Kehlkopfkrebs

Larynxkarzinom

Kehlkopfkrebs, in der Fachsprache als Larynxkarzinom bezeichnet, entwickelt sich fast ausschließlich aus der obersten Zellschicht des Kehlkopfinneren, dem sogenannten Plattenepithel.

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Kehlkopfkrebs ist eine vergleichsweise seltene Tumorart: Pro Jahr erkranken rund 4.000 Deutsche neu an einem Larynxkarzinom, wobei Männer weitaus häufiger davon betroffen sind.
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Die bösartigen Tumoren werden deshalb auch als Plattenepithelkarzinome bezeichnet. Äußerst selten sind hingegen sogenannte kleinzellige Larynxkarzinome.

Klassifizierung von Kehlkopfkrebs nach dem Aussehen

Nach dem mikroskopischen Aussehen des Kehlkopfkrebses (Larynxkarzinom) werden folgende Plattenepithelkarzinome des Kehlkopfes unterschieden:

  • Plattenepithelkarzinom: geschwürig nach innen wachsend, 98 Prozent aller Fälle;

  • Verruköses Karzinom: warzenförmig nach außen wachsend, 1,5 Prozent aller Fälle, langsames Wachstum und gute Prognose;

  • Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom: spindelförmige Zellen, 0,5 Prozent aller Fälle; schnelles Wachstum und schlechte Prognose.

Klassifizierung nach der Lage (Lokalisationstypen)

Plattenepithelkarzinome des Kehlkopfes werden zudem nach der Lage des Tumors unterschieden. Sie hat Einfluss auf die Ausbreitung in die Lymphknoten und daraus resultierend den Krankheitsverlauf.

  • Glottiskarzinom (Stimmbandkarzinom): Glottiskarzinome betreffen unmittelbar die Stimmlippen der Stimmbänder und verursachen deshalb schon früh Heiserkeit. Aus diesem Grund können sie oftmals noch in einem frühen Stadium entdeckt und behandelt werden.

  • Supraglottiskarzinom: Diese Tumoren wachsen oberhalb der Stimmbänder und greifen erst später auf die Stimmbänder über. Symptome wie Heiserkeit treten deshalb später auf, sodass zum Zeitpunkt der Diagnose oft schon Lymphknoten beteiligt sind.

  • Subglottiskarzinom: Auch bei den unterhalb der Stimmbänder (bis ein Zentimeter unterhalb der Stimmlippen) entstehenden Tumoren kommt es erst spät zu entsprechenden Symptomen.

Krankheitsstadien des Kehlkopfkrebses

Die Stadieneinteilung von Kehlkopfkrebs erfolgt mithilfe der sogenannten TNM-Klassifikation nach Größe und Ausbreitungsgrad des Tumors: T = Tumor, N = Befall von organnahen Lymphknoten (Nodi lymphatici), M = Metastasen (Tochtergeschwülste) in anderen Organen. Sie unterscheidet sich bei den drei Lokalisationstypen von Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom):

Glottiskarzinom

Klassifikation       Merkmale

T1 T1a Tumor auf eine Stimmlippe begrenzt; Stimmlippen sind noch normal beweglich
  T1b Tumorbefall beider Stimmlippen; Stimmlippen sind noch normal beweglich
T2   Tumor breitet sich auf den Bereich oberhalb (Supraglottis) und/oder unterhalb (Subglottis) der Stimmlippen aus und/oder Beweglichkeit der Stimmlippen ist eingeschränkt
T3   Tumor auf den Kehlkopf begrenzt, hat sich aber innerhalb des Kehlkopfes stark ausgebreitet; Stimmlippen sind nicht mehr beweglich
T4 T4a Tumor hat den Schildknorpel des Kehlkopfes durchbrochen und/oder breitet sich außerhalb des Kehlkopfes aus, zum Beispiel in die Luftröhre, die Weichteile des Halses (inklusive der äußeren Muskulatur der Zunge), die Halsmuskeln, die Schilddrüse, die Speiseröhre
  T4b Tumor befällt den Raum vor der Wirbelsäule oder das Mediastinum (Gewebsraum in der Brusthöhle) oder umschließt die innere Halsschlagader

 

Supraglottiskarzinom

Klassifikation         Merkmale

T1   Tumor auf einen Unterbezirk der Supraglottis begrenzt; normale Beweglichkeit der Stimmlippen
T2   Tumor hat die Schleimhaut von mehr als einem benachbarten Unterbezirk der Supraglottis oder Glottis oder einen Bereich außerhalb der Supraglottis (zum Beispiel Zungengrund) befallen
T3   Tumor auf den Kehlkopf begrenzt; Stimmlippen sind nicht mehr beweglich und/oder Tumor hat sich innerhalb des Kehlkopfes stark ausgebreitet
T4 T4a Tumor hat den Schildknorpel des Kehlkopfes durchbrochen und/oder breitet sich außerhalb des Kehlkopfes aus, zum Beispiel in die Luftröhre, die Weichteile des Halses (inklusive der äußeren Muskulatur der Zunge), die Halsmuskeln, die Schilddrüse, die Speiseröhre
  T4b Tumor befällt den Raum vor der Wirbelsäule oder das Mediastinum (Gewebsraum in der Brusthöhle) oder umschließt die innere Halsschlagader

Subglottiskarzinom

Klassifikation           Merkmale

T1   Tumor auf die Subglottis begrenzt
T2   Tumor breitet sich auf eine oder beide Stimmlippen aus, diese sind normal oder eingeschränkt beweglich
T3   Tumor auf den Kehlkopf begrenzt; Stimmlippen sind nicht mehr beweglich
T4 T4a Tumor hat den Schildknorpel des Kehlkopfes durchbrochen und/oder breitet sich außerhalb des Kehlkopfes aus, zum Beispiel in die Luftröhre, die Weichteile des Halses (inklusive der äußeren Muskulatur der Zunge), die Halsmuskeln, die Schilddrüse, die Speiseröhre
  T4b Tumor befällt den Raum vor der Wirbelsäule oder das Mediastinum (Gewebsraum in der Brusthöhle) oder umschließt die innere Halsschlagader

 

Die N- und M-Klassifikation gelten für alle Kehlkopftumore gleichermaßen.

N-Klassifikation

Klassifikation            Merkmale

NX   Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden
N0   Kein Lymphknotenbefall
N1   Befall eines einzelnen regionären, auf der gleichen Seite gelegenen Lymphknotens; Größe ≤ 3cm
N2 N2a Befall eines einzelnen regionären, auf der gleichen Seite gelegenen Lymphknotens; Größe ≤ 3cm und ≥ 6cm
  N2b Befall mehrerer, auf der gleichen Seite gelegener Lymphknoten; Größe ≤ 6cm
  N2c Befall mehrerer, auf der gleichen und anderen Seite gelegener Lymphknoten; Größe ≤ 6cm
N3   Lymphknotenmetastasen; Größe > 6cm

 

M-Klassifikation

Klassifikation               Merkmale

MX Fernmetastasen können nicht beurteilt werden
M0 Keine Fernmetastasen
M1 Fernmetastasen

Häufigkeit von Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom)

Knapp ein Drittel aller bösartigen Tumoren im Kopf-Halsbereich betreffen den Kehlkopf. Pro Jahr gibt es in Deutschland rund 4.000 neue Fälle an Kehlkopfkrebs bei Männern und etwa 500 neue Fälle bei Frauen, wobei die Erkrankungszahlen leicht rückläufig sind.

Im Laufe des Lebens erkrankt in Deutschland derzeit einer von 150 Männern, aber nur eine von 1.200 Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Frauen und Männern etwa 64 Jahre.

Kehlkopfkrebs: Typische Symptome und Anzeichen

Je nach Lage und Größe des Tumors können beim Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom) verschiedene Beschwerden auftreten.

Symptome beim Glottiskarzinom

Da Glottiskarzinome (Stimmbandkarzinome) unmittelbar die Stimmlippen betreffen, verursachen sie häufig bereits in einem frühen Stadium Symptome. Besonders typisch ist eine über einen längeren Zeitraum anhaltende Heiserkeit. Zudem können ein Kratzen im Hals, wiederkehrender Räusperzwang und chronischer Husten Anzeichen eines Glottiskarzinoms sein. Bei fortgeschrittenen großen Tumoren kommt es zu Atembeschwerden mit einem hörbaren Atemgeräusch und unter Umständen Luftnot. Es handelt sich hierbei um eine Form des Kehlkopfkrebses, die sich häufig durch Symptome äußert.

Anzeichen des Supraglottiskarzinoms

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Anhaltende Heiserkeit, Räusperzwang und Halsschmerzen können auf Kehlkopfkrebs hindeuten.
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Heiserkeit tritt bei Supraglottiskarzinomen erst dann auf, wenn der Tumor fortgeschritten ist und auf die Stimmlippen übergegriffen hat. Anzeichen eines Supraglottiskarzinoms können Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, die gelegentlich bis in die Ohren ausstrahlen, und ein Fremdkörpergefühl sein.

Krankheitszeichen (Symptome) bei Subglottiskarzinom

Aufgrund ihrer anatomischen Lage bleiben Subglottiskarzinome besonders oft unbemerkt und verursachen erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome wie Heiserkeit oder Atembeschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium können zudem Symptome wie Gewichtsverlust, Erschöpfung und Leistungsminderung auftreten.

Kehlkopfkrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom) entsteht überwiegend aufgrund äußerer Einflussfaktoren. Dazu zählen vor allem Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.

Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind neben der Infektion mit HPV die wichtigsten Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom). So hatten in einer Studie Frauen, die über die gesamte Lebenszeit gerechnet mehr als 30 Gramm Alkohol pro Tag tranken, gegenüber denen, deren Alkoholkonsum zwischen 0,1 und sechs Gramm pro Tag lag, ein dreifach erhöhtes Risiko für Tumoren des oberen Verdauungstraktes, zu denen Kehlkopfkrebs gerechnet wird.

Zigaretten und Alkohol
Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind wichtige Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs.

Männer konnten sich deutlich mehr zumuten: Eine Alkoholmenge von über die Lebenszeit gerechnet mehr als 96 Gramm pro Tag steigerte das Risiko gegenüber 0,1 bis sechs Gramm pro Tag etwa um das Viereinhalbfache. Das erhöhte Risiko hält auch nach dem Aufgeben des Trinkens an. Besonders gefährlich ist die Kombination: Alkohol potenziert die krebserregende Wirkung des Rauchens, was vermutlich auf eine Schwächung der natürlichen Schutzfunktion der Schleimhaut durch den Alkohol zurückzuführen ist. Darüber hinaus verschlechtert das Rauchen, wenn es im Krankheitsfall nicht aufgegeben wird, die Prognose der Erkrankung.

HPV-Infektion fördert Kehlkopfkrebs

Ebenfalls als Vorstufe von Kehlkopfkrebs gilt die sogenannte Larynxpapillomatose, eine gutartige Tumorerkrankung, die durch eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV), insbesondere Typ sechs und elf, ausgelöst wird. Der Anteil HPV-ausgelöster Kehlkopftumoren hat in der Vergangenheit deutlich zugenommen. Wissenschaftler vermuten inzwischen, dass es sich bei HPV-bedingten und nicht HPV-bedingten Tumoren um verschiedene Krankheitsbilder handeln könnte, die möglicherweise unterschiedlich behandelt werden müssten. So ist beispielsweise die Prognose HPV-bedingter Tumoren besser als die nicht HPV-bedingter Tumoren.

Weitere Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs

  • Häufiger (berufsbedingter) Kontakt mit krebserregenden Substanzen, etwa Holz- und Metallstäube, chrom- und nickelhaltige Farben und Lacke.

  • Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel infolge einer HIV-Infektion.

  • Krebsvorstufen (Präkanzerosen): Kehlkopfkrebs entwickelt sich nicht selten aus Vorstufen, sogenannten Präkanzerosen. Dazu zählen die Leukoplakie (weißes, nicht abwischbares Areal in der Schleimhaut), aber auch Hyperplasie (übermäßige Vermehrung von Schleimhautzellen) und Dysplasie (übermäßige Vermehrung sowie ein verändertes Aussehen von Schleimhautzellen). Präkanzerosen gehen nicht zwingend, jedoch häufig in Krebs über. Sie sollten deshalb nach ihrer Diagnostizierung entweder behandelt oder regelmäßig kontrolliert werden.

Kehlkopfkrebs: Wie die Diagnose abläuft

Bei der Diagnose von Kehlkopfkrebs stehen bildgebende Verfahren im Vordergrund, um den Tumor aufzuspüren.

Anamnese und körperliche Untersuchung

Zunächst erfragt der Arzt in der Anamnese die Krankengeschichte und aktuellen Beschwerden des Patienten. Dabei richtet er sein Augenmerk auch auf die Lebensgewohnheiten wie den Alkohol- und Zigarettenkonsum sowie den Beruf des Patienten. Anschließend führt er eine gründliche körperliche Untersuchung durch, bei der er unter anderem den Mund- und Rachenraum begutachtet und den Kopf- und Halsbereich nach einem Tumor oder etwaig vergrößerten Lymphknoten abtastet.

Laryngoskopie bei Verdacht auf Kehlkopfkrebs

Gewinnt der Arzt bei der Anamnese und körperlichen Untersuchung den Verdacht, es könne sich um ein bösartiges Geschehen im Bereich des Kehlkopfes handeln, führt er eine Spiegelung (Endoskopie) durch. Dies geschieht entweder durch den Mund (Lupenlaryngoskopie) oder – bei starkem Würgereiz – durch die Nase (transnasale fiberoptische Laryngopharyngoskopie). Ergibt sich ein Tumorbefund, erfolgt in der Regel eine gründliche Spiegelung unter Narkose, bei der Gewebeproben entnommen und anschließend mikroskopisch begutachtet werden können (Biopsie). Dies ermöglicht die Festlegung des Tumorstadiums.

Bildgebende Untersuchungsverfahren

Mithilfe bildgebender Untersuchungsverfahren können der Ort und das Ausmaß eines Tumors bestimmt werden. Dies ist vor allem auch für die Planung der Therapie von großer Bedeutung. Infrage kommen die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT).

Weitere Untersuchungen schließen sich an, um festzustellen, ob Lymphknoten und/oder andere Organe befallen sind. Dazu gehören beispielsweise Röntgenuntersuchungen der Lunge, Ultraschall (Sonographie) des Halses und des Bauches. Ob sich die sogenannte Positronen-Emissionstomographie (PET), ein vergleichsweise neues Untersuchungsverfahren, zur besseren Diagnostik von Kehlkopfkrebs eignet, ist derzeit noch fraglich.

Kehlkopfkrebs: Behandlungsmöglichkeiten in der Therapie

Bei Kehlkopfkrebs setzt sich die Therapie der Patienten aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie zusammen.

Operation in der Behandlung von Kehlkopfkrebs

Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom) kann nur geheilt werden, wenn er vollständig operativ entfernt wird. Deshalb wird, soweit es der Gesundheitszustand des Patienten zulässt, immer die Operation angestrebt. Ihr Ausmaß hängt vom Stadium des Tumors ab. Sie kann entweder während einer Spiegelung (Endoskopie) mithilfe eines Lasers erfolgen, oder offen durchgeführt werden, wobei Teile des Kehlkopfes oder der gesamte Kehlkopf sowie die Lymphknoten entfernt werden.

In den Stadien T1 und T2 ist es zumeist möglich, den Kehlkopf bei der Operation zu erhalten, in den Stadien T3 und T4 gelingt dies nicht immer. Zudem wird in fortgeschritteneren Stadien, zum Beispiel beim Nachweis eines Lymphknotenbefalls, eine begleitende, den Erfolg der Operation unterstützende (adjuvante) Chemo-Strahlentherapie empfohlen.

Um nach der Entfernung des Kehlkopfes die Sprechfähigkeit des Patienten wiederherzustellen, wird eine Verbindung (Stimmshunt) zwischen Luft- und Speiseröhre bzw. dem unteren Rachen (Hypopharynx) geschaffen, in die eine Stimmprothese eingesetzt wird. Möglich ist auch das Erlernen der sogenannten Ösophagusersatzstimme. Dabei erlernt der Patient eine Technik, mit der er willkürlich Luftbewegungen in der Speiseröhre steuern kann. Durch intensives Training bildet sich allmählich ein Wulst im Bereich des Speiseröhreneingangs aus, der praktisch die Funktion der Stimmlippen übernimmt, sodass das Sprechen möglich wird. Eine Alternative ist die Verwendung einer elektronischen Sprachhilfe.

Chemo-Strahlentherapie bei Kehlkopfkrebs

Bei Subglottiskarzinomen wird nach der Operation in der Regel eine Strahlentherapie des Tumorbereichs und der Lymphabflusswege durchgeführt. Bei Glottis- und Supraglottiskarzinomen wird dies für fortgeschrittenere Stadien empfohlen. Begleitend zur Operation kann auch eine kombinierte Chemo-Strahlentherapie durchgeführt werden.

Bei nicht-operablen Tumoren sowie bei Tumoren, die bereits Tochtergeschwülste in anderen Organen gebildet haben, können die Strahlentherapie oder die kombinierte Chemo-Strahlentherapie alternativ zur Operation erfolgen. Dieses Vorgehen empfiehlt sich auch bei Patienten, für die eine Operation aufgrund ihres allgemeinen Gesundheitszustands ein zu großes Risiko darstellen würde.

Zielgerichtete Therapie

Zielgerichtete Therapien greifen gezielt in bestimmte Signalwege der Krebszellen ein. Sie bewirken dadurch eine Hemmung des weiteren Tumorwachstums, wobei gesunde Zellen weitgehend geschont werden. Für die Behandlung von fortgeschrittenem Kehlkopfkrebs, der bereits in andere Organe gestreut (metastasiert) hat oder nach zunächst erfolgreicher Behandlung zurückgekehrt ist, steht der Antikörper Cetuximab in Kombination mit Strahlentherapie oder Chemotherapie zur Verfügung. Er richtet sich gegen Bindungsstellen (Rezeptoren) des sogenannten epidermalen Wachstumsfaktors EGF. Diese Bindungsstellen werden von Plattenepithelkarzinomen des Kehlkopfes oft in verstärktem Maße gebildet. Dockt EGF an den Bindungsstellen an, kann es das Wachstum der Krebszellen anregen. Werden seine Bindungsstellen durch Cetuximab hingegen blockiert, wird die Wirkung des Wachstumsfaktors gestört. Gleichzeitig erhöht sich die Empfindlichkeit der Krebszellen gegenüber der Strahlen- und Chemotherapie.

Durch die Kombinationsbehandlung aus Cetuximab und Strahlen- oder Chemotherapie kann die Überlebenszeit von Patienten mit metastasiertem Kehlkopfkrebs oder bei einem Krankheitsrückfall, im Vergleich zur alleinigen Strahlen- oder Chemotherapie, deutlich verlängert werden. Gleichzeitig lassen sich durch die Kombinationstherapie tumorbedingte Beschwerden, etwa Schmerzen, Schluck- oder Sprachprobleme, gut unter Kontrolle bringen.

Kehlkopfkrebs: Wie kann man dem Tumor vorbeugen?

Bei der Entstehung von Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom) spielen äußere Einflussfaktoren eine wichtige Rolle. Der Erkrankung kann deshalb durch eine gesunde Lebensweise mit mäßigem Alkoholkonsum und Rauchverzicht vorgebeugt werden.

Ein weiterer bedeutender Risikofaktor sind HPV-Infektionen. Schutz bietet hier zum einen der Verzicht auf Oralsex mit wechselnden Geschlechtspartnern und zum anderen die Impfung gegen krebserregende HPV-Typen, die in Deutschland für Mädchen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren kostenfrei zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) angeboten wird.

HPV-Impfung beugt auch Kehlkopfkrebs vor

Die dabei bislang zur Verfügung stehenden HPV-Impfstoffe richten sich gegen die Virustypen 16 und 18. Diese gelten als die am häufigsten für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verantwortlichen HPV-Typen und stehen auch im Verdacht, bösartige Tumoren der Mundhöhle und des Rachens auszulösen, etwa Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom, Plattenepithelkarzinom). Es besteht daher die Hoffnung, durch die Einführung der HPV-Impfung für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren langfristig auch Krebserkrankungen im Kopf-Halsbereich zurückdrängen zu können.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Autor: Kathrin Sommer
Letzte Aktualisierung: 18. Juni 2015
Durch:
Quellen: Tumorzentrum Freiburg am Universitätsklinikum (Hrsg.): Kopf-Hals-Tumoren. Empfehlungen zur standardisierten Diagnostik, Therapie und Nachsorge. 1. Aufl. 2004; http://www.uniklinik-freiburg.de/tumorzentrum/live/Medizin-Info/Leitlinien/Kopf-Hals-Tumoren.html Pfister, D.G. et al.: American Society of Clinical Oncology: Clinical Practice Guideline for the Use of Larynx-Preservation Strategies in the Treatment of Laryngeal Cancer. Journal of Clinical Oncology 24(22), (2006), S. 3693-3704 Chen, A.M. et al.: Tobacco Smoking During Radiation Therapy for Head-and-Neck Cancer Is Associated With Unfavorable Outcome. In: International Journal of Radiation Oncology Biology Physics, Online-Vorabveröffentlichung am 14. April 2010, doi:10.1016/j.ijrobp.2009.10.050 Ang, K.K. et al.: Human Papillomavirus and Survival of Patients with Oropharyngeal Cancer. In: New England Journal of Medicine 363, (2010), S.24-35 Weikert, C. et al.: Lifetime and baseline alcohol intake and risk of cancer of the upper aero-digestive tract in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) study. In: International Journal of Cancer 125(2), (2009), S.406-412 Vermorken, J.B. et al.: Platinum-Based Chemotherapy plus Cetuximab in Head and Neck Cancer. In: New England Journal of Medicine 359, (2008), S.1116-1127 Mesía, R. et al.: Quality of life of patients receiving platinum-based chemotherapy plus cetuximab first line for recurrent and/or metastatic squamous cell carcinoma of the head and neck. In: Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 24. März 2010, doi:10.1093/annonc/mdq077 Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 9. August 2010, URL: http://www.iqwig.de/download/D06-01B_Kurzfassung_Vorbericht_PET_und_PET-CT_bei_Kopf-%20und_Halstumoren.pdf Riede, U.-N. & Schaefer, H.-E.: Allgemeine und spezielle Pathologie. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme, 2004 Deutsche Krebsgesellschaft e.V.http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_kehlkopfkrebs_reha,108197.html

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