Neue Therapie der Zuckerkrankheit?
Protein als Diabetes-Auslöser enttarnt
Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielt ein Eiweiß namens "RANKL". Das vermeldet die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und beruft sich auf internationale Studien unter Beteiligung von FAU-Wissenschaftlern. Die Forscher werten die neue Erkenntnis als wichtigen Schritt zur Prävention und Behandlung der Volkskrankheit.
Typ-2-Diabetes, im Volksmund auch als "Alterszucker" bezeichnet, ist längst zur Volkskrankheit geworden. Rund sieben Prozent der Deutschen sind betroffen, Tendenz steigend. Die Stoffwechselerkrankung zieht gefährliche Folgeerkrankungen nach sich. Die FAU weist auf aktuelle Forschungsergebnisse hin, die einen neuen Ansatz für Prävention und Therapie der Krankheit eröffnen.
Osteoporose-Auslöser auch für Diabetes mitverantwortlich
Demnach ist es dem Wissenschaftlerteam um Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 am Universitätsklinikum der FAU, im Rahmen einer Langzeitstudie gelungen, einen wichtigen Auslöser für die Entstehung von Typ-2-Diabetes zu entschlüsseln: ein Protein mit der Bezeichnung "RANKL". Die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung "Receptor Activator of NF-KB Ligand". Das Eiweiß wurde bisher vor allem mit der Entstehung von Osteoporose in Zusammenhang gebracht . Die medikamentöse Hemmung von "RANKL" wird bereits seit längerem erfolgreich zur Behandlung des Knochenschwunds eingesetzt.
In der Studie maßen Forscher die Konzentration des Proteins "RANKL" im Blut von rund 1000 Patienten über einen längeren Zeitraum. „Bei dieser Untersuchung zeigte sich, dass Personen mit hohem "RANKL"-Spiegel, unabhängig von Geschlecht und Alter, ein deutlich erhöhtes Risiko aufwiesen, Diabetes Mellitus Typ 2 zu entwickeln“, berichtet Studienleiter Schett. Die Forscher fanden heraus, dass "RANKL" eine Rolle bei der Entstehung der Insulinresistenz spielt.
Insulinresistenz geht Typ-2-Diabetes voraus
Diese wiederum führt in der Regel zum verbreiteten Typ-2-Diabetes: Das in der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon Insulin öffnet den Zuckermolekülen im Blut den Weg in die Körperzellen, wo sie in Energie umgewandelt werden. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen immer weniger auf das Insulin, sie werden resistent gegen das Hormon. Der Blutzucker wird nicht mehr ausreichend abgebaut, der Blutzuckerspiegel steigt.
Der bei unbehandeltem Diabetes dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel schädigt Blutgefäße und Nerven und löst dadurch gefährliche Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Niereninsuffizienz, Netzhautschäden sowie den "diabetischen Fuß" aus, der im schlimmsten Fall eine Amputation nötig macht. Diabetes gehört in Deutschland zu den Hauptursachen für Erblindungen und Amputationen.
Wie der neue Präventions- und Therapieansatz bei Typ-2-Diabetes aussehen könnte, zeigt eine zusätzliche, ebenfalls mehrjährige Laborarbeit. Die Forscher hemmten die Aktivierung des Proteins in der Leber von Mäusen und konnten auf diese Weise eine Normalisierung des Blutzuckerspiegels erreichen. „Die Laboruntersuchungen bestätigen, dass das Eiweiß 'RANKL', welches eigentlich für die Entstehung von Osteoporose verantwortlich ist, auch ein zentraler Schalthebel für die Entstehung von Diabetes ist“, sagt Schett. Er schließt daraus, dass das Skelettsystem einen wesentlichen Einfluss auf den Blutzuckerstoffwechsel ausübt und beide Organe eng miteinander kommunizieren.
Neue Therapie schon in wenigen Jahren
Dass die Hemmung von "RANKL" heute bereits erfolgreich zur Therapie von Osteoporose eingesetzt wird, kann sich als wesentlicher Startvorteil in der Entwicklung einer neuen Behandlung für Diabetes erweisen. Dadurch könne die Hemmung von "RANKL" zur Vorbeugung oder Therapie des Diabetes Mellitus Typ 2 schon in wenigen Jahren Realität sein, zeigen sich die Forscher optimistisch.
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