Von Mäusen übertragen

Hantavirus: Übertragung, Symptome und Behandlung

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Das Hantavirus überträgt sich durch den Kontakt mit infizierten Nagetieren auf Menschen. Eine Infektion verläuft in den meisten Fällen unbemerkt oder mit grippeähnlichen Symptomen. Wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können.

Rötelmaus frisst ein Maiskorn
© Getty Images/Andyworks

Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Wie macht sich das Hantavirus bemerkbar? In den meisten Fällen verursacht eine Infektion mit Hantaviren keine Beschwerden. Kommt es zu Symptomen, sind es oft Fieber, Schmerzen und Blutdruckabfall. Dazu kommen oft Nierenfunktionsstörungen.

Ist das Hantavirus heilbar? Aktuell gibt es kein Medikament, die Krankheit heilt von alleine aus. Die Therapie dient lediglich der Symptomlinderung und der Wiederherstellung einer gesunden Nierenfunktion.

Wie kann man sich mit dem Hantavirus anstecken? Die Viren werden über Speichel, Urin und Kot von infizierten Nagetieren wie der Rötelmaus übertragen. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei den in Europa verbreiteten Virustypen nicht möglich.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist das Hantavirus?

Hantaviren sind auf der ganzen Welt verbreitet und lösen je nach Virustyp unterschiedlich schwere Krankheitsformen aus. Seinen Namen "Hantaan" hat das Virus vom koreanischen Grenzfluss Hantan, wo während des Koreakrieges Anfang der 1950er-Jahre mehrere tausend Soldaten schwer erkrankten.

Die Erreger werden über Nagetiere wie Mäuse und Ratten auf den Menschen übertragen, in Deutschland vor allem über die Rötelmaus und die Brandmaus. Die Übertragung erfolgt über Bisse oder den Kontakt mit den Tieren sowie deren Ausscheidungen. Auch das Einatmen von mit Ausscheidungen vermischtem Staub kann zu einer Infektion führen.

Die in Deutschland vorkommenden Erreger (Puumala-Virus, Dobrava-Belgrad-Virus) übertragen sich nicht von Mensch zu Mensch. Die Inkubationszeit bei Hantaviren beträgt zwei bis vier Wochen, in seltenen Fällen kann sie jedoch auch zwischen fünf und sechzig Tage betragen.

Gut zu wissen: In Deutschland erleiden durchschnittlich 1,3 von 100.000 Einwohner*innen pro Jahr eine Hantavirus-Infektion (Nephropathia epidemica), mehr als zwei Drittel davon sind Männer. Mehr als die Hälfte davon ist zwischen 30 und 49 Jahre alt. Das Hantavirus ist in Deutschland meldepflichtig.

Hantavirus-Infektion: Ursachen und Risikofaktoren

Da sich Hantaviren über Speichel, Urin und Kot infizierter Nagetiere übertragen, sind vor allem Personengruppen gefährdet, die durch ihre Lebens- oder Arbeitsbedingungen direkten Kontakt haben. Das sind beispielsweise Beschäftigte in der Land- oder Forstwirtschaft oder Laborpersonal.

Aber auch bei der Arbeit in Schuppen, Kellern, auf Dachböden oder anderen Orten, an denen Mäuse oft vorkommen, besteht ein erhöhtes Risiko für den Kontakt mit dem Hantavirus.

Hantavirus: Krank durch Mäusekot

Symptome einer Infektion mit dem Hantavirus

Ein großer Teil der Erkrankungen verläuft unentdeckt oder mit so unspezifischen Symptomen, dass das Virus nicht erkannt wird. Zeigen sich Symptome, treten diese meist zwei bis vier Wochen nach der Infektion auf und ähneln den Beschwerden bei einer Grippeerkrankung.

Zum Krankheitsbild gehören:

Die in Europa und Asien verbreiteten Virustypen können zudem zu einem hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) führen: Dabei kommt es zu Blutungen und Nierenfunktionsstörungen bis hin zum Nierenversagen.

Die in Nord- und Südamerika verbreiteten Virusarten hingegen können das Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS) auslösen, das zu schweren Lungenproblemen führen kann und in 40 bis 50 Prozent der Fälle tödlich endet.

Diagnose einer Infektion mit dem Hantavirus

Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion erfolgt in der Regel anhand der Symptomatik und der Untersuchung einer Blutprobe im Labor. Der Erreger lässt sich nur in den ersten Tagen der Erkrankung nachweisen, deshalb erfolgt die Diagnose über den Nachweis von Antikörpern gegen die Viren.

Therapie: Wie wird eine Hantavirus-Infektion behandelt?

In den meisten Fällen heilt eine Infektion mit dem Hantavirus von alleine aus – die Therapie zielt also darauf ab, die Symptome zu lindern, die Funktion der Nieren zu normalisieren und Komplikationen zu verhindern. Körperliche Schonung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind in dieser Phase ratsam.

In den seltenen Fällen eines schweren Verlaufs ist gegebenenfalls ein Klinikaufenthalt zur Dialyse (beim HFRS) oder zur Beatmung (beim HCPS) erforderlich.

Verlauf und Prognose

In Deutschland liegt die Sterblichkeit je nach Virustyp nur bei 0,1 bis 0,9 Prozent. Eine Mehrheit der Betroffenen entwickelt im Verlauf der Erkrankung eine vorübergehende Nierenfunktionsstörung, bei der jedoch in der Regel keine Langzeitschäden zurückbleiben. Etwa 23 Prozent der Erkrankten weisen 1,5 Jahre nach der Diagnosestellung einen bleibenden Bluthochdruck auf.

Wer einmal mit Hantaviren infiziert war, bleibt vermutlich lebenslang gegen den entsprechenden Virustyp immun.

Vorbeugung: Wie lässt sich eine Infektion verhindern?

Aktuell existiert keine Impfung gegen Hantaviren. Der beste Schutz besteht daher darin, den Kontakt mit infizierten Nagern und deren Ausscheidungen zu vermeiden. Dazu empfehlen sich folgende Maßnahmen:

  • Mäuse und Ratten in und um Wohnbereiche bekämpfen (bei starkem Befall Fachleute kontaktieren)

  • Entwicklung von Staub in kontaminierten Bereichen vermeiden (zum Beispiel durch Boden befeuchten)

  • Atemschutzmasken und Handschuhen beim Umgang mit toten Nagetieren oder bei Staubentwicklung in kontaminierten Bereichen tragen

  • Ausscheidungen und tote Tiere mit handelsüblichen Reinigungsmitteln benetzen (vor dem Entsorgen)

  • Kleidung nach dem Reinigungsvorgang sofort waschen, außerdem duschen und Haare waschen

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