Verschreibungspflichtiges Schmerzmittel

Metamizol – schnell und effektiv bei starken Schmerzen

Metamizol wird häufig bei starken Schmerzen und Koliken verschrieben. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen ist der Einsatz jedoch umstritten. Lesen Sie hier, wie Metamizol wirkt und warum man es nur bei starken Beschwerden einnehmen sollte.

Frau nimmt tropfen
Der Arzt verschreibt Metamizol häufig als Tropfen, das Mittel ist auch in Tabletten- und Zäpfchenform erhältlich.
© iStock.com/nensuria

Metamizol wirkt schnell und effektiv und ist nebenwirkungsarm wie kaum ein anderes Schmerzmittel. Entsprechend erfreute sich der Wirkstoff, der in Deutschland bereits 1922 unter dem Markennamen Novalgin auf den Markt kam, über Jahrzehnte hinweg größter Beliebtheit. Bei Schmerzen, Bauchkrämpfen oder Fieber nahm die ganze Familie – von der Oma bis zum Kleinkind – Novalgin Tropfen, die in keiner Hausapotheke fehlen durften. Ende der 80er Jahre geriet das Medikament jedoch aufgrund einer gefährlichen Nebenwirkung ins Kreuzfeuer der Kritik und wurde unter Rezeptpflicht gestellt. Denn Metamizol kann in seltenen Fällen zu einer lebensbedrohlichen Zerstörung der weißen Blutkörperchen, einer sogenannten Agranulozytose, führen.

Dennoch wird das Arzneimittel inzwischen wieder sehr häufig eingesetzt und erlebt in Deutschland gerade einen regelrechten Boom. In Ländern wie England, Schweden oder den USA ist es hingegen verboten. Zu Recht? Gefährdet Metamizol tatsächlich die Gesundheit? Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass man das Risiko durch gute Aufklärung stark vermindern kann und der Wirkstoff möglicherweise zu Unrecht in die Kritik geraten ist.

Artikelinhalte im Überblick:

Was ist Metamizol?

Metamizol ist ein Schmerzmittel (Analgetikum) aus der Gruppe der Pyrazolone, das zur Behandlung von akuten, sehr starken und kolikartigen Schmerzen sowie bei hohem Fieber eingesetzt wird. Bekannt ist es auch als Novamin, Novaminsulfonat, Metamizol-Natrium oder unter dem Handelsnamen Novalgin. Metamizol gehört zu den nicht-opioiden Schmerzmitteln, besitzt aber eine ähnlich starke Wirkung wie Morphin. Es wird entsprechend dann verordnet, wenn andere Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nicht mehr helfen. Neben der stark schmerzstillenden und fiebersenkenden Wirkung hat es auch krampflösende Eigenschaften.

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Die Wirkung von Metamizol

Die Wirkweise ist bisher nicht abschließend geklärt. Vermutlich hemmt es die Biosynthese des Gewebehormons Prostaglandin – man nennt dies Cyclooxygenase oder kurz COX-3 – und senkt so die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren. Metamizol wirkt entsprechend:

  • stark schmerzlindernd (analgetisch),
  • stark fiebersenkend (antipyretisch) und
  • krampflösend (spasmolytisch): Der Wirkstoff hat eine entspannende Wirkung auf die glatte Muskulatur der inneren Organe, insbesondere der Gallenwege und ableitenden Harnwege. Es wird deshalb oft bei Gallenkoliken, Nierenkoliken und ähnlichen Schmerzzuständen verordnet.

Hauptanwendungsgebiet: starke Schmerzen und Koliken

Entsprechend dieser Eigenschaften hat Metamizol viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Die wichtigsten sind:

  • akute, starke Schmerzen nach Verletzungen, Unfällen oder Operationen
  • Koliken und Krämpfe im Bauchbereich
  • Tumorschmerzen
  • akute oder chronische Schmerzzustände, bei denen andere Schmerzmittel unwirksam sind oder nicht gegeben werden können
  • hohes Fieber, das auf andere Maßnahmen nicht anspricht

Nebenwirkungen: bei Metamizol vergleichsweise selten

Genau wie andere Medikamente kann Metamizol auch unerwünschte Wirkungen verursachen. Insgesamt treten Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen gängigen Schmerzmitteln eher selten auf. Kommt es tatsächlich zu Nebenwirkungen, sind diese meist alles andere als harmlos.

Mögliche Nebenwirkungen:


  • Abfallen des Blutdruckes
  • Kreislaufschock
  • Mangel an weißen Blutkörperchen
  • Agranulozytose (Zerstörung der weißen Blutkörperchen)
  • Hautreaktionen wie fleckige Hautausschläge
  • Schleimhautreaktionen
  • Nierenfunktionsverschlechterung

Aufgrund der seltenen, dann aber starken Nebenwirkungen ist Metamizol grundsätzlich verschreibungspflichtig und sollte nur angewendet werden, wenn es wirklich nötig ist. Leichtere und mittlere Schmerzzustände, die auf andere Wirkstoffe ansprechen, sollten vorzugsweise mit diesen Mitteln behandelt werden.

Selten aber lebensbedrohlich: Agranulozytose!

Insbesondere die Gefahr der Agranulozytose hat dazu geführt, dass die Sicherheit von Metamizol infrage gestellt und es in anderen Ländern gar nicht erst zugelassen wurde. Bei der medikamentös indizierten Agranulozytose (MIA) handelt es sich um eine Störung der Blutbildung. Die Zahl der Granulozyten, eine wichtige Gruppe der weißen Blutkörperchen, wird dabei so stark reduziert, dass diese ihre wichtige Funktion bei der Abwehr von Infekten nicht mehr erfüllen können. Das Ergebnis ist eine extreme Immunschwäche, die schlimmstenfalls zum Tode führen kann.

Eine Agranulozytose kündigt sich meist durch drei typische Symptome an: Halsweh, Fieber und Schüttelfrost. Studien legen nahe, dass man die Gefahr von lebensbedrohlichen Komplikationen stark senken kann, sofern der Patient über die Anzeichen Bescheid weiß und sich sofort in Behandlung begibt. Insofern wäre es wichtig und wünschenswert, dass Ärzte und Apotheker ihre Patienten sorgfältig darüber aufklären, dass grippeähnliche Symptome während der Einnahme ein Alarmzeichen sein können.

Ist Metamizol ein gefährliches Medikament?

Trotz des bekannten Risikos wird Metamizol bei uns nach wie vor häufig eingesetzt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es sehr schnell und effektiv wirkt. Befürworter des Medikaments führen an, dass auch viele andere Arzneimittel und gängige Schmerzmittel zur Agranulozytose führen können, ohne deshalb in der Kritik zu stehen.

Aktuelle Studien untermauern diese These. Sie zeigen, dass das Sterblichkeitsrisiko nicht viel höher als bei Paracetamol und sogar deutlich niedriger als bei anderen Schmerzmitteln ist. Auf 100 Millionen Patienten beträgt die Sterblichkeit:

  • 592 unter der Therapie mit Diclofenac,
  • 185 unter ASS (Acetylsalicylsäure),
  •   25 unter Metamizol und
  •   20 unter Paracetamol.

Darüber hinaus hat es einen großen Vorteil: Es ist im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln wie Diclofenac oder ASS sehr magenfreundlich und führt nicht zu Magenblutungen oder Magengeschwüren.

Wichtig ist allerdings bei der Anwendung: Das Mittel sollte streng nach Indikation angewendet und nicht leichtfertig oder eigenmächtig eingesetzt werden. Bei leichten und mittleren Schmerzzuständen sind andere Analgetika vorzuziehen.

Gegenanzeigen: Wann darf man Metamizol nicht anwenden?

Gleichzeitig gibt es Gründe, die absolut gegen eine Anwendung von Metamizol sprechen. Nicht angewendet werden darf es bei:

  • Überempfindlichkeit oder nachgewiesener Allergie auf den Wirkstoff oder andere Pyrazolone
  • Veränderungen des Blutbildes, Leukämie oder anderen Blutbildungsstörungen
  • Knochenmarksschädigung
  • G-6-PDH-Mangel (Glucose-6-phosphat-dehydrogenase-Mangel): Das ist eine vererbte Störung des Stoffwechsels der roten Blutkörperchen.

Außerdem gibt es einige Krankheiten, bei denen das Medikament nur unter sehr strenger Abwägung der Risiken und Nutzen verabreicht werden darf. Beispielsweise bei

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In Schwangerschaft und Stillzeit nicht anwenden!

Im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel sollte Metamizol nur unter sorgfältiger ärztlicher Aufsicht und Abwägung aller Nutzen und Risiken angewendet werden. Im letzten Drittel der Schwangerschaft darf es nicht verwendet werden, ebenso ist es in der Stillzeit verboten, da es muttermilchgängig ist. 

Metamizol bei Kindern: Nicht für kleine Babys!

In den ersten drei Lebensmonaten und bei Säuglingen unter fünf Kilogramm Körpergewicht darf Metamizol nicht verabreicht werden. Außerdem darf es grundsätzlich bei Babys unter einem Jahr nicht intravenös angewendet werden. Bei älteren Kindern gibt es hingegen keine Einschränkung und darf grundsätzlich bei entsprechend starken Schmerzen oder sehr hohem Fieber verschrieben werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlungen

Der Wirkstoff kann oral, rektal und intravenös verabreicht werden. Die häufigste Darreichungsform sind Metamizol 500 mg Tabletten und Metamizol-Tropfen. Außerdem stehen Zäpfchen, Brausetabletten, Injektions- und Infusionslösungen zur Verfügung. Metamizol muss nicht zum oder nach dem Essen eingenommen werden, da es im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln den Magen kaum belastet. Die Dosierung sollte immer nach Empfehlung des Arztes erfolgen.

Vorsicht: Metamizol kann die Fahrtüchtigkeit herabsetzen!

Bei Injektionen mit Metamizol sollte beachtet werden, dass man den Wirkstoff sehr langsam spritzen muss (weniger als ein Milliliter pro Minute), da bei einer schnellen Injektion die Gefahr eines Blutdruckabfalles und in Folge eines anaphylaktischen Schocks besteht.

Um das Risiko einer Agranulozytose zu minimieren, wird empfohlen, Metamizol möglichst nicht länger als ein bis zwei Wochen anzuwenden. Bei längerer Therapie sollte unbedingt regelmäßig eine Kontrolle der Blutwerte erfolgen.

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

Der Wirkstoff verstärkt die Wirkung von Morphin. Diesen Effekt kann man nutzen, um den Morphinbedarf durch gezielte Metamizolgaben möglichst niedrig zu halten.

Metamizol sollte nicht gleichzeitig mit ASS kombiniert werden, da es die blutverdünnende Wirkung von ASS einschränken kann. Wer beide Mittel einnimmt, sollte einen Abstand von mindestens 30 Minuten einhalten.

Außerdem sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich. Dazu gibt der Beipackzettel, der Arzt oder der Apotheker nähere Auskunft.

Metamizol und Alkohol – keine gute Kombination!

Wer Metamizol einnimmt, sollte währenddessen unbedingt auf Alkohol verzichten. Beides wird in der Leber abgebaut und so kann es zu starken Wechselwirkungen wie Niesen, Rötungen im Gesicht und Augentränen kommen. Dafür reichen bereits kleinste Mengen an Alkohol! Darüber hinaus setzt Alkohol die schmerzstillende Wirkung von Metamizol herab. Nicht zuletzt belasten Schmerzmittel immer die Leber, weshalb man ihr im Krankheitsfall nicht auch noch den Zusatzstress durch Alkohol antun sollte.

Alkohol: Vorsicht mit diesen Medikamenten
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