Angst vor engen Räumen

Klaustrophobie: Im Fahrstuhl fährt die Panik mit

Angst vor engen Räumen und überfüllten Plätzen ist typisch für Klaustrophobie. Die Ursachen der Angsterkrankung sind nicht immer eindeutig. Sicher ist jedoch, dass mit der entsprechenden Behandlung die Klaustrophobie geheilt werden kann.

Lift,Klaustrophobie
Lift zu fahren und dann noch steckenzubleiben ist vor allem für Menschen mit Klaustrophobie der pure Horror. Doch es gibt wirksame Therapien gegen die Platzangst.
© iStock.com/PeopleImages

Beispiele gibt es viele und vermutlich jeder kennt jemanden, der unter Klaustrophobie leidet – oder hat selbst schon Erfahrung damit gemacht. Rund sieben Prozent der Bevölkerung sollen von dieser Angsterkrankung betroffen sein, davon sind doppelt so viele Frauen wie Männer.

Die Bezeichnung Klaustrophobie setzt sich übrigens aus den Wörter "claustrum" für Riegel, Schloss, Käfig sowie "phobos" für Furcht zusammen. Klaustrophobie bedeutet also Angst vor der Enge oder davor, eingesperrt zu sein.

Platzangst: Klaustrophobie und Agoraphobie nicht verwechseln!

Häufig wird die Klaustrophobie umgangssprachlich "Platzangst" genannt. Allerdings ist das eigentlich nicht richtig: Experten bezeichnen als Platzangst nämlich die sogenannte Agoraphobie. Damit ist die Angst vor großen Plätzen gemeint, also das genaue Gegenteil der Klaustrophobie.

Klaustrophobie – die Anzeichen der Angststörung

Klaustrophobiker haben Angst, wenn sie sich in engen Räumen oder in großen Menschenmassen befinden. Die Angststörung bedeutet also allein bei der Vorstellung, eingesperrt zu sein, Furcht oder sogar Panik zu entwickeln. Die Klaustrophobie gehört zu den spezifischen Phobien. Das bedeutet, die Angst entsteht durch einen bestimmten Auslöser.

Mögliche Auslöser einer klaustrophobischen Panikattacke

Für Betroffene sind folgende Situationen und Orte eine extreme Belastung und rufen Angst bis hin zu Panik hervor:

  • Fahrstuhl
  • Bus, U-Bahn, Zug, Flugzeug
  • Tunnel
  • Untersuchung "in der Röhre", also Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Sonnenbank
  • enge Toilette
  • enge Gänge
  • überfüllte Räume wie bei Konzerten oder im Kino

Der Klaustrophobiker reagiert dann mit allen Anzeichen von Angst:

  • Schwitzen
  • Enge in der Brust
  • Erstickungsgefühl
  • Herzrasen
  • Magenkrampf
  • Zittern
  • Angst, verrückt zu werden und die Kontrolle zu verlieren

Je nach Ausprägung kann sich die Angst bis zur Panik steigern. Betroffene reagieren dann in immer mehr Situationen mit Klaustrophobie. Sie versuchen, all diese Möglichkeiten zu vermeiden. Im schlimmsten Fall gipfelt das darin, dass sie das Haus gar nicht mehr verlassen.

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Dr. Heart / Expertenteam

Ursachen und Risikofaktoren für eine Klaustrophobie

Meist gibt es für Klaustrophobie keine alleinige Ursache, sondern es kommen mehrere zusammen. Die wichtigsten sind:

  • Genetische Bereitschaft: Wie bei anderen psychischen Erkrankungen auch, gibt es für Klaustrophobie eine genetische Komponente.

  • Krankheiten: Vor allem chronische Krankheiten, aber auch Rauchen spielen bei der Entstehung von Platzangst eine Rolle.

  • Psyche unter Druck: Anhaltender Stress oder besonders belastende Ereignisse münden häufig in Platzangst. Dabei spielt etwa der Tod eines lieben Menschen eine Rolle oder dessen schwere Erkrankung, Trennung sowie Verlust des Arbeitsplatzes.

  • Kindheit: Besonders gefährdet sind Menschen, wenn sie in der Kindheit überbehütet waren, also die Eltern sehr ängstlich und übertrieben auf die Sicherheit des Kindes bedacht handelten. Das Kind hat damit nicht gelernt, Verantwortung zu übernehmen und eine belastende Situation allein erfolgreich durchzustehen.

  • Negative Erfahrungen: Einerseits kann ein bedrohliches Gefühl der Enge traumatisieren. Beispielsweise, wenn Sie stundenlang nach einem Unfall im engen Auto eingesperrt sind oder der Lift steckenbleibt. Andererseits kann es eine Rolle spielen, wenn Sie in einem engen Raum ein belastendes Erlebnis hatten, etwa der Partner ihnen in einem Fahrstuhl die Trennung mitteilt. Dann kann die Psyche die negative Erfahrung auf den engen Raum übertragen.

Diagnose: So stellt der Arzt die Klaustrophobie fest

Ansprechpartner ist zuerst der Hausarzt, der an einen Psychologen oder Psychotherapeuten überweisen kann. In einem ausführlichen Gespräch kann der Experte erkennen, ob es sich um eine Angsterkrankung handelt.

Fragebögen helfen herauszufinden, wie stark die Klaustrophobie ausgeprägt ist und wie stark sie den Patienten belastet. Zusätzlich sollten medizinische Untersuchungen abklären, ob Herzrasen und andere Symptome nicht durch körperliche Krankheiten hervorgerufen werden (Ausschlussdiagnose).

Klaustrophobie-Behandlung sehr erfolgreich

So bedrohlich die ungreifbaren Ängste bei Klaustrophobie auch sein mögen: Diese Angststörung lässt sich gut behandeln. Und je früher die Therapie einsetzt, desto größer ist die Chance, dass man die Angsterkrankung besiegen kann. Dann betragen die Heilungschancen bis zu 80 Prozent. Zur Behandlung der Klaustrophobie stehen drei Methoden zur Verfügung, die sich auch miteinander kombinieren lassen:

  • Antidepressiva: Manche Antidepressiva unterdrücken Ängste. Vor allem zu Beginn einer Therapie gegen Klaustrophobie entlasten diese Medikamente den Patienten. Allerdings sollte die Einnahme nicht als einzige Therapie oder zu lange erfolgen. Denn das Grundproblem wird dadurch nicht dauerhaft gelöst.

  • Psychodynamische Therapie: In Gesprächen mit dem Psychotherapeuten findet der Klaustrophobiker heraus, welche Ängste und negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit Ursache für seine Phobie sein könnten. Zusammen mit dem Therapeuten kann er diese aufarbeiten und damit verschwinden auch die Anzeichen der Klaustrophobie.

  • Verhaltenstherapie: Unterstützt vom Therapeuten wird der Patient gezielt und Schritt für Schritt mit den angstauslösenden Situationen konfrontiert. Dabei erlebt der Klaustrophobiker, dass er eben nicht sterben muss, wenn er in einem Fahrstuhl steht. Mit jedem Versuch wird dadurch die Angst kleiner. Zusätzlich sollen Informationen die Angst auflösen, etwa welche technischen Sicherheitsmaßnahmen es schier unmöglich machen, dass ein Fahrstuhl abstürzt oder sich tagelang nicht öffnen lässt – so lange, bis die Vernunft über die Angst siegt.

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