Wenn Organe aus der Bauchwand gleiten

Hernie: Welche Arten es gibt und wie man sie erkennt

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Wenn Bauchorgane durch eine Bruchlücke aus der Bauchwand gedrückt werden, sprechen Fachleute von einer Hernie oder einem Eingeweidebruch. Häufige Arten sind Hiatushernie, Leisten- oder Nabelbruch. Sie lassen sich recht gut erkennen – oft ist eine Operation ratsam.

Verstopfung
Ob innen oder außen: Meist ist bei einer Hernie eine Operation ratsam.
© iStock.com/MarsBars

Die Hernie (auch Eingeweide- oder Weichteilbruch) ist eine Ausstülpung des Bauchfells (Peritoneum) durch eine angeborene oder auch erworbene Bruchlücke. Das Bauchfell und Organe im Bauch verlassen dann ihren ursprünglichen Ort und gleiten durch Schwachstellen in der Bauchwand in die Umgebung.

Im Überblick:

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Arten der Hernie: Wo der Eingeweidebruch vorkommen kann

Hernien werden nach dem Ort der Bruchpforte benannt, also beispielsweise Leistenbruch, wenn die Bruchlücke in der Leiste liegt, oder Nabelbruch, wenn der Bruchsack am Nabel seinen Weg nach außen findet. Außer der Bauchdecke sind weitere mögliche Lokalisationen für Bruchlücken möglich, zum Beispiel am Schenkel.

Demnach unterscheidet man folgende Arten der Hernie:

Außerdem werden Hernien nach folgenden Kriterien unterschieden:

Angeborene Hernie: Sie entsteht dort, wo sich fetale Bauchfellausstülpungen nicht zurückgebildet haben.

Erworbene Hernie: Sie tritt durch erweiterte Lücken aus (zum Beispiel in den Leistenkanal als indirekter Leistenbruch).

Äußere Hernie: Sie tritt durch Lücken der Bauchwand nach außen an die Bauchoberfläche. Äußere Eingeweidebrüche können angeboren sein (beispielsweise der Nabelbruch) oder im Laufe des Lebens erworben werden.

Innere Hernie: Bei inneren Eingeweidebrüchen liegt die Bruchpforte im Bauchraum und es ist von außen keine Vorwölbung zu sehen. Der Bruchsack wölbt sich in eine Ausstülpung des Bauchfells vor oder in einen regelhaft angelegten Hohlraum im Bauchraum. Auch innere Hernien können angeboren oder erworben sein. Ein Beispiel für eine innere Hernie ist der Zwerchfellbruch.

Tritt eine epigastrische Hernie als Anzeichen einer Erkrankung im Bauchraum in Erscheinung, bezeichnen Fachleute sie auch als symptomatische Hernie.

Symptome: So äußert sich eine Hernie

Lässt sich diese Vorwölbung nicht mehr von außen zurückdrücken und werden die Schmerzen stärker, kann dies ein Hinweis auf die Einklemmung des Bruchsacks mitsamt Inhalt in der Bruchlücke sein. Die sogenannte Inkarzeration ist ein chirurgischer Notfall und muss schnellstmöglich operiert werden.

Beschwerden beim unkomplizierten Weichteilbruch

Das erste Krankheitszeichen eines neu auftretenden Weichteil- oder Eingeweidebruchs ist ein ziehender oder stechender Schmerz im Bereich der Bruchpforte, der auch in die nähere Umgebung ausstrahlen kann. Er wird stärker, wenn Organteile durch die Pforte hindurchtreten.

Gleichzeitig tritt dann eine sichtbare Vorwölbung an der Bauchdecke beziehungsweise beim Leistenbruch in der Leistenregion in Erscheinung. Sie ist weich und von außen über die Bruchlücke zurück in den Bauchraum zu drücken. Sie verschwindet bei Entspannung der Bauchdecke mitunter von selbst, beispielsweise wenn der*die Patient*in sich hinlegt. Lassen die Schmerzen bei Entlastung deutlich nach, ist dies ein wichtiger Hinweis dafür, dass keine Einklemmung des Bruchs vorliegt.


Symptome des komplizierten und eingeklemmten Weichteilbruchs

Treten bei einem Weichteilbruch plötzlich starke, meist stechende Schmerzen auf, bildet sich die Vorwölbung bei Entspannung der Bauchdecke nicht von selbst zurück und lässt sie sich auch nicht mit der Hand zurückdrücken, handelt es sich um eine eingeklemmte oder inkarzerierte Hernie. Es ist ein plötzlicher, innerhalb von Sekunden oder Minuten ablaufender Vorgang, ausgelöst beispielsweise durch das Heben einer schweren Last. Der komplizierte Weichteilbruch verursacht immer stärker werdende Schmerzen durch die Reizung des eingeklemmten Bauchfells und der Organteile.

Die Vorwölbung färbt sich zunehmend rot und wird größer, da der eingeklemmte Bruchsack mit seinem Inhalt (zum Beispiel eine Dünndarmschlinge) durch die Stauung ebenfalls anschwillt. Bei der Einklemmung von Darmanteilen kommen Übelkeit und Erbrechen, starke Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen bis hin zu den typischen Symptomen eines Darmverschlusses (gespannte Bauchdecke, keine Darmgeräusche und somit keine Darmbewegungen mehr) hinzu.

Der Darmverschluss, verursacht durch einen eingeklemmten Weichteilbruch, ist lebensbedrohlich und stellt einen chirurgischen Notfall dar. Dann muss schnellstmöglich operiert werden, sonst drohen der Untergang des eingeklemmten Gewebes und eine Bauchfellentzündung mit Sepsis als möglicher Folge.

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Ursachen der Hernie: Wie ein Eingeweidebruch entsteht

Angeborene Hernien entstehen, weil sich Bauchfellausstülpungen während der Embryonalentwicklung nicht ordnungsgemäß zurückgebildet haben. Bei erworbenen Hernien tritt der Bruchsack durch erweiterte, natürlicherweise angelegte Lücken aus. Die Erweiterung dieser Lücken kann durch einen erhöhten Druck im Bauchraum verursacht werden.

Entstehung einer angeborenen Hernie

Bei den angeborenen Gewebebrüchen hat sich eine Ausstülpung des Bauchfells nicht, wie eigentlich vorgesehen, während der Embryonal- und Fetalentwicklung zurückgebildet. Dadurch wird eine Lücke – etwa in der vorderen Bauchwand – offengehalten, durch die dann innere Organe wie etwa Teile von Darmschlingen nach außen vor die Bauchwand treten können. Man sieht eine Wölbung oder Schwellung an der Bauchdecke oder auch in der Leistenregion.

Oft treten Hernien bei Frühgeborenen auf, da diese nicht den gesamten Zeitraum einer Schwangerschaft (regulär 40 Wochen) Zeit hatten, sich zu entwickeln. Warum Eingeweidebrüche auch bei nicht zu früh geborenen Babys auftreten, ist wissenschaftlich bislang ungeklärt.

Leistenhernien bei Säuglingen werden möglichst in den ersten Lebenstagen oder -wochen operiert, da die Einklemmungsgefahr hier wesentlich größer ist als bei Erwachsenen.

Entstehung einer erworbenen Hernie

Erworbene Hernien entstehen meistens dort, wo natürliche Schwachstellen der Bauchwand vorliegen. Das heißt an Stellen, wo die Muskulatur von Natur aus schwächer ausgeprägt ist oder dort, wo Gefäße ihre Durchtrittsstellen in der Bauchwand haben (wie auch im Bereich des Nabels oder in der Leistenregion).

Die Erweiterung dieser Schwachstellen oder natürlicherweise vorkommender, kleinerer Lücken wird durch verschiedene Faktoren begünstigt:

  • erhöhter Druck im Bauchraum: Dieser kann zum Beispiel bei Übergewicht, einer Schwangerschaft oder einer sogenannten Bauchwassersucht (Aszites) entstehen. Die Bauchwassersucht entsteht vor allem bei schweren Lebererkrankungen wie einer Leberzirrhose.

  • häufiges Pressen während des Stuhlgangs, zum Beispiel bei dauerhafter (chronischer) Verstopfung oder bei Harnabflussstörungen aufgrund einer vergrößerten Vorsteherdrüse

  • Überdehnung der Bauchdecke: Große gut- oder bösartige Geschwülste im Bauchraum können durch ihr verdrängendes Wachstum zu einer Überdehnung der Bauchdecken führen.

  • Schwäche der Bauchdecke: Die vererbte, veranlagungsbedingte (konstitutionelle) Bindegewebsschwäche verringert die körpereigene Widerstandsfähigkeit des Gewebes.

  • Verletzungen der Bauchwand: Durch Verletzungen kann es zu einer Schädigung der Bauchwand kommen.

Diagnose: Daran erkennt man die Hernie

Äußere Hernien werden durch Erfragung von Symptomen und Vorgeschichte (Anamnese) festgestellt. Danach folgen körperliche Untersuchungen und eventuell Ultraschallverfahren.

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Körperliche Untersuchungen

Die Untersuchung besteht aus der genauen Betrachtung sowie dem Abtasten des Bauchs mit der vermeintlichen Bruchstelle und dem Abhören mit dem Stethoskop.

In folgenden Regionen finden sich potentielle Bruchpforten:

  • Leistenregion (Ort des Auftretens einer Leistenhernie)

  • Innenseite des Oberschenkels (Ort des Auftretens der Schenkelhernie)

  • Nabelbereich (Ort des Auftretens der Nabelhernie)

  • Mittellinie des Oberbauchs (Ort des Auftretens der epigastrischen Hernie)

  • eventuell vorhandene Narben (Ort des Auftretens der Narbenhernie)

Neben dem Eingrenzen der Region der möglichen Bruchpforte wird durch ärztliches Abtasten auch beurteilt:

  • die Größe der Bruchpforte
  • der Bruchkanal
  • der Inhalt des Bruchsacks
  • ob der Bruchsack zurück durch die Lücke in den Bauchraum zu drücken ist (Reponierbarkeit)

Apparative Untersuchungen

Die Durchleuchtung großer Eingeweidebrüche (Diaphanoskopie) dient vor allem der Unterscheidung eines echten Leistenbruchs mit Darmanteilen im Bruchsack vom sogenannten Wasserbruch. Meist schließt sich noch eine Ultraschalluntersuchung an. Röntgenuntersuchungen werden vor allem bei den seltenen inneren Hernien durchgeführt.

Therapie: So werden Hernien behandelt

Die dauerhafte Beseitigung einer Hernie ist nur durch den Verschluss der Bruchlücke zu erreichen, was eine Hernien-OP bedeutet. Die Behandlung mit dem Bruchband ist aufgrund der deutlichen Verbesserung von Operations- und Narkoseverfahren heutzutage obsolet. Das Zurückdrängen des Bruchsacks in die Bauchhöhle ist nur vorsichtig und bei entspannter Bauchdecke angezeigt.

Bruchband – eine mechanische Stütze

Ein Bruchband ist eine Art Leibbinde mit einer Aushöhlung für den sich vorwölbenden Bruch, der dadurch zurückgedrängt und besser abgestützt werden soll. Die Vorwölbung wird in die Aushöhlung eingepasst und die Leibbinde wird wie ein Gürtel um den Bauch gebunden. Erhältlich sind Bruchbänder in Sanitätshäusern. Sie sind lediglich eine unterstützende Maßnahme, nie eine heilende.

Bei der dauernden Anwendung eines Bruchbands bei Eingeweidebrüchen kommt es häufig zu Hautreizungen bis hin zu Geschwüren. Zudem wiegen Betroffene sich in einer falschen Sicherheit, was die körperliche Belastbarkeit angeht und überschätzen sich.

Minimal-invasiver Eingriff: Operation auch laparoskopisch möglich

Eine Operation ist in vielen Fällen ratsam, dabei muss der Bauch nicht aufgeschnitten werden. Bei einem minimal-invasiven Eingriff (Laparoskopie) kann die Hernie behoben werden. Bei laparoskopischen Operationen ist immer eine Vollnarkose notwendig, dafür sind meist die Krankenhausaufenthalte etwas kürzer, da keine größeren Bauchschnitte notwendig sind.

Außerdem werden oft Fremdmaterialen (Kunststoffnetze), etwa zur Stabilisierung der Bauchwand bei wiederaufgetretenen Leistenbrüchen verwendet, die einige Nähte überflüssig machen.

So läuft eine Operation von Hernien im Bauchbereich ab:

  • Die Haut, Fett- und Bindegewebe sowie Muskulatur werden am Ort des Bruchs durchtrennt (in der Leistenregion oder im Bereich des Nabels).

  • Der Bruchsack wird aufgesucht und sein Inhalt wird nach seiner Öffnung begutachtet.

  • Sind alle Eingeweideteile (meist Darmabschnitte) unbeschädigt, werden sie in die Bauchhöhle zurückverlagert.

  • Anschließend werden große Bruchsäcke weggeschnitten und die Bruchlücke wird in umgekehrter Reihenfolge schichtweise wieder verschlossen.

  • In manchen Fällen werden stabilisierende Dopplungsnähte angelegt, wobei die gegenüberliegenden Ränder von Muskelhäuten (Faszien) überlappend aneinander genäht werden. Als Alternative werden bei den laparoskopischen Operationen Kunststoffnetze verwendet.

Bei Schädigungen von Darmanteilen (zum Beispiel nach längerer Minderdurchblutung bei einer Einklemmung in der Bruchlücke), muss das Darmstück entfernt werden. In seltenen Fällen muss die Bauchhöhle dazu weiter eröffnet werden. Erst dann kann der Wundverschluss erfolgen.

Reposition ist keine Dauerlösung

Der Versuch, einen eingeklemmten Eingeweidebruch durch die Bruchlücke in die Bauchhöhle zurückzudrängen, wird in der medizinischen Fachsprache als Reposition bezeichnet. Sie soll Betroffene schnell von starken Schmerzen befreien und Schädigungen der eingeklemmten Eingeweideteile verhindern.

Der*die Patient*in liegt während der Reposition auf dem Rücken, eine Narkose ist dabei nicht erforderlich. Es wird mit beiden Händen gearbeitet. Eine Hand der*des Ärztin*Arztes umfasst den Bruchsackhals, die andere versucht mit langsamen, massierenden Bewegungen den Inhalt des Bruchsacks durch die Bruchlücke zurückzudrücken. Es muss sehr vorsichtig vorgegangen werden und die Bauchdecke muss möglichst entspannt sein. Andernfalls kann es zu Ausrissen des Bauchfells oder zu Darmverletzungen kommen. Notfalls müssen zunächst Schmerzmittel und muskelentspannende Medikamente verabreicht werden.

Die Behandlung einer eingeklemmten Hernie muss durch medizinisches Fachpersonal erfolgen, da es bei unsachgerechter Anwendung zu lebensgefährlichen Darmverletzungen kommen kann.

Nach einer erfolgreichen Zurückverlagerung von Eingeweideteilen und somit der Behebung des Notfalls wird die weitere individuelle Behandlung besprochen. Eine Operation kann die Bruchlücke verschließen und eine Heilung bewirken. Sie sollte möglichst zeitnah erfolgen, um eine wiederholte Einklemmung zu vermeiden.

Hernie: Wie kann man vorbeugen?

Viele Risikofaktoren für die Entstehung von Hernien kann oder möchte man nicht vermeiden. Dazu zählen beispielsweise Bindegewebsschwäche und Schwangerschaft. Es gibt jedoch Umstände, die man selbst positiv beeinflussen kann, um Hernien zu verhindern:

  • Auf schwere körperliche Arbeiten, die der individuellen Statur nicht angemessen sind, ist zu verzichten. Das Heben schwerster Lasten ohne entsprechende Hilfsmittel führt zur abrupten, ruckartigen Beanspruchung der Bauchdecke und kann einen Bruch hervorrufen.

  • Die chronische Verstopfung (Obstipation) ist eine vermeidbare Zivilisationskrankheit. Pressen beim Stuhlgang beansprucht die Bauchdecke und leiert sie aus. Ballaststoffreiche Ernährung (zum Beispiel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Vollkornbrot) und eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern (zum Beispiel Tee, Wasser und verdünnte Obstsäfte) bewirken einen geformten, aber weichen Stuhl.

  • Auch regelmäßige sportliche Betätigung und Bewegung im Allgemeinen regt die Darmtätigkeit an. Überdies kann sie gezielt zum Training der Bauchmuskulatur eingesetzt werden. So wird die Bauchdecke stabilisiert und einer Hernie vorgebeugt.

  • Übergewicht sollte vermieden oder abgebaut werden.

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