Vor allem in Südamerika verbreitet

Zika-Virus: Die wichtigsten Fragen zu Symptomen und Schutz

Aktuell breitet sich vor allem in Südamerika ein eher unbekannter, von Mücken übertragener Erreger aus: das Zika-Virus, kurz ZKV. Normalerweise verläuft die Infektion mild oder sogar unbemerkt. Bei Frauen mit Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft allerdings kann eine Ansteckung mit dem Zika-Fieber schwere Schädel-Fehlbildungen beim Baby (Mikrozephalie) zur Folge haben.

aedes aegypti mit zika-virus
Das Zika-Virus wird vor allem durch Mücken der Art Aedes aegypti verbreitet.
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Das von bestimmten Stechmücken übertragene Zika-Virus (ZKV) grassiert derzeit vor allem in Brasilien. Viele Infektionen bleiben unbemerkt. Wer erkrankt, hat in der Regel eher harmlose Symptome. Allerdings steht der Erreger im Verdacht, bei Schwangeren das ungeborene Kind zu schädigen: Die Babys kommen mit einem zu kleinen Kopf auf die Welt und sind geistig beeinträchtigt (Mikrozephalie).

Das Zika-Virus wurde erstmals vor 40 Jahren in Uganda aus einem Affen isoliert und beschrieben. In den Fokus geriet es in jüngerer Vergangenheit durch zahlreiche Infektionen Anfang 2015 in Brasilien sowie Französisch-Polynesien. Vermutlich wurde das Virus während der Fußball-WM 2014 nach Brasilien eingeschleppt.

Trägt das Zika-Virus Schuld an Mikrozephalien?

Hier ist der Erreger auch am stärksten verbreitet: Alleine 2015 hat sich in Brasilien die Zahl der Kinder mit Verdacht auf Mikrozephalie von durchschnittlich jährlich 175 auf 3.530 verzwanzigfacht. Dabei ist der Kopf des Neugeborenen deutlich kleiner als normalerweise, was meist mit einer geistigen Behinderung einhergeht. Gefährdet sind offenbar vor allem die Kinder von Frauen, die sich während des ersten Schwangerschaftsdrittels mit dem Zika-Virus anstecken.

Ob das Zika-Virus jedoch allein für diesen Anstieg der Kopf-Fehlbildungen verantwortlich ist, ist noch nicht völlig geklärt. Es könnten zum Beispiel sogenannte Co-Faktoren zusätzlich zu der Ansteckung nötig sein, damit es zur Ausprägung einer Mikrozephalie kommt. Ein Zusammenhang ist laut Experteneinschätzung aber sehr wahrscheinlich. Studien zum endgültigen Nachweis laufen derzeit in Brasilien, wo Frauen mit fehlgebildeten und gesunden Kindern auf Antikörper gegen Zika-Viren getestet werden.

Missbildungen dieser Art kommen auch bei Neugeborenen in Deutschland vor. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hält es für denkbar, dass auch hier in einigen Fällen eine Zika-Infektion die Ursache sein könnte. Das ließe sich aber nur bei einer Häufung feststellen oder bei einer sogenannten Reiseanamnese, betont der Fachmann. Mikrozephalie kann auch andere Ursachen haben, etwa Röteln oder eine Zytomegalievirus-Infektion während der Schwangerschaft.

Wo ist das Zika-Virus bereits verbreitet?

Daneben sind weitere Länder Süd- und Mittelamerikas betroffen, darunter Kolumbien, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Puerto Rico, Paraguay, Suriname und Venezuela. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte vor einer Ausbreitung des Erregers auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gewarnt. Nur Alaska und Teile Chiles sieht die Behörde außerhalb der Gefahrenzone. Das Virus sei bereits in mehr als 20 Ländern festgestellt worden.

Erstmals wurde auch in Costa Rica eine Zika-Infektion bekannt. Betroffen sei eine 25 Jahre alte Frau, die sich in Kolumbien angesteckt habe, teilt das Gesundheitsministerium des mittelamerikanischen Landes mit. Auch in der Karibik wurden neue Infektionen mit dem Zika-Virus bestätigt. In Asien und Afrika wird das Virus ebenfalls vermutet. Die WHO berät wegen der zügigen Ausbreitung des Zika-Virus aktuell darüber, einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen.

Ist eine Zika-Epidemie in Deutschland denkbar?

Erste Zika-Fälle wurden inzwischen auch in den USA sowie in Europa (zum Beispiel Dänemark) gemeldet. In Deutschland kam es seit 2013 immer wieder zu einzelnen, eingeschleppten Fällen durch Fernreisende. Insgesamt handelt es sich laut dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin um zehn Fälle in den vergangenen zwei Jahren.

Ein genaues Bild eingeschleppter Zika-Fälle in Europa existiert nicht, denn sie sind nicht meldepflichtig. Es gibt laut Schmidt-Chanasit nur wenige Referenzzentren, die die Infektion überhaupt diagnostizieren können: Neben dem Bernhard-Nocht-Institut sind das noch das Pasteur-Institut in Paris und zwei Einrichtungen in Großbritannien und den Niederlanden.

Jetzt steige die Zahl der Fälle täglich, weil sich mehr Patienten untersuchen ließen und die Mediziner genauer hinschauten. So registrierten unter anderem Italien, Großbritannien, die Schweiz und Spanien bereits Infektionen. Dass sich das Zika-Virus in Deutschland durch die vereinzelten, importierten ZKV-Infektionen weiter ausbreiten kann, gilt aufgrund des hier herrschenden Klimas als sehr unwahrscheinlich.

Gerade für anstehende Reisen zum Karneval in Rio oder zu den Olympischen Spielen nach Brasilien bestehen aber auch hierzulande viele Unsicherheiten. Das CRM (Centrum für Reisemedizin) rät schwangeren Frauen, aufgrund der verstärkten Ausbreitung des Zika-Virus auf unnötige Reisen in Risikogebiete zu verzichten.

Ist eine Reise in ein Zika-Gebiet unvermeidbar, sollten sie sich bei einem Reisemediziner zu Vorsorgemaßnahmen beraten lassen. Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts hat für Reisende ein Merkblatt mit den wichtigsten Informationen zum Zika-Virus veröffentlicht.

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Übertragen wird das Virus durch Stechmücken der Art Aedes aegypti (Gelbfiebermücke) und andere Spezies der Aedes-Gattung, welche neben dem Zika-Virus auch die Erreger für Dengue-, Chikungunya- und das West-Nil-Fieber weitergeben können. Da diese Infektionen sehr ähnlich verlaufen können, ist zur genauen Abklärung eine Blutuntersuchung nötig. Allerdings sind die Viren in Blut und Urin nur wenige Tage bis Wochen nachweisbar.

Die Tigermücke, welche auch im Süden Deutschlands heimisch geworden ist, zählt ebenfalls zur Aedes-Gattung, könnte das Virus also auch in sich tragen. Hier erworbene Infektionen sind aber bisher keine bekannt geworden.

Eine direkte Übertragung der Zika-Viren von Mensch zu Mensch, etwa beim Sex, ist ebenfalls möglich.

Kennen Sie schon diese Mücken?

Welche Symptome verraten die ZKV-Infektion?

Schätzungen zufolge verlaufen etwa 75 Prozent aller Zika-Infektionen symptomlos und bleiben daher unbemerkt. Kommt es zu Krankheitszeichen, äußert sich die Ansteckung nach einer Inkubationszeit von grob einer halben bis einer Woche durch

Meist klingen die Beschwerden, die im Allgemeinen als milde charakterisiert werden, nach zwei bis sieben Tagen von alleine wieder ab. Wenn die Infektion hingegen einen schweren Verlauf nimmt, können Lähmungserscheinungen (Guillain-Barré-Syndrom) auftreten.

Wie kann man dem Zika-Fieber vorbeugen?

Grundsätzlich sollten sich Reisende in den betroffenen Regionen sorgfältig vor Mückenstichen schützen, da keine Impfung oder vorbeugende Tabletten gegen das Virus existieren. Um Mücken fern zu halten, empfiehlt es sich,

  • helle, möglichst geschlossene Kleidung zu tragen,
  • in geschlossenen Räumen die Klimaanlage anzuschalten,
  • imprägnierte Moskitonetze aufzuhängen und
  • freie Hautstellen mit Repellents zu schützen, die sich auch gegen tropische Mücken eignen.

Mit einem Mückenbekämpfungs-Programm will Brasilien auch die Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor dem Erreger schützen.

Schutz vor Mückenstichen: Das sollten Sie beachten

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2016
Quellen: Presseinformation der ERV; Informationen des Auswärtigen Amtes; mit dpa-Material

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