Immunschwäche

HIV-Infektion und Aids: Symptome und Therapie

Eine HIV-Infektion wird durch das Humane Immundefizienzvirus ausgelöst, für das die Abkürzung HIV steht. Die Symptome einer Infektion können jenen eines grippalen Infekts ähneln, was die Diagnose der Immunschwäche erschwert. Aids steht für Acquired Immunodeficiency Syndrome, was übersetzt "erworbenes Immunschwäche-Syndrom" bedeutet und Jahre nach der Infektion mit HI-Viren ausbrechen kann. Der Schutz vor Aids ist relativ einfach.

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Eine rote Schleife ist weltweit das Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten. Noch immer ist die daraus entstehende Immunschwäche Aids nicht heilbar.
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Nicht jeder, der vom HI-Virus befallen ist, hat automatisch Aids, jedoch kann eine HIV-Infektion nach mehreren Jahren in die Krankheit Aids übergehen.

Eine HIV-Infektion wird in erster Linie übertragen durch:

  • ungeschützten Geschlechtsverkehr
  • infizierte Blutprodukte
  • getauschtes, verunreinigtes Drogenbesteck

Jemand mit einer HIV-Infektion wird als HIV-positiv bezeichnet. HIV-positive Menschen fühlen sich oftmals gesund – sind weder physisch noch psychisch angeschlagen. Ein Großteil der Infektionen verläuft zunächst komplett symptomfrei. Der Ausbruch der Krankheit Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome) erfolgt erst Jahre nach der HIV-Infektion, ein Umstand, der die Verbreitung von HIV fördert, weil Betroffene oft lange nichts von ihrer Infektion wissen und so beispielsweise weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihren Partnern haben.

Aids – eine Erkrankung des Immunsystems

Das HI-Virus befällt die T-Helferzellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind, und bleibt zunächst über längere Zeit in den Zellen verborgen. Schließlich werden aber immer mehr Zellen zerstört und die Krankheit bricht aus. Die Zahl der T-Zellen im Blut ist dann von 8.000 bis 10.000 Zellen pro Milliliter Blut auf etwa 200 pro Milliliter abgesunken.

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Zwar ist Aids bislang nicht heilbar, doch gelingt es heute durch eine Reihe moderner Medikamente, den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern und die Lebensqualität aidskranker Menschen zu verbessern. Die extreme Wandlungsfähigkeit des HI-Virus macht die Suche nach Medikamenten allerdings sehr schwierig. Jedoch ist Aids heutzutage behandelbar und Infizierte können oftmals lange mit der Krankheit leben.

Erste Aids-Fälle traten in den 80er-Jahren auf

Die ersten Aids-Fälle wurden Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts bekannt: 1983 gelang dem Virologen Luc Montagnier vom Institut Pasteur in Paris die erstmalige Isolierung des HI-Virus. Über die Frage, woher das Virus kam, ist viel geforscht und noch mehr spekuliert worden. Als sicher gilt, dass das HI-Virus ein Abkömmling des SI-Virus (Simian Immunodeficiency Virus) ist, das Menschenaffen befällt.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich Aids zu einer globalen Epidemie (Pandemie) mit enormen gesellschaftspolitischen Konsequenzen entwickelt. Mehr als 27 Millionen Menschen sind seit der Entdeckung des HI-Virus in den frühen 80er-Jahren gestorben. Jedes Jahr infizieren sich etwa drei Millionen Menschen und über zwei Millionen erliegen Krankheiten, die durch ihr von der HIV-Infektion geschwächtes Immunsystem hervorgerufen werden. Dank der neuen antiretroviralen Therapien kann die Entwicklung von HIV im Körper jedoch gebremst werden.

Afrika bleibt die am stärksten von der Epidemie betroffene Region: dort werden 69 Prozent der Neuinfektionen gezählt. Mangelnde Aufklärung und kulturelle Barrieren erleichtern die Ausbreitung von Aids.

Deutschland: Knapp 80.000 Menschen mit HIV-Infektion

Jedes Jahr stecken sich bundesweit rund 3.400 Menschen mit dem HI-Virus an. In Deutschland leben dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge rund 78.000 Menschen mit dem Aidserreger HIV und damit etwas mehr als im Jahr zuvor (Stand 2012). 14.000 von ihnen wissen jedoch nach Angaben des RKI nichts von ihrer HIV-Infektion. Zudem verzeichnet man seit einiger Zeit einen starken Anstieg der HIV-Infizierten in Osteuropa, Zentralasien, Nahost und Nordafrika.

Diagnose von HIV-Infektion und Aids

Die HIV-Infektion kann relativ unkompliziert und sicher durch einen kostenlosen Bluttest (HIV-Test) nachgewiesen werden. Am häufigsten kommt ein Testverfahren zum Einsatz, das Antikörper gegen das Virus aufzeigt. Antikörper gegen HIV können allerdings erst vier bis zwölf Wochen nach einer HIV-Infektion zuverlässig nachgewiesen werden.

HIV-Test: Kostenlos in Gesundheitsämtern

Besteht der Verdacht einer HIV-Infektion, kann jeder Arzt einen HIV-Test veranlassen. Die Kosten übernimmt die zuständige Krankenkasse. Darüber hinaus gibt es bei vielen Gesundheitsämtern die Möglichkeit, anonyme HIV-Tests kostenlos durchführen und sich zudem umfassend beraten zu lassen. Die Testergebnisse – negative wie positive – dürfen nur persönlich mitgeteilt werden. Wer sich tatsächlich infiziert hat, würde das Testergebnis "positiv" erhalten.

13 Fakten über HIV und Aids

 

HIV-Infektion und Aids: Ursachen der Immunschwäche

Glücklicherweise ist das HI-Virus, das eine HIV-Infektion und damit in Folge die Infektionskrankheit Aids auslösen kann, nur sehr schwer übertragbar. Eine Ansteckung im normalen menschlichen Miteinander ist daher so gut wie ausgeschlossen. Nur Blut- und Sexualkontakte ermöglichen eine Übertragung.

Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist nach wie vor der häufigste Weg, sich mit Aids anzustecken. Der Gebrauch von Kondomen ist daher der beste Schutz vor einer HIV-Infektion. Die Übertragung ist durch vaginalen, analen und auch oralen Geschlechtsverkehr möglich. Das Virus ist im Sperma und der Vaginalflüssigkeit der HIV-Infizierten nachweisbar. Durch kleinste Verletzungen der Schleimhäute kann es übertragen werden. Da die Viruskonzentration im Blut und den anderen Körperflüssigkeiten der Infizierten schwankt, variiert auch das Risiko einer Ansteckung durch Sexualkontakte. Auch das Mehrfachverwenden von Spritzen birgt ein sehr hohes Infektionsrisiko.

Kinder und HIV

Kinder von HIV-positiven Frauen können sich beim Stillen, während der Schwangerschaft oder bei der Geburt anstecken. Durch vorbeugende Maßnahmen kann das Übertragungsrisiko von etwa 30 Prozent auf unter fünf Prozent gesenkt werden.

Das HI-Virus gehört zur Gruppe der Retroviren. Das Erbgut dieser Viren besteht aus RNA (Ribonukleinsäure, zuständig für den Transport der Erbinformation). Erst in der befallenen Wirtszelle wird die RNA in DNA (Deoxyribonukleinsäure, Träger der Erbinformation) umgewandelt und in das Wirtsgenom – das genetische Material der menschlichen Zelle – integriert. Der Eintritt in die Zellen ist nur über bestimmte spezifische Rezeptor-Moleküle auf der Oberfläche der Zellen möglich. CD4-Lymphozyten, die zu den weißen Blutzellen gehören, sind das Hauptangriffsziel der Viren. Sie werden auch Helferzellen genannt und spielen eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Krankheitserregern.

Zwei HIV-Typen

Es gibt zwei verschiedene HIV-Subtypen: HIV-1 und HIV-2. Sie unterscheiden sich beispielsweise in ihrer "Infektionskraft" (Virulenz). Die regionale Verbreitung der beiden Subtypen ist ebenfalls zu unterscheiden. Keine nennenswerten Differenzen gibt es hingegen hinsichtlich der Art der Ansteckung und in der Therapie.

Symptome der HIV-Infektion

Die Krankheitszeichen (Symptome) einer HIV-Infektion sind unspezifisch und umfassen Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten, Fieber und Hautausschlag. Das ist mit ein Grund, warum die Immunschwäche schwer erkannt werden kann und sich viele unbemerkt mit HIV anstecken. Rund 14.000 Deutsche leben ahnungslos mit HIV.

Wenige Tage bis sechs Wochen nach der HIV-Infektion kommt es bei etwa 70 Prozent der Infizierten zur akuten HIV-Phase (Stadium A), während der sich die Viren im Körper massenhaft vermehren und so eine Immunantwort hervorrufen. Die dadurch ausgelösten Symptome sind jedoch unspezifisch und ähneln denen einer Erkältung oder Grippe. Auch wird eine frische HIV-Infektion aufgrund der ähnlichen Symptome häufig mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber verwechselt. Der symptomatische Abschnitt nach der Ansteckung dauert in der Regel eine Woche, in Ausnahmefällen zwei Wochen.

Geschwollene Lymphknoten bis Hautausschlag: HIV-Symptome im Überblick

Bei Vorkommen eines oder mehrerer der folgenden Symptome über einen längeren Zeitraum sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen, um eine HIV-Neuinfektion auszuschließen beziehungsweise behandeln zu können. Wichtig ist es auch, nach einem Risikokontakt bezüglich HIV den behandelnden Arzt gezielt auf einen Aidstest anzusprechen.

Diese Symptome kann eine HIV-Infektion nach wenigen Tagen bis Wochen auslösen:

Die häufigsten und deutlichsten Symptome für eine vor kurzem erworbene HIV-Infektion sind dabei Fieber (bei rund acht von zehn Betroffenen) und der charakteristische Hautausschlag, von dem etwa jeder zweite Betroffene in der akuten Phase berichtet. Rund 45 Prozent der neu HIV-Infizierten weisen eine Kombination dieser beiden Hauptsymptome auf.

Auch allgemeine Abgeschlagenheit, Appetitverlust und Gliederschmerzen sind noch sehr häufig, danach folgen in der Statistik Muskelschmerzen, Entzündungen im Mund-Rachenraum sowie ein deutlicher Gewichtsverlust. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es dabei nicht: Beim Mann treten nach der Ansteckung im Allgemeinen dieselben HIV-Symptome auf wie bei einer Frau.

Informieren Sie sich auch in unserer Galerie über erste Anzeichen von Aids:

Symptome einer HIV-Infektion

 

Medikamente verlängern symptomfreie Phasen

Nach der akuten HIV-Infektion folgt das krankheitsfreie Intervall, das mehrere Jahre andauern kann. Während dieser Phase gelingt es dem Immunsystem, die HIV-Erreger einigermaßen in Schach zu halten. Es beginnt meist wenige Monate nach der Ansteckung mit HIV. Durch antiretrovirale Medikamente schaffen es Mediziner heute, diese Phase zu verlängern.

Nach der oft (jahre-)langen symptomfreien Phase folgt eine Phase mit Aids-Symptomen. Sie sind ebenfalls unspezifisch, treten also auch bei vielen anderen, meist harmloseren Erkrankungen auf. Auch hier besteht Verwechslungsgefahr mit anderen, durch Viren ausgelösten Infektionen wie der Grippe (Influenza).

Extrem anfällig für Infektionen durch Aids

Ist das Immunsystem so weit geschwächt, dass es sich gegen Erreger, die für gesunde Menschen kein Problem darstellen, nicht mehr wehren kann, wird von Aids gesprochen. Typisch sind in diesem Stadium bestimmte Formen der Lungenentzündung (Pneumocystis-Pneumonie), Tuberkulose oder Infektionen von Mund und Speiseröhre mit dem Hefepilz Candida albicans. Man spricht bei diesen begleitenden Erkrankungen auch von opportunistischen Infektionen.

Häufig kommt es durch die HIV-Infektion außerdem zu bestimmten Krebserkrankungen, die durch eine Infektion mit Viren ausgelöst werden, beispielsweise das Kaposi-Sarkom, Gebärmutterhalskrebs oder Lymphome.

Antivirale Medikamente in der Therapie von HIV und Aids

Eine HIV-Infektion lässt sich mit den heutigen Mitteln der Medizin nicht heilen. Dennoch kann durch die Kombination mehrerer antiviraler Medikamente die Viruskonzentration im Körper für lange Zeit niedrig gehalten werden, sodass es nicht zum vollen Ausbruch der Krankheit kommt.

Für HIV-Infizierte bedeutet das allerdings, dass sie über Jahre jeden Tag konsequent mehrere Medikamente einnehmen müssen. Obwohl diese HIV-Therapie sehr teuer ist, kann sie in Deutschland von jedem HIV-Infizierten in Anspruch genommen werden. In vielen anderen Ländern haben Patienten diese Chance jedoch nicht.

Kombinationstherapie bei HIV

Zur HIV-Therapie wird üblicherweise eine Kombination aus mindestens drei verschiedenen antiviralen Medikamenten angewendet. Diese aggressive Kombinationstherapie nennen die Fachleute auch "highly active antiretroviral therapy" (HAART). Da die Wirkstoffe aus drei verschiedenen Medikamentenklassen mit unterschiedlichen Wirkprinzipien stammen, ist die Gefahr, dass sich resistente Virusstämme bilden, deutlich reduziert.

Aids vorbeugen mit einfachen Maßnahmen

Sich vor einer HIV-Infektion zu schützen, ist relativ einfach. Überall, wo sich der Kontakt mit Körperflüssigkeiten von möglicherweise infizierten Personen nicht vermeiden lässt, ist Vorsicht geboten. Zur eigenen Sicherheit: Verzichten Sie unbedingt auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, wenn Sie häufiger den Partner wechseln. Im Mittelpunkt aller Präventionsmaßnahmen steht die Aufklärung der Bevölkerung – insbesondere der Risiko-Gruppen: Drogenabhängige und Homosexuelle.

Die Prävention ist heute von vielen Regierungen und internationalen Organisationen als eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe erkannt worden. Neben staatlichen gibt es eine Vielzahl nichtstaatlicher Organisationen, die sich in diesem Bereich engagieren.

FAQs: Fragen und Antworten rund um Aids und HIV

Wann spricht man von HIV, wann von Aids?

Eine Infektion mit dem Humanen Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für Aids. Wenn das Virus den Körper so sehr schwächt, dass es dem Immunsystem schwerfällt, Infektionen zu bekämpfen, spricht man von Aids. Dann treten lebensbedrohliche Erkrankungen auf, etwa schwere Infektionen oder Tumore, die charakteristisch für eine fortgeschrittene HIV-Erkrankung sind.

In der Medizin gilt: Wer weniger als 200 Helferzellen pro Mikroliter Blut aufweist, bei dem besteht ein hohes Risiko für die Krankheiten, die Aids definieren. Die Infektion kann über Monate unauffällig verlaufen und noch nach Jahren in Aids übergehen.

Wo genau richtet das Virus Schaden an?

In den körpereigenen Helferzellen, bestimmten weißen Blutkörperchen. Sie haben eine wichtige Funktion bei der Steuerung der Abwehrkräfte, wenn Viren oder Bakterien in den Organismus eindringen – und fatalerweise genau auf diese Zellen hat es das HI-Virus abgesehen. Es dockt an die Helferzellen an, um sich anschließend in ihnen zu vermehren. Der Körper kann sich so nicht mehr ausreichend gegen Krankheiten zur Wehr setzen.

Lässt sich eine HIV-Infektion heilen?

Nein, der Aids-Erreger ist nach wie vor nicht heilbar. Aber es gibt Einzelfälle, die Grund zur Hoffnung geben: Etwa 20 Fälle einer sogenannten funktionellen Heilung seien bekannt, bei der Infizierte nach einer HIV-Therapie, die nach Jahren abgesetzt wurde, das Virus gut kontrollieren können, sagt der Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe, Armin Schafberger.

Als vollständig geheilt gilt allerdings nur ein Erwachsener: ein an Leukämie und HIV erkrankter Mann, bei dem das Virus bei der Behandlung der Leukämie in der Berliner Charité verschwunden war. Der "Berliner Patient", wie der Mann genannt wird, bekam 2007 neue Stammzellen transplantiert – das HI-Virus wurde seitdem nicht mehr bei dem Mann entdeckt. Die Ärzte fanden einen Spender, bei dem der sogenannte CCR5-Rezeptor defekt war – ein wichtiges Einfallstor, durch das das Virus in die Helferzellen eindringt.

Ebenfalls als geheilt galt zunächst das "Mississippi-Baby". Das HIV-positive Kind einer ebenfalls Infizierten war bereits wenige Stunden nach der Geburt mit einer Kombination aus drei HIV-Medikamenten behandelt worden. Nach einem halben Jahr entzog es die Mutter einer weiteren Therapie. Bei einer Untersuchung Monate später dann die Überraschung: Das Baby war virenfrei. Die behandelnden Ärzte ruderten aber zurück: Mit vier Jahren musste das Kleinkind wieder gegen die Viren behandelt werden.

Was bringen Medikamente und Therapien gegen HIV und Aids?

Aids ist zwar weiterhin nicht heilbar, die Medizin ist aber gegen Virus und Krankheit längst nicht mehr machtlos. Es gibt seit Mitte der 90er Jahre wirksame antiretrovirale Medikamente, die das Virus an der Vermehrung hindern. Meistens werden Infizierte mit einer Kombination aus drei Wirkstoffen behandelt. Die Patienten müssen die teuren Medikamente lebenslang nehmen. Heutige Medikamente haben deutlich weniger schwere Nebenwirkungen und führen viel seltener zu Komplikationen und Langzeitschäden als noch in den 90er Jahren.

Wie alt kann ein Patient mit HIV werden?

Bei konsequenter Therapie können HIV-Infizierte in Ländern wie Deutschland ein normales Alter erreichen. "Wer rechtzeitig anfängt und gut therapiert wird, hat wahrscheinlich eine normale Lebenserwartung", sagt Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe. Dabei handle es sich aber nur um Hochrechnungen.

Welche Länder sind am stärksten von HIV betroffen?

Weltweit sind mehr als 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert, der Großteil davon lebt in Afrika südlich der Sahara. Je weiter man dort gen Süden geht, desto dramatischer wird die HIV-Rate, zeigt die Weltkarte der Aids-Organisation der Vereinten Nationen (Unaids). Die meisten HIV-Infizierten gibt es folglich in Südafrika, wo das Virus speziell in den Slums ein erhebliches Problem darstellt. Im benachbarten Königreich Swasiland ist etwa jeder Vierte HIV-positiv.

Beschränkt sich das Aids-Problem hauptsächlich auf Afrika?

Nein. Experten sorgen sich vor allem über die Lage in Osteuropa. Dort nimmt die Zahl der HIV- und Aids-Fälle besonders stark zu, wie der Osteuropa-Fachmann der Aids-Hilfe, Ludger Schmidt, sagt. Weil etwa in Russland stigmatisierte Gruppen wie Homosexuelle und Drogensüchtige ausgeschlossen würden, trauten sich viele nicht, professionelle Hilfe zu suchen. "Als schwuler Mann besteht eine große Hemmschwelle, in das medizinische System zu gehen. Es findet ganz klar eine Ausgrenzung statt", sagt Schmidt. Dadurch entstehe eine Dunkelziffer, die immens von den offiziellen Zahlen abweiche.

Ein weiteres Problem ergebe sich aus der Ukraine-Krise: Internationale Geldgeber und Stiftungen – häufig aus den USA – würden sich wegen des Konflikts zurückziehen, so Schmidt: "Es gibt kein Funding mehr. Nichtregierungsorganisationen bluten so aus. Die zarten Strukturen, die es dort gibt, brechen dann zusammen."

Wie ist die Situation in Deutschland?

Vergleichsweise gut. Deutschland ist eines der Länder mit der geringsten Verbreitung von HIV und Aids. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind etwa 78.000 Menschen in Deutschland mit dem Virus infiziert. Für 2013 spricht das RKI von 3.263 HIV-Neudiagnosen – das sind rund zehn Prozent mehr als 2012.

Die gewachsene Zahl sei aber kein Grund zur Sorge, sagt Aids-Fachmann Schafberger. "Wir haben eine stabile Situation." Den RKI-Experten zufolge beruht der Anstieg auf einer verbesserten Datenlage und verstärkten Recherchen bei Ärzten. Eine der Ursachen sei zudem die größere Zahl von Zuwanderern nach Deutschland, sagen die Experten.

Wird Aids eines Tages komplett besiegt sein?

Das ist fraglich. Die verfügbaren Medikamente können zwar die Vermehrung des Virus in Schach halten, es aber nicht aus dem Körper entfernen. Einen Impfstoff wird es Experten zufolge auch in Jahren nicht geben, weil das HI-Virus einfach zu vielfältig ist und der Aids-Auslöser zudem sehr schnell mutiert.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Juli 2016
Durch:
Quellen: dpa; aids-stiftung.de‎; welt-aids-tag.de; rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/hiv_node.html (2/2014); BBC-Bericht zum UN-Report über Aids/HIV: http://www.bbc.co.uk/news/health-24208972

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