Vielfältige Möglichkeiten

Insulintherapie bei Diabetes

Inzwischen gibt es eine ganze Palette von Insulinen. Sie werden überwiegend gentechnisch hergestellt und erlauben eine sichere, der gesunden Situation ähnliche Therapie. Meist werden kurz und lang wirksame Insuline kombiniert.

Insulintherapie bei Diabetes
Die Insulintherapie ist bei Diabetes häufig unverzichtbar.
(c) Getty Images/Hemera

Bei Typ-1-Diabetes ist die Insulintherapie aufgrund des Insulinmangels unverzichtbar, bei Typ-2-Diabetes kommt die Gabe von Insulin als Behandlungsoption insbesondere dann in Frage, wenn vorherige Maßnahmen wie Gewichtsreduktion und Tabletteneinnahme nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Um annähernd normale Blutzuckerspiegel zu erreichen, muss nicht nur das Essverhalten, sondern auch die körperliche Aktivität berücksichtigt und die Dosis an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Dies gelingt nicht ohne regelmäßige Blutzuckerselbstmessung des Patienten mit Teststreifen. Nur dann weiß er, welche Aktivität oder welches Essen seinen Insulinbedarf um wie viel verändert.

So wird gespritzt

Zunächst ganz praktisch: Für die Insulintherapie muss der Diabetiker mit einem Insulin-Pen oder einer sehr feinen Nadel unter die Haut (subkutan) stechen und die vorgegebene Menge Insulinlösung ins Gewebe spritzen. Dafür fasst er am besten die Haut mit zwei Fingern und hebt sie etwas an, um senkrecht in die Hautfalte von Bauch oder Oberschenkel spritzen zu können. Wegen der schnelleren Aufnahme (Resorption) des Insulins aus dem Unterhautfettgewebe der Bauchfalte kann es sinnvoll sein, das schnell wirksame Insulin (Normalinsulin) in die Bauchfalte zu spritzen und das Verzögerungs- bzw. Basalinsulin in die Oberschenkelhaut. Die Haut muss vorab nicht desinfiziert werden.

Konventionelle Insulintherapie

Die ursprüngliche Form der Insulintherapie ist die konventionelle. Hierbei wird zweimal täglich Insulin gespritzt, und zwar um etwa 7 und 19 Uhr. Die Injektion enthält entweder eine feste Kombination aus einem Normal- und einem Verzögerungsinsulin oder eine feste Dosis eines Verzögerungsinsulin, die mit einer variablen Menge eines Normalinsulins kombiniert wird. Die Menge des Normalinsulins muss der Diabetiker jeweils anhand der geplanten Portionsgröße und des Blutzuckerwertes vorausberechnen. Diese Form der Therapie eignet sich für Patienten, die lieber weniger oft spritzen wollen. Der Preis des festen Zwei-Spritzen-Schemas ist, dass Esszeiten und Portionsgrößen relativ genau eingehalten werden müssen. Der Diabetiker muss also sein Essverhalten an die zuvor festgelegte Insulinmenge anpassen.

Intensivierte konventionelle Insulintherapie

Die intensivierte Insulintherapie ist eine Fortentwicklung der konventionellen Insulintherapie und wird heute als Behandlung der Wahl für Typ-1 Diabetiker angesehen. Denn sie ermöglicht eine der Normalsituation sehr ähnliche Verlaufskurve der Blutzuckerwerte. Die Insulingabe erfolgt - ähnlich der Insulinausschüttung bei Gesunden - je nach Bedarf, im Tagesverlauf und von Tag zu Tag. Daher wird sie auch als funktionelle Insulintherapie bezeichnet. Ein weiterer Name für diese Therapieform ist Basis-Bolus-Therapie, da die Grundversorgung mit Insulin durch die Gabe eines Basalinsulins sichergestellt wird. Mit einem Bolus im Zusammenhang mit jeder Nahrungsaufnahme wird dann kurzzeitig der essensbedingte (prandiale) Bedarf gedeckt. Diese Form der Insulintherapie benötigt einen gut geschulten und engagierten Patienten. Denn er muss nicht nur regelmäßig seine Blutzuckerwerte messen, sondern auch den Kohlenhydratgehalt seiner Nahrung und die für die Verstoffwechslung erforderliche Menge Insulin errechnen. Regelmäßige Blutzuckerselbstmessung bedeutet eine Messung vor jeder Insulininjektion und an ein bis zwei Tagen der Woche zusätzlich eine postprandiale Messung, also eine Messung nach dem Essen. Darüber hinaus können Messungen aufgrund besonderer Situationen hinzukommen, beispielsweise nach sportlicher Aktivität, starkem Stress oder Schlafmangel. Die Belohnung für dieses aktive Management der Stoffwechselkrankheit ist eine relativ große Freiheit in der Auswahl von Speisen und Getränken. Außerdem kann der Diabetiker relativ frei bestimmen, wie oft und wann er Nahrung zu sich nimmt. Hier richtete sich also die Insulindosis nach dem verspeisten Essen. Die Basisversorgung mit Insulin, die etwa die Hälfte der Gesamtdosis ausmacht, wird im Rahmen der intensivierten Insulintherapie üblicherweise durch täglich zwei Injektionen eines Verzögerungsinsulins sichergestellt. Eine erfolgt vor dem Frühstück, die andere zwischen 22 und 24 Uhr. Die Dosis muss nicht täglich feinjustiert werden, da sich dieser Bedarf nur unwesentlich verändert. Die auf die Nahrungsmenge abgestimmte Insulindosis (Bolus) aus Normalinsulin, seltener Insulinanaloga , muss dagegen je nach dem aktuellen Blutzuckerwert und der zugeführten Menge an Kohlenhydraten berechnet werden. Die Boli werden zu jeder der drei Hauptmahlzeiten gespritzt; Zwischenmahlzeiten müssen mit berücksichtigt werden. Wie die erforderliche Insulinmenge anhand der Kohlenhydratportionen, früher als Broteinheiten bezeichnet, berechnet wird, worauf geachtet werden muss und wie die Blutzuckerprotokolle geführt werden, erlernt der Diabetiker im Rahmen einer Schulung. Als Richtwert kann angenommen werden, dass pro Kohlenhydratportion, also 10-12 g verwertbarer Kohlenhydrate, morgens etwa 1,5 bis 2,0 internationale Einheiten (IE) Insulin benötigt werden, mittags etwa 1,0 IE und abends etwa 1,0 bis 1,5 IE.

Insulinpumpentherapie und andere Spezialformen der Insulintherapie

Die Insulinpumpentherapie kommt der natürlichen Insulinsekretion durch die Bauchspeicheldrüse am nächsten. Kontinuierlich wird durch das tragbare Dosiergerät subkutan Insulin abgegeben, und zwar je nach Bedarf. Diese Form der Insulintherapie ist eine Sonderform der intensivierten Insulintherapie. Da sie sehr teuer ist und eine gute Mitarbeit des Diabetikers erfordert, wird sie nur gezielt eingesetzt. Bei Typ-1 Diabetikern gilt dies vor allem für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Schwangere und Personen mit einem unregelmäßigen Lebensrhythmus, z.B. bei Schichtarbeit. Neben der subkutanen Insulintherapie gibt es in besonderen Fällen eine intramuskuläre und eine intravenöse Insulintherapie. Letztere wird bei Patienten angewendet, die ins diabetische Koma gefallen sind und notfallmäßig in der Klinik behandelt werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2012
Quellen: Scherbaum, W.A. et al. Evidenzbasierte Leitlinie der DDG - Therapie des Diabetes mellitus Typ 1, Aktualisierung 05/2007, www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de Mehnert H. Insulintherapie. Der Diabetologe 4 (2008); 493-498 Alexander K. et al.: Thiemes Innere Medizin TIM, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 2005

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