Bildgebendes Verfahren

Darmspiegelung (Koloskopie)

Die Koloskopie wird bei der Diagnose von Darmerkrankungen und bei der Darmkrebsvorsorge eingesetzt

Die Darmspiegelung ist die wichtigste Untersuchung zur Früherkennung von Darmkrebs. Während der Untersuchung können aus verdächtigen Bezirken direkt Gewebeproben entnommen werden oder Polypen (gutartige Krebsvorläufer) entfernt werden.

Kolonkarzinom
Durch eine Koloskopie auf den ersten Blick erkennbar: ein Tumor im Dickdarm.
Getty Images/iStockphoto

Die Darmspiegelung ist eine Untersuchung des gesamten Dickdarms vom Darmausgang bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm. Mithilfe eines flexiblen Endoskops, dem Koloskop, betrachtet der Arzt dabei die Schleimhaut des Dickdarms von innen.

Wichtige Diagnosemethode für Darmerkrankungen

Mithilfe der Darmspiegelung können verschiedene Erkrankungen diagnostiziert werden. Zur Früherkennung von Darmkrebs ist die Koloskopie die wichtigste Untersuchung. Abgesehen von der Vorsorgeuntersuchung zur Darmkrebserkennung wird die Darmspiegelung auch in folgenden Bereichen angewandt:

  • zur Abklärung unklarer Bauchschmerzen
  • bei lang anhaltenden Durchfällen oder Verstopfungen,
  • bei positivem Hämoccult-Test (Nachweis von verborgenem Blut im Stuhl),
  • bei Tumorverdacht oder erhöhtem Tumorrisiko (etwa bei familiärer Darmkrebs-Disposition)
  • zur Nachsorge von behandelten Darmtumoren

Auch können chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Divertikulose oder Divertikulitis (Ausstülpungen der Darmwand), Anomalien an den Blutgefäßen des Darms sowie akute Entzündungen und Durchblutungsstörungen erkannt werden.

Vorbereitung zur Darmspiegelung: Essen verboten

Vor einer Darmspiegelung muss der Darm entleert und gereinigt sein, damit der Arzt eine optimale Sicht auf das Darminnere hat. Es stehen verschiedene Verfahren zur Darmreinigung zur Auswahl. In der Regel wird am Tag vor der Untersuchung ein Abführmittel getrunken, bis der Darm nur noch klare Flüssigkeit ausscheidet. Nach Beginn der abführenden Maßnahmen darf man nur noch Wasser, Kräutertee und Brühe zu sich nehmen. Auch am Morgen der Untersuchung muss man nüchtern bleiben.

Im Vorhinein wird der Patient über die Untersuchung und mögliche Risiken aufgeklärt und muss eine Einverständniserklärung unterschreiben. Der Arzt sollte über Allergien, Herzerkrankungen, frühere Operationen am Darm oder eine bestehende Schwangerschaft informiert werden. Auch die Einnahme blutverdünnender Medikamente oder eine Neigung zu vermehrter Blutung sollten mitgeteilt werden.

Ablauf der Darmspiegelung: Was passiert bei der Koloskopie?

Die Darmspiegelung wird in spezialisierten Arztpraxen (Gastroenterologe) oder ambulant im Krankenhaus durchgeführt. Sie verläuft in der Regel schmerzarm und dauert ungefähr 20 Minuten. Der Arzt verabreicht vor der Untersuchung auf Wunsch ein Beruhigungsmittel oder eine sogenannte Schlafspritze. Der daraufhin eintretende Dämmerschlaf oder die Kurznarkose bewirkt, dass kaum etwas von der Darmspiegelung bewusst wahrgenommen wird.

Zunächst tastet der Arzt den Mastdarm (den untersten Darmabschnitt) mit dem Finger ab und untersucht zum Beispiel, ob Hämorrhoiden vorhanden sind. Durch diese Untersuchung werden mögliche Verletzungen vermieden.

Zu Beginn der Darmspiegelung liegt man auf der linken Seite, später auf dem Rücken. Der Arzt nutzt ein spezielles Endoskop. Dieses Koloskop besteht aus einem etwa 1,5 Meter langem, rund einem Zentimeter dicken und flexiblen Schlauch. An dessen Spitze sitzt eine Videokamera, die Bilder an einen Monitor sendet. Über den Schlauch können auch etwaige Stuhlreste abgesaugt werden und Instrumente zur Probenentnahme und zum Entfernen von Darmpolypen eingeführt werden.

Mithilfe eines Gleitmittels führt der Arzt das Endoskop vorsichtig in den After ein und schiebt es unter Sichtkontrolle durch den gesamten Dickdarm bis zum Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm. Durch das Koloskop werden kleine Luftmengen in den Darm eingeflößt, damit sich die Darmwände gut entfalten.

Die eigentliche Darmspiegelung, also die genaue Betrachtung der Darmschleimhaut, erfolgt beim Zurückziehen des Geräts. Durch den flexiblen Kamerakopf des Koloskops kann jeder Winkel des Darms beurteilt werden. Entdeckt der Arzt verdächtige Veränderungen der Schleimhaut, kann er mit einer winzigen Zange Gewebeproben entnehmen. Darmpolypen als Krebsvorstufen können direkt während der Darmspiegelung abgetragen werden, so dass kein weiterer Eingriff nötig ist.

Risiken und Komplikationen der Darmspiegelung

Die Darmspiegelung ist eine weitgehend ungefährliche Untersuchung. Werden Gewebeproben entnommen oder Polypen abgetragen, kann es in zwei Prozent der Fälle zu Nachblutungen kommen. Die Durchstoßung der Darmwand (Perforation) ist eine schwerwiegende Komplikationen, die aber nur äußerst selten auftritt. Es können außerdem Herzrhythmusstörungen sowie ein Abfall des Blutdrucks und der Pulsfrequenz auftreten.

Durch das Einleiten von Luft in den Darm kann es nach der Untersuchung zu Blähungen kommen. Werden nach der Darmspiegelung Blutungen aus dem After, Fieber, Bauchschmerzen oder andere Beschwerden beobachtet, sollte der Patient dies möglichst schnell dem behandelten Arzt mitteilen.

Die Darmspiegelung darf nicht durchgeführt werden bei einer akuten Darmentzündung, komplizierter Divertikulitis oder einer Bauchfellentzündung (Peritonitis).

Virtuelle Darmspiegelung mit CT

Der Dickdarm kann alternativ mit einer speziellen Computertomographie (CT) untersucht werden. Bei dieser sogenannten virtuellen Koloskopie oder Darm-CT werden die CT-Bilder von einem Computer in dreidimensionale, farbige Bilder umgewandelt. So sieht der Arzt das Darminnere auf dem Computer-Bildschirm.

Bei diesem alternativen Untersuchungsverfahren können jedoch keine Gewebeproben genommen oder Polypen abgetragen werden. Sind bei der Auswertung der CT-Bilder verdächtige Regionen zu sehen, müssen diese mit einer nachfolgenden Koloskopie genauer diagnostiziert werden.

Die virtuelle Darmspiegelung erfordert ebenfalls eine vorherige gründliche Reinigung des Darms, so dass die gleichen Vorbereitungen zu treffen sind. Zu beachten ist bei der virtuellen Darmspiegelung die Strahlenbelastung, weshalb sie etwa für schwangere Frauen nicht geeignet ist.

Kapselendoskopie: Ablauf, Vor- und Nachteile

Als weiteres bildgebendes Verfahren zur Untersuchung des Verdauungstrakts wird seit einigen Jahren die Kapselkoloskopie oder Kapselendoskopie eingesetzt. Bei dieser Methode schluckt der Patient eine etwa 25 Millimeter lange und 11 Millimeter dicke Kapsel, die mit Video- und Sendetechnik ausgestattet ist.

Während ihres Wegs durch den Verdauungstrakt werden Bilder an ein Empfangsgerät gesendet, welches der Patient bei sich trägt. Die Kapsel wird nach etwa acht Stunden auf natürlichem Wege ausgeschieden. Es gibt mittlerweile auch Kapseln, die sich nach gewisser Zeit im Darm auflösen.

Die Vorbereitungen für die Untersuchung sind die gleichen wie für eine klassische Darmspiegelung: Der Darm muss vor dem Einsatz mit einer Abführlösung entleert und gereinigt werden. Die Kolonkapsel wird in der Klinik oder Praxis geschluckt, danach kann der Patient bis zur Auswertung seinen normalen Tagesablauf nachgehen.

Das Verfahren eignet sich vor allem zur Diagnose von Erkrankungen des Dünndarms, da dieser bei einer herkömmlichen Darmspiegelung nicht erreicht wird.

Eine Alternative ist die Kapselendoskopie zudem für Patienten, bei denen eine herkömmliche Koloskopie des Dickdarms wegen eines erhöhten Risikos für Blutungen und Verletzungen oder Unverträglichkeiten von Beruhigungsmitteln nicht oder nur bedingt möglich ist. Auch könnte das Verfahren die Bereitschaft zur Darmkrebsvorsorge erhöhen, da es besonders patientenfreundlich ist. Von den Krankenkassen werden die Kosten für die Darmuntersuchung mit der Kapsel nicht in jedem Fall übernommen.

Nachteil der Kapselendoskopie: Werden bei der Auswertung Darmpolypen oder verändertes Darmgewebe gefunden, so können diese erst bei einer weiteren, klassischen Darmspiegelung entfernt werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Februar 2016
Durch: es
Quellen: Pott, Gerhard: Koloskopie-Atlas. Schattauer Verlag, Stuttgart, New York 2004 Hoffbauer, Gabi: Handbuch Medizinische Untersuchungsmethoden. Heinrich-Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2003

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