Hormonelle Verhütungsmethode mit Depotwirkung

Dreimonatsspritze: Überschaubare Kosten, aber häufige Nebenwirkungen

Die Dreimonatsspritze ist eine Langzeitverhütungsmethode, die alle zwölf Wochen intramuskulär gespritzt wird. Sie ist komfortabel, sehr sicher und erschwinglich. Trotzdem wird sie Frauen nur empfohlen, wenn andere Verhütungsmittel, etwa die Antibabypille, für sie nicht infrage kommen. Daran sind unter anderem die Nebenwirkungen schuld.

Frau bekommt Spritze in Oberarm
Der Verhütungsschutz der Dreimonatsspritze ist ab der ersten Anwendung wirksam und muss alle 12 Wochen erneuert werden.
Getty Images/iStockphoto

Die Dreimonatsspritze gibt es in Deutschland derzeit in Form verschiedener Präparate. Sie gehört zu den hormonellen Verhütungsmitteln, weil sie das Geschlechtshormon Gestagen (genauer den Wirkstoff Medroxyprogesteronacetat) enthält. Es hat drei empfängnisverhütende Wirkungen:

  • Der Eisprung wird verhindert.
  • Der Zervixschleim (Sekret aus den Drüsen des Gebärmutterhalses) verdickt, sodass Spermien ihn nicht passieren können.
  • Die Gebärmutterschleimhaut baut sich nicht ausreichend auf, sodass sich ein Ei nicht einnisten kann.
Alternativen zur Pille

Sicheres Verhütungsmittel, aber nicht uneingeschränkt empfehlenswert

Der Pearl-Index der Dreimonatsspritze liegt bei 0,2 bis 1,4, was bedeutet, dass innerhalb eines Jahres von 1.000 Frauen zwei bis 14 trotz Anwendung schwanger werden. Damit ist diese Verhütungsmethode sehr sicher.

Da sie nur alle zwölf Wochen verabreicht werden muss, eignet sich die Dreimonatsspritze vor allem für Frauen, die nicht täglich an die Verhütung denken wollen oder deren Alltag wenig Regelmäßigkeit aufweist, etwa durch Schichtarbeit.

Trotzdem wird sie nur Frauen empfohlen, für die andere Verhütungsmittel – etwa die Antibabypille – nicht infrage kommen, zum Beispiel wegen einer Unverträglichkeit gegenüber Östrogenen oder aufgrund von Magen-Darm-Krankheiten, die die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen (schlechte Aufnahme von Wirkstoffen im Magen-Darm-Trakt, Durchfall).

Hintergrund ist, dass sich zu den häufigen Nebenwirkungen (siehe unten) weitere Nachteile gesellen:

  • Aufgrund der erwünschten Depotwirkung wird eine hohe Hormondosis verabreicht.

  • Kommt es zu Nebenwirkungen, kann das Präparat nicht spontan abgesetzt werden.

  • Wird das Verhütungsmittel abgesetzt, kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sich der Zyklus normalisiert.

Somit ist die Dreimonatsspritze nicht das Mittel der Wahl, wenn es in den nächsten Monaten zur Nachwuchsplanung kommen kann.

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Häufigere Nebenwirkungen als bei anderen Verhütungsmitteln auf Gestagen-Basis

Die Dreimonatsspritze ist nicht die einzige Empfängnisverhütungsmethode mit Gestagen. Doch im Vergleich zu den anderen Mitteln kommt es bei dieser Methode häufiger zu Nebenwirkungen. Dazu zählen unter anderem:

Außerdem sind Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Folgende Medikamente könnten daher die Wirksamkeit beeinträchtigen:

  • Antiepileptika
  • Barbiturate
  • Johanniskraut-Präparate
  • Antibiotika

Wie wird die Dreimonatsspritze angewendet und was kostet sie?

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Das Präparat wird alle zwölf Wochen zwischen dem ersten und fünften Zyklustag in einen Muskel am Gesäß, Oberarm oder Oberschenkel gespritzt. Die Dreimonatsspritze ist verschreibungspflichtig und kann nur vom Arzt verabreicht werden. Der Verhütungsschutz greift ab der ersten Spritze.

Der Preis pro Spritze liegt zwischen 30 und 45 Euro. Das sind umgerechnet zehn bis 15 Euro im Monat – ähnlich wie bei der Pille. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten bei Anwenderinnen bis zum Alter von 20 Jahren, danach in der Regel nicht mehr.

Kontraindikationen: Wann die Dreimonatsspritze nicht empfohlen wird

Bei folgenden Zuständen oder Erkrankungen sollte die Dreimonatsspritze nicht zum Einsatz kommen:

  • Schwangerschaft
  • Fehlgeburt
  • unvollständiger Abort
  • Vaginalblutungen ungeklärter Ursache
  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderer Bestandteile des Arzneimittels
  • Blutgerinnselbildung in den Venen
  • arterielle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall)
  • krankhaft erhöhter Blutdruck
  • Bösartige Tumore, die durch Sexualhormone beeinflusst werden (z.B. Brust- oder Gebärmutterkrebs)
  • Diabetes mellitus mit Gefäßveränderungen
  • Fettstoffwechselstörung
  • Lebertumore
  • schwere Leberkrankheit mit Leberfunktionswerten, die sich noch nicht normalisiert haben

In den folgenden Fällen wird die Dreimonatsspritz nur nach sorgfältiger Abwägung eingesetzt:

  • Stillzeit
  • nach Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (etwa Eileiterschwangerschaft)
  • Leberfunktionsstörungen
  • Blutgerinnselbildung
  • Störung der Blutfarbstoffbildung (Porphyrie)
  • wenn nur ein Eileiter vorhanden ist.
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