Fetisch: Was ist sexueller Fetischismus und welche Kinks gibt es?

Ein Gegenstand als sexuelle Vorliebe? Bei sexuellem Fetischismus dient ein Objekt, der sogenannte Fetisch, als Grundlage der sexuellen Erregung und Befriedigung. Welche Fetische sind häufig?

Was ist ein Fetisch?
Bei einem Fetisch wird sexuelle Erregung durch ein Objekt oder bestimmtes Material ausgelöst.
© Getty Images/Francesco Carta fotografo

Füße, Haare, Schuhe oder Regenkleidung: Wer einen sexuellen Fetisch hat, bei dem lösen spezifische Gegenstände – ob belebt oder unbelebt – sexuelle Lust und Erregung aus.

Im Überblick:

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Was ist ein Fetisch?

Der Begriff "Fetisch" ist aus dem Französischen übernommen, seinen Ursprung hat er in der portugiesischen Sprache, er bedeutet so viel wie "Zauber". Im erotischen Sinne wird unter Fetischismus eine sexuelle Neigung verstanden, die sich auf bestimmte Objekte bezieht. Diese können belebt sein, also bestimmte Körperteile sein – dies wird auch als "Body worship" bezeichnet –, oder auch unbelebte Gegenstände. Manchmal bezieht sich ein Fetisch auch auf die Beschaffenheit von Materialien.

Fetischismus zählt zu den Paraphilien. Das sind sexuelle Neigung, die von der Norm abweichen, wie etwa stark ausgeprägte sexuelle Fantasien und Verhaltensweisen, die sich auf unbelebte Objekte, Schmerz und Demütigung beziehen, oder auch auf Menschen und Lebewesen, die nicht fähig sind, Einverständnis zu sexuellen Handlungen zu geben, wie Kinder oder Tiere (Zoophilie).

Viele Begrifflichkeiten wie Vorliebe, Neigung, Fetisch und Kink werden oftmals synonym verwendet und können kaum ganz trennscharf voneinander abgegrenzt werden. Definiert man Fetischismus sehr strikt, ist die Sexualität auf ein bestimmtes Objekt gerichtet, sie kann somit auch in Abwesenheit von anderen stattfinden und ist für die Person mit dem Fetisch die einzige Möglichkeit, Sexualität auszuleben.

Erweitert man den Begriff, so können auch bestimmte Sexualpraktiken und sexuelle Fantasien als Fetisch gelten. Von einer sexuellen Vorliebe abzugrenzen ist ein Fetisch in dem Sinne, dass er unabhängig von einer Person ist: Mag jemand beispielsweise Regenbekleidung oder Nylonstrümpfe, wird nahezu egal, wer sie trägt.

Wie entsteht ein Fetisch?

Wie bei vielen sexuellen Vorlieben und Orientierungen ist auch die Entstehung von sexuellen Fetischismen bis heute nicht endgültig geklärt. Als Ursache werden sowohl genetische Aspekte vermutet als auch soziale Erfahrungen und Erlebnisse in der Kindheit.

Fetischistische Störung als Diagose

Fetische und sexuelle Vorlieben wurden und werden häufig gesellschaftlich verurteilt, da sie als Abweichung von der Norm gelten. Der bekannte Wiener Psychoanalytiker Sigmund Freud ordnete sexuelle Fetische etwa als Perversion ein. Seine Ansichten sind inzwischen weit überholt, Begriffe wie "Perversion" sollten aus Gründen der Diskriminierung vermieden werden.

Trotzdem gibt es neben dem sexuellen Fetischismus auch Fetischismus als psychische Störung. Für die Diagnose einer solchen Erkrankung ist insbesondere der Leidensdruck der betroffenen Person wichtig. Auch wenn der sexuelle Fetisch die Verletzung von sich oder anderen als Grundlage oder zur Folge hat, gilt dies als fetischistische Störung.

Wenn der sexuelle Fetisch zum Problem wird

Sexuelle Vorlieben sind von Mensch zu Mensch verschieden, jede*r lebt seine Sexualität so, wer er*sie es möchte. So auch bei sexuellem Fetischismus. Solange Menschen mit ihrem sexuellen Fetisch zufrieden sind und die sexuelle Vorliebe niemandem ungewolltes Leid zufügt, ist nichts falsch an der sexuellen Neigung.

Trotzdem kann es bei manchen sexuellen Spielarten und Fetischen zu Problemen kommen oder auch eine Partnerschaft belasten, etwa weil nicht jeder in der Paarbeziehung dieselben Vorlieben hat.

Auch anderweitige Probleme können im Zuge der sexuellen Fetischisierung auftreten. So kann ein Fetisch für neue Schuhe beispielsweise zu finanziellen Schwierigkeiten führen, wenn oft teures Schuhwerk angeschafft werden muss. Auch im Rahmen von Dominanz-/Unterwerfungsfantasien kann dieses Phänomen auftreten, so gibt es beispielsweise Menschen, die sexuelle Erregung daraus ziehen, finanziell von einer anderen Person ausgebeutet zu werden. Das wird auch als FinDom/FinSub bezeichnet.


Häufigkeit: Fetische sind weit verbreitet

Fetische gelten oftmals immer noch als unnormal und abweichendes Sexualverhalten, dabei kommen sie recht häufig vor. Auch haben Frauen ebenso oft wie Männer spezielle sexuelle Vorlieben und Fetische. Im Rahmen einer kanadischen Studie wurden 1.040 Menschen befragt, etwa die Hälfe bekundete Interesse an Sexualpraktiken, die als Paraphilie gelten, wie Voyeurismus, Masochismus und auch Fetischismus. Rund 30 Prozent hatten entsprechende Praktiken schon einmal ausgelebt.

Hinweis: Voyeurismus kann einvernehmlich als Sexualpraktik ausgeübt werden. Das Beobachten fremder Personen ohne Einverständnis ist strafrechtlich relevant, etwa als sexuelle Nötigung und/oder Hausfriedensbruch.

Diese Fetische sind besonders häufig

Fetische sind sehr vielfältig und können nahezu jeden Gegenstand betreffen, besonders häufig sind folgende:

  • Lederfetisch
  • Fußfetisch
  • Handfetisch
  • Schuhfetisch (getragene oder auch neue Schuhe)
  • Nylon-/Strumpffetisch
  • Wäschefetisch
  • Gummi- oder Latexfetisch
  • Brillenfetisch
  • Fellfetisch
  • Uniformenfetisch
  • Windelfetisch

In der Erweiterung des Begriffs können auch bestimmte Sexualpraktiken und sexuelle Fantasien als Fetisch gelten, wie etwa:

  • Rollenspiele
  • Bondage (Fesseln)
  • SM (sexueller Sadomasochismus)

Wichtig ist zur Unterscheidung von anderen Vorlieben, dass bei einem Fetisch die Präferenz unabhängig von der*dem Partner*in bleibt. Teilweise können sich bestimme Fetische und Vorlieben überschneiden, etwa ein Windelfetisch und ein unterwürfiges Rollenspiel.

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