Das Ziehen im Unterleib

Hodenschmerzen

Ratgeber zur Selbstdiagnose, wenn der Hoden schmerzt

Bei Fußballspieler ist es der Griff in den Schritt, für Kampfsportarten gibt es das Suspensorium. Dadurch soll das männliche Genital vor Verletzungen geschützt werden, die zu heftige Hodenschmerzen führen. Neben einem akuten Trauma können verschiedene Erkrankungen Schmerzen an den Hoden auslösen.

Hodenschmerzen
Hodenschmerzen sind ein frühes Warnzeichen für Erkrankungen des männlichen Urogenitaltrakts. Da der Bereich äußerst sensibel ist, können die Schmerzen sehr stark empfunden werden.
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Hodenschmerzen äußern sich als Ziehen, Druck oder Stechen im Hodenbereich, also direkt am Hodensack (Skrotum) mit ausstrahlendem Schmerz in der Leistenregion. Während bei einem akuten Trauma, wie einem Sturz mit Prellung oder nach einer Schlageinwirkung auf die Hoden, die Ursache erklärbar ist, können Hodenschmerzen spontan auftreten und auf eine Erkrankung des männlichen Urogenitaltrakts hinweisen. Die Auslöser sind dann sehr unterschiedlich und können vom bakteriellen Infekt bis hin zum Hodenkrebs reichen. Eine ärztliche Abklärung der Ursache für Hodenschmerzen ist unverzichtbar.

Unterschiedliche Schmerzen an den Hoden

Laut einer Umfrage unter Urologen ist jeder zweite Mann in Deutschland im Laufe seines Lebens von Hodenschmerzen oder Beschwerden im Bereich der Prostata betroffen. Abhängig von den Ursachen der Hodenschmerzen können die Beschwerden in ihrer Dauer und Stärke deutlich variieren. Die Intensität der Schmerzen lässt aber keine Rückschluss auf die Schwere einer Erkrankung zu. Auch können Erkrankungen umliegender Organe nur in den Genitalbereich ausstrahlen.

Hodenschmerzen meist von Sportunfällen

Häufigste Ursachen für Hodenschmerzen sind akute Verletzungen. Dabei ist nicht immer von einem Tritt in den Unterleib auszugehen. Meist handelt es sich um Freizeit- und Sportunfälle, wie etwa ein Fußballschuss in den Unterleib oder ein Fahrradsturz mit Prellung im Schritt am Fahrradrahmen. Besonders gefährlich erscheint statistisch gesehen das Inline-Skaten: Beim sogenannten Grinden, dem Entlangrutschen mit den Rollschuhen auf einem Geländer, verfehlen Skater häufig die Stange und landen mit gespreizten Beinen, genauer mit dem Beckenboden und ihrem Genital direkt auf dem Handlauf. Für männliche Passanten resultiert dadurch eine weitere mögliche Ursache für Hodenschmerzen, den psychosomatischen Phantomschmerz. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen echten Schmerz, sondern um eine unwillkürliche Muskelkontraktion des Beckenbodens, die durch Spiegelneurone im Gehirn als miterlebter Schmerz interpretiert wird.

Hodenschmerzen nach dem Sex

Kommt es beim Sexualverkehr nicht zum Samenerguss beim Mann oder wird der Orgasmus mechanisch gestört, kann dies zu Hodenschmerzen führen. Eine dauerhafte Erektion kann als in die Hoden ausstrahlender Schmerz empfunden werden. Beim trockenen Orgasmus fehlt der Entspannungimpuls für die Hoden, die sich am Samenleiter an den Körperstamm herangezogen haben. Sie bleiben dann vorerst in dieser Becken nahen Position, was sich aufgrunde der nichterfolgten Endorphinausschüttung beim Orgasmus als krampfartiger Schmerz im Hodensack anfühlt. Diese als Kavaliersschmerzen bezeichneten Missempfindungen bedürfen aus medizinischer Sicht aber keiner Behandlung und lösen sich binnen Minuten bis weniger Stunden von selbst.

Woher Hodenschmerzen kommen

Hodenprellung und Hydrozele

Äußere Einwirkungen wie Stöße, Schläge oder Tritte können längerfristige Schmerzen im Bereich der Hoden auslösen. Dabei erleiden die Betroffenen meist eine sogenannte Hodenprellung, die neben den Schmerzen durch ein Hämatom im Bereich der Hoden und ein entsprechendes Anschwellen des Hodensacks gekennzeichnet ist. Hier hilft in der Regel ebenfalls nur Kühlen und Geduld. Die Schmerzen können sich über mehrere Tage hinziehen, verschwinden jedoch normalerweise wieder von alleine.

Mit dem Hämatom geht meist eine bläulich-grünliche Verfärbung der Hoden einher, die jedoch ebenfalls im Laufe der Zeit wieder zurückgeht. Der Erguss aus Blut und Lymphflüssigkeit kann sich auch verkapseln und einen tastbaren Knoten am Hoden bilden, der sich aber deutlich weicher tastet als der gefürchtete Hodenkrebs. Diese Flüssigkeitsansammlung wird als Hydrozele bezeichnet. Sie ist aber kein statisches Gebilde, kann sich vorübergehend verkleinern und dann wieder mit Flüssigkeit füllen. Dabei ist in der Ausdehnung kein echtes Limit gesetzt, so dass Fälle beschrieben werden, bei denen sich der Hodensack durch eine Hydrozele auf bis zu einen Meter Durchmesser vergrößert hat.

Hodenentzündung (Orchitis) als Ursache für Hodenschmerzen

Die Hodenentzündung (Orchitis) ist die häufigste nicht-akute Ursache der Hodenschmerzen. Meist wird sie von einer Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis) begleitet. Auslöser sind Viren oder Bakterien, sie führen zur Schwellung der Hoden mit Rötung und lokalem Temperaturanstieg am Hodensack.

Die Schmerzen beginnen mit einem leichten, kaum wahrnehmbaren Ziehen und nehmen im Krankheitsverlauf stetig zu. Begleitsymptome der Hodenentzündnung sind Fieber, Beschwerden beim Wasserlassen und weiteren unspezifischen Krankheitssymptome. Die Diagnose wird durch Sicht- und Tastbefund gestellt und mittels Ultraschalluntersuchung gesichert. Zur Bestimmung des auslösenden Erregers wird das Ejakulat auf Bakterien und Viren im Labor untersucht.

Eine nicht behandelte Hodenentzündung kann sich chronisch festsetzen und intervallweise schmerzend wiederkehren.

Behandlung der Hodenentzündung (Orchitis)

Je nach Auslöser der Hodenentzündung muss diese unterschiedlich behandelt werden. Bakteriell bedingte Hodenentzündungen lassen sich indes mit Antibiotika relativ erfolgreich behandeln, wobei möglichst frühzeitig mit der Therapie begonnen werden sollte, um den Übergang in einen chronischen Krankheitsverlauf zu vermeiden. Bei der viralen Orchitis kann lediglich zur Bettruhe mit "Ruhe im Bett" und Kühlung des Hodensacks geraten werden. Entzündunghemmende Medikamente unterstützen die Therapie. Sind Mumpsviren Auslöser der Beschwerden, erfolgt eine Behandlung mit Interferon.

Bleibt eine Hodenentzündung unbehandelt und setzt sich chronisch fest, werden Hoden- und Nebenhoden dauerhaft geschädigt. Neben ständigen Schmerzen wird die Zeugungsfähigkeit beeinträchtig, was bis zur Steriliiät (Zeugungsunfähigkeit) führen kann. Die Entzündung begünstigt die Entstehung von Abszessen, die eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen können. Außerdem werden die Geschlechtspartner einer Ansteckung mit dem Erreger ausgesetzt.

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Hodenschmerzen durch Krampfadern und Leistenbruch

Krampfadern sind ausgesackte venöse Blutgefäße. Im Analbereich werden diese als Hämorrhoiden bezeichnet, im Bereich den Hoden als Varikozele. Die Schmerzen treten hier typischerweise verstärkt unter körperlicher Belastung auf. Ein operative Entfernung oder Verödung dieser Krampfadern gilt als einzig sinnvolle Therapie.

Der Schmerz bei einem Leistenbruch strahlt häufig in Richtung der Hoden aus und wird von den Betroffenen dort als stark schmerzhaftes Druckgefühl wahrgenommenen. Dabei drücken durch den Gewebebruch des Bauchfells Teile der Eingeweide auf den Samenstrang oder die Blutgefäße. Dies führt zum Anschwellen und Schmerzen der Hoden und lässt sich nur durch eine operative Versorgung des Leistenbruchs behandeln.

Schmerzen der Hoden durch Nierensteine

Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege können Hodenschmerzen auslösen. Der Schmerz strahlt dabei meist nur in den Genitalbereich aus und lässt die Hoden mitschmerzen. Die Behandlung des ursächlichen Auslösers lindert dann auch den Hodenschmerz. So muss ein Nieren- oder Blasenstein dann beispielsweise mit Ultraschall zertrümmert oder endoskopisch-mechanisch entfernt werden.

Schmerzen durch verdrehte Hoden

Bei der sogenannten Hodentorsion verdrehen sich die Hoden um die eigene Achse und die Blutzufuhr wird abschnürt. Dies führt durch den Druck des Blutrückstaus zu massiven Schmerzen der Hoden, die von Bauchschmerzen, einem Anschwellen des Hodensacks, Übelkeit und Erbrechen begleitet werden. Erfolgt nicht umgehend eine operative Behandlung, bei der die Hoden wieder in ihre Ausgangslage gebracht werden, droht das Gewebe schon nach wenigen Stunden abzusterben und der betroffene Hoden muss anschließend vollständig entfernt werden. Gefahr einer Hodentorsion besteht vor allem für Kinder und Jugendliche. Erst mit dem Wachstum erreichen die Hoden nach der Pubertät ihre endgültige Position im Hodensack und festigen sich dort. Schnelle Drehbewegungen beim Spielen sind aber keine Gefahr.

Hodenkrebs als Ursache von Hodenschmerzen

Als stark reaktives Gewebe ist für die Hoden eine erhöhte Gefahr der Tumorbildung gegeben. Schmerzen treten aber erst zu einem späteren Krankheitsverlauf auf. Schon viel früher sind beim Hodenkrebs Schwellungen und Verhärtungen am Hoden und den Samenleitern tastbar. Um diese von gutartigen Geschwulsten abgrenzen zu können, ist eine Ultraschalluntersuchung erforderlich.

Hodenkrebs bedarf dringend medizinischer Behandlung, denn frühzeitig behandelt liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent. Zur Therapie des Hodenkrebs kann der betroffenen Hoden entfernt und bei Bedarf zusätzlich mit Strahlen- oder Chemotherapie behandelt werden.

Bei Hodenschmerzen dringend einen Arzt aufsuchen

Die Ursachen für Hodenschmerzen sind vielfältig. Nur in seltenen Fällen, wie dem Kavaliersschmerz, bedürfen sie keiner Behandlung und vergehen von selbst. Hält ein Hodenschmerz länger als zwölf Stunden an oder nimmt in dieser Zeit stark zu, ist sofort der Hausarzt oder idealerweise der Facharzt aufzusuchen, der Urologe oder Männerarzt.

25 Mythen und Fakten zum Penis

Autor:
Letzte Aktualisierung: 28. Dezember 2015

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