Wenn Lichtmangel aufs Gemüt schlägt

Winterdepression

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In der kalten und dunklen Jahreszeit tritt oft eine Saisonale Affektive Störung auf.
(c) Getty Images/iStockphoto

Mit der dunklen Jahreszeit sackt bei vielen auch das Stimmungsbarometer auf den Nullpunkt. Insbesondere eine durch den Lichtmangel bedingte, gestörte Melatonin- und Serotoninproduktion scheint als Auslöser der sogenannten Winterdepression eine zentrale Rolle zu spielen.

In der kalten Jahreszeit ist ein Anstieg depressiver Störungen um etwa zehn Prozent zu verzeichnen. Deutlich häufiger als Männer sind Frauen betroffen – meist in den mittleren Lebensjahren. Die sogenannte Saisonale Affektive Störung (SAD, Seasonal Affective Disorder) ist ein psychisches Leiden mit jahreszeitlicher Abhängigkeit. In der nördlichen Hemisphäre beginnen die saisonalen Depressionen im Allgemeinen im Oktober/November und enden im März/April. Die meisten Patienten entwickeln atypische depressive Symptome wie gesteigerten Appetit auf Süßes sowie Gewichtszunahme. Andere Symptome der SAD sind anhaltende Müdigkeit, Isolationsneigung, Interessenlosigkeit und Reizbarkeit. Eine SAD tritt unabhängig von psychosozialen Stressoren auf und verschwindet meist vollständig wieder. Rund 13 Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa leiden unter einer leichten, vier Prozent unter einer schweren SAD, so eine Studie der Universität Wien.

Gestörte Melatonin- und Serotoninproduktion als mögliche Ursache der Winterdepression

Als Ursache der SAD wird eine gestörte Melatonin- und Serotoninproduktion im Gehirn vermutet, bedingt durch den winterlichen Lichtmangel. Dennoch ist eine eindeutige Zuordnung der Faktoren "schlechtes Wetter" und Depression wissenschaftlich nicht belegt. Sofern man ein "Nord-Süd-Gefälle" in den europäischen Ländern feststellen kann, lässt sich auf den ersten Blick ein Einfluss des Wetters auf die Stimmung und die psychische Gesundheit vermuten. Das "sonnige Gemüt" der Südländer ist aber unter Umständen weniger eine direkte Folge der intensiveren Sonnenbestrahlung als des traditionell intensiveren Kommunikationsverhaltens in Ländern, in denen mehr "nach draußen gelebt" wird. Deshalb sollten bei SAD andere Faktoren wie Mentalität, Tradition, Religiosität, Familiensinn, Gruppenzusammenhalt und Kommunikationsverhalten stets mit berücksichtigt werden.

Was tun bei Winterdepression?

Bei einer Winterdepression ist ein ausreichender Aufenthalt im Freien empfehlenswert – möglichst kombiniert mit Bewegung. Auch  bei bedecktem Himmel kann man so wieder UV-Licht als Gegenmaßnahme tanken. Unter Umständen eignet sich bei einer Winterdepression auch eine Lichttherapie mit künstlichem Licht oder die  Einnahme von leicht stimmungsaufhellend wirkenden Präparaten zum Beispiel auf Basis von Johanniskraut. Sprechen Sie dazu auch mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Sechs wirksame Wege aus dem Winterblues
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    Kampf dem Winterblues

    Kalt, nass und grau - der Winter versaut so manchem die Laune. Der Grund für den Winterblues: Wenn Menschen wenig Licht abbekommen, produziert der Körper verstärkt das Hormon Melatonin, das die Stimmung drückt und müde macht. Unsere Tipps können helfen, dass die gute Laune zurückkommt.

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    Vor die Tür gehen

    Was den Menschen im Winter fehlt, ist Tageslicht. Künstliche Beleuchtung hilft nicht viel. Stattdessen sollten Sie sich jeden Tag möglichst mindestens 30 Minuten am Tageslicht bewegen. Das unterdrückt die Melatonin-Produktion völlig ohne Nebenwirkungen.

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    Freunde treffen

    Ein Treffen in geselliger Runde ist gut fürs Gemüt und bringt auf andere Gedanken. Aber wenn jemand schlechte Laune hat, kostet es oft Überwindung, sich mit Freunden zu verabreden. Doch nur Mut: Es hilft garantiert dabei, die trübe Stimmung zu vertreiben.

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    Sonnige Gedanken

    Am besten freuen Sie sich schon morgens ganz bewusst auf kleine Dinge des Tages: eine gemütliche Tasse Kaffee mit einem netten Kollegen etwa. Ganz wichtig außerdem: den Feierabend für schöne Dinge reservieren – sich zum Beispiel einen schönen Urlaub in Erinnerung rufen und Fotos anschauen. Das steigert zugleich die Vorfreude auf die nächste Reise. Sie können auch Tipp 2 und 3 kombinieren und mit Freunden ein Urlaubsmenü kochen oder zur Abwechslung ein Wintergrillen veranstalten.

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    Süßes in Maßen genießen

    Auch über die Ernährung können wir unser Wohlbefinden steigern. Die verstärkte Produktion des Melatonins führt dazu, dass wir mehr Hunger haben. Und dieses Bedürfnis sollten Sie nicht ignorieren – auch, wenn ihr Körper nach Süßem schreit. Ein Stückchen Schokolade ist dafür bekannt, die Stimmung zumindest kurzfristig zu heben.

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    Lichttherapie

    Wenn die Winterdepression ernsthafte Probleme macht, kann eine Lichttherapie helfen. Spezielle, sehr helle Lampen simulieren dabei das Tageslicht. Das künstliche Sonnenlicht steigert Antrieb und hellt die Stimmung auf. Passende Geräte gibt es auch für zu Hause – dafür sind allerdings mehrere Hundert Euro fällig.

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    Wintersonne statt Solarium

    Zum Stimmungsaufheller taugt das Solarium nicht – das Risiko für die Haut ist größer als der Effekt fürs Gemüt. Außerdem ist die Wirkung des Lichts auf das Auge von entscheidender Bedeutung, im Solarium muss man jedoch die Augen schließen beziehungsweise eine Schutzbrille tragen. Besser: Natürliche Sonne ausnutzen, das kurbelt zusätzlich die Vitamin-D-Produktion in der Haut an und stärkt die Knochen. Bei starker Wintersonne und vor allem im Schnee den Sonnenschutz für Haut und Augen aber nicht vergessen!

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Autor: JH
Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2012

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