Wenn Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt

Reflux: Was sind Symptome und was hilft?

Als Reflux wird ein krankhaft erhöhter Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre bezeichnet. Dadurch wird die Schleimhaut der Speiseröhre gereizt. Der Rückfluss macht sich als Sodbrennen bemerkbar, das Hauptsymptom von Reflux.

Sodbrennen
Hauptsymptom eines Reflux: häufiges und heftiges Sodbrennen.
© iStock.com/PeopleImages

Um was es bei einem Reflux geht, ist mit der medizinischen Bezeichnung gastroösophageale Refluxerkrankung bereits beschrieben: Reflux kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Rückfluss, Ösophagus ist die Speiseröhre, und der Begriff gaster kommt aus dem Griechischen und steht für Magen. Die gastroösophageale Refluxerkrankung, kurz GERD (gastroesophageal reflux disease) bezeichnet einen krankhaft erhöhten Rückfluss von Magensäure und -inhalt in die Speiseröhre.

Beim Reflux ist die Funktion des unteren Speiseröhrenschließmuskels gestört

Auslöser der Reflux ist meist eine Funktionsstörung des unteren Schließmuskels der Speiseröhre (Ösophagussphinkter). Dieser entspannt sich, wenn Nahrung oder Flüssigkeit aus der Speiseröhre in den Magen geschoben werden soll. Danach wird die Passage in den Magen direkt wieder verschlossen, um einen Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre zu verhindern. Allerdings entspannt sich der untere Schließmuskel der Speiseröhre bei gesunden Menschen auch außerhalb des Schluckvorgangs mehrmals am Tag, sodass immer wieder kleinere Mengen an Mageninhalt kurzzeitig in die Speiseröhre zurückfließen. Dies ist jedoch ein natürlicher Vorgang ohne gesundheitliche Folgen. Erst bei länger andauerndem und häufigem Rückfluss ist von einer Funktionsstörung des unteren Speiseröhrenschließmuskels auszugehen, der Grundlage des Reflux. Dann kommt es zu Reizungen der Schleimhaut in der Speiseröhre, die dann zu Sodbrennen führen, neben Aufstoßen Hauptsymptom eines Reflux.

Reflux: Sodbrennen mindestens einmal pro Woche

Nicht jedes Sodbrennen oder Aufstoßen ist ein Hinweis auf die Refluxkrankheit. Wenn Sie bei sich die typischen Symptome mindestens einmal pro Woche feststellen und Sie sich dadurch in Ihrer Lebensqualität eingeschränkt sehen, liegt der Verdacht auf eine gastroösophageale Refluxerkrankung nahe.

Die Erkrankung ist insbesondere in den westlichen Industrienationen häufig, wobei die Angaben zu Erkrankungsraten schwanken. Das liegt unter anderem daran, dass viele Menschen, die an einem Reflux leiden, diese nicht durch einen Arzt behandeln lassen. Schätzungen gehen von einer Häufigkeit von zehn bis 20 Prozent aus.

Formen von Reflux

Bei einem Reflux wird grundsätzlich die entzündliche von der nichtentzündlichen Form unterschieden.

  • Eine nichtentzündliche Refluxkrankheit liegt vor, wenn die Erkrankung ohne eine Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) einhergeht. Sie wird auch als nicht erosive Refluxkrankheit, kurz NERD (non erosive reflux disease) bezeichnet. Von einer NERD sind Frauen und Männer gleichermaßen häufig betroffen.

  • Bei der entzündlichen Form, der erosiven Refluxkrankheit (erosive reflux disease, ERD), hat die Reizung der Speiseröhrenschleimhaut durch den Reflux eine eine Speiseröhrenentzündung ausgelöst. Die ERD ist deutlich seltener als die NERD, bis zu zwei von drei Patienten mit der Refluxkrankheit haben keine entzündlichen Veränderungen der Speiseröhre. Männer sind jedoch von ERD häufiger betroffen als Frauen.

Barrett-Syndrom als Folge

Bei schätzungsweise fünf von hundert Patienten mit Reflux kommt es im Laufe der Zeit zu dauerhaften Veränderungen der Schleimhaut am unteren Ende der Speiseröhre. Dabei werden Schleimhautzellen der Speiseröhre durch solche ersetzt, die in der säureresistenten Magenschleimhaut vorkommen. Diese Entwicklung wird als Barrett-Syndrom oder Barrett-Ösophagus bezeichnet. Das Barett-Syndrom ist bei Männern zehn mal häufiger als bei Frauen.

Mit dem Barrett-Syndrom ist eine Erhöhung des Risikos verbunden, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken: Im Verlauf von zehn Jahren entwickeln durchschnittlich zehn von tausend Patienten mit Barrett-Syndrom diese Krebsform gegenüber einem von tausend bei nicht am Barrett-Syndrom Erkrankten.

Symptome eines Reflux

Typisches Symptom des gastroösophagealen Reflux ist Sodbrennen, ein brennendes Gefühl, das sich vom Oberbauch bis zum Hals hinauf bemerkbar macht. Aufstoßen des sauren Mageninhalts ist ebenfalls ein häufiges Symptom. Damit verbunden können weitere Beschwerden auftreten wie schlechter Geschmack im Mund, Brennen im Rachenbereich und Brechreiz.

Dieses Beschwerdebild tritt bei den einzelnen Patienten unterschiedlich häufig und intensiv auf – sowohl bei der nicht entzündlichen als auch der entzündlichen Form der Refluxkrankheit. Starke Beschwerden bedeuten also nicht unbedingt, dass eine Speiseröhrenentzündung vorliegt.

Chronischer Husten durch Reflux

Weitere mögliche Symptome in Zusammenhang mit der Refluxkrankheit lassen sich auf Schädigungen durch die aufsteigende Magensäure zurückführen. Im Mund kann der Zahnschmelz angegriffen werden, was Zahnschädigungen nach sich zieht. Auch Schädigungen der Atemwege durch die Säure mit entsprechenden Symptomen sind möglich. So ist die Refluxkrankheit  eine der drei häufigsten Ursachen für chronischen Husten. Heiserkeit, wiederkehrende Lungenenzündung, Schluckbeschwerden, Räusperzwang und Kehlkopfentzündungen sind weitere Symptome, die zwar nicht typisch für die Refluxkrankheit, aber möglicherweise auf sie zurückzuführen sind.

Sodbrennen: Tipps und sanfte Hausmittel

Ursachen des Reflux

In seltenen Fällen kann eine Störung der Speiseröhrenbeweglichkeit oder eine gestörte Magenentleerung Auslöser eines Reflux sein. Meist steckt jedoch eine Funktionsstörung des unteren Speiseröhrenschließmuskels hinter der gastroösophageale Refluxerkrankung. Dieser Schließmuskel mit der Bezeichnung unterer Ösophagussphinkter sorgt bei gesunden Menschen dafür, dass kein Mageninhalt in die Speiseröhre, den Ösophagus, gelangt. Wie es zu einer Funktionsstörung des Speiseröhrenschließmuskels kommen kann, ist nicht völlig geklärt. Nahe liegt, dass ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie), eine häufige mögliche Ursache darstellt.

Zwerchfellbruch legt unteren Ösophagussphinkter lahm

Das Zwerchfell ist eine dünne Muskelschicht zwischen Brust- und Bauchraum, es umgibt die Stelle, an der die Speiseröhre in den Magen übergeht und unterstützt damit den unteren Ösophagussphinkter. Bei einem Zwerchfellbruch ist die Lücke am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen vergrößert. Dadurch kann ein Teil des Magens sich in den Brustraum verlagern, wodurch der Schließmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen zunehmend beeinträchtigt wird und Mageninhalt in die Speiseröhre fließen kann.

Risikofaktoren für Reflux

  • Übergewicht und Schwangerschaft
  • Stress
  • bestimmte Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Alkohol und Zigaretten
  • Kaffee, Tee, Cola
  • fettiges Essen

Diagnose: Was der Arzt bei Reflux untersucht

Die Anamnese, die Befragung durch den Arzt, ist wichtiger Bestandteil der Diagnose des Reflux. Art und Häufigkeit der Beschwerden sind Kriterien für das Vorliegen einer Refluxkrankheit. Sich vor dem Arztbesuch entsprechende Notizen zu machen, ist deshalb sinnvoll.

  • Säurereduktion auf Probe – PPI-Test: Bei Verdacht auf Refluxkrankheit wird häufig ein sogenannter PPI-Test eingesetzt. Die Abkürzung PPI steht für Protonenpumpenhemmer, die die Bildung von Magensäure hemmen. Der PPI-Test besteht darin, dass der Patient über etwa zwei Wochen hinweg einen Protonenpumpenhemmer einnimmt. Lassen die Beschwerden in dieser Zeit nach, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Refluxkrankheit vor.

  • Endoskopie zum Check der Speiseröhrenschleimhaut: Zur weiteren Diagnose des Reflux wird heute standardmäßig eine Endoskopie der Speiseröhre durchgeführt. Dazu wird ein dünner, beweglicher Schlauch mit einer Kamera am Ende durch Nase oder Mund die Speiseröhre hinab bis zum Mageneingang geführt. Die Untersuchung hilft dem Arzt dabei, den Schweregrad der Refluxkrankheit zu bestimmen und eventuelle Schädigungen beziehungsweise Veränderungen der Speiseröhrenschleimhaut zu erkennen. So kann der Arzt beispielsweise eine eventuell vorliegende Speiseröhrenentzündung feststellen. Während der Endoskopie können gleichzeitig bei Bedarf kleine Gewebeproben entnommen werden. Die Untersuchung wird ambulant in der Arztpraxis vorgenommen und ist wenig belastend.

  • Bestimmung der Säurekonzentration durch ph-Metrie: Eine Messung des Säuregehalts in der unteren Speiseröhre ist eine weitere gängige Methode zur weiteren Diagnose der Refluxkrankheit. Für diese als ph-Metrie bezeichnete Untersuchungsmethode wird eine winzige Sonde über die Nase in die Speiseröhre eingeführt. Sobald die Sonde an der richtigen Stelle platziert ist, wird sie mit einem Klebestreifen an der Nase befestigt. Über 24 Stunden hinweg erfasst die Sonde nun die Säurekonzentration in der unteren Speiseröhre. Die Messwerte werden durch ein mit der Sonde verbundenes tragbares Aufzeichnungsgerät festgehalten. Während der ph-Metrie kann wie gewohnt gegessen und getrunken werden.

Behandlung von Reflux

Welche Therapie bei einem Reflux angewendet wird, hängt zunächst einmal davon ab, um welche Form der Erkrankung es sich handelt. Bestehen keine entzündlichen Veränderungen an der Speiseröhrenschleimhaut, kann zunächst versucht werden, über Änderungen des Lebensstils eine Besserung der Beschwerden zu erreichen.

Tipps bei Reflux

Bei Reflux sollte vermieden werden, was die Produktion der Magensäure anregt. Außerdem können folgende Tipps helfen:

  • Übergewicht abbauen

  • auf alkoholische Getränke und Rauchen möglichst verzichten

  • späte Mahlzeiten meiden, möglichst drei Stunden nach der Mahlzeit nicht hinlegen

  • Nahrungs- und Genussmittel, die eine vermehrte Säureproduktion im Magen auslösen oder den Druck des unteren Speiseröhrenschließmuskels senken, meiden, zum Beispiel sehr fette oder scharf gewürzte Speisen, Kaffee, Fruchtsäfte, Pfefferminz und Schokolade

  • Oberkörper zum Schlafen hochlagern

Medikamente zur Säurereduktion

Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg oder handelt es sich um eine erosive Refluxkrankheit, die mit einer Speiseröhrenentzündung einhergeht, ist eine medikamentöse Behandlung angezeigt. Ziel ist dabei, die Säureproduktion im Magen herabzusetzen. In erster Linie werden sogenannte Protonenpumpenhemmer eingesetzt. Ihre Wirksamkeit wurde in Studien bestätigt, wenn sie auch nicht bei allen Patienten in gleichem Ausmaß erfolgreich sind. Wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen berichtet, können Protonenpumpenhemmer bei 45 von hundert Personen die Beschwerden deutlich verringern.

Weniger wirksam sind H2-Rezeptorblocker (H2R-A), die ebenfalls die Ausschüttung von Magensäure bremsen: Sie verschaffen nur 14 von hundert Patienten eine deutliche Linderung der Symptome.

Weitere Wirkstoffe, die gelegentlich zur Behandlung des Reflux eingesetzt werden, aber nicht zum Standard gehören, weil ihre Wirksamkeit nicht bewiesen ist, sind Antazida und Prokinetika. Antazida sollen die Magensäure binden, Prokinetika die Entleerung des Magens fördern und so den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre verhindern.

Operation zur Unterstützung des Speiseröhrenschließmuskels

Eine weitere mögliche Therapiealternative bei Reflux ist eine Operation mit dem Ziel, den unteren Speiseröhrenschließmuskel zu unterstützen. Eine Methode dazu besteht darin, einen Teil des oberen Magens ganz oder teilweise um das untere Ende der Speiseröhre zu legen und dort zu befestigen. Alternativ kann ein flexibles Magnetband um den unteren Speiseröhrenschließmuskel gelegt werden. Über 60 Prozent der Patienten benötigen danach zunächst keine Medikamente mehr. Es fehlen jedoch Untersuchungen zur Langzeitwirkung.

Außerdem ist ein chirurgischer Eingriff immer mit gewissen Risiken verbunden, weshalb er die operative Therapie der Refluxkrankheit überwiegend bei jungen Patienten oder bei einem kompletten Versagen anderer Behandlungsmethoden eingesetzt wird. Wer dieses Therapieoption erwägt, sollte sich individuelle Risiken und möglichen Nutzen ausführlich von seinem Arzt erklären lassen.

Sodbrennen: Die Auslöser im Überblick

 

Verlauf der Refluxkrankheit

Zum Verlauf der Refluxkrankheit gibt es eine gute und eine weniger gute Nachricht. Die gute Nachricht: Bei den meisten Patienten – in der Fachliteratur ist von 95 Prozent die Rede – verschlimmert sich der Reflux nicht, und es wird davon ausgegangen, dass eine Refluxkrankheit ohne weitere Komplikationen die Lebenserwartung nicht beeinflusst.

Allerdings "heilt" die Refluxkrankheit auch nicht von selbst. Die Beschwerden, die je nach Intensität zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können, bleiben unbehandelt in der Regel dauerhaft bestehen – das ist die schlechte Nachricht. Selbst nach einer Operation benötigt ein Teil der Patienten weiterhin Medikamente, um die Symptome zu lindern. Diese treten meist in Schüben auf; nach beschwerdefreien Phasen kommt es also immer wieder zum erneuten Auftreten der typischen Symptome. Wird die Refluxkrankheit medikamentös behandelt, kehren die Beschwerden oft nach Absetzen der Medikamente wieder zurück.

Wie kann ich Reflux vorbeugen?

Ein gezieltes Vorbeugen der Refluxkrankheit selbst ist nicht möglich. So gilt eine Hiatushernie, besser bekannt unter der Bezeichnung Zwerchfellbruch, als häufigste Ursache der Reflux-Krankheit. Beim Zwerchfellbruch wiederum handelt es sich in den meisten Fällen um eine angeborene Fehlbildung.

Allerdings können Betroffene einiges tun, um dem Wiederkehren der typischen Symptome wie Sodbrennen und Aufstoßen vorzubeugen. Dazu gehört in erster Linie, alles zu vermeiden, das die Säureproduktion im Magen verstärkt oder den Speiseröhrenschließmuskel schwächt, der den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre verhindern soll. Auf sehr fette oder stark gewürzte oder saure Speisen und Getränke sollte deshalb verzichtet werden, ebenso auf Alkohol und Zigaretten.

Außerdem fördern Mahlzeiten kurz vor dem Schlafen gehen das Auftreten von Sodbrennen; zwischen einer Mahlzeit und der Nachtruhe sollten idealerweise mindestens drei Stunden liegen. Da Übergewicht Sodbrennen fördert, zählt auch ein Körpergewicht im Normbereich zum Vorbeugen gegen Symptome der Refluxkrankheit.

Zusammenfassung

Reflux bedeutet einen Rückfluss von Magensäure und -inhalt in die Speiseröhre. Dadurch kommt es zu Sodbrennen und weiteren Beschwerden. Der Reflux entsteht durch eine Funktionsstörung des Mageneingangs. Zur Behandlung des Reflux können Betroffenen einige Tipps zur Ernährung beherzigen und auf Alkohol und fettige Speisen verzichten. Im schwereren Fällen können auch Medikamente zur Säurebindung eingesetzt werden. Reflux bleibt oft ein Leben lang bestehen, verschlimmert sich aber im Verlauf in der Regel nicht.

Beitrag zum Thema aus der Community
Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

  • Drehen Sie das Glücksrad!Drehen Sie das Glücksrad!

    Vielleicht ist das Glück heute auf Ihrer Seite. Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen haben Sie die Chance auf hochwertige Preise. mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen

Zum Seitenanfang