FSME: Hirnhautentzündung durch Zecken

Wer häufig im Freien arbeitet oder im Wald spazieren geht, hat sich bestimmt schon mal einen Zeckenstich weggeholt. Der Zeckenstich selbst ist meist nicht so schlimm, jedoch können in einigen Gegenden Europas Krankheiten wie FSME, eine Form der Gehirnhautentzündung, übertragen werden.

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Zeckenstiche sind meist harmlos
(C) 2008 Jupiterimages

Die zu den Milben gehörenden Zecken sind als blutsaugende Parasiten kleiner Wirbeltiere wichtige Überträger einer Vielzahl von Krankheitserregern. Besondere Bedeutung für den Menschen hat ein Zeckenstich hierzulande durch die Schildzecke (Ixodes ricinus). Sie ist in Deutschland besser bekannt unter dem Namen gemeiner Holzbock. Die beiden wichtigsten durch sie übertragenen Erkrankungen sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, die Frühsommer-Meningoenzephalitis durch das FSME-Virus verursacht.

Als Reservoir für beide Krankheitserreger dienen vornehmlich kleine Säugetiere (vor allem Nagetiere). Viele dieser Tiere beherbergen die Erreger, ohne selbst zu erkranken. Beim Menschen führt die Infektion mit beiden Erregern jedoch zu Abwehrreaktionen und damit häufig zur Erkrankung.

Im Gegensatz zu einer Mücke wird der Zeckenstich zunächst meist nicht bemerkt. Obwohl nicht jeder Zeckenstich zu einer Erkrankung führt, sollte jede Zecke sofort entfernt werden. Die Durchseuchungsrate der Zecken mit Borrelia burgdorferi liegt je nach Region zwischen 5 und 30 Prozent. Die entsprechenden Zahlen für die Durchseuchung mit dem FSME-Virus schwanken zwischen 0,1 und 5 Prozent. Während der Erreger der Borreliose in allen Regionen vorkommt, in denen man auch Zecken antrifft, ist das Infektionsrisiko für die FSME auf bestimmte Endemiegebiete vornehmlich in Bayern und Baden-Württemberg begrenzt.

Gefahren nach Zeckenstich

Nach einem Zeckenstich führt die Infektion mit dem FSME-Virus typischerweise zu einem zweigipfligen Krankheitsverlauf. In der ersten Phase erkranken viele Patienten mit grippeartigen Beschwerden wie leichtem Fieber, Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen. Gelegentlich treten auch Schmerzen bei Augenbewegungen oder Bauchschmerzen und Durchfall auf. Diese eher unspezifischen Beschwerden verschwinden nach einigen Tagen wieder. Jetzt kann die Diagnose einer FSME noch nicht gestellt werden, im Blut sind noch keine spezifischen Antikörper nachweisbar.

Nach einem beschwerdefreien Intervall von wenigen Tagen beginnt dann die zweite Erkrankungsphase, die sogenannte Manifestationsphase. Typisch ist ein plötzlicher, hoher Fieberanstieg auf Werte bis 40 °C sowie heftigste Kopfschmerzen.

Die Manifestationsphase kann unterschiedlich schwer verlaufen:

Im einfachsten Fall kommt es nur zu einer Entzündung der Hirnhäute, der sogenannten Meningitis, mit Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Das Allgemeinbefinden ist erheblich beeinträchtigt, das hohe Fieber und die Schmerzen zwingen die Patienten ins Bett. In seltenen Fällen können Herzrhythmusstörungen oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten. Die Beschwerden bilden sich meist innerhalb von 7 bis 10 Tagen zurück. Die Befindlichkeit kann anschließend noch für 2 bis 6 Wochen beeinträchtigt sein. Nachhaltige Komplikationen sind bei dieser Manifestation jedoch nicht zu befürchten.

Schwere Verläufe

Bei einer beträchtlichen Zahl von Patienten greift die Entzündung von den Hirnhäuten auf das Hirngewebe über (Enzephalitis). Die Behandlungsdauer im Krankenhaus ist deutlich länger als bei der einfachen Hirnhautentzündung. Die meisten Patienten sind in ihrer Bewusstseinslage deutlich beeinträchtigt: Die Veränderungen reichen von der einfachen Schläfrigkeit (Somnolenz) bis zur Bewusstlosigkeit (Koma). Ein Teil der Patienten wird von lebhaften Träumen und unangenehmen Visionen (Scheinbildern, Wahnvorstellungen) geplagt. Ein typisches Merkmal der Gehirnentzündung bei der FSME ist die Koordinationsstörung: Sie kann vorübergehend dazu führen, dass die Patienten nicht mehr in der Lage sind, das Bett zu verlassen, die Mahlzeiten eigenständig einzunehmen oder die Körperpflege zu verrichten. In schweren Fällen können epileptische Anfälle, Sprechstörungen, Schluckstörungen und Lähmungen der Atmung und der Arme und/oder Beine auftreten. Wenn sich diese Zeichen rasch entwickeln, ist die Prognose meist ernst. Nach der akuten Erkrankung sind einige Patienten noch über Wochen bis Monate in ihrer Befindlichkeit und allgemeinen Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Mit zunehmendem Abstand zur Erkrankung kommt es jedoch zu einer meist vollständigen Genesung.

Bei einem kleinen Teil der Patienten mit einer Gehirnentzündung können im weiteren Krankheitsverlauf zusätzliche Entzündungen der Nervenwurzeln (Radikulitis) auftreten. Diese äußern sich sowohl in Schmerzen und Gefühlsstörungen wie auch in Lähmungen. Letztere betreffen vornehmlich die Schulter- und Oberarmmuskeln. Bei günstigen Verläufen bilden sich diese Lähmungen innerhalb weniger Wochen bis Monate zurück. In anderen Fällen dauert die Rückbildung der Kraft jedoch einige Jahre. Einzelne bleiben über mehrere Jahre erwerbsunfähig.

Die ungünstigste Prognose weist die Entzündung des Rückenmarks auf (Myelitis). Diese Verlaufsform ist meistens mit einer Entzündung des Gehirns kombiniert. Die Entwicklung der Beschwerden und neurologischen Ausfälle ist oft sehr rasch: Viele Patienten werden innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen bewusstlos, oftmals ist eine künstliche Beatmung notwendig. Zusätzlich bilden sich Lähmungen aus, die so ausgeprägt sind, dass kaum mit einer Regeneration (Erholung) der Muskelkraft zu rechnen ist. Ein Teil der Betroffenen überlebt dieses schwere Krankheitsstadium nicht.

Zeckenstich: Behandlungsmöglichkeiten und Impfschutz

Da eine kausale (antivirale) Behandlungsmöglichkeit nicht zur Verfügung steht, orientiert sich die Therapie der FSME nach dem Zeckenstich an den Beschwerden der Patienten (Schmerz- und Anfallsbehandlung, Fiebersenkung, Beatmung usw.).

Allerdings ist es möglich, sich aktiv gegen die Erkrankung durch eine Impfung zu schützen.

Eine Notwendigkeit zur Impfung ist vorhanden bei einem dauernden Aufenthalt im Wald oder bei einer Reise in ein FSME-Endemiegebiet. Die Impfprophylaxe besteht aus zwei Impfungen im Abstand von 4 bis 8 Wochen sowie einer dritten Impfung nach 6 bis 12 Monaten. Weitere Auffrischungsimpfungen sind jeweils nach 3 bis 5 Jahren erforderlich. Eine Impfung ist das ganze Jahr über möglich. Einen rascheren Schutz bietet die Schnellimmunisierung, bei der – je nach Präparat – zwei oder drei aktive Impfungen innerhalb von zwei bzw. drei Wochen durchgeführt werden. Mit dieser Maßnahme wird innerhalb von drei Wochen ein sehr hoher Schutz vor der Erkrankung nach einem Zeckenstich erreicht.

Demgegenüber ist die passive Immunisierung nach einem Zeckenstich nur eine zweitrangige Hilfsmaßnahme. Deren Wirksamkeit wird nur mit 50 bis 60 Prozent angegeben. Eine Schutzwirkung ist auch nur zu erwarten, wenn rechtzeitig mit einer ausreichend hohen Dosis geimpft wird. Dies kann für den Einzelfall bedeuten, dass 10 bis 16 ml des Impfpräparates in die Muskeln der Oberarme oder Oberschenkel verabreicht werden müssen. Als frühestmöglicher Infektionszeitpunkt gilt das Betreten des Endemiegebietes. Der maximale Zeitraum zwischen möglichem Infektionsbeginn und passiver Impfung sollte nicht länger als zwei Tage betragen. Zu beachten ist, dass die Impfung gegen die FSME nicht vor einer Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi schützt. Die Borrelieninfektion ist in der Regel jedoch antibiotisch gut behandelbar.

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 09. April 2015

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