Gerissenes Gewebe

Leistenbruch: Symptome erkennen und mit OP behandeln

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Ein Leistenbruch ist eine lebensbedrohliche Lücke in der Bauchwand. Häufig deutet eine Vorwölbung am seitlichen Unterbauch auf die Leistenhernie hin. Bei Kindern ist sie meist angeboren und erfordert eine sofortige Behandlung

Mann mit Leistenbruch und Bauchschmerzen
© Getty Images/elenaleonova

Bei einem Leistenbruch handelt es sich um einen Weichteilbruch, der durch eine Lücke in der Bauchwand entsteht. An dieser Stelle können sich Bauchfell und Organteile aus der Bauchhöhle vorschieben, was außen am Bauch als mehr oder weniger große Vorwölbung zu sehen ist. Oft lässt sich die Schwellung oder Beule unter leichtem Druck mit den Fingern in den Bauch zurückschieben.

Artikelinhalte im Überblick:

Unterleibsschmerzen – das sind die Ursachen

Was ist ein Leistenbruch?

Fachleute bezeichnen einen Weichteilbruch wie den Leistenbruch auch als Hernie. Je nachdem, an welcher Stelle der Defekt in der Bauchwand auftritt, trägt er zusätzlich eine entsprechende Bezeichnung – im seitlichen Unterbauch nennt man ihn Leistenhernie. Weichteilbrüche kommen zum Beispiel auch am Zwerchfell ( Zwerchfellhernie) und am Nabel (Nabelhernie, Nabelbruch) vor, etwa nach Operationen mit Bauchschnitt. Medizinische Bezeichnungen für die Gewebelücke ist Bruchpforte und Bruchsack für die Ausstülpung.

Sind keine Teile des Darms in der Gewebelücke eingeklemmt, verursacht der Leistenbruch oft keine starken Beschwerden. Geschieht dies aber, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, denn es besteht die Gefahr, dass der betroffene Darmteil abstirbt. Aus diesem Grund ist es unbedingt erforderlich, sofort eine*n Ärztin*Arzt aufzusuchen, wenn der Verdacht auf einen Leistenbruch besteht.

Leistenbruch beim Mann häufiger als bei der Frau

Der Leistenbruch ist unter den Weichteilbrüchen die häufigste Form, von der mehr Männer als Frauen betroffen sind. Schätzungsweise 200.000 Menschen lassen sich in Deutschland pro Jahr wegen eines Leistenbruchs operieren. Während die Leistenhernie bei Erwachsenen meist im Laufe des Lebens entsteht (erworbener Leistenbruch), sind Leistenbrüche bei Kindern fast immer angeboren.

Symptome: Wie merkt man einen Leistenbruch?

Typisch für einen Leistenbruch ist die äußerlich sicht- und tastbare Vorwölbung des Bruchsacks, die meist auf einer Seite, in manchen Fällen auch in beiden Leisten, auftritt. Die "Beule" am Bauch fühlt sich normalerweise weich an und lässt sich mit den Fingern in den Bauchraum zurückschieben. Ein Leistenbruch kann in seiner Größe stark variieren und im Extremfall ein beträchtliches Ausmaß annehmen. Bei Männern ist es auch möglich, dass sich Darmschlingen bis in den Hodensack vorschieben (Skrotalhernie).

Plötzliche Schmerzen sind Alarmzeichen

Bei Erwachsenen macht sich die Leistenhernie manchmal durch stechende Schmerzen in der Leistengegend bemerkbar. Dabei können bereits Schmerzen auftreten, wenn äußerlich noch keine Vorwölbung in der Leiste zu sehen ist. Manche Betroffene beschreiben auch lediglich ein Ziehen oder Druckgefühl in der Leistengegend, das sich vor allem im Stehen oder beim Heben schwerer Gegenstände verstärkt. Im Liegen hingegen verschwinden die Beschwerden meist wieder.

Treten plötzlich starke Schmerzen auf, die unter Umständen von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind und lässt sich die Schwellung nicht mehr zurückverlagern, kann dies auf eingeklemmte Darmteile hinweisen (Inkarzeration). Diese Komplikation des Leistenbruchs ist lebensbedrohlich und erfordert eine umgehende Behandlung im Krankenhaus.

Ursachen: Wie entsteht ein Leistenbruch?

Die Bauchdecke verfügt über eine schmale, natürliche Öffnung (Leistenspalt), die durch den unterschiedlichen Verlauf der verschiedenen Bauchmuskeln entsteht. Hier befindet sich der sogenannte Leistenkanal. Bei Männern durchzieht der Samenstrang den Leistenkanal, denn während der Entwicklung des männlichen Embryos steigt der Hoden aus der Bauchhöhle durch den Leistenspalt in den Hodensack ab. Bei der Frau durchzieht das sogenannte Mutterband, welches zum Aufhängeapparat der Gebärmutter zählt, den Leistenkanal. Normalerweise verschließt sich diese natürliche Lücke der Bauchwand bis zur Geburt so weit, dass keine Eingeweideteile mehr herausrutschen können. Bleibt der Leistenspalt jedoch zu weit, kann dies die Ursache für den Leistenbruch sein.

Leistenbruch kann angeboren oder erworben sein

Beim angeborenen Leistenbruch verengt sich der Leistenspalt nicht ausreichend bis zur Geburt. Bei Erwachsenen kommt häufig ein erworbener Leistenbruch vor, der familiär veranlagt sein kann. Folgende Faktoren erhöhen dann das Risiko, dass im Lauf des Lebens ein Leistenbruch entsteht:

  • schwaches Bindegewebe

  • schwache Bauchmuskulatur

  • erhöhter Druck im Bauchraum, etwa durch starkes Pressen (zum Beispiel bei chronischer Verstopfung), Übergewicht, Schwangerschaft oder durch Heben schwerer Lasten.


Wie wird die Diagnose Leistenbruch gestellt?

Oft steht bei einem Leistenbruch die Diagnose schnell fest. Dazu werden Betroffenen zunächst Fragen über die Art der Beschwerden und seit wann diese bestehen gestellt. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung werden der Bauch und Genitalbereich betrachtet und abgetastet.

Untersucht wird, ob Vorwölbungen im Bereich der Leiste oder – bei Männern – eine auffällige Vergrößerung eines Hodens zu sehen sind. Im Anschluss tastet die*der Ärztin*Arzt die Leistengegend und Hoden ab und prüft, ob sich der Bruchsack weich anfühlt und sie*er diesen mit den Fingern in den Bauch zurückschieben kann. Ist äußerlich keine "Beule" in der Leiste zu sehen, sollen stehende Patient*innen husten. Dies steigert den Druck in der Bauchhöhle, dadurch wölben sich Eingeweideteile etwas in die Bruchpforte vor, sodass eine Leistenhernie mit den Fingern spürbar wird. Außerdem wird überprüft, ob sich der Bruchsack im Liegen verkleinert.

Liefern die Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse, sind weitere Methoden zur Diagnostik notwendig. Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) können die Leistenregion und Bauchorgane als Bild dargestellt werden. Ein spezielles Ultraschallverfahren (die Doppler-Sonografie) ermöglicht es, den Blutfluss innerhalb der Gefäße sichtbar zu machen. Durchblutungsstörungen eventuell eingeklemmter Darmteile lassen sich so rasch aufdecken.

Behandlung: So verläuft eine Leistenbruch-OP

Ein Leistenbruch muss meist durch eine Operation behoben werden. Dabei wird die Bauchdecke entweder durch einen Schnitt (offenes Verfahren) oder mittels Schlüssellochtechnik (laparoskopisches oder endoskopisches Verfahren) geöffnet. Über einen kleinen Schnitt in die Bauchwand werden die OP-Instrumente eingeführt. Eine stabförmige Kamera ermöglicht die Sicht auf das Operationsfeld.

Ziel der Operation ist es, den innenliegenden Bereich des Leistenkanals zu verstärken. Dazu wird der Bruchinhalt zunächst zurück in die Bauchhöhle verlagert. Grundsätzlich lassen sich zwei Operationsverfahren unterscheiden:

  • Verstärkung der Bauchwand durch spezielle Nahttechniken: Dabei gilt die Methode nach Shouldice als Standardverfahren. Nachdem der Bruchsack freigelegt und zurückverlagert wurde, vernäht er Bindegewebe mit den verschiedenen Muskelschichten und dem Leistenband.

  • Verstärkung der Bauchwand mithilfe eines Kunststoffnetzes: Zu den Routineverfahren zählt die Operation nach Lichtenstein. Nachdem der Bruchsack zurückverlagert wurde, kann die Bruchlücke mit einem speziellen Kunststoffnetz vernäht werden. Das Netz wird im Rahmen einer offenen oder laparoskopischen Operation eingesetzt.

Auch stehen für den Eingriff unterschiedliche Betäubungsverfahren zur Verfügung:

  • Örtliche Betäubung (Lokalanästhesie): Das Betäubungsmittel wird in alle Bauchwandschichten entlang des Leistenkanals gespritzt.

  • Spinalanästhesie: Hier wird die Spritze mit dem Betäubungsmittel in den Bereich der Lendenwirbelsäule gespritzt. Dadurch ist die untere Körperhälfte betäubt, Patient*innen bleiben dabei wach.

  • Vollnarkose (Allgemeinanästhesie): Das Narkosemittel schaltet Bewusstsein und Schmerzempfindung aus. Vor allem bei Kindern wird der Leistenbruch in Vollnarkose operiert.

Wächst ein Leistenbruch ohne OP wieder zusammen?

Fast immer raten Ärzt*innen bei einer Leistenhernie zu einer OP. Denn die Lücke in der Bauchwand bildet sich nicht von selbst zurück, sondern erweitert sich meist im Laufe der Zeit. Unbehandelt besteht schließlich die Gefahr, dass Teile der Baucheingeweide – meist eine Darmschlinge – in den Bruchsack rutschen und hier eingeklemmt werden (Inkarzeration). Der verfangene Organteil kann nicht mehr ausreichend durchblutet werden und stirbt ab, sofern keine Behandlung erfolgt. Daher kann sich ein Leistenbruch plötzlich zu einem lebensbedrohlichen Notfall entwickeln, obwohl er kaum Beschwerden verursacht.

Verlauf: Kann ein Leistenbruch wiederkommen?

In den meisten Fällen ist der Verlauf bei einem Leistenbruch nach einer OP gut. Allerdings besteht abhängig von der jeweiligen Methode ein gewisses Risiko, dass es erneut zur Hernie kommt (Rezidiv). Zu den Operationsrisiken zählen

  • Wundinfektionen,
  • Wundheilungsstörungen und
  • Verletzung oder Einengung nahegelegener Nerven und Gefäße.

Beim Mann besteht eine gewisse Gefahr, dass Blutgefäße, die den Hoden versorgen, oder der Samenleiter verletzt oder eingeengt werden. Insgesamt ist die OP eines Leistenbruchs jedoch ein sehr risikoarmer Eingriff.

Leistenbruch vorbeugen: Die besten Tipps

Einem Leistenbruch lässt sich nicht grundsätzlich vorbeugen, denn die Ursachen für die Lücke in der Bauchwand ist oft angeboren oder familiär veranlagt. Einige Verhaltensregeln senken jedoch das Risiko, dass es zu einem erworbenen Leistenbruch kommt.

  • Keine allzu schweren Gegenstände heben und tragen. Insbesondere nach einer Leistenbruch-OP ist das Tragen von Lasten für viele Wochen und starke Belastung tabu.

  • Auf eine gesunde ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse und Ballaststoffen achten. Außerdem regelmäßig Sport treiben. Auf diese Weise kann man Übergewicht und Verdauungsproblemen, wie einer chronischen Verstopfung vorbeugen.

Leistenbruch beim Baby: Symptome und Behandlung

Ein Leistenbruch tritt bei etwa 0,8-4,4 Prozent aller Neugeborenen auf, bei Frühgeborenen sind 16 bis 25 Prozent betroffen. Jungen erleiden den kindlichen Leistenbruch deutlich häufiger als Mädchen. In 60 Prozent der Fälle befindet sich der Bruch auf der rechten Seite, bei etwa 15 Prozent liegt ein doppelseitiger Leistenbruch vor.

Manche Faktoren begünstigen Hernie beim Kind

Die Ursache des Leistenbruchs beim Kind ist meist eine angeborene Öffnung in der Bauchwand. Der sogenannte "Scheidenhautfortsatz" (Processus vaginalis), eine Ausstülpung der Bauchwand, verschließt sich normalerweise im Lauf der Entwicklung. Kommt es nicht zum Verschluss, kann dies zum Leistenbruch führen.

Faktoren, die einen kindlichen Leistenbruch begünstigen, sind:

  • Frühgeburt

  • Fehlbildungen der Harn- und Geschlechtsorgane, zum Beispiel Hodenhochstand oder Blasenextrophie

  • Druckerhöhung innerhalb des Bauchraums beispielsweise verursacht durch einen Nabelschnurbruch

  • Chronische Atemprobleme, die zu einem Sauerstoffmangel und einem Kohlendioxid-Überschuss im Blut führen (respiratorische Insuffizienz)

  • Defekte des Bindegewebes

Besteht der Verdacht auf einen kindlichen Leistenbruch, ist es wichtig, das Kind so schnell wie möglich ärztlich untersuchen zu lassen, um das Risiko möglicher Folgen einer Einklemmung, wie das Absterben von Darmteilen, zu verringern.

Leistenbruch beim Baby wird operiert

Ein Leistenbruch muss auch bei Kindern in der Regel so schnell wie möglich operiert werden. Bei der OP wird der offene Scheidenhautfortsatz geschlossen beziehungsweise abgetragen. Dieser Eingriff kann auch minimalinvasiv erfolgen.

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