Hepatitis B, C und D sind die Formen, die chronisch werden können. Weltweit leiden die meisten Menschen unter einer chronischen Hepatitis B. Das Problem der Chronifizierung ist, dass hier die Gefahr besteht, eine Leberzirrhose mit all ihren Komplikationen zu entwickeln.

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Wo lauern die Gefahren und wie kommt es zu einer Ansteckung mit Hepatitis?

Dr. Patrick Ingiliz

Wie bereits erwähnt, die größte Gefahr einer Hepatitisinfektion liegt in der Chronifizierung. Denn unbemerkt, und demnach unbehandelt, droht dann eine Vernarbung des Lebergewebes, was Fachleute Leberzirrhose nennen. Die Leberzirrhose kann dazu führen, dass die Leber ihre Funktion einstellt und lebenswichtige Funktionen nicht mehr aufrechterhält. Außerdem steigt das Risiko für Leberkrebs um ein Vielfaches.

Eine weitere Gefahr liegt darin, dass eine akute Hepatitis, also das Krankheitsstadium unmittelbar nach Ansteckung, in seltenen Fällen so schwer verlaufen kann, dass es zum Leberversagen kommt. Das gilt, wenn auch sehr selten, in erster Linie für die Hepatitis B.

Zu einer Ansteckung mit Hepatitis A und E kommt es über den fäkal-oralen Infektionsweg, also in erster Linie über verunreinigte Lebensmittel. Auch eine Ansteckung über Sexualkontakte ist möglich.

Die Hepatitis B wird weltweit gesehen am häufigsten von der Mutter auf ihr Kind übertragen, sei es während des Geburtsvorganges oder in der Zeit danach. Auch Kind-zu-Kind-Übertragungen sind häufig. Im höheren Lebensalter spielt der sexuelle Übertragungsweg die größte Rolle.

Die Hepatitis C wird in der Regel über den Blutweg übertragen. Die wichtigste Rolle spielen hier Bluttransfusionen, verunreinigte Instrumente in Krankenhäusern, Nadeltausch bei Spritzdrogengebrauchenden, unsauberes Besteck in Tattoo-Studios. Aber auch sexuelle Übertragungswege sind möglich und haben sich in den letzten Jahren sehr gehäuft. Hier scheint eine Rolle zu spielen, dass Sexualpraktiken gelebt werden, bei denen es auch zu Blutungen kommen kann.

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Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen?

Dr. Patrick Ingiliz

Zu allererst ist hier zu erwähnen, dass es die Möglichkeit gibt, gegen Hepatitis A und B zu impfen. Die Impfung ist allen zu empfehlen, die in Gebiete reisen, in denen diese Erkrankungen häufig vorkommen. Ein vollständiger Schutz für Ungeimpfte besteht nie, auch wenn man die alte Traveller-Regel „cook it, boil it, peel it – or leave it“ („Gare es, koche es, schäle es – oder iss es nicht“) nicht außer Acht lassen sollte.Zum anderen sollte man bei Sexualkontakten mit wechselnden Partnern unbedingt Kondome benutzen – das schützt zudem auch vor anderen Geschlechtskrankheiten und HIV.

Die Möglichkeit der Ansteckung in einem Krankenhaus in Europa ist heutzutage sehr klein geworden. Bei Reisen in manche Länder lohnt es sich, ein paar steril verpackte Spritzen mitzunehmen, falls ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird.

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Welche Symptome treten bei einer Ansteckung auf? Wie erkenne ich eine Infektion?

Dr. Patrick Ingiliz

Das Problem grundsätzlich bei den Hepatitiden ist, dass sie zunächst sehr symptomarm verlaufen können. Typische Lebersymptome sind Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Gelenkschmerzen. Sollte eine Gelbsucht (Gelbfärbung der Augen und der Haut) auftreten und der Urin bräunlich verfärbt sein, besteht kein Zweifel, dass ein Leberproblem vorliegt. Ein Arzt kann dann leicht mit einigen Tests herausfinden, was die Ursache dieser Beschwerden ist.

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Ist eine Hepatitisinfektion heilbar? Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Dr. Patrick Ingiliz

Die akute Hepatitis A und E bedürfen keiner Therapie. In der Regel ist es mit einiger Zeit Bettruhe getan. Ernährungsvorschriften sind heute nicht mehr gang und gäbe. Anzuraten ist, die Leber in dieser Zeit nicht noch zusätzlich mit Alkohol zu belasten und möglichst wenige Medikamente einzunehmen. Auch die akute Hepatitis B muss meist nicht behandelt werden. Anders sieht es bei den chronischen Hepatitiden aus. Es gibt Behandlungsrichtlinien, die festlegen, wann eine Therapie begonnen werden sollte und wann noch damit gewartet werden kann. Außerdem gibt es mittlerweile vielerlei Testverfahren, mit denen überprüft werden kann, wie weit die Leber vorgeschädigt ist. Die chronische Hepatitis B kann mit Medikamenten heutzutage gut kontrolliert werden, manchmal gelingt auch eine gänzliche Heilung. Bei der Hepatitis C ist prinzipiell eine Heilung möglich. Ob dies gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren beim Patienten und auch beim Virus ab. In jedem Falle gehören Patienten mit diesen Erkrankungen in die Hände eines Spezialisten, der sich mit modernen Diagnose- und Therapieverfahren auskennt.

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Herr Dr. Ingiliz, wir danken für das Gespräch.


Quelle: Das Gespräch mit Herrn Dr. Patrick Ingiliz, Arzt für Infektionskrankheiten, führte Mandy Heindke.
Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 25, 2009


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