„Die Epidemie ist außer Kontrolle“

Diabetes-Häufigkeit nimmt weltweit zu

Die globale Diabetes-Epidemie wird immer bedrohlicher: 285 Millionen Patienten gibt es heute weltweit, 435 Millionen werden für das Jahr 2030 prognostiziert. Die meisten Betroffenen wird es in finanzschwachen Ländern geben, deren Gesundheitssysteme überhaupt keine Lösungen für Probleme im Zusammenhang mit dieser „Zivilisationskrankheit“ haben.

Diabetes
Eine gesündere Ernährung würde viele Diabetes-Fälle verhindern - auch in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Getty Images/Pixland

„Die Epidemie ist außer Kontrolle“, erklärte der Präsident der International Diabetes Federation, Prof. Jean Claude Mbanya von der Unversitätsklinik Yaounde in Kamerun. Noch im Jahr 1985, vier Jahre vor dem Mauerfall, ging man von 30 Millionen Diabetes-Fällen weltweit aus. Heute, fast 30 Jahre später, sind es mit 285 Millionen fast zehnmal so viele. 6,6 Prozent der Weltbevölkerung leidet unter Diabetes, weitere 7,9 Prozent haben Prädiabetes.

Anzahl der Diabetiker wird sich verdoppeln

Die Anstiegsraten sind gewaltig: In Afrika und im Nahen Osten wird sich die Zahl der Diabetiker in den nächsten 20 Jahren nahezu verdoppeln, in Südost-Asien sowie in Süd- und Zentralamerika wird sie um über zwei Drittel zunehmen. Milde nimmt sich dagegen der Anstieg in Europa aus, der mit 20 Prozent berechnet wird.

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    Testen Sie Ihr Risiko für das Auftreten von Typ-2-Diabetes. Diese Krankheit wird häufig erst so spät erkannt, dass Folgeschäden nicht mehr zu vermeiden sind. Daher ist es wichtig, über sein persönliches Risiko Bescheid zu wissen und seinen Lebensstil wenn nötig daran anzupassen.

Absolut die meisten Diabetiker leben heute in Indien (51 Millionen), China (43 Millionen) und den USA (27 Millionen). In Prozent der Bevölkerung weltweit am schwersten betroffen sind jedoch die Länder des Nahen Ostens sowie Südsee- und andere Inseln wie Nauru, Tonga, Mauritius und La Réunion.

Vier Millionen Tote durch Diabetes

Es wird geschätzt, dass weltweit vier Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen eines Diabetes sterben. In den USA gehen 16 Prozent der Todesfälle auf die Krankheit zurück, in Südostasien 14 Prozent, in Europa elf Prozent. Die Kosten des Diabetes werden derzeit weltweit auf 250 Milliarden Euro jährlich geschätzt, das sind gut 10 Prozent der weltweiten Ausgaben für Gesundheit. 80 Prozent der weltweiten Ausgaben werden in den reichen Ländern getätigt, 50 Prozent allein in den USA. Schon heute aber leben 70 Prozent aller Diabetiker in den armen oder sogenannten Schwellenländern. In Indien etwa, mit 50 Millionen Diabetikern, steht weniger als ein Prozent des weltweiten Budgets zur Verfügung.

Diabetes bedeutet häufig Abrutschen in Armut

An Diabetes zu erkranken bedeutet in diesen Ländern häufig, dass ganze Familien in die Armut abrutschen. Denn in den meisten Ländern gibt es weder eine allgemeine Krankenversicherung, noch sind die Gesundheitssysteme weltweit für die Betreuung chronisch Kranker eingerichtet, schon gar nicht für die Behandlung der üblichen Folgeerkrankungen des Auges, der Niere, der Füße, der Nerven und des Herzens. Der Diabetes überfordert aber nicht nur die Gesundheitssysteme, sondern bedroht auch die Volkswirtschaften. Denn mehr als die Hälfte der Patienten ist im arbeitsfähigen Alter zwischen 20 und 60 Jahren.„Die Epidemie ist außer Kontrolle“

Diabetes gezielt vorbeugen

Um die Epidemie zu stoppen, setzt die International Diabetes Federation (IDF) vor allem auf Prävention. 60 Prozent aller Diabetes-Fälle, so schätzt die IDF, könnten weltweit verhindert werden, vor allem durch Lebensstiländerungen wie gesündere Ernährung und mehr Bewegung. Darüber hinaus bemüht sich die IDF weltweit um integrierte Gesundheitssysteme, die in der Lage sind, mit einfachen Mitteln Diabetes zu verhindern, zu diagnostizieren und die Patienten zu behandeln. Die Leitlinien des IDF geben vor, welche Basismaßnahmen weltweit zur Diabetes-Behandlung durchgeführt werden sollten.

Zehn Zuckerfallen

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Letzte Aktualisierung: 01. August 2015
Letzte Änderung durch: mp

Quellen: Zahlenmaterial des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, Stand 2014; Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2015 der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Diabetes-Hilfe

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