Seltene Krebserkrankung

Hodenkrebs: Vor allem junge Männer sind betroffen

Bei Hodenkrebs handelt es sich um eine Tumorerkrankung, die einen Teil der männlichen Geschlechtsorgane betrifft. Sie kommt selten vor, ist bei Männern im Alter zwischen 25 und 45 Jahren allerdings die häufigste bösartige Krebsart. Wird Hodenkrebs rechtzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen gut!

Hodenkrebs: Vor allem junge Männer sind betroffen
Um Hodenkrebs auszuschließen, sollte der Facharzt aufgesucht werden.
© iStock.com/Wavebreakmedia

Die Hoden erfüllen im Körper wichtige Aufgaben: Pro Sekunde bilden sie etwa 2.500 Spermien und sie produzieren das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Um diese Funktionen erfüllen zu können, bestehen die Hoden aus unterschiedlichen Geweben – aus denen sich auch verschiedene Krebsarten entwickeln können. 90 Prozent der bösartigen Hodentumore entstehen bei erwachsenen Männern aus den Keimzellen. Etwa zehn Prozent, oft gutartige Tumore, gehen von Nebenhoden oder Samenstrang aus.

Artikelinhalte auf einen Blick:

In welchem Alter tritt Hodenkrebs auf?

Hodenkrebs ist eine seltene Krebsart – unter den Krebserkrankungen bei Männern macht sie einen Anteil von etwa 1,6 Prozent aus. Laut Robert Koch-Institut sind in den meisten Fällen junge Männer zwischen 25 und 45 Jahren betroffen und das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 38 Jahren. Aus anderen Quellen geht hervor, dass bereits junge Erwachsene ab einem Alter von 18 Jahren zu der Risikogruppe für Hodenkrebs gehören.

Woher Hodenschmerzen kommen

Ursachen von Hodenkrebs

Die Ursachen für die Entstehung von Hodenkarzinomen sind noch nicht endgültig geklärt. Als gesicherter Risikofaktor gilt jedoch der Hodenhochstand. Hierbei entwickeln sich die Hoden des ungeborenen Babys nicht im Hodensack, sondern in der Bauchhöhle oder dem Leistenkanal.

Viele Hinweise deuten darauf hin, dass auch die weiteren Risikofaktoren schon im Mutterleib entstehen, also bereits vor der Geburt beim Ungeborenen angelegt werden. Es wird vermutet, dass durch genetische Faktoren wie die familiäre Veranlagung oder durch ein Hormonungleichgewicht in der Schwangerschaft veränderte Keimzellen in den Hoden des Babys gebildet werden. Nach der Pubertät besteht dann das Risiko, dass sich diese Vorläuferzellen (TIN-Zellen; testikuläre, intraepitheliale Neoplasie) zu den zerstörerischen Krebszellen entwickeln und auf diese Weise Hodenkrebs entsteht.

Mögliche Risikofaktoren für Hodenkrebs im Überblick:

  • familiäre Veranlagung: Rein statistisch gesehen haben Brüder eines an Hodenkrebs erkrankten Patienten ein zwölffach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken.

  • hormonelle Ursachen

  • angeborener Hodenhochstand

  • Hypospadie: eine angeborene Entwicklungsstörung, bei der die Harnröhrenmündung fehlangelegt ist.

  • Klinefelter-Syndrom: eine Chromosomenabweichung, bei der betroffene Männer über drei statt zwei Geschlechtschromosomen verfügen und weibliche Merkmale ausbilden.

Ein erhöhtes Hodenkrebs-Risiko kann auch bestehen, wenn sich keine oder nur wenige Spermien in der Samenflüssigkeit befinden – also eine Fruchtbarkeitsstörung vorliegt. In einem solchen Fall kann eine Gewebeentnahme aus dem Hoden frühzeitig Aufschluss darüber geben, ob Vorläuferzellen in den Hoden existieren. Diese sind bereits Jahre vor der Entstehung des Krebs nachweisbar.

Keiner der Risikofaktoren ist automatisch ein Anzeichen für Hodenkrebs. Wer mit einem angeborenen Hodenhochstand oder einer Hypospadie zur Welt kam, kann sich von seinem Arzt über Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung beraten lassen. Eltern von betroffenen Kindern sollten dies ebenfalls tun: Kindern kann zu regelmäßigen Selbstuntersuchungen im Jugendalter geraten werden.

Hodenkrebs-Symptome erkennen

Hodenkrebs wird in den meisten Fällen nur zufällig entdeckt, da jährliche Früherkennungsuntersuchungen erst ab einem Alter von 45 Jahren von der gesetzlichen Krankenkasse angeboten werden. Daher ist jedem Mann anzuraten, seine Hoden regelmäßig selbst auf Veränderungen abzutasten. Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt allen Männern zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr, einmal im Monat eine Tastuntersuchung durchzuführen. Treten dabei folgende Symptome auf, sollten diese ärztlich untersucht werden:

  • Die Größe eines Hodens hat sich verändert.

  • Sie ertasten einen Knoten, der nicht schmerzt.

  • Es hat sich Flüssigkeit im Hodensack angesammelt.

  • Sie verspüren ein Schweregefühl oder einen ziehenden Schmerz.

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Diagnose: So erkennt der Urologe Hodenkrebs

Oft stecken hinter den Beschwerden harmlose Ursachen. Um eine Krebserkrankung auszuschließen, empfiehlt es sich dennoch, einen Facharzt aufzusuchen. Er wird in einem ausführlichen Gespräch zur Anamnese die persönliche Krankheitsgeschichte erfragen und im Anschluss eine Tastuntersuchung vornehmen. Zur Erstellung einer genauen Diagnose stehen ihm Ultraschall, Computertomografie, Kernspintomografie und Blutuntersuchungen zur Verfügung.

Prognose: Wie sind die Heilungschancen bei Hodenkrebs?

Über 95 Prozent der Betroffenen können durch den Einsatz von verschiedenen Therapien erfolgreich behandelt und geheilt werden. Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig eine frühzeitige Erkennung und Behandlung ist. Es gilt das Motto: Je früher, desto besser! Dann ist auch die Gefahr geringer, dass der Krebs bereits gestreut und Metastasen in anderen Körperregionen wie der Lunge gebildet hat. In fortgeschrittenen Stadien sinkt die Heilungsrate auf 50 bis 80 Prozent.

Behandlung von Hodenkrebs

Welche Therapie bei einem Hodentumor zur Anwendung kommt, richtet sich danach, welcher Tumortyp vorliegt und in welchem Stadium sich dieser befindet.

Bei einem bösartigen Tumor wird der Hoden operativ entfernt. Während des Eingriffs kann zugleich eine Gewebeprobe des anderen Hodens entnommen werden, um dessen Befall durch den Krebs auszuschließen. Denn bei etwa fünf Prozent der erkrankten Männer entsteht innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose ein Tumor im anderen Hoden – sehr selten geschieht dies auch noch bis zu zehn Jahre danach.

Gegebenenfalls erfolgt nach der Hodenentfernung eine Bestrahlung der Lymphknoten des hinteren Bauchraums oder eine Chemotherapie, wenn nicht alle Krebszellen entfernt werden konnten. Unter Umständen ist bei einem Hodenkarzinom auch eine operative Entfernung der Lymphknotenstationen des hinteren Bauchraums erforderlich.

Der entfernte Hoden kann durch eine Prothese, bestehend aus einem Silikonkissen, ersetzt werden. Nach heutigem Operationsstandard kann bei etwa 95 Prozent der Patienten die Fähigkeit zum Samenerguss auch nach der Hodenentfernung erhalten bleiben.

Kinderwunsch nach Hodenkrebs

Die beidseitige Entfernung der Hoden führt zur Zeugungsunfähigkeit. Wird nur ein Hoden entfernt, bleibt sie meist erhalten. Allerdings kann der Patient auch schon vor der Behandlung unter einer verminderten Fruchtbarkeit gelitten haben. Deshalb sollte generell überprüft werden, ob überhaupt genügend Samenzellen produziert werden.

Eine Chemotherapie verringert die Zahl der Spermien. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, vor Behandlungsbeginn Samenzellen für eine mögliche künstliche Befruchtung konservieren zu lassen. Auch, wenn aktuell kein Kinderwunsch besteht, könnte diese Samenspende für die spätere Familienplanung noch wichtig werden.

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