Bipolare Depression

Manische Phasen erkennen

Die drei zentralen Merkmale einer Manie sind Hochgefühle, Hyperaktivität und Hemmungslosigkeit. Damit ist sie genau das Gegenteil einer Depression.

Manisch_Depression
In manischen Phasen kann es zu Selbstüberschätzung und Hemmungslosigkeit kommen.
(c) Getty Images/Hemera

Bei einer bipolaren Depression wechseln sich manische mit depressiven Phasen ab. Da oftmals in einer depressiven Phase ein Psychologe oder Arzt aufgesucht wird, wird eine bipolare Depression oft mit einer einfachen Depression verwechselt. Für eine richtige Diagnose ist es daher wichtig zu wissen, welche Symptome und Verhaltensweisen für eine manische Phase typisch sind.

Anmerkung: Dieser Text dient lediglich dazu, dass Sie sich oder einen Betroffenen besser einschätzen können und bei einem Gespräch mit einem Psychologen oder Psychiater die richtigen Worte finden. Sie können eine bipolare Depression auf keinen Fall selbst diagnostizieren.

Die Fachwelt unterscheidet zwischen drei Formen der Manie: der Manie ohne und der Manie mit psychotischen Symptomen sowie der Hypomanie. Alle drei sind geprägt von Hochgefühl, Hyperaktivität und Hemmungslosigkeit. Sie sind also das genaue Gegenteil einer Depression und haben eher einen aktivierenden Charakter, was bei vielen Betroffenen, die zuvor eine Depression durchlebt haben, als angenehm empfunden wird.

Hochgefühle und Bombenstimmung

Unabhängig von der Situation ist die Stimmung während einer Manie gut und kann zwischen sorgloser Heiterkeit und fast unkontrollierbarer Erregung schwanken. Wenn sich das Selbstvertrauen in dieser Phase zum Größenwahn steigert, dann kann es sich um eine Manie mit psychotischen Symptomen handeln. Die Betroffenen denken, sie hätten einen besonderen Draht zu Gott, zu Stars oder führenden Politikern. Dabei wird die gehobene Stimmung oft durch Irritation und Feindseligkeit unterbrochen. Aus Reizbarkeit und Misstrauen kann sich ein Verfolgungswahn entwickeln.

Hyperaktivität und größte innere Erregung

Die gehobene Stimmung ist verbunden mit vermehrtem Antrieb und führt zu Überaktivität, Rededrang und vermindertem Schlafbedürfnis. Eine Manie weist psychotische Symptome auf, wenn die Erregung in Aggression oder Gewalttätigkeit mündet. Der Rededrang der Betroffenen steigert sich in einem Maße, dass sie nicht mehr verstanden werden. Sie vernachlässigen die Nahrungsaufnahme und die persönliche Hygiene, was zu einer gefährlichen Unterversorgung und Verwahrlosung führen kann.

Hemmungslosigkeit und Rededrang

Übliche soziale Hemmungen gehen während einer Manie verloren. Die Aufmerksamkeit kann nicht mehr aufrechterhalten werden, stattdessen lassen sich die Betroffenen oft ablenken. Die Selbsteinschätzung ist überhöht, Größenideen oder maßloser Optimismus werden frei geäußert. Man möchte sich möglichst vielen Leuten mitteilen, will allen von den eigenen großartigen Ideen berichten und kann die überflutenden Gedanken gar nicht schnell genug formulieren. Menschen in einer manischen Episode wirken leicht ungehobelt, geschwätzig und eingebildet. Betroffene mit psychotischen Symptomen leiden derartig an Realitätsverlust, dass sie meinen, von einem Gebäude „fliegen zu können oder aus einem fahrenden Auto zu steigen, ohne dass ihnen etwas passiert.

Hypomanie, die Manie light

Eine Hypomanie ist sozusagen die 'Light-Version' der Manie. Im Bereich der Stimmungen und des Aktivititätsniveaus liegt sie etwas unterhalb einer reinen Manie. Es findet sich eine anhaltende leicht gehobene Stimmung und ein auffallendes Gefühl von Wohlbefinden und körperlicher wie seelischer Leistungsfähigkeit. Reizbarkeit, Selbstüberschätzung und flegelhaftes Verhalten können anstelle der Euphorie treten. Gesteigerte Geselligkeit, Gesprächigkeit und Aktivität, übermäßige Vertraulichkeit, erhöhter Antrieb, vermindertes Schlafbedürfnis und gesteigerte Libido sind häufig vorhanden, aber nicht in dem Ausmaß, dass sie zu einem Abbruch der Berufstätigkeit oder zu sozialer Ablehnung führen. Konzentration und Aufmerksamkeit können beeinträchtigt sein und damit auch die Fähigkeit, sich der Arbeit zu widmen, sich zu entspannen und zu erholen. Interesse an ganz neuen Unternehmungen und Aktivitäten oder etwas übertriebene Geldausgaben sind Zeichen der Hypomanie. Halluzinationen oder Wahn sind nicht vorhanden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 07. Januar 2012
Quellen: Literatur beim Verfasser

Meistgeklickt zum Thema
Depression ist nicht gleich Depression
Unipolare und bipolare Depression

Eine Depression hat viele Gesichter. So zeigt sie sich von Mensch zu Mensch mitunter sehr unterschiedlich. Grundsätzlich differenziert man zwischen einer unipolaren und einer bipolaren Form der Depression. mehr...

Symptome der unipolaren Depression
Anzeichen erkennen

Eine Depression verändert den Menschen. Die Symptome und wann wird daraus eine Krankheit? mehr...

Bipolare Depression: Berg- und Talfahrt der Gefühle
Formen der Depression

Die bipolare Depression wurde früher auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet. Typisch ist ein mitunter häufiger und schneller Wechsel zwischen depressiven und manischen Phasen. Während in der... mehr...

Wie gut ist Ihr Medizinwissen?
Wie hoch ist das Risiko, mindestens einmal im Leben eine Depression zu bekommen?
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Expertenrat Leben & Familie

Sie haben eine Frage zum Thema Depression? Unsere Experten stehen Ihnen gerne zur Verfügung

mehr...
Unipolare Depression
  • Symptom-Checkliste unipolare DepressionSymptom-Checkliste

    Diese Übersicht hilft bei einem Gespräch mit einem Psychologen oder Psychiater die richtigen Worte zu finden mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang