Angst als Krankheit

Angst- und Panikstörungen

Angst- und Panikstörungen
Unbehandelt kann eine Angst- und Panikstörung zu vollständigem Rückzug führen.
Getty Images/Hemera

Angst kennt jeder Mensch. Ist sie jedoch völlig unangemessen und führt zu massiven Einschränkungen, liegt eine Angst- und Panikstörung vor.

Nicht jedes Angstgefühl ist Anzeichen einer Angst- und Panikstörung. Um Gegenteil: Angst ist ein normales menschliches Gefühl, ein Urinstinkt. In gefährlichen Situationen kann der Körper dann sofort mit erhöhter Wachsamkeit, Konzentration und Zielsicherheit reagieren und ist blitzartig zu Höchstleistungen fähig. Adrenalin flutet an, das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, der Blutdruck steigt und die Muskeln spannen sich an, der Körper wird unempfindlicher gegen Schmerzen. Alles wird mobilisiert, damit wir besser flüchten oder kämpfen können. Auch Fantasie und Kreativität steigern sich in diesem Moment. Erst wenn die Gefahr überstanden ist, fangen die Knie an zu zittern.

Angst kann auch Genuss bereiten

Angst in mildem Ausmaß, zum Beispiel bei einem Krimi, einer Achterbahnfahrt oder beim Boxkampf, kann auch höchster Genuss sein - zumindest im Anschluss. Der Adrenalin-Kick kann sogar Suchtcharakter haben: immer höher, weiter, schneller. Nicht zuletzt beflügelt Angst vorm Versagen - in leichter bis mittlerer Intensität - zu guten Leistungen in Schule, Beruf und Freizeit. Angst ist auch ein wichtiger Überlebensschutz. Ohne Angst würden wir uns zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrennen, ungeachtet aller Radarfallen über die Autobahn rasen und ohne Rücksicht auf unser soziales Umfeld unsere Wünsche und Bedürfnisse realisieren. Angst kann aber auch krankmachen, wenn sie unangemessen stark ist, zu oft und zu lange auftritt. Entscheidend ist daher der richtige Umgang mit der Angst. Ein von Angst geprägtes Erleben hat zum Beispiel dann Krankheitswert, wenn es den Betroffenen massiv einschränkt und der Situation nicht angemessen ist.

Hoher Leidensdruck bei krankhafter Angst

Angst- und Panikerkrankungen führen daher zu deutlichen Einschränkungen im alltäglichen Leben und einem hohen Leidensdruck. Vermutlich sind rund 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen häufiger als Männer. Damit sind sie die häufigsten psychischen Störungen. Allerdings erhält nur jeder zweite Betroffene die richtige Diagnose und nur wenige erhalten eine Behandlung, die ihnen hilft.

Man spricht von einer Angststörung bzw. Angsterkrankung, wenn starke Angstreaktionen wie Enge in der Brust oder Atemnot auftreten, ohne dass ein konkreter Anlass oder eine Gefahr vorhanden ist. Angsterkrankungen können in verschiedene Formen unterteilt werden.

Phobien:

Darunter versteht man übersteigerte, anhaltende und umschriebene Ängste vor bestimmten Objekten und Situationen, die dann vermieden werden, wie Höhenangst, Angst vor engen und geschlossenen Räumen, weiten Plätzen, Reisen, Alleinsein, Tieren wie beispielsweise Hunden, Spinnen oder Schlangen.

Soziale Phobie:

Hierbei handelt es sich um eine Sonderform der Phobie mit massiver, irrationaler Angst vor dem Kontakt zu Menschen beziehungsweise vor Situationen, in denen die Betroffenen prüfend beobachtet, kritisch bewertet und negativ beurteilt werden könnten.

Panikstörung oder Panikattacken:

Das sind schwere Angstanfälle, die unvermutet beginnen, und genauso plötzlich wieder verschwinden. Eine Panikattacke kann bis zu einer halben Stunde anhalten, meist dauert sie jedoch nur fünf bis zehn Minuten. Eine Panikstörung liegt definitionsgemäß dann vor, wenn mindestens zweimal spontane Panikattacken auftreten. Die Betroffenen müssen mindestens einen Monat anhaltend besorgt sein, einen weiteren Panikanfall zu erleiden, also Angst vor der Angst haben.

Generalisierte Angststörung:

Hierunter ist eine über Monate andauernde ängstliche Anspannung zu verstehen, die sich hinter einer Vielzahl von Symptomen verbirgt, wie motorische Anspannung, Hyperaktivität und Unruhe mit Einschlafstörung. Sie tritt häufig im Zusammenhang mit einer Depression auf. Die Betroffenen machen sich an der Mehrzahl der Tage stundenlang übertriebene, intensive Sorgen darüber, dass ihnen oder ihren Angehörigen etwas zustoßen könnte (Unfälle, berufliche und finanzielle Probleme, Krankheit, Kriege, Terrorakte und so weiter).

Autor: Dr. Katrin Wolf / Dr. med. Ulrike Henning / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 22. Februar 2014
Durch: Monika Preuk
Quellen: Wenn die Seele leidet, Psychische Erkrankungen, Borwin Bandelow, Rowohlt 2011; Angst, Eni S. Becker, UTB 2011; Angststörungen, Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)

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