Infektionskrankheiten

Borreliose

Die Borreliose-Bakterien werden von Zecken übertragen - 100.000 Deutsche erkranken pro Jahr

Die Borreliose oder Lyme-Borreliose bezeichnet eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Doch erst parasitär lebende Zecken übertragen diese Borrelien auf den Menschen. Bis zu 35 Prozent aller Zecken in Deutschland tragen den Erreger in sich.

Borreliose (Lyme-Borreliose)
Borreliose kann zunächst grippeähnliche Symptome verursachen.
Getty Images/iStockphoto

Die Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Sie wird auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Disease (Lyme-Krankheit) genannt, da im Ort Lyme in den USA erstmals nach Zeckenstichen gehäuft auftretende Gelenkentzündungen beschrieben wurden. Die Borrelien als Erreger der Krankheit wurden erst 1981 entdeckt.

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    Sie können FSME oder Borreliose übertragen: Zecken. Lesen Sie hier, wie Sie sich vor ihnen schützen, was nach einem Zeckenstich zu tun ist und welche Behandlungen es im Fall einer Infektion gibt.

Zecken übertragen die Borrelien auf den Menschen

Borrelien werden durch Zecken übertragen, daher tritt die Krankheit gehäuft dort auf, wo viele Zecken vorkommen. Die Häufigkeit der Borreliose ist zunehmend, das Verbreitungsgebiet der infizierten Zecken dehnt sich über die gesamte nördliche Welthalbkugel aus. Die Borreliose ist die häufigste durch Parasiten übertragene Krankheit in Europa.

100.000 Deutsche erkranken jährlich an Borreliose

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 100.000 Menschen an Borreliose. Doch nur jeder Zweite davon bemerkt nach dem Zeckenstich an sich das vermeintlich typische Symptom der Borreliose - die Wanderröte, die sich beinahe kreisrund um den Einstich ausbreitet - ähnlich wie die Welle, wenn ein Kiesel ins Wasser fällt.

Zwischen fünf und 35 Prozent der Zecken in Deutschland tragen Schätzungen nach Borrelien in sich. Zwei bis sechs Prozent der Gestochenen werden mit Borrelien infiziert. Das Risiko, nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, liegt demnach zwischen einem halben und zwei Prozent. Die Frühstadien der Borreliose treten gehäuft in den warmen Monaten des Jahres auf.

Borreliose: Symptome

Die Symptome der (Lyme-)Borreliose unterscheiden sich je nach Krankheitsstadium.

Symptome der Borreliose im Stadium 1

Das Frühstadium (Stadium I) zeigt sich durch beginnende Symptome Tage bis Wochen nach erfolgtem Zeckenstich. Es können Beschwerden wie bei einer schweren Grippe mit  Fieber, Kopfschmerzen, Schwellung der Lymphknoten und Erkältungszeichen auftreten. Typisch für das Frühstadium ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans): Zunächst bildet sich eine Hautrötung um die Bissstelle, die mit der Zeit zentral abblasst und einen immer größer werdenden roten Kreis um den ursprünglichen Zeckenbiss herum zeigt. Bei Kindern fehlt das Frühstadium häufig.

Symptome der Borreliose im Stadium 2

Das Stadium II der Borreliose kann sich Monate bis Jahre nach der Übertragung der Borrelien bemerkbar machen. Hierbei kommt es typischerweise zu Symptomen an den Nerven (Neuroborreliose) wie Koordinations- und Gefühlsstörungen sowie Lähmungen. Beispielsweise kann eine Borreliose des Gesichtsnervs (Facialisparese) Lähmungen der Gesichts- und Sprechmuskulatur verursachen. Selten sind Entzündungen am Herzen mit daraus folgenden Herzrhythmusstörungen.

Symptome der Borreliose im Stadium 3

Das dritte Stadium der Borreliose manifestiert sich Monate bis Jahrzehnte nach erfolgtem Zeckenstich. Hierbei kommt es zu Gelenkbeschwerden (Lyme-Arthritis oder Arthroborreliose) an einem oder mehreren Gelenken, häufig an den Knien. Die Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer bezeichnet eine Erkrankung der Haut durch Borrelien, wodurch die Haut sehr dünn wird und sich bläulich verfärbt. In der Folge können Nervenschäden bis hin zu Lähmungen einer oder beider Körperseiten entstehen.

Borreliose: Ursachen

Die Ursache der Borreliose ist eine Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi, einem schraubig gewundenen Erreger. Er wird durch infizierte Zecken der Art Ixodes ricinus (Holzbock) auf den Menschen übertragen.

Erfolgt der Stich einer Zecke, kann über ihren Speichel der Erreger in das menschliche Blut gelangen, sodass die Gestochenen in der Folge an Borreliose erkranken. Je nach geografischem Gebiet ist eine unterschiedliche Anzahl der Zecken mit Borrelien infiziert, dementsprechend ist das Erkrankungsrisiko etwas unterschiedlich.

Zwischen Zeckenbiss und Borreliose können Jahre liegen

Vom Stich der Zecke bis zum Auftreten der ersten Krankheitszeichen vergehen in der Regel einige Wochen. In einigen Fällen treten jedoch erst nach Jahren oder Jahrzehnten Symptome der Borreliose auf. Eine Übertragung der Borrelien von Mensch zu Mensch ist aber nicht möglich.

Andere Arten von Borrelien verursachen beim Menschen unter anderem das Zeckenrückfallfieber (Überträger: Lederzecke) sowie das Läuserückfallfieber (Überträger: Kleiderlaus; vor allem in Südamerika).

Borreliose: Diagnose

Die Diagnose einer Borreliose (Lyme-Borreliose) wird vor allem anhand der auftretenden Symptome und eines ausführlichen Gesprächs zur Krankheitsgeschichte (Anamnese) mit Ihrem Arzt gestellt. Allerdings kann sich etwa die Hälfte der Betroffenen nicht an einen erfolgten Zeckenstich erinnern. Liegen untrügliche Zeichen für das Vorliegen einer Borreliose wie eine Wanderröte (Erythema migrans) vor, ist dies für die Diagnose ausreichend.

Blutuntersuchung bei Borreliose bringt nicht immer Gewissheit

Durch eine Blutentnahme kann der behandelnde Arzt Antikörper gegen Borrelien nachweisen. In der frühen Krankheitsphase sind die Antikörper jedoch oftmals noch nicht nachweisbar. Sowohl falsch negative als auch falsch positive Ergebnisse können auftreten. Es besteht also einerseits die Gefahr, dass die Blutuntersuchung unauffällig ist, obwohl eine Borreliose vorliegt. Umgekehrt kann der Bluttest Borrelien-Antikörper zeigen, die aber durch eine andere Krankheit hervorgerufen werden und tatsächlich keine Infektion mit Borrelien stattgefunden hat. Auch eine lang zurückliegende, ausgeheilte Borrelien-Infektion kann verantwortlich sein für den Nachweis von Antikörpern im Blut.

Antikörper gegen Borrelien in der Rückenmarksflüssigkeit

In der Nervenflüssigkeit (Liquor), die aus dem Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule entnommen werden kann, ist der Nachweis von Borrelien-Antikörpern möglich, ebenso in Gelenkflüssigkeit, die aus den Gelenken punktiert werden kann. In Verbindung mit entsprechenden klinischen Symptomen gilt der Borrelien-Antikörper-Nachweis in diesen Flüssigkeiten als beweisend für eine Borreliose.

Borreliose: Therapien

Im Frühstadium der Borreliose-Erkrankung wird das Antibiotikum in der Regel über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen in Tablettenform gegeben. Zum Einsatz kommt unter anderem der Wirkstoff Doxycyclin.

Da im Frühstadium nicht immer Antikörper gegen die auslösenden Borrelien nachweisbar sind, beginnen viele Ärzte auch auf Verdacht mit der Antibiotikagabe, um die potenziell vorliegende Borreliose nicht zu verschleppen.

Infusionen mit Antibiotika in spätem Borreliose-Stadium

Bei einer Arthro- und Neuroborreliose erfolgt die Therapie ebenfalls mit antibiotisch wirksamen Medikamenten, die meist mehrere Wochen lang über die Blutbahn (intravenös) verabreicht werden. Dabei spielen zum Beispiel die Antibiotika Penicillin und Ceftriaxon eine Rolle.

Borreliose: Verlauf

Der Verlauf einer Borreliose (Lyme-Borreliose) wird in drei Stadien eingeteilt, wobei alle Stadien auch einzeln auftreten können. Eine akute Borreliose dauert weniger als sechs Monate an. Wird bereits im ersten Stadium rechtzeitig mit einer Antibiotika-Therapie begonnen, ist die Erkrankung gut behandelbar. Oft heilt die Borreliose durch die Medikation vollständig aus - allerdings nur, wenn sie gleich im akuten Frühstadium behandelt wird.

Ohne Borreliose-Behandlung drohen schwere Schäden

Wird die Borreliose jedoch nicht erkannt und therapiert, können im weiteren Verlauf der Erkrankung Komplikationen wie die Lyme-Arthritis oder die Neuroborreliose auftreten. Diese können zu schweren, teilweise lebensbedrohlichen Schäden führen - unter anderem Lähmungen und Sprachstörungen.

Dass jemand schon einmal eine Borreliose durchgemacht hat, verschafft keine Immunität gegenüber den Bakterien - das heißt, jeder Patient kann sich erneut über einen Zeckenbiss anstecken. Es gibt im Gegensatz zu FSME zwar eine wirksame Behandlung, aber keine vorsorgliche Impfung gegen die Borrelien.

Borreliose: Vorbeugen

Einer Borreliose können Sie vorbeugen, indem Sie Vorsichtsmaßnahmen gegen Zeckenstiche vornehmen. Achten Sie in Gebieten mit Zecken auf Schutzmaßnahmen wie helle und geschlossene Kleidung und vermeiden Sie Wege durch Unterholz und hohe Gräser. Erhältliche Zeckensprays können für einige Stunden vor einem Zeckenstich schützen.

Körper nach Zecken absuchen, um Borreliose früh zu entdecken

Wenn Sie glauben, dass Sie Kontakt mit Zecken hatten, suchen Sie Ihren Körper gründlich ab. Die Zecke sollte so kurze Zeit wie möglich nach dem Stich vollständig und schonend entfernt und die Wunde sorgfältig desinfiziert werden. Je eher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko für eine Borrelien-Übertragung.

Die vorsorgliche Gabe von Antibiotika nach Zeckenstichen, solange keine Symptome einer Borreliose auftreten, wird nur eingeschränkt empfohlen. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es nicht. Allerdings können Sie sich gegen FSME lassen, die ebenfalls von Zecken übertragen wird.

Die besten Tipps gegen Zecken

Autor: Dipl. Biol. Tanja Rojewski / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 03. Juni 2014
Durch: Sarah Wagner
Quellen: RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Lyme-Borreliose. Robert Koch-Institut, Berlin Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): Lyme-Borreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 048/007 Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/071

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