Gerissenes Gewebe

Leistenbruch: Symptome und OP

Ein Leistenbruch ist eine lebensbedrohliche Lücke in der Bauchwand. Häufig deutet eine Vorwölbung am seitlichen Unterbauch auf die Leistenhernie hin. Bei Kindern ist sie meist angeboren und erfordert eine sofortige Behandlung

Leistenbruch
Ein Leistenbruch führt oft zu starken Schmerzen und macht meist eine OP notwendig.
© iStock.com/bymuratdeniz

Die Bezeichnung Leistenbruch hat nichts mit dem Bruch (Fraktur) eines Knochens zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen Weichteilbruch, der durch eine Lücke in der Bauchwand entsteht. An dieser Stelle können sich Gewebeteile aus der Bauchhöhle vorschieben, was außen am Bauch als mehr oder weniger große Vorwölbung zu sehen ist. Mediziner bezeichnen die Gewebelücke als Bruchpforte, die Ausstülpung als Bruchsack. Oft lässt sich diese Beule unter leichtem Druck mit den Fingern in den Bauch zurückschieben.

Leistenbruch kann lebensgefährlich sein

Sind keine Darmteile in der Gewebelücke eingeklemmt, verursacht der Leistenbruch oft keine starken Beschwerden. Geschieht dies aber, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, denn es besteht die Gefahr, dass der betroffene Darmteil abstirbt. Aus diesem Grund ist es unbedingt erforderlich, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn der Verdacht auf einen Leistenbruch besteht.

Unterleibsschmerzen – das sind die Ursachen

Bruch an der Leiste, Zwerchfell oder dem Nabel

Ärzte bezeichnen einen Weichteilbruch auch als Hernie. Je nachdem, an welcher Stelle der Defekt auftritt, trägt er zusätzlich eine entsprechende Bezeichnung – im seitlichen Unterbauch nennt man ihn Leistenhernie. Weichteilbrüche kommen zum Beispiel auch am Zwerchfell (Zwerchfellhernie), am Nabel (Nabelhernie) oder als Narbenbruch, etwa nach Operationen mit Bauchschnitt, vor.

Leistenbruch beim Mann häufiger als bei der Frau

Der Leistenbruch ist unter den Weichteilbrüchen die häufigste Form, von der mehr Männer als Frauen betroffen sind. Schätzungsweise 200.000 Menschen lassen sich in Deutschland pro Jahr wegen eines Leistenbruchs operieren. Während die Leistenhernie bei Erwachsenen meist im Laufe des Lebens entsteht (erworbener Leistenbruch), sind Leistenbrüche bei Kindern fast immer angeboren.

Ursachen: Wie entsteht ein Leistenbruch?

Die Bauchdecke verfügt über eine schmale, natürliche Öffnung (Leistenspalt), die durch den unterschiedlichen Verlauf der verschiedenen Bauchmuskeln entsteht. Hier befindet sich der sogenannte Leistenkanal.

Bei Männern durchzieht der Samenstrang den Leistenkanal, denn während der Entwicklung des männlichen Embryos steigt der Hoden aus der Bauchhöhle durch den Leistenspalt in den Hodensack ab. Bei der Frau durchzieht das sogenannte Mutterband, welches zum Aufhängeapparat der Gebärmutter zählt, den Leistenkanal. Normalerweise verschließt sich diese natürliche Lücke der Bauchwand bis zur Geburt so weit, dass keine Eingeweideteile mehr herausrutschen können. Bleibt der Leistenspalt jedoch zu weit, kann dies die Ursache für den Leistenbruch sein.

Leistenbruch kann angeboren oder erworben sein

Bei einem Leistenbruch lassen sich folgende Formen und Ursachen unterscheiden:

Beim angeborenen Leistenbruch verengt sich der Leistenspalt nicht ausreichend bis zur Geburt.

Bei Erwachsenen kommt häufig ein erworbener Leistenbruch vor, der familiär veranlagt sein kann. Folgende Faktoren erhöhen dann das Risiko, dass im Lauf des Lebens ein Leistenbruch entsteht:

  • schwaches Bindegewebe und schwache Bauchmuskulatur

  • erhöhter Druck im Bauchraum, etwa durch starkes Pressen (zum Beispiel bei chronischer Verstopfung), Übergewicht, Schwangerschaft oder durch Heben schwerer Lasten.

Symptome: Wie merkt man einen Leistenbruch?

Typisch für einen Leistenbruch ist die äußerlich sicht- und tastbare Vorwölbung des Bruchsacks, die meist auf einer Seite, in manchen Fällen auch in beiden Leisten, auftritt. Die "Beule" am Bauch fühlt sich normalerweise weich an und lässt sich mit den Fingern in den Bauchraum zurückschieben. Ein Leistenbruch kann in seiner Größe stark variieren und im Extremfall ein beträchtliches Ausmaß annehmen. Bei Männern ist es auch möglich, dass sich Darmschlingen bis in den Hodensack vorschieben (Skrotalhernie).

Bei Erwachsenen macht sich die Leistenhernie manchmal durch stechende Schmerzen in der Leistengegend bemerkbar. Dabei können auch dann Schmerzen auftreten, wenn äußerlich noch keine Vorwölbung in der Leiste zu sehen ist. Manche Betroffene beschreiben auch lediglich ein Ziehen oder Druckgefühl in der Leistengegend, das sich vor allem im Stehen oder beim Heben schwerer Gegenstände verstärkt. Im Liegen hingegen verschwinden die Beschwerden meist wieder.

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Plötzliche Schmerzen sind Alarmzeichen

Treten plötzlich starke Schmerzen auf, die unter Umständen von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind und lässt sich die Vorwölbung nicht mehr zurückverlagern, kann dies auf eingeklemmte Darmteile hinweisen (Inkarzeration). Diese Komplikation des Leistenbruchs ist lebensbedrohlich und erfordert eine umgehende Behandlung im Krankenhaus.

Diagnose: Welcher Arzt bei Leistenbruch?

Grundsätzlich kann jeder Arzt eine Hernie diagnostizieren. Oft steht bei einem Leistenbruch die Diagnose schnell fest. Dazu stellt der Arzt zunächst Fragen über die Art der Beschwerden und seit wann diese bestehen. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung betrachtet der Mediziner zunächst den Bauch und Genitalbereich.

Bei Männern: Hoden kann vergrößert sein

Untersucht wird, ob Vorwölbungen im Bereich der Leiste oder – bei Männern – eine auffällige Vergrößerung eines Hodens zu sehen sind. Im Anschluss tastet der Arzt die Leistengegend und Hoden ab und prüft, ob sich der Bruchsack weich anfühlt und er diesen mit den Fingern in den Bauch zurückschieben kann. Ist äußerlich keine "Beule" in der Leiste zu sehen, bittet er den stehenden Patienten zu husten. Dies steigert den Druck in der Bauchhöhle, dadurch wölben sich Eingeweideteile etwas in die Bruchpforte vor, sodass eine Leistenhernie mit den Fingern spürbar wird. Meist fordert der Arzt den Betroffenen auf, sich hinzulegen, um zu beobachten, ob sich der Bruchsack im Liegen verkleinert.

Ultraschall zur Diagnose einer Leistenhernie

Liefern die Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse, sind weitere Diagnosemethoden notwendig. Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) kann der Arzt Leistenregion und Bauchorgane als Bild darstellen. Ein spezielles Ultraschallverfahren (die Doppler-Sonografie) ermöglicht es, den Blutfluss innerhalb der Gefäße sichtbar zu machen. Durchblutungsstörungen eventuell eingeklemmter Darmteile lassen sich so rasch aufdecken.

Behandlung: So verläuft eine Leistenbruch OP

Ein Leistenbruch muss meist durch eine Operation behoben werden. Für welche Technik sich der Chirurg entscheidet, hängt vom individuellen Fall ab.

Bei der Operation eröffnet der Arzt die Bauchdecke entweder durch einen Schnitt (offenes Verfahren) oder wendet die Schlüssellochtechnik an (laparoskopisches oder endoskopisches Verfahren). Dabei führt er die OP-Instrumente über kleine Schnitte in der Bauchwand ein. Eine stabförmige Kamera, die ebenfalls in den Bauchraum geschoben wird, ermöglicht ihm die Sicht auf das Operationsfeld.

Ziel aller Therapieverfahren ist es, den innenliegenden Bereich des Leistenkanals zu verstärken. Dazu verlagert der Chirurg den Inhalt des Bruchsacks zunächst zurück in die Bauchhöhle. Grundsätzlich lassen sich zwei Verfahren zur Leistenbruch-Therapie unterscheiden:

  • Verstärkung der Bauchwand durch spezielle Nahttechniken: Unter den verschiedenen Techniken gilt die Methode nach Shouldice als Standardverfahren. Nachdem der Operateur den Bruchsack freigelegt und zurückverlagert hat, vernäht er Bindegewebe mit den verschiedenen Muskelschichten und dem Leistenband.

  • Verstärkung der Bauchwand mithilfe eines Kunststoffnetzes: Zu den Routineverfahren zählt die Operation nach Lichtenstein. Nachdem er den Bruchsack zurückverlagert hat, stabilisiert der Chirurg die Bruchlücke, indem er ein spezielles Kunststoffnetz einsetzt und vernäht. Das Netz wird im Rahmen einer offenen oder laparoskopischen Operation eingesetzt.

Alle Therapieverfahren haben Vor- und Nachteile, daher richtet sich die Wahl der Methode nach dem individuellen Fall sowie dem Alter des Patienten.

Auch stehen für den Eingriff unterschiedliche Betäubungsverfahren zur Verfügung:

  • örtliche Betäubung (Lokalanästhesie): Der Arzt spritzt ein Betäubungsmittel in alle Bauchwandschichten entlang des Leistenkanals.

  • Spinalanästhesie: Hier setzt der Narkosearzt die Spritze mit dem Betäubungsmittel in den Bereich der Lendenwirbelsäule. Dadurch ist die untere Körperhälfte betäubt, der Patient bleibt dabei wach.

  • Narkose (Anästhesie) (Allgemeinanästhesie): Das Narkosemittel schaltet Bewusstsein und Schmerzempfindung aus. Vor allem bei Kindern operieren Ärzte den Leistenbruch in Vollnarkose.

Wächst Leistenbruch ohne OP wieder zusammen?

Fast immer raten Ärzte bei einer Leistenhernie zu einer Operation. Denn die Lücke in der Bauchwand bildet sich nicht von selbst zurück, sondern erweitert sich meist im Laufe der Zeit. Unbehandelt besteht schließlich die Gefahr, dass Teile der Baucheingeweide – meist eine Darmschlinge – in den Bruchsack rutschen und hier eingeklemmt werden (Inkarzeration). Der verfangene Organteil kann nicht mehr ausreichend durchblutet werden und stirbt ab, sofern keine Behandlung erfolgt. Daher kann sich ein Leistenbruch – auch wenn er kaum Beschwerden verursacht – plötzlich zu einem lebensbedrohlichen Notfall entwickeln.

Verlauf: Kann ein Leistenbruch wiederkommen?

In den meisten Fällen ist der Verlauf bei einem Leistenbruch nach einer Operation gut. Allerdings besteht abhängig von der jeweiligen Methode ein gewisses Risiko, dass es erneut zur Hernie kommt (Rezidiv). Zu den Operationsrisiken zählen Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen sowie die Verletzung oder Einengung nahegelegener Nerven und Gefäße. Beim Mann besteht eine gewisse Gefahr, dass Blutgefäße, die den Hoden versorgen, oder der Samenleiter verletzt oder eingeengt werden. Insgesamt ist die Operation eines Leistenbruchs jedoch ein sehr risikoarmer Eingriff.

Leistenbruch vorbeugen: Die besten Tipps

Einem Leistenbruch lässt sich nicht grundsätzlich vorbeugen, denn die Ursachen für die Lücke in der Bauchwand ist oft angeboren oder familiär veranlagt. Einige Verhaltensregeln senken jedoch das Risiko, dass es zu einem erworbenen Leistenbruch kommt.

  • Heben Sie keine allzu schweren Gegenstände. Insbesondere nach einer Leistenbruch-Operation ist das Tragen von Lasten für viele Wochen tabu.

  • Achten Sie auf eine gesunde ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und Ballaststoffen und treiben Sie leichten Sport. Auf diese Weise können Sie Übergewicht und Verdauungsproblemen, wie einer chronischen Verstopfung vorbeugen.

Damit Sie Komplikationen durch einen Leistenbruch vorbeugen, gehen Sie rechtzeitig zum Arzt, wenn Sie eine Leistenhernie bei sich oder Ihrem Kind vermuten.

Leistenbruch beim Baby: Symptome und Behandlung

Ein Leistenbruch tritt bei etwa 0,8 bis 4,4 Prozent aller Neugeborenen auf, bei Frühgeborenen sind 16 bis 25 Prozent betroffen. Jungen erleiden den kindlichen Leistenbruch etwa vier- bis fünfmal häufiger als Mädchen. In 60 Prozent der Fälle befindet sich der Bruch auf der rechten Seite, bei etwa 15 Prozent liegt ein doppelseitiger Leistenbruch vor.

Manche Faktoren begünstigen Hernie beim Kind

Die Ursache des Leistenbruchs beim Kind ist meist eine angeborene Öffnung in der Bauchwand. Der sogenannte "Scheidenhautfortsatz" (Processus vaginalis), eine Ausstülpung der Bauchwand, verschließt sich normalerweise im Lauf der Entwicklung. Kommt es nicht zum Verschlusss, kann dies zum Leistenbruch führen.

Faktoren, die einen kindlichen Leistenbruch begünstigen, sind:

  • Frühgeburt

  • Fehlbildungen der Harn- und Geschlechtsorgane, zum Beispiel Hodenhochstand oder Blasenextrophie

  • Druckerhöhung innerhalb des Bauchraums beispielsweise verursacht durch einen Nabelschnurbruch

  • Chronische Atemprobleme, die zu einem Sauerstoffmangel und einem Kohlendioxid-Überschuss im Blut führen (respiratorische Insuffizienz)

  • Defekte des Bindegewebes

Besteht der Verdacht auf einen kindlichen Leistenbruch, ist es wichtig, das Kind so schnell wie möglich ärztlich untersuchen zu lassen, um das Risiko möglicher Folgen einer Einklemmung, wie das Absterben von Darmteilen, zu verringern.

Leistenbruch beim Baby wird operiert

Ein Leistenbruch muss auch bei Kindern in der Regel so schnell wie möglich operiert werden. Bei der Operation wird der offene Scheidenhautfortsatz geschlossen beziehungsweise abgetragen. Dieser Eingriff kann auch minimalinvasiv erfolgen.

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