Asexualität: Was es bedeutet asexuell zu sein

Menschen, die sich als asexuell identifizieren, empfinden wenig oder keinerlei sexuelles Verlangen anderen gegenüber. Anders als bei sexueller Antriebslosigkeit gibt es keine psychische oder organische Ursache für das fehlende Interesse an sexueller Interaktion. Es handelt sich also um keine Erkrankung, sondern um eine sexuelle Orientierung.

Asexualität: Eine Ausprägung der sexuellen Identität
Menschen, die sich als asexuell identifizieren, empfinden kein sexuelles Verlangen.
© Getty Images/LightFieldStudios

Asexuellen Menschen fehlt Sex nicht, denn sie verspüren kein Verlangen: Asexualität ist eine sexuelle Orientierung und keine Erkrankung, sie ist auch nicht auf eine körperliche oder psychische Erkrankung zurückzuführen.

Artikelinhalte im Überblick:

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Definition: Was bedeutet Asexualität?

Asexuell zu sein ist keine bewusste Entscheidung und muss nicht unbedingt den vollständigen Verzicht auf Geschlechtsverkehr bedeuten: Asexuelle Menschen haben teilweise sogar Sex, sie verspüren jedoch kein Verlangen danach. Trotzdem können asexuelle Menschen Anziehung zu anderen Menschen verspüren und sich nach körperlicher Nähe sehnen, ganz ohne sexuelle Interaktion.

Abzugrenzen ist die Asexualität vorrangig von der Demisexualität: Demisexuelle Menschen empfinden nur dann sexuelles Interesse, wenn sie eine tiefe emotionale Verbundenheit verspüren. Ansonsten sind sie auch frei von Interesse an sexueller Aktivität.

Genaue Zahlen, wie viele Menschen asexuell sind, gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass Asexualität wenigen Menschen bekannt ist und bei fehlendem sexuellen Interesse oft andere Möglichkeiten, wie eine seelische Ursach,e als Begründung in Erwägung gezogen werden.

Welche Ursachen liegen der Asexualität zugrunde?

Asexualität hat keine biografischen Ursachen, wie beispielsweise sexueller Missbrauch in der Kindheit oder Jugend oder andere Traumata. Wie bei anderen sexuellen Orientierungen, etwa Hetero- oder Homosexualität, wird vermutet, dass sie angeboren ist und über das Leben hinweg bestehen bleibt. Es handelt sich also nicht um eine kurze Phase. Letztlich ist Sexualität und Interesse an sexueller Aktivität wie viele andere Persönlichkeitsmerkmale ein Spektrum, manche Menschen haben mehr Lust und sexuelles Interesse, andere weniger oder keine.

Fälschlicherweise werden oftmals seelische Gründe für die Asexualität angenommen, wie etwa sexueller Missbrauch oder eine Depression. Auch körperliche Erkrankungen oder ein Hormonmangel sind nicht der Grund für die Asexualität.

Asexualität-Test: Wie erkennt man, ob man asexuell ist?

Asexuelle Menschen wissen oft lange nicht, dass sie asexuell sind. Denn anders als beim Vorhandensein von sexuellem Interesse fällt es kaum auf, wenn das sexuelle Verlangen ausbleibt. Auch wird es zunächst vielleicht auf das Fehlen eines*einer geeigneten Sexualpartner*in geschoben.

Manchmal führt die Sexualität anderer jedoch zur Irritation und unangenehmen Emotionen, da sich asexuelle Menschen bedrängt und unter Druck gesetzt fühlen, insbesondere in beginnenden Paarbeziehungen. Auch die Übersexualisierung in Gesellschaft und Medien kann einen Leidensdruck auslösen, da bestimmte Erwartungen an Erwachsene und ihre Sexualität allgegenwärtig sind. Manche asexuellen Menschen können diesen nicht gerecht werden, andere fühlen sich mit ihrer asexuellen Orientierung wohl und möchten ihnen auch nicht gerecht werden.

Kein Interesse an Sex zu haben, kann für asexuelle Menschen, die noch unsicher in ihrer sexuellen Orientierung sind, verunsichernd sein. Die Fragen "Ist das normal, kein Interesse an Sex zu haben?" und auch "Wie erkenne ich, ob ich asexuell bin?", beschäftigt viele Menschen, denn nicht für jede*n ist die Suche nach der sexuellen Identität und Orientierung einfach und schnell abgeschlossen.

Asexualität-Test: "Bin ich asexuell?"

Da es sich bei der Asexualität nicht um eine Erkrankung handelt, gibt es kein diagnostisches Instrument oder Verfahren, wonach man diese feststellen könnte: Menschen sind asexuell, wenn sie sich als solches identifizieren.

Trotzdem wurde ein Fragebogen entwickelt, um Asexualität messbar zu machen. Dieser kann sowohl Personen helfen, die sich bislang nicht sicher mit ihrer sexuellen Orientierung sind, als auch in der Forschung als Grundlage dienen, um Asexualität genauer zu untersuchen.


Diese Selbstaussagen können als erste Einschätzung dienen, ob für jemanden die Identifikation als asexuell infrage kommt:

  1. Ich empfinde (kein) sexuelles Interesse und/oder Verlangen gegenüber anderen Menschen.
     
  2. Ich habe kein Interesse an sexuellen Aktivitäten.
     
  3. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht in die üblichen Kategorien für sexuelle Orientierungen passe, wie heterosexuell, homosexuell (schwul oder lesbisch) oder bisexuell.
     
  4. Der Gedanke an sexuelle Aktivitäten stößt mich ab.
     
  5. Ich bin verwirrt darüber, wie viel Interesse und Zeit andere Menschen in sexuelle Beziehungen investieren.
     
  6. Der Begriff "nichtsexuell" wäre eine genaue Beschreibung für meine Sexualität.
     
  7. Ich wäre zufrieden, wenn ich nie wieder Sex haben würde.
     
  8. Ich wäre erleichtert, wenn man mir sagen würde, dass ich nie wieder irgendeiner Form von sexueller Aktivität nachgehen müsste.
     
  9. Ich gebe mir große Mühe, um Situationen zu vermeiden, in denen man Sex von mir erwarten könnte.
     
  10. Meine ideale Beziehung würde keine sexuellen Aktivitäten miteinschließen.
     
  11. Sex hat in meinem Leben keinen Platz.

Wichtig hierbei ist, dass sich die Beantwortung nicht nur auf die letzte Paarbeziehung oder einen kurzen Zeitraum bezieht. Vor allem, wenn in der Vergangenheit Sexualität eine andere Rolle gespielt hat, kann es sinnvoll sein, den Verlust des sexuellen Interesses kritischer zu hinterfragen, sofern ein persönlicher Leidensdruck besteht.

Romantische Beziehungen: Können sich asexuelle Menschen verlieben?

Für viele Menschen gehört Sexualität zur romantischen Paarbeziehung dazu und spielt eine besonders große Rolle. Für sie ist eine asexuelle Beziehung kaum vorstellbar. Auch die Frage, ob asexuelle Menschen sich überhaupt verlieben können, stellt sich einigen.

Nicht jede asexuelle Person hat Interesse an romantischen Beziehungen, andere wiederum schon. Asexuelle Menschen führen genauso intime Beziehungen wie andere Menschen. Emotionale Nähe und Sexualität können auch unabhängig voneinander existieren, romantische Gefühle müssen nicht zwangsläufig sexueller Natur sein. Auch leben asexuelle Menschen oftmals trotzdem körperlichen Kontakt durch Kuscheln oder Küssen aus.

Manche haben sogar Sex mit ihrer*ihrem Partner*in, wichtig ist jedoch: Einvernehmlichkeit ist unabdingbar, asexuelle Menschen dürfen keinesfalls zu sexuellen Handlungen genötigt oder gedrängt werden.

Mehr Informationen zum Thema Asexualität sowie verschiedene Foren zum Austausch finden Sie hier.

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