Vererbung

Genetische Ursachen für Depressionen

Noch gibt es viele ungelöste Fragen bezüglich der genetischen Faktoren psychiatrischer Erkrankungen. Wie die mögliche genetische Grundlage von Depressionen aussehen könnte, darüber besteht keine Einigkeit. Einvernehmen herrscht im Moment nur darüber, dass es ein isoliertes „Depressionsgen" nicht gibt.

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Genetische Faktoren scheinen bei der Entstehung einer Depression eine gewisse Rolle zu spielen.
(C) 2009 Jupiterimages

Die Neigung, unter Depression zu leiden, kann unter Umständen genetisch festgelegt sein. Allerdings gibt es vermutlich mehrere Gene, die dafür verantwortlich sind. Entdeckt ist lediglich eine Gen-Variante, die für den Transport der Nervenbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin zuständig ist und bei Depressionen eine Rolle spielen könnte.

Die Depression – eine genetisch komplexe Krankheit

Man bezeichnet heute die Krankheiten als „genetisch komplex", die mit einer gewissen Häufigkeit innerhalb einer Familie auftreten, sich aber nicht mit einem einfachen Erbgang nach Mendel erklären lassen. Bisher lagen die größten Erfolge der Humangenetik bei den Merkmalen und Krankheiten, die nur durch ein Gen entstehen. Durch die rasante Entwicklung der Humangenetik und die Weiterentwicklung ihrer Methoden ist jetzt auch die Analyse von „genetisch komplexen" Krankheiten, an denen mehrere Gene beteiligt sind, in den Bereich des Möglichen gerückt.

Bisher durchgeführte Familien-, Zwillings- und Adoptionsstudien belegen, dass Verwandte depressiver Patienten zu mindestens 20 Prozent ebenfalls depressiv sind. Damit tritt die Depression im Familienkreis öfter auf als in der Allgemeinbevölkerung (fünf bis zehn Prozent).

Familiäre Häufung bei Depressionen

Bei eineiigen Zwillingen ist das Phänomen noch häufiger: Hat ein Zwilling eine unipolare Depression, hat der andere Zwilling sie in über 40 Prozent der Fälle ebenfalls. Bei zweieiigen Zwillingen beträgt die Rate 20 Prozent. Ist ein eineiiger Zwilling an einer bipolaren Störung erkrankt, beträgt die entsprechende Wahrscheinlichkeit für den anderen Zwilling 72 Prozent. Bei zweieiigen Zwillingen sind es nur 14 Prozent. Adoptionsstudien zeigen, dass die biologischen Eltern depressiver Adoptierter ebenfalls häufig depressiv sind.

Die Zwillingsstudien zeigen allerdings auch, dass der genetische Faktor allein nicht für die Entstehung (und Schweregrad) einer Depression verantwortlich ist. Vielmehr spielen immer auch Umweltfaktoren eine Rolle, wie zum Beispiel familiäre und soziale Verhältnisse, man spricht hier von einer multifaktoriellen Erkrankung.

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Letzte Aktualisierung: 09. Januar 2012
Quellen: Literatur beim Verfasser Stand: 20.12.2011

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