Operation und Folgen

Hodenhochstand bei Kind und Mann: Was tun?

Hodenhochstand bedeutet, dass sich die Hoden bei der Geburt nicht im Hodensack, sondern noch im Bauch oder den Leisten befinden. Fast jeder dritte frühgeborene Junge hat einen Hodenhochstand. Von den termingerecht geborenen Knaben sind nur höchstens drei Prozent betroffen.

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Beim Hodenhochstand können die Hoden nach der Geburt nicht ertastet werden.
Getty Images/iStockphoto

Hodenhochstand (medizinisch Maldescensus testis oder Kryptorchismus) bedeutet, dass einer oder beide Hoden zum Zeitpunkt der Geburt nicht im Hodensack liegen. Es handelt sich um die häufigste Anomalie des Urogenitaltraktes. Er tritt bei etwa 0,7 bis 3 Prozent der termingerecht geborenen Jungen auf.

Woher Hodenschmerzen kommen

Wesentlich häufiger betrifft ein Hodenhochstand Frühgeborene – in dieser Gruppe haben sogar bis zu 30 Prozent einen Hodenhochstand.

Oft gleiten die Hoden von selbst an den richtigen Platz

Bei etwa sieben Prozent der betroffenen Babys rutschen in den ersten sechs Monaten die Hoden von selbst in die richtig Lage, also in den Hodensack. Bei den anderen eignet sich im ersten Lebensjahr eine gezielte Hormontherapie. Ist diese nicht erfolgreich, hilft eine Operation, den Hodenhochstand zu beheben.

Diskutiert werden Langzeitfolgen des Hodenhochstands, etwa ein höheres Krebsrisiko und womöglich Infertilität (Unfruchtbarkeit) des betroffenen Mannes.

Symptome: Daran erkennt man den Hodenhochstand

Meist entdeckt der Arzt gleich nach der Geburt, bei der ersten Untersuchung des Babys den Hodenhochstand. Das bedeutet, ein oder zwei Hoden können beim Hodenhochstand nach der Geburt nicht ertastet werden, der Hodensack ist leer. Die Symptome sind also eindeutig.

Verschiedene Formen des Hodenhochstands und ihre Anzeichen:

  • Bauchhoden (Kryptorchismus): Die Hoden befinden sich im Bauchraum und lassen sich nicht ertasten.

  • Leistenhoden: Der Arzt kann die Hoden im Leistenkanal ertasten, sie lassen sich aber nicht von dort aus in den Hodensack führen.

  • Gleithoden: Die Hoden sind im Leistenkanal ertastbar, der Arzt kann sie mit etwas Druck in den Hodensack bewegen, von dort gleiten sie jedoch wieder zurück.

  • Pendelhoden: Die Hoden befinden sich zwar im Hodensack, wandern jedoch immer wieder in die Leiste zurück, etwa bei Kälte.

  • Hodenektomie: Bei dieser äußerst seltenen Anomalie befinden sich die Hoden außerhalb ihres normalen Weges, etwa im Oberschenkel oder Damm.

Leistenbruch und Unfruchtbarkeit durch Hodenhochstand

Die falsche Positionierung der Hoden bedeutet, dass die Spermien nicht ausreichend gekühlt werden. Infertilität kann die Folge sein. Zusätzlich steigt beim Leistenhoden das Risiko für einen Leistenbruch stark an.

Ursachen und Risikofaktoren für einen Hodenhochstand

Die Gene, Hormonstörungen, Umweltgifte während der Schwangerschaft und Rauchen sowie Alkoholkonsum der Mutter können Ursache für den Hodenhochstand sein.

Im Laufe der vorgeburtlichen Entwicklung wandern die Hoden normalerweise vom Bauchraum durch den Leistenkanal in den Hodensack. Embryos haben also von Natur aus einen Hodenhochstand. Bei einem Hodenhochstand weicht die Lokalisation des Hodens von der Norm ab. Vorausgesetzt, dass sie angelegt worden sind, befinden sich die Hoden beim Hodenhochstand meist irgendwo auf dem Weg zwischen ihrem Anlage- und Zielort.

Hodenhochstand hat verschiedenste Ursachen:

  • anatomische Besonderheiten des Samenstrangs
  • Veränderungen im Leistenkanal
  • hormonelle Störungen seitens der Mutter als auch des Kindes
  • eine erbliche Veranlagung
  • Umweltfaktoren (Pestizide)
  • Alkoholkonsum der Mutter
  • Rauchen der Mutter und eventuell Passivrauchen – auch das sind Risikofaktoren für einen Hodenhochstand.

Grund für den Hodenhochstand bestimmt Therapie

Zeitpunkt der Diagnostik, Alter des Kindes, Lokalisation der Hoden und Ursache des Hodenhochstandes entscheiden über die Therapie. Diese sollte bis zum Alter von 18 Monaten abgeschlossen sein, um das Risiko von Folgeschäden wie Schädigung der Spermien und Leistenbruch zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig, Hodenhochstand zu beheben.

Diagnose des Hodenhochstands: Das passiert beim (Kinder-)Arzt

Für die Diagnose von Hodenhochstand und um die Lage der Hoden zu erkennen, stehen Medizinern mehrere Möglichkeiten zur Verfügung – die manuelle Untersuchung, Ultraschall und weitere bildgebende Verfahren sowie ein Hormontest.

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen wird der Kinderarzt regelmäßig die Lage der Hoden kontrollieren und dabei gegebenenfalls auch einen Hodenhochstand feststellen. Auch die Eltern können bei der Diagnose von Hodenhochstand helfen: Sie sollten gelegentlich beim Wickeln oder Baden darauf achten, ob sich beide Hoden im Hodensack befinden.

Beim Hodenhochstand ist der rechte Hoden häufiger betroffen und bei vier von fünf Babys im Leistenkanal tastbar. Da es sich bei Hodenhochstand um eine Entwicklungsstörung handelt, besteht eine gute Chance, dass der Hoden bis zum Ende des ersten Lebensjahres noch in den Hodensack absteigt und der Hodenhochstand damit von selbst beendet ist

Die Diagnose Hodenhochstand stellt der Kinderarzt

Der beste Zeitpunkt zur Untersuchung und Diagnose von Hodenhochstand ist vor dem sechsten Monat, weil der Hodenhochzugreflex (Cremasterreflex) dann noch nicht sehr ausgeprägt ist und die Fettpölsterchen eine genaue Untersuchung noch zulassen.

Bei Hodenhochstand mit tastbarem Hoden wird der Arzt diesen sanft mit dem Finger der einen Hand vom Leistenkanal her nach unten ausstreichen und mit der anderen Hand vom Hodensack aus dagegen tasten. So kann er Leisten-, Gleit- und Pendelhoden unterscheiden. Diese Untersuchung wird mehrmals innerhalb weniger Wochen durchgeführt, da sich die Situation durch eine verspätete Hodenwanderung noch verändern kann. Dann gibt sich der Hodenhochstand sozusagen von selbst.

Ultraschall-Untersuchung bei Verdacht auf Hodenhochstand

Ist ein Hoden bei Hodenhochstand überhaupt nicht tastbar, lässt sich mit Hilfe von Ultraschall in der Mehrzahl der Fälle die genaue Lokalisation im Bauchraum bestimmen. Sollte dies nicht gelingen, sind weiterführende Untersuchungen erforderlich.

Um die Lage eines Bauchhodens ausfindig zu machen, ist die Kernspintomographie oder Computertomografie nicht immer geeignet, weil Bauchhoden häufig mangelernährt und sehr klein sind. Üblich ist in so einem Fall die Bauchspiegelung (diagnostische Laparoskopie). Dabei kann festgestellt werden, wo der Hoden sich befindet und in welchem Ernährungszustand er ist oder ob er fehlt und nicht angelegt wurde. In gleicher Sitzung kann die notwendige Therapie durchgeführt werden.

Hormontest zur Feststellung von Hodenhochstand

Sollten beide Hoden nicht tastbar sein, so wird mit einem Hormonstimulationstest geprüft, ob überhaupt Hodengewebe vorhanden ist. Das ist der Fall, wenn auf den Stimulationsreiz der Testosteronspiegel beim Kind ansteigt. Fehlt es, steigt der Testosteronspiegel kaum an. Auf jedem Fall wird eine Bauchspiegelung gemacht, um die Lage der Bauchhoden festzustellen und gegebenenfalls bereits operative Schritte zu unternehmen, um spätere Folgeschäden zu verhindern. Die Diagnose von Hodenhochstand umfasst also mehrere Untersuchungsschritte.

Therapie: So wird der Hodenhochstand behandelt

Operation und Hormone sind die besten Möglichkeiten zur Therapie des Hodenhochstands. Wichtig ist, dass die Behandlung des Hodenhochstands bis zum 15. Lebensmonat abgeschlossen ist, damit die spätere Fruchtbarkeit des Jungen nicht eingeschränkt ist.

Der Hodenhochstand wird zunehmend als hormonelle Störung gesehen, deren Behandlung mehr beinhalten muss als nur die rein anatomische Korrektur durch die Verlagerung der Hoden in den Hodensack.

Welche Therapie bei Hodenhochstand im Einzelfall eingeleitet werden muss, kann nur der behandelnde Arzt entscheiden, der das Kind untersucht und den Verlauf beobachtet hat. Seine Entscheidung ist abhängig vom Zeitpunkt der Diagnostik, Alter des Kindes, Lage des Hodens und anderen anatomischen Veränderungen, zum Beispiel einem Leistenbruch.

Die Notwendigkeit einer Therapie bei Hodenhochstand

In den meisten Fällen (98 Prozent) verlagern sich die Hoden spontan bis zum Ende des ersten Lebensjahres in den Hodensack. Dann gibt sich der Hodenhochstand von selbst und Therapie ist nicht nötig. Längerals zwölf Monate sollte man jedoch auf diesen verspäteten Hodenabstieg nicht warten, da nur die rechtzeitige Therapie Folgeschäden von Hodenhochstand verhindern kann. Die Therapie von Hodenhochstand sollte vor dem 15. bis 18. Lebensmonat abgeschlossen sein.

Zeitpunkt der Therapie bei Hodenhochstand

Zeitliches Ziel ist die korrekte Lokalisation beider Hoden spätestens bis zum zweiten Geburtstag des Kindes, wobei sich die Tendenz nach unten bewegt und das Behandlungsziel inzwischen der 15. Lebensmonat ist. Das liegt daran, dass sich die Anzahl der Samenvorläuferzellen ab Ende des ersten Lebensjahres zunehmend verringert und die Fruchtbarkeit danach immer schwerer zu erhalten ist.

Eine Sonderstellung nimmt hier der Pendelhoden ein, bei dem nur eine Behandlungsbedürftigkeit besteht, wenn der Hoden überwiegend im Leistenkanal liegt.

Therapiemöglichkeiten bei Hodenhochstand

Prinzipiell gibt es die Möglichkeit der Hormontherapie und der Operation. Man sollte sich nochmals vor Augen führen, dass nur vier Prozent der Termingeburten einen Hodenhochstand haben. Lediglich zwei Prozent von diesen betroffenen Kindern müssen letztendlich behandelt werden. Die Hormontherapie ist dabei sehr wesentlich, weil sie als Hormonersatz-Therapie verstanden wird.

Hormontherapie

Bei einseitigem oder beidseitigem Hodenhochstand mit tastbaren oder im Ultraschall nachweisbaren Hoden wird eine Hormonbehandlung durchgeführt. Das Hormone HCG (Humanes Choriongonadotropin) wird nicht mehr verwendet, weil sich darunter eine erhöhte Absterberate der Ur-Samenzellen (Spermatogonien) und eine Hodenverkleinerung gezeigt haben.

GnRH (Gonadotropin releasing hormon) wirkt auf einer höheren Ebene und regt die Freisetzung von Testosteron an, das die Wanderung des Hodens auslöst und die Stimulation und Verbesserung der Spermienzahl und Spermienreifung bewirkt. GnRH wird als Nasenspray verabreicht. Die Therapie erfolgt nach unterschiedlichen Schemata. Bei einer frühzeitigen Hormongabe vor der Operation ließen sich deutlich mehr Spermienvorläuferzellen nachweisen. Wegen möglicher Rückfälle sind regelmäßige Nachuntersuchungen erforderlich.

Operation eines Hodenhochstands

Bei Hodenhochstand mit einseitig nicht tastbaren Hoden ohne Nachweis im Ultraschall aber gesundem Gegenüber, wird eine Operation von der Leiste aus gemacht. In zwei Drittel der Fälle findet sich nur das Samenstrangbündel. Der Hoden ist häufig verkümmert und wird entfernt, um Folgeschäden zu verhindern. In den anderen Fällen wird der Hoden aus Verwachsungen befreit und am tiefsten Punkt des Hodensackes festgenäht. Damit ist der Hodenhochstand dauerhaft behoben.

Bei Hodenhochstand mit beidseitig nicht tastbaren Hoden ohne Nachweis im Ultraschall wird eine Bauchspiegelung gemacht. In 50 Prozent der Fälle können die Hoden damit erhalten bleiben.

Für die Therapie von Hodenhochstand stehen dem Arzt also viele Möglichkeiten zur Verfügung. Er wird möglichst schonende Verfahren für die Therapie von Hodenhochstand bevorzugen, um das Kind so wenig wie möglich zu belasten.

Verlauf und mögliche Folgen

Ein Hodenhochstand muss auf jeden Fall behandelt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Behandlung spätestens zum 18. Lebensmonat abgeschlossen ist, um Folgeschäden zu vermeiden.

Unfruchtbarkeit durch Hodenhochstand

Es ist allgemein bekannt, dass die Hoden zur Herstellung von Samenzellen eine Temperatur von 32 bis 37 Grad Celsius benötigen. Daher befinden sich die Hoden außerhalb des Körpers. Beim Hodenhochstand ist das nicht der Fall, und die höhere Körpertemperatur führt dazu, dass die Urkeimzellen (Gonocyten) sich nicht in die Samenkeimzellen (Spermatocyten) weiterentwickeln können. Im Verlauf nimmt die Samenproduktion ab und Unfruchtbarkeit droht. Die Anzahl der Urkeimzellen nimmt bis zum dritten Lebensjahr rasch ab. Deshalb sollte die Therapie von Hodenhochstand bis zum 18. Lebensmonat abgeschlossen sein.

Bei einseitigem Hodenhochstand ist die Häufigkeit der Unfruchtbarkeit ähnlich der in der übrigen Bevölkerung.

Fast alle nicht behandelten Patienten mit beidseitigem Hodenhochstand sind unfruchtbar, sogar nach einer Behandlung sind es noch ein Drittel.

Risiko Hodenkrebs bei Hodenhochstand

Hodenkrebs ist mit einer Häufigkeit von einem Prozent der Krebserkrankungen bei Männern eher selten. Es wird ein Zusammenhang mit einer geringen Spermienzahl vermutet. Aber das Risiko, daran zu erkranken, ist 20- bis 40-fach erhöht, wenn ein Hodenhochstand nicht oder zu spät behandelt wurde. Das höchste Risiko haben dabei Bauchhoden und Hoden, die an nicht vorgesehenen Stellen hängenbleiben (Hodenektopie). In 60 Prozent der Fälle entwickelt sich Hodenkrebs im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Die Prognose und damit die Heilungschancen sind bei frühem Entdecken des Tumors sehr gut.

Hodentorsion im Verlauf von Hodenhochstand

Eine Hodentorsion ist die schraubenförmige Drehung des Samenstrangbündels und des Hodens um seine Längsachse. Diese abnorme Beweglichkeit kommt vermehrt bei Hodenhochstand oder verspätet abgestiegenen Hoden vor.

Leistenbruch im Verlauf von Hodenhochstand

Beim Hodenhochstand besteht immer ein offener Leistenkanal. Er verschließt sich erst, nachdem der Hoden in den Hodensack gewandert ist. Bei einer operativen Therapie des Hodenhochstands wird dieser angeborene, kindliche Leistenbruch immer mit versorgt. Ein Wiederauftreten (Rezidivhernie) ist nach dieser Operation selten.

Vorbeugen: Kann man sich vor Hodenhochstand schützen?

Einem Hodenhochstand lässt sich kaum vorbeugen. Allerdings kann die Schwangere durch gesunde Lebensweise ihr Ungeborenes vor Risikofaktoren bewahren.

Ist die Entwicklungsstörung genetisch bedingt, ist sie kaum zu verhindern. Eltern, die wissen, dass in einer der beiden Familien bereits Hodenhochstand vorgekommen ist, sollten jedoch den Kinderarzt darauf aufmerksam machen und das Baby gezielt auf Hodenhochstand beobachten.

Wie Mütter Hodenhochstand beim Baby vorbeugen können

Daneben gibt es jedoch auch andere Risikofaktoren für Hodenhochstand:

  • Rauchen und Passivrauchen der Mutter
  • Alkohol während der Schwangerschaft
  • Umweltgifte

Den beiden ersten Risikofaktoren für einen Hodenhochstand können Schwangere einfach aus dem Weg gehen. Belastungen wie Pestizide lassen sich weitgehend mit Bio-Lebensmitteln vermeiden. Um Hodenhochstand beim Baby vorzubeugen, sollten Schwangere sich also sehr bewusst und schadstoffarm ernähren.

Autor:
Letzte Aktualisierung:02. Dezember 2016
Durch: sba
Quellen: Leitlinien AWMF: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH), Stand 30.4.2013

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