Leitsymptom der Borreliose

Wanderröte: Meist steckt ein Zeckenstich dahinter

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Als Wanderröte bezeichnet man eine Rötung der Haut, die sich Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich um die Einstichstelle herum ausbreitet. Sie ist ein typischer Hinweis auf eine Infektion mit Lyme-Borreliose, welche unbedingt einer Behandlung mit Antibiotika bedarf. Lesen Sie hier alles über Aussehen, mögliche Ursachen, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

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Die Wanderröte breitet sich nach einem Zeckenstich kreisförmig um die Einstichstelle herum zunehmend aus.
© Getty Images/anakopa

Im Überblick:

Zecken richtig entfernen

Was ist Wanderröte?

Die typische Wanderröte (Erythema migrans) breitet sich ringförmig um einen Zeckenstich herum aus und hat einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern. Sie tritt üblicherweise 3 bis 30 Tage nach dem Stich der Zecke auf und zeigt sich oft als eine nicht erhabene, randbetonte Rötung mit einer deutlich sichtbaren Einstichstelle im Zentrum. Ihr Auftreten ist ein ernstzunehmender Hinweis auf eine durch den Zeckenstich übertragene Borreliose-Infektion: 60 bis 90 Prozent der mit Lyme-Borreliose Infizierten weisen eine Wanderröte auf. Wanderröte gilt daher als Leitsymptom der Lyme-Borreliose und sollte unbedingt durch eine*n Arzt*Ärztin abgeklärt werden.

Atypische Wanderröte

Nicht immer äußert die Wanderröte sich als der typische Kreis um die Einstichstelle – in diesem Fall spricht man von einer atypischen Wanderröte. Sie zeigt sich beispielsweise als flächige Rötung, deren Farbe von einem leicht zu übersehenden Rosa bis zu einem intensiven Lila variieren kann. Nicht immer wandert diese, manchmal treten auch mehrere über den Körper verteilte Rötungen auf.

Diese gilt es jedoch von der normale Entzündungsreaktion an der Einstichstelle zu unterscheiden, die meist innerhalb weniger Tage nach dem Entfernen des Tieres wieder verschwindet.

Diagnose: So wird die Wanderröte ärztlich untersucht

Wenn sich einige Tage oder Wochen nach einem Zeckenstich ein abgrenzbarer roter Hautfleck um die Einstichstelle herum ausbreitet, kann dies auf eine Borreliose hinweisen. In diesem Fall ist ein Besuch in der Arztpraxis dringend angeraten. Hier beginnt die Diagnose zunächst mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese), in dem unter anderem nach einem Zeckenstich oder einem Aufenthalt in einem Zeckengebiet gefragt wird.

Darauf folgt eine ausführliche Untersuchung der geröteten Stelle; Fachleute erkennen oft schon auf den ersten Blick, ob es sich um Wanderröte handelt. Kommen zudem weitere Symptome wie

hinzu, erhärtet sich der Verdacht auf Borreliose. In diesem Fall wird – noch vor jeder weiteren Diagnostik – eine Behandlung mit Antibiotika begonnen, um einen schweren Krankheitsverlauf zu verhindern. Frühestens zwei Wochen nach der Infektion lassen sich Borreliose-Antikörper im Blut nachweisen – dazu wird eine Blutprobe entnommen und im Labor untersucht. Bei atypischen Verläufen wird eine Hautprobe aus dem geröteten Bereich entnommen (Biopsie), um den Erreger so direkt nachzuweisen.

Differenzialdiagnostik: Was sieht ähnlich aus wie Wanderröte?

Da zahlreiche Erkrankungen mit Hautrötungen einhergehen, ist es wichtig, die Wanderröte von anderen Formen der Hautreaktion abzugrenzen (Differenzialdiagnostik).

Folgende weitere Ursachen können unter anderem hinter einer Hautrötung stecken:

  • Reaktionen auf Insektenstiche

  • Tinea corporis (eine Pilzerkrankung der Haut)

  • Erysipel (eine auch Wundrose genannte Infektion der Haut durch Streptokokken)

  • Arzneimittelexanthem (eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Arzneimittel)

  • Erythema anulare centrifugum (unregelmäßige, ring- oder bogenförmige Hautläsionen unklarer Herkunft, die oft im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder allergischen Reaktionen auftreten)

  • Erythema infectiosum acutum (auch Ringelröteln genannte, ansteckende Kinderkrankheit, die mit Ausschlag im Gesicht beginnt und sich auf die Extremitäten ausbreitet)

Therapie: Was hilft gegen Wanderröte?

Eine Therapie mit Antibiotika verkürzt den Krankheitsverlauf und verhindert Komplikationen. Als besonders wirksam haben sich Doxycyclin und Amoxicillin erwiesen, seltener kommen auch Cefuroximaxetil und Azithromycin zum Einsatz. Die Therapiedauer richtet sich nach der Schwere der Symptomatik: Liegt nur eine Wanderröte ohne weitere Symptome vor, genügt meist eine 10- bis 14-tägige Behandlung. In schwereren Fällen beträgt die Therapiedauer bis zu 30 Tage.

Verlauf und Prognose

Bei rechtzeitiger Therapie liegen die Heilungsraten der Wanderröte bei 95 bis 100 Prozent – in den allermeisten Fällen heilt eine Lyme-Borreliose unter antibiotischer Behandlung also folgenlos ab. Bleibt die Krankheit längere Zeit unbehandelt, breitet sich der Erreger im Körper aus und löst in etwa 3 von 100 Fällen eine sogenannte Neuroborreliose aus: Die Bakterien befallen das Gehirn und die Nerven, was zu Lähmungserscheinungen, Nerven- und Hirnhautentzündung führen kann.

In etwa 2 von 100 Fällen entwickelt sich Monate oder Jahre nach einer Borreliose-Infektion eine Lyme-Arthritis: Dabei infizieren die Erreger die Gelenke, was mit schmerzhaften Gelenkentzündungen und Schwellungen einhergeht. Sowohl die Neuroborreliose als auch die Lyme-Arthritis lassen sich wirksam mit Antibiotika behandeln.


Vorbeugung der Wanderröte

Bisher gibt es keinen Impfstoff gegen Borreliose – die einzig wirksame Vorbeugung ist daher die Vermeidung von Zeckenstichen durch bedeckende Bekleidung und das Absuchen der Haut nach Aufenthalten im Freien.

Sollte es doch einmal zu einem Zeckenstich kommen, ist es wichtig, das Tier so schnell und so vorsichtig wie möglich zu entfernen – am besten innerhalb der ersten zwölf Stunden. Das Risiko der Übertragung von Borrelien steigt mit der Saugzeit der Zecke, eine Übertragung innerhalb der ersten zwölf Stunden wurde jedoch nur sehr selten beobachtet. Nach dem Entfernen der Zecke sollte die Stichstelle bis zu sechs Wochen lang beobachtet werden, um eventuell auftretende Rötungen frühzeitig zu erkennen.

Zecken: Die wichtigsten Fakten!
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