Angst vor Nähe in Beziehungen

Bindungsangst – Flucht vor Liebe und Nähe

Menschen mit Bindungsangst haben Angst vor Nähe oder können nur schlecht mit ihr umgehen. Lesen Sie hier, welche Anzeichen es für Bindungsangst gibt, ob sie überwunden werden kann und ob tatsächlich nur Männer zu den Beziehungsverweigerern zählen.

bindungsangst
Menschen mit Bindungsangst wünschen sich zwar Nähe, stoßen den Partner aber häufig weg.
© Tim Robberts via Getty Images

Im Überblick:

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Was ist Bindungsangst?

Für die meisten Menschen sind Liebe und Partnerschaft etwas Positives. Sie wünschen sich eine erfüllte Beziehung, Nähe und Zuneigung. Einigen fällt es hingegen schwer sich auf verbindliche Beziehungen einzulassen. Sie wählen stattdessen lockere Verhältnisse, Affären, beenden Partnerschaften nach kurzer Zeit wieder oder lassen sich erst gar nicht auf einen anderen Menschen ein. Ist jemand nicht in der Lage, sich dauerhaft und eng auf eine Beziehung einzulassen oder diese aufrechtzuhalten, dann spricht man von Bindungsangst.

Als bindungsunfähig gelten vor allem Menschen, die aus einer Beziehung flüchten, diese immer wieder boykottieren, offensichtlich Angst vor Nähe haben oder den Partner ständig wegstoßen. Aber auch Menschen, die sich bewusst auf einen Liebesphobiker einlassen oder sich immer wieder in bereits vergebene oder verheiratete Personen verlieben, haben unter Umständen Bindungsangst.

Bindungsangst wird oft als egoistisches Verhalten wahrgenommen. Häufig verbirgt sich dahinter aber ein Selbstschutz, den Betroffene aufgrund negativer Erfahrungen unbewusst aufgebaut haben. Meistens sind diese in der Kindheit verankert. Aber auch das Scheitern einer großen Liebe oder eine Scheidung können Menschen bindungsängstlich machen.

Die meisten Betroffen sind sich ihrer Bindungsangst nicht bewusst oder leugnen sie. Dem diffusen Gefühl der Einengung begegnen sie mit Flucht oder irrationalem Verhalten. Für den Partner ist es jedoch ein ewiges Hin und Her aus Nähe und Distanz – und sehr belastend.

Welche Ursachen hat Bindungsangst?

Wie für andere Angststörungen oder spezifische Phobien auch, gibt es für Bindungsangst auslösende Ursachen. Häufig reichen diese bis weit in die Kindheit zurück und sind den Betroffenen oft gar nicht mehr in Erinnerung.

Mögliche Ursachen sind:

  • Gestörtes Verhältnis zur Mutter, zum Vater oder zu beiden Elternteilen
  • Überbehütung oder Vernachlässigung in der frühen Kindheit
  • Verlust eines Elternteils
  • Verlassen werden von den Eltern

Bei Männern kann sich zum Beispiel eine gestörte Beziehung zur Mutter negativ auf die Bindungsfähigkeit auswirken: Die Angst von einer Frau wieder eingeengt, enttäuscht, verletzt, zurückgewiesen oder verlassen zu werden, kann das Verhältnis zu potenziellen Partnerinnen stark beeinflussen.

Auch ein geringes Selbstwertgefühl kann Bindungsangst begünstigen. Selbstzweifel münden oft in der Angst, den Partner zu verlieren. Um dieser Angst zu entgehen, verhalten sich Betroffene widersprüchlich, brechen einen Streit vom Zaun oder werden aggressiv.

Symptome: So zeigt sich Bindungsangst

Durch emotionale Distanz versuchen sich Bindungsphobiker vor Enttäuschungen, Kontrolle oder Eingrenzung zu schützen. Das Risiko, dass eine Beziehung scheitern könnte, umgehen sie, indem sie den Partner auf Abstand halten, sich nicht richtig auf ihn einlassen oder die Beziehung ganz vermeiden. Zu den offensichtlichen Verhaltensweisen bei Bindungsangst zählen dabei:

  • Schwankende Gefühle zwischen Nähe und Distanz: Bei Funkstille sehnen sie sich nach Nähe und Zuneigung und suchen Kontakt. Ist eine intensive Nähe vorhanden, dann gehen sie auf Abstand. Das kann bis zu wochenlanger Abwesenheit führen.

  • Suche nach Streit und Reibungspunkten, wenn es zu harmonisch wird, um die Nähe zu unterbrechen.

  • Rückzug und vorgetäuschte Abwesenheit: Beruf, Freunde oder Hobbys scheinen oft wichtiger als die Beziehung.

  • Partner wird vor Familie und Freunden geleugnet oder nicht vorgestellt.

  • Keine Zärtlichkeiten oder Händchenhalten in der Öffentlichkeit.

  • Der Liebesphobiker bestimmt, wann es zu Intimitäten wie Küssen, Umarmungen und Sex kommt.

  • Großer Wert auf Freiraum und Vermeidung von Entscheidungen: Verbindlichkeiten wie Urlaub, eine gemeinsame Wohnung oder gar Hochzeit weichen sie aus.

  • Flucht aus der Beziehung, Kontakt wird plötzlich abgebrochen (Ghosting).

Körperliche Symptome von Bindungsangst

Bindungsangst kann sich auch körperlich auswirken. Betroffene verspüren dann unter anderem:

  • Beklemmungsgefühle
  • Panikattacken
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Anspannung

Wie erkenne ich, ob ich bindungsängstlich bin?

Viele Menschen mit Bindungsangst wünschen sich durchaus eine feste Beziehung und leiden häufig darunter, dass dies nicht klappt. Deswegen erkennen sie oft nicht, dass letztendlich ihr Verhalten dazu beiträgt, dass Beziehungen schnell wieder scheitern. Wer sich fragt, ob er selbst unbewusst Angst vor Bindungen hat, erkennt das gegebenenfalls an den folgenden Verhaltensmustern:


  • Der Partner wird uninteressant, sobald er erobert ist
  • Gefühle erkalten plötzlich
  • Bereits nach kurzer Zeit kommen Zweifel an der Partnerschaft auf
  • Der Partner wird oft kritisiert, seine Schwächen stehen im Vordergrund
  • Überlegungen, ob nicht ein anderer Partner besser geeignet wäre

Sind nur Männer beziehungsunfähig?

Die Angst vor einer Bindung ist nicht typisch männlich. Auch Frauen können Bindungsangst haben. Männer und Frauen entwickeln aber unterschiedliche Strategien im Umgang mit der Bindungsangst.

Männer verstecken ihre Angst vor Enge und Nähe oft hinter Aussagen wie „Ich bin gerade nicht bereit für eine Beziehung“. Sie meiden feste Partnerschaften und machen sich selbst vor, dass sie diese nicht brauchen oder einfach ihrer Traumfrau noch nicht begegnet sind. Stattdessen flüchten sie sich in lockere Affären oder wünschen sich offene, zwanglose Beziehungen.

Frauen mit Bindungsangst tendieren unter anderem dazu, sich auf Beziehungen einzulassen, die keine Zukunftsperspektive haben, etwa mit einem verheirateten Mann oder jemanden, der weit entfernt lebt. Auch stellen sie häufig überhöhte Ansprüche an mögliche Partner. Werden diese nicht erfüllt, wird die Beziehung beendet oder gar nicht erst eingegangen. Sie rechtfertigen ihre Beziehungslosigkeit oft mit dem Argument, den Richtigen noch nicht gefunden zu haben.

Bindungsangst: Was tun?

Betroffene sind sich oft ihrer Probleme nicht bewusst oder leugnen sie. Um die Bindungsangst zu überwinden, muss diese zunächst erkannt und akzeptiert werden. Der nächste Schritt ist, sich professionelle Hilfe zu suchen. Mithilfe einer Psychotherapie kann es gelingen, Vertrauen zu anderen Menschen wiederaufzubauen, Grenzen zu kommunizieren oder bestimmte Verhaltensregeln zu erlernen. Wichtig ist zudem, mögliche frühkindliche Erfahrungen oder andere Erlebnisse aufzuarbeiten, die Ursache für die Bindungsangst sein können.

Auch eine positiv erlebte Partnerschaft kann dazu beitragen, dass Liebesphobiker wieder bindungssicherer werden. Das ist aber häufig erst möglich, wenn sie gelernt haben, die Beziehung nicht mehr zu sabotieren.

Bindungsangst und Beziehungen: Wie sollten sich Partner verhalten?

Die Beziehung zu einer Frau oder einem Mann mit Bindungsangst kann zur Herausforderung werden. Das emotionale Auf und Ab ist für den Partner meist sehr belastend. Er kämpft um die Liebe des Anderen, kann sich dieser aber nie sicher sein. Nicht selten sucht er die Schuld für die Beziehungsachterbahn bei sich und leidet unter der Situation.

Wer mit einem Bindungsphobiker zusammen ist, braucht viel Geduld und Verständnis. Ihn unter Druck zu setzen und Nähe einzufordern, führt nur zum Gegenteil: der Phobiker tritt die Flucht an. Wer hingegen selbst auf Abstand geht, erhöht die Chance, dass die Angst beim Phobiker nachlässt. Positive Erlebnisse können helfen, dass er seine Ängste ab- und Vertrauen aufbauen kann. Das erfordert beim Partner aber einen langen Atem und Akzeptanz, dass die Beziehung mit einem Bindungsängstlichen anders als eine "normale" Partnerschaft ist.

Ist der Bindungsängstliche bereit an sich zu arbeiten und dafür Beratung oder fachkundige Hilfe anzunehmen, verbessert das die Voraussetzungen für eine dauerhafte Beziehung. Dann hat auch die Liebe mit einem Beziehungsphobiker eine Chance.

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