Fesselspiele, Dominanz und Disziplin

BDSM: Die Lust an Schmerz und Unterwerfung

Fesseln, Schlagen, Erniedrigung: Was für manche nach Gewalt aussieht, ist für Menschen, die BDSM praktizieren, eine Quelle der Lust und führt zu Erregung. Wofür steht BDSM, welche Erkennungszeichen gibt es und wann gilt die sexuelle Vorliebe als Störung?

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© shutterstock/AlessandroBiascioli

Spätestens seit der Buch- und Filmreihe "Fifty Shades of Grey" haben die meisten Menschen eine vage Vorstellung davon, was sich hinter den vier Buchstaben BDSM verbirgt. Doch BSDM ist nicht gleich BDSM: Die Abkürzung umfasst eine Reihe sexueller Spielarten und unterscheiden sich auch in ihrer Ausprägung.

Artikelinhalte im Überblick:

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BDSM: Was der Begriff bedeutet

BDSM ist ein Akronym, das bedeutet, jeder Buchstabe steht für einen abgekürzten Begriff. Allerdings umfasst BDSM streng genommen sechs Unterbegriffe, die aus dem Englischen kommen:

  • Bondage: Unter Bondage werden verschiedene Fesselpraktiken verstanden, etwa  mit Seilen, Tüchern, Handschellen, Tape oder auch verschiedenen Bondage-Mobiliar wie etwa das "Andreaskreuz". Lust wird dadurch empfunden und erzeugt, bewegungsunfähig zu sein und sich "ausgeliefert" zu fühlen oder jemanden durch Fesselung in seiner Bewegung einzuschränken. Besonders beliebt ist die japanische Fesselpraktik "Shibari", wobei das Fesseln kunstvoll und nach bestimmten Regeln erfolgt.
  • Disciplin: Hierunter fallen sexuelle Spielarten, bei denen der Lustgewinn durch Disziplin, Züchtigung und Bestrafung entsteht. In der Regel handelt es sich um körperbetonte Spielarten, es kommen etwa Peitschen und sogenannte Paddles zum Einsatz. Auch das Aufstellen und Befolgen von Regeln fällt unter diesen Bereich.

  • Dominance/Submission: Das D in BDSM steht unter anderem für Dominanz. Der Begriff ist untrennbar mit der Submission (Unterwerfung) verbunden. Hierbei geht es um ein bewusstes und gewolltes Machtgefälle, eine praktizierende Person ist der*die Dom (auch Top genannt), der andere Part ist Sub (auch Bottom genannt). Körperliche Bestrafung und Züchtigung kann Teil des Spiels sein, muss aber nicht zwangsläufig integriert werden.  Der*die Dom bestimmt in der Zeit einer Session über den*die Sub und hat die Kontrolle über das Geschehen, während der*die Sub diese bewusst abgibt. In manchen Fällen ist das inszenierte Machtgefälle auch Teil der gesamten Paarbeziehung und wird im Alltag übernommen.

  • Sadism/Masochism: Während das S zum einen für die Submission steht, repräsentiert es zudem Sadismus als Teil des BDSM-Begriffs. Bei Sadomaso-Spielpraktiken zielt das Zufügen oder Empfangen körperlicher Schmerzen auf den Lustgewinn ab. Das kann durch verschiedene Methoden und Instrumente erreicht werden.

Lust durch Schmerz: Ist das möglich?

Für einige Menschen mag es zunächst irritierend wirken, durch das Zufügen von Schmerzen Lust zu empfinden. Allerdings gibt es einen Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Glückshormonen und der Schmerzempfindung, denn: Bei Schmerzreizen setzt der Körper Endorphine frei, sie wirken sowohl als körpereigenes Schmerzmittel, aber auch stimmungsaufhellend. Endorphine stehen beispielweise mit der Entstehung von euphorischen Rauschzuständen in enger Verbindung, wie sie auch von manchen BDSM-praktizierenden Menschen beschrieben werden.

Einvernehmlichkeit und BDSM

BDSM steht häufig in der Kritik, denn viele Menschen verbinden damit sexualisierte Gewalt und das Überschreiten von Grenzen. Immerhin bestimmt der*die Dom beim Dominance/Submission über den*die Sub und befiehlt, was zu tun ist. Auch schmerzhafte Bestrafung kann Teil der sexuellen Spielpraktik sein. Deshalb ist Consent (also Einvernehmlichkeit) von besonderer Bedeutung. Vor einer Session muss genau vereinbart werden, was erlaubt ist und welche Grenzen es gibt.

In den meisten Fällen werden bestimmte Codewörter ("Safe words") festgelegt, bei den sofort und ohne Wenn und Aber gestoppt wird. Dann fallen die Beteiligten aus der Rolle und unterbrechen die Session. Nur so kann gewährleistet werden, dass das körperliche und psychische Wohlbefinden aller Beteiligten unbeschadet bleibt. Denn auch wenn es bei BDSM um Unterwerfung, Dominanz, Ausgeliefertsein (etwa durch Fesselung) und Schmerz geht, soll es eine erfüllende sexuelle Erfahrung sein.

Es lässt sich also als besonders positiv herausstellen, dass die explizite vorherige Absprache aller Vorlieben und Grenzen, die bei anderen Sexualpraktiken in der Regel selten in diesem Ausmaß erfolgt, Grenzüberschreitungen unwahrscheinlicher werden lässt.

Darüber hinaus verlangt diese Form der Sexualität besonders viel Nähe, Vertrauen und Intimität ab. Scham für die sexuellen Wünschen und Begierden hat bei BDSM-Praktiken keinen Platz. Auch bedarf es einer vertrauensvollen Umgebung um authentisch in die Rolle einer*eines Sub beziehungsweise Doms zu schlüpfen, und im Falle des unterwerfenden Parts, die Kontrolle abzugeben und sich führen zu lassen.


Sadomasochismus in der Medizin: Ist SM krank?

In der aktuellen Version des Diagnosemanuals "ICD-10" gelten Sadismus und Masochismus derzeit noch als psychische Störung (Störung der Sexualpräferenz), worunter auch andere sexuelle Präferenzen, etwa Voyeurismus und Fetischismus, aber auch Nekrophilie (Sexualtrieb gerichtet auf Leichen) und Pädophilie (sexuelles Interesse an Kindern) fallen.

In einem anderen gängigen Diagnosehandbuch für psychische Erkrankungen, dem DSM-5, hingegen, wird neben der Lustempfindung durch Zufügen oder Empfangen von Schmerz für die Diagnose ein weiterer Aspekt relevant: Der individuelle Leidensdruck. Das bedeutet, die Diagnose kann nur gestellt werden, wenn eine Person mit sadomasochistischen Vorlieben darunter leidet und sich im Leben oder der Sexualität eingeschränkt fühlt.

Diese Erweiterung lenkt den Fokus weg von der gesellschaftlichen Idealvorstellung von Sex hin auf die individuellen Bedürfnisse und distanziert sich vom bloßen Ablehnen bestimmter Sexualpräferenzen, denn: Richtig und gut ist, was allen Beteiligten gefällt und Lust bereitet.

Symbole und Erkennungszeichen im BDSM

Da vieles des BDSM-Spiels im Kopf abläuft, spielen visuelle Symbole häufig eine Rolle in BDSM-Beziehungen. Besonders bekannt ist der "Ring der O", dabei handelt es sich um einen Ring, an dem ein weiterer kleinerer Ring befestigt ist. Je nachdem an welcher Hand das Schmuckstück getragen wird, zeigt der Ring auch an, welchen Part jemand in der BDSM-Beziehung übernimmt: Unterwürfige Parts tragen den Ring der O rechts, dominante Parts auf der linken Seite.

Häufig wird das Zeichen auch als Halsband getragen, der kleinere Ring ist dann mittels Metallkugel an einem Choker (größerer Ring) angebracht.

Weitere Symbole sind:

  • Triskele: Keltisches Sonnenrad, oftmals als Tattoo, T-Shirt oder an einer Kette. Eine Weiterentwicklung stellt das sogenannte "Peitschenrad" dar.

  • Schlüssel: Auch werden Schlüssel als Schmuckstück getragen, um subtil auf Besitz und Macht über die submissive Person hinzuweisen. Manchmal auch Schlösser als Gegenstück.

Darüber hinaus gibt es neben den zahlreichen LGBTQ*-Pride-Flaggen auch eine BDSM-Flagge, die beispielsweise bei der Pride-Parade (Christopher-Street-Day) stolz geschwungen wird.

BDSM-Szene: Stammtische und Partys

Wie viele Menschen BDSM und manche Praktiken aus dem Spektrum praktizieren, ist nicht bekannt. Gleichgesinnte sind häufig allerdings über das Internet gut vernetzt. Auch gibt es BDSM-Stammtische und Partys, bei denen sich Menschen mit ähnlichen Vorlieben kennenlernen können. Der Austausch ist für viele BDSM-Begeisterte wichtig. So können besonders BDSM-Neulinge schnell Anschluss finden.

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