Gebärmutterschleimhauterkrankung oder Gebärmutterschleimhautversprengung

Endometriose

Was ist Endometriose?

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Schmerzen im Bauchraum können auf Endometriose hindeuten - sie ist einer der häufigsten Gründe für Unfruchtbarkeit.
Thinkstock/ Wavebreak Media

Bei manchen Frauen wird zehn Jahre lang nicht erkannt, dass sich Herde einer Endometriose in ihrem Bauchraum gebildet haben. Tatsächlich zählt die Endometriose zu den am weitesten verbreiteten gutartigen Erkrankungen von geschlechtsreifen Frauen - und bleibt oft lange unentdeckt, weil die Anzeichen dafür von Patientin zu Patientin extrem variieren.

Mit Schmerzen im Unterbauch fing es an. Ziehende Krämpfe, die Susanne M. jeden Monat während ihrer Periode für einige Tage auf ihre Wohnzimmercouch zwangen. Seit Jahren schon leidet sie unter Endometriose - einer chronischen Erkrankung, die durch Zellen der Gebärmutterschleimhaut verursacht wird, die sich außerhalb der Gebärmutter ansiedeln.

Schätzungen zufolge sind zwischen sieben und 15 Prozent aller geschlechtsreifen Frauen von Endometrioseherden im Bauchraum betroffen - das wären hochgerechnet auf Deutschland rund sechs Millionen Frauen. Im Alter von 15 bis 45 stellt Endometriose bei Frauen die meisten der gutartigen gynäkologischen Diagnosen. Im Schnitt dauert es aber zwischen fünf bis sieben Jahre, bis sie überhaupt festgestellt wird, da die Symptome bei vielen nicht so stark sind und leicht mit den "üblichen Zyklusschmerzen" verwechselt werden - die Frauenkrankheit hat schlicht viele Gesichter und wird daher oft erst spät diagnostiziert.

Ein Gynäkologe kann die Herde zwar manchmal ertasten oder bei einer Ultraschalluntersuchung erkennen, doch Gewissheit verschafft erst eine Bauchspiegelung und die anschließende pathologische Untersuchung des dabei entnommenen Gewebes (mehr dazu im Artikel Endometriose: Therapie). Dabei wird das schmerzende Gewebe entfernt, bei vielen Frauen kommen danach keine Schmerzen mehr, jedoch bei manchen Frauen werden die Schmerzen trotz der Operation chronisch, bei einigen kommen neue Herde hinzu. Erst mit Beginn der Menopause bilden sich in der Regel keine Wucherungen mehr, weil die Produktion an weiblichen Geschlechtshormonen abnimmt..

Doch was ist eine Endometriose?

Bei einer Endometriose befindet sich bei Patientinnen Gewebe, welches dem der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb ihrer Gebärmutterhöhle. Diese Wucherungen kommen meist im Unterbauch, gern auch an den Eierstöcken, Eileitern, Darm, Blase und den inneren weiblichen Geschlechtsorganen vor. Selten entdeckt der behandelnde Gynäkologe, dass sich Herde ebenso im Darm oder in anderen Organen wie der Lunge angesiedelt haben.

Das Gewebe, das die weibliche Gebärmutter von innen auskleidet, heißt Endometrium. Der Begriff Endometriose leitet sich deshalb davon auch ab: "Metra" bedeutet Gebärmutter, "endo" innen und die Wortendung "-ose" weist auf eine Erkrankung hin. Im Grunde müsste die direkte Übersetzung von Endometriose deshalb Gebärmutterschleimhauterkrankung heißen.

Ein Endometriosegewebe unterscheidet sich aber vom Endometrium, denn die Basalmembran des wuchernden Gewebes ist verändert. Diese feinen Häutchen bildet die Grenze zum benachbarten Gewebe. Die Herde einer Endometriose zeigen besondere Wachstumseigenschaften. Weil sie das umgebende Gewebe aber nicht zerstören, ist eine Endometriose in den meisten Fällen gutartig.

Endometriose-Herde nehmen am Zyklus teil

Wie es zu der Erkrankung kommt, hat die Forschung noch nicht ausreichend klären können. Beeinflusst durch die Hormone, die die Gebärmutterschleimhaut zum Anschwellen und Abbluten bringen, wachsen und bluten auch diese Zellen jeden Monat. Denn wie die Zellen der Gebärmutterschleimhaut trägt die Endometriosezelle kleine Rezeptoren für Östrogen und Progesteron auf ihrer Oberfläche mit sich. Daher sind Endometrioseherde entsprechend dem Monatszyklus der Frau hormonell bedingten Veränderungen unterworfen, sie nehmen regelrecht am weiblichen Zyklus teil, die Herde können zyklisch wachsen und bluten: Östrogene fördern und stimulieren das Wachstum der Endometriose, Östrogenentzug und Progesteron wiederum hemmen es.

Während der Menstruation werden in den Endometrioseherden Zellen abgestoßen und es kommt zu kleinen Blutungen. Dies erklärt so manches Krankheitssymptom wie starke Regelschmerzen kurz vor der Periode, starke Bauchkrämpfe und wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch. Denn geklärt ist für Experten, dass die Schmerzen der Frauen durch die Zellen, die der Gebärmutterschleimhaut ähneln, verursacht werden. Diese Zellen verbreiten sich im Körper - meistens im Unterleib - und verhalten sich dort ähnlich wie die Schleimhaut der Gebärmutter. Doch den Körper verlassen können sie nicht. Stattdessen verursachen diese sogenannten Endometrioseherde Entzündungen, Schmerzen, Verklebungen, Vernarbungen und im schlimmsten Fall Zysten und Tumore. Vermutlich mit ein Grund dafür, dass Endometriose einer der häufigsten Gründe für Unfruchtbarkeit ist. Rund die Hälfte der Frauen, die nicht schwanger werden können, leiden an einer Endometriose, schätzen Gynäkologen.

Üblicherweise ist die Endometriose nach dem Ort ihres Auftretens zu unterscheiden:

Bezeichnung Beschreibung
Innere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis interna = Adenomyose = primäre Endometriose) Die Endometrioseherde befinden sich in der Gebärmuttermuskulatur oder im Eileiter. Es besteht eine direkte Verbindung zur Gebärmutterschleimhaut. Das ist die häufigste Form.
Äußere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis externa) Die Endometrioseinseln einer Patientin befinden sich im Genitalbereich, aber außerhalb der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) oder der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium). Die häufigsten Lokalisationen sind hier die Eierstöcke oder der Douglas-Raum, der sich zwischen Mastdarm (Rektum) und Gebärmutter befindet. Daneben können ebenso die Gebärmutteroberfläche, der Bandapparat der Gebärmutter, die Scheide oder das äußere Genitale (Vulva) befallen sein.
Extragenitale Endometriose (Endometriosis extragenitalis) Diese seltenste Form dieser Erkrankung kann überall auftreten, das Endometriosegewebe befindet sich außerhalb des Genitalbereichs. Dickdarm, Dünndarm oder Blase können betroffen sein. Selten konnten Gynäkologen Endometriose-Herde zum Beispiel an der Bauchhaut oder in der Lunge feststellen. Als extrem seltene Rarität wird ein Auftreten im Gehirn beschrieben.

 

 

Klassifikation von Endometriose

Es gibt eine neue Klassifikation, in die außer der Lokalisation - also an welcher Stelle sich die Endometrioseherde befinden im Körper - die hormonelle Aktivität, Wachstumstendenz, das Aussehen bezüglich Farbe sowie Form der Herde und das Ausmaß der Beschwerden mit eingehen. Sie wurde erstmals 1979 von der US-amerikanischen Fruchtbarkeitsgesellschaft herausgegeben und seither immer wieder aktualisiert. Dementsprechend gibt es vier Stadien der Endometriose: minimale, milde, mäßige und schwere Endometriose.

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Letzte Aktualisierung: 25. Februar 2014

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