Blasenschwäche

Inkontinenz

Was hinter Blasenschwäche (Harninkontinenz) stecken kann

Je nach auf Art, Ausmaß und Entstehung der Inkontinenz unterscheiden Mediziner unterschiedliche Formen: die Stress-, Drang-, Reflex- und Überlaufinkontinenz

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Wer an Inkontinenz leidet, achtet stets darauf, eine Toilette in der Nähe zu haben.
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 Im Falle unwillkürlichen Harnverlustes wird von einer Inkontinenz gesprochen, ebenfalls Blasenschwäche oder umgangssprachlich "schwache Blase" genannt. Medizinisch ist dann die Rede von einer Harninkontinenz. Wie viel Urin dabei ausgeschieden wird, ist übrigens nicht entscheidend für die Definition Inkontinenz, sondern der Verlust der Kontrolle darüber.

Inkontinenz ist keine Krankheit, sondern ein Symptom

Genau genommen handelt es sich bei Inkontinenz weniger um eine Krankheit als vielmehr um ein Symptom, dem unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können. Dazu zählen beispielsweise Schädigungen des Beckenbodens, bestimmte Erkrankungen oder Medikamente.

Dieser Umstand spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Formen der Blasenschwäche wider. Urologen unterscheiden vier Formen der Harninkontinenz, die in unterschiedliche medizinische Fachbereiche fallen. So liegen beispielsweise der Reflexinkontinenz neurologische Ursachen zugrunde.

Zehn Anzeichen im Urin

 

Stress- und Dranginkontinenz sind häufige Formen der Blasenschwäche

Deshalb es wichtig ist, dass Ihr Arzt heraus findet, um welche Form der Inkontinenz es sich in Ihrem Fall handelt, um die Ursache bestimmen und die passende Therapie einleiten zu können.

Inkontinenz-Arten im Überblick:

  • Stress- oder Belastungsinkontinenz: Das Symptom einer Belastungsinkontinenz, die früher auch Stressinkontinenz genannt wurde, ist der Verlust von Urin bei starker körperlicher Belastung. Ebenso verlieren Betroffene, sobald sie schwere Gegenstände tragen oder hochheben etwas Urin, genauso bei körperlicher Aktion wie etwa beim Laufen, Springen, Lachen oder auch Husten. Sie wird ausgelöst, weil der Beckenboden, die Schließmuskulatur und das Bindegewebe mit zunehmendem Alter erschlaffen. Meist besteht kein Harndrang, dennoch geht Urin ab.

  • Dranginkontinenz oder überaktive Blase: Die Dranginkontinenz wird durch ständigen Harndrang und eine darauf folgende, nicht unterdrückbare Blasenkontraktion mit Urinverlust gekennzeichnet. Die meisten Betroffenen spüren schon einen Harndrang bei geringer Blasenfüllung wie etwa nach dem Trinken einer Tasse Tee. Sie müssen daher ständig zur Toilette und oft erreichen sie sie nicht mehr.

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      Im Alter verlieren wir unser natürliches Durstgefühl. Unsere Bildergalerie zeigt Symptome, mit denen Ihr Körper um Hilfe ruft, wenn Sie ihm nicht genug Flüssigkeit zuführen.

    Mischinkontinenz: Treten Symptome sowohl der Stress- oder Belastungsinkontinenz als auch der Dranginkontinenz auf, wird dies als Mischinkontinenz bezeichnet.

  • Reflexinkontinenz: Sie steht für den Urinverlust, der durch eine Fehlsteuerung von Harnblase und Schließmuskel ausgelöst wird. Durch eine neurologische Erkrankung wie etwa eine Querschnittlähmung kann diese entstehen. Hierbei haben Betroffene keine Kontrolle über die Blasenentleerung und spüren in der Regel keinen Harndrang.

  • Überlaufinkontinenz: Diese Form der Blasenschwäche ist eher selten. Der Druck in der Blase ist so groß, dass ihr Verschluss nicht mehr funktioniert. Es kommt es zum tröpfchenweisen Harnverlust, ohne völlige Entleerung der Blase. Die Überlaufinkontinenz kann durch eine Behinderung des Blasenausgangs etwa durch eine Prostatavergrößerung oder Verletzung der Harnröhre entstanden sein.

  • Eine Sonderform der unwillkürlichen Blasenentleerung ist die sogenannte Giggle-Inkontinenz (von englisch "giggle" = kichern). Sie betrifft vor allem Kinder und dabei Mädchen häufiger als Jungen. Die Giggle-Inkontinenz ist dadurch gekennzeichnet, dass nur beim herzhaften Lachen Harn abgeht, dann aber meist der komplette Blaseninhalt. Meist legt sich diese Form der Blasenschwäche im Laufe der Pubertät von allein wieder.

Extraurethrale Blasenschwäche ist selten

Bei all diesen Formen der Blasenschwäche wird der Urin über die Harnröhre ausgeschieden, die Urethra. Deshalb heißen diese Formen im medizinischen Fachjargon Urethrale Blasenschwächen. Dies grenzt sie ab von den vergleichsweise selten auftretenden Extraurethralen Blasenschwächen. Letztere können aufgrund einer angeborenen Harnleiterfehlmündung neben dem Schließmuskel entstehen. Oder es ist eine Fistel dafür verantwortlich, die dazu führt, dass der Urinverlust nicht über die Harnröhre, sondern über die Scheide führt.

Anatomie der Frau begünstigt Inkontinenz

Insgesamt betrachtet ist die Inkontinenz ein häufiges gesundheitliches Problem: In Deutschland leiden schätzungsweise rund fünf bis sechs Millionen Männer und Frauen an einer der verschiedenen Formen von Inkontinenz. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer, was Wissenschaftler unter anderem auf die anatomischen Besonderheiten zurückführen, die Frauen in die Lage versetzen, Kinder zu bekommen.

Dazu gehört ein breiteres Becken mit einer entsprechend großen Öffnung des unteren Beckenrings. Der Beckenboden, eine schüsselförmige Muskelplatte, die den Bauchraum nach unten hin abschließt, hat bei Frauen durch die Vagina eine zusätzliche Öffnung, und die Muskeln des Beckenbodens sind weniger stark ausgeprägt als bei Männern - alles Faktoren, die eine Blasenschwäche begünstigen.

Im Gegensatz dazu verfügt der Beckenboden bei Männern über einen kleineren Ausgang und es gibt nur zwei Unterbrechungen der Beckenbodenmuskulatur, die überdies deutlich stärker ausgeprägt ist. Schwangerschaft und Geburt selbst erhöhen bei Frauen zusätzlich das Inkontinenzrisiko.

Alter als Risikofaktor für Harninkontinenz

Statistische Erhebungen wie beispielsweise eine Telefonumfrage des Robert-Koch-Instituts mit 7.668 Teilnehmern zeigen anschaulich, wie sehr sich dies auswirkt. Auf die Frage "Sind Sie von unfreiwilligem Harnverlust betroffen?" antworteten beispielsweise 10,1 Prozent der Frauen zwischen 40 und 49 Jahren mit ja, aber nur 2,4 Prozent der gleichaltrigen Männer.

Neben dem Geschlecht ist auch das Lebensalter ein entscheidender Risikofaktor, was die Telefonbefragung des RKI bestätigt. Dabei verlieren auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede etwas an Gewicht. So bejahte n der Altersgruppe der 70- bis 79-jährigen 29.9 Prozent der Frauen und immerhin 24,1 Prozent der Männer die Frage nach dem unfreiwilligen Harnverlust.

Häufigkeit: Leichte Inkontinenz-Formen überwiegen

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    Welche Formen von Harninkontinenz gibt es, welche Ursachen stecken dahinter und welche Therapien sind sinnvoll? Informieren Sie sich gezielt und umfassend

Die gute Nachricht ist, dass sich die Betroffenen in den meisten Fällen nur geringfügig bis mäßig durch die Blasenschwäche in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sehen. Das legt zumindest die genannte RKI-Umfrage nahe: Nur ein Prozent der 70- bis 79-jährigen weiblichen Befragten gab an, regelmäßig und mehr als geringfügig unter Blasenschwäche zu leiden und dadurch deutlich beeinträchtigt zu sein, bei den gleichaltrigen Männern waren es 1,7 Prozent. Allerdings nahmen an dieser Befragung nur Personen teil, die in Privathaushalten lebten. Hätte man Pflegeheime einbezogen, wäre der Anteil Betroffener wohl höher ausgefallen, wie Mitarbeiter des RKI einräumen.

Blasenschwäche in Pflege- und Seniorenheimen häufig

So sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU)  rund 40 Prozent der Heimbewohnerinnen und Heimbewohner inkontinent, bei den bettlägerigen Heimpatienten seien es sogar 80 Prozent. Hinzu kommt, dass Blasenschwäche noch immer ein Tabuthema ist und viele Betroffene ihr Leiden verschweigen. Die Hemmungen sowohl der Patienten als auch der Ärzte, das Thema Blasenschwäche anzusprechen, erschweren nach Auffassung von Experten die Therapie der Inkontinenz.

Neun natürliche Hilfen für eine starke Blase

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2015
Durch: Sarah Wagner
Quellen: Christina Niederstadt,Elisabeth Gaber, Harninkontinenz,Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 39, Robert Koch-Institut, 2007; Versorgung trotz steigender Patientenzahlen sichern, Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vom 26.03.2014; Harninkontinenz beim Mann, Patienteninformation der Urologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum München, Stand 2014

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Innere Medizin
    Mit 15 Blasenschwäch
    22.06.2013 | 12:39 Uhr

    ich bin 15 und nässe Tags und Nachts ein manch mal spüre ich es un schaffe es aufs WC...   mehr...

  • Expertenrat Blasenentzündung/Inkontinenz
    Blasnschwäche vor der Menstruation
    10.01.2010 | 04:05 Uhr

    Hallo, mir ist aufgefallen, dass ich es sehr schwer habe, meinen Harndrang, wenn ich...   mehr...

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