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Polymyalgia rheumatica (PMR): Vielmuskelschmerz

Wenn die Morgentoilette wegen Schulterschmerzen erschwert ist oder Muskelschmerzen in den Oberschenkeln das Aufstehen behindern, kann sich dahinter Polymyalgia rheumatica (PMR) verbergen – zumal, wenn der Betroffene über 60 ist.

Gelenkschmerzen-Arthrose oder rheumatoide Arthritis_
Bei Polymyalgia machen sich Muskelschmerzen typischerweise am Schultergürtel bemerkbar.
Getty Images/Pixland

Als Polymyalgia rheumatica (PMR, rheumatischer Vielmuskelschmerz) wird eine entzündlich-rheumatische Erkrankung bezeichnet, die sich durch akut einsetzende, starke, vor allem frühmorgens auftretende symmetrische Muskelschmerzen, gepaart mit Steifigkeit äußert. Typischerweise sind die Muskeln von Schultergürtel und Oberarmen, etwas seltener von Beckengürtel beziehungsweise Oberschenkeln betroffen. Da die PMR in knapp der Hälfte der Fälle mit einer Entzündung der Schläfenarterien, die fachsprachlich als Arteriitis temporalis bezeichnet wird, assoziiert ist, kann das erste Zeichen auch ein starker Kopfschmerz in der Schläfenregion sein.

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Sowohl die Polymyalgia rheumatica als auch die Arteriitis temporalis beruhen auf einer Gefäßentzündung (Vaskulitis), die aufgrund ihrer feingeweblichen Besonderheiten als Riesenzellarteriitis bezeichnet wird. Die hohe Entzündungsaktivität ist im Blut anhand typischer Veränderungen wie einer erhöhten Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder erhöhten Spiegeln des C-reaktiven Proteins (CRP) nachweisbar.

Die PMR tritt überwiegend bei Personen über 60 Jahren auf und ist bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern, insgesamt aber selten. Die Prognose ist gut, wenn rechtzeitig diagnostiziert und konsequent therapiert wird.

Typische Symptome für Polymyalgia rheumatica

Patienten mit Polymyalgia rheumatica klagen meist über plötzlich einsetzende, starke, symmetrisch auftretende Schmerzen im Schulterbereich oder der Oberarme, etwas seltener des Beckengürtels oder der Oberschenkel.

Die Schmerzen gehen mit Steifigkeit und zum Teil mit Muskelschwäche einher. Sie treten vor allem in den frühen Morgenstunden auf und nehmen bei Bewegung zu. Daher kann das Zähneputzen oder Rasieren zur Qual werden. Sind eher Becken und Beine betroffen, fällt das Aufstehen oder Treppensteigen schwer.

Bereits im Vorfeld oder begleitend zu diesen Beschwerden können allgemeines Krankheitsgefühl, also Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme, leichtes Fieber, Appetitlosigkeit und zum Teil auch Depressivität, auftreten.

Manche der Betroffenen leiden zunächst eher an Nackenschmerzen, die in die Augenregion ausstrahlen, oder an ausgeprägten stechenden Kopfschmerzen im Schläfenbereiche mit Sehstörungen; die Schläfenarterien sind druckempfindlich. Dies ist ein Zeichen für eine gleichzeitig bestehende oder vorausgehende Arteriitis temporalis. Beide Erkrankungen, die Polymyalgia rheumatica und die Arteriitis temporalis, sind häufig vergesellschaftet. Außer den Schläfenarterien können auch andere Blutgefäße der Kopf- und Halsregion entzündet sein. In ausgeprägten Fällen sind die Gefäße sichtbar verdickt.

Ursachen der Polymyalgia

Die Ursachen der Polymyalgia rheumatica (PMR) sind unbekannt. Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren schuld.

Wahrscheinlich kommen genetische Veranlagung, Autoimmunprozesse und Umweltfaktoren zusammen, damit die Erkrankung entsteht.

Es kommt charakteristischerweise zu einer Entzündung der großen Arterien der Extremitäten (Riesenzellarteriitis), also der körpernahen Blutbahnen in Oberarmen und Oberschenkeln. Daneben können auch Gefäße im Brustkorb, insbesondere die Hauptschlagader (Aorta), konkret der Aortenbogen, betroffen sein.

So wird Polymyalgia rheumatica diagnostiziert

Wenn ältere Patienten über die symmetrischen Schmerzen im Bereich des Schultergürtels beziehungsweise Beckengürtels klagen und sich abgeschlagen fühlen, ist eine Diagnose Polymyalgia rheumatica (PMR) sehr wahrscheinlich.

Blutwerte und weitere Untersuchungen

Hat sich das Krankheitsbild innerhalb von zwei bis vier Wochen entwickelt und ist die Entzündungsaktivität im Blut (BSG, CRP) sehr hoch, bestätigt dies die Verdachtsdiagnose. Spezifische Blutmarker für eine PMR gibt es nicht.

Um andere Ursachen der Muskelbeschwerden auszuschließen, wird das Blut zudem auf Marker für andere Erkrankungen der Muskulatur untersucht. So muss zum Beispiel die als Polymyositis bezeichnete generelle Muskelentzündung ausgeschlossen werden. Sie geht mit einem charakteristischen Anstieg der Spiegel des Enzyms Creatinkinase (CK-Wert) einher.

Außerdem lassen sich beide Krankheitsbilder durch eine Gewebeprobe unterscheiden. Während bei der Polymyositis in der Muskelbiopsie krankheitsbedingte Veränderungen nachweisbar sind, ist der Befund bei der PMR unauffällig. Gleiches gilt für die elektromyographische Untersuchung, bei der die elektrische Funktion des Skelettmuskels untersucht wird. Konkret kann unterschieden werden, ob der motorische Nerv und/oder der Muskel geschädigt sind. Während bei der Polymyositis eine pathologische Veränderung nachgewiesen werden kann, ist der Befund bei einer PMR unauffällig.

Ausschluss anderer Erkrankungen

Weitere Untersuchungen, auch bildgebende Verfahren, können erforderlich ein, um eine, im Alter zunächst ähnlich in Erscheinung tretende, rheumatoide Arthritis sowie eine Borreliose, Fibromyalgie oder sogenannte „Slow-Virus-Disease“ (Infektion mit dem Cytomegalie- oder Epstein-Barr-Virus) auszuschließen.

Gerade die Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis ist wichtig, da Patienten mit PMR relativ häufig gleichzeitig eine Synovitis, also eine Entzündung der inneren Schicht der Gelenkkapsel, beispielsweise an einem Handgelenk oder Knie, entwickeln.

Bei sehr hohen Entzündungswerten muss außerdem an eine bösartige (maligne) Tumorerkrankung als Ursache der stark erhöhten BSG gedacht werden. Bei Patienten mit Schläfenkopfschmerz und verdickten Schläfenarterien kann die oft aufwendige und den Patienten belastende Tumorsuche jedoch meist umgangen werden.

Eine spezielle Ultraschalluntersuchung (Dopplersonographie) und eine Gewebeprobe (Biopsie) der verdickten Arteria temporalis geben dann Aufschluss.

Diagnostische Bedeutung hat auch der Therapieversuch mit Kortison. Ein gutes Ansprechen auf Kortison ist für die Polymyalgia rheumatica charakteristisch. Die Beschwerden sind meist nach wenigen Tagen verschwunden, kommen aber wieder zurück, wenn nicht weiter behandelt wird – beispielsweise wenn der Orthopäde wegen der Schulterschmerzen einmalig Steroide in das Gelenk gespritzt hat.

Therapie: Behandlung mit Kortison

Die Polymyalgia rheumatica (PMR) wird mit Kortison behandelt. Darunter kommt es schnell zu einer deutlichen Verbesserung.

Die erforderliche Kortison-Dosis hängt davon ab, ob es sich um eine isoliert auftretende Polymyalgia rheumatica oder um eine mit einer Arteriitis temporalis einhergehende PMR handelt. Letztere muss mit höheren Dosierungen behandelt werden, da die Entzündung der die Augen versorgenden Arterien sonst zu einer Erblindung führen kann.

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Andere Parameter, an denen sich die Kortison-Dosis orientiert, sind die Entzündungsparameter im Blut. Erfordern sie längerfristig eine hohe Kortison-Dosis, sollte über Alternativen nachgedacht werden, da die Therapie sonst auf Kosten der Knochengesundheit geht. Eine Osteoporose kann entstehen. Um sie zu vermeiden, sollte die Versorgung mit Kalzium optimiert (1000 Milligramm pro Tag, am besten aus der Nahrung) und Vitamin D3 (1000 bis 2000 internationale Einheiten) substituiert werden.

Als Alternativen zu Kortison kommen langwirksame Immunsuppressiva wie Methotrexat oder Chloroquin infrage. Je nach Intensität der Entzündung muss die Therapie ein bis zwei Jahre konsequent, dann aber mit niedriger Dosis durchgeführt werden. Da nach symptomfreien Phasen (Remission) auch wieder Krankheitsphasen mit aktiver Entzündung möglich sind, ist es wichtig, die Entzündungsmarker im Blut regelmäßig zu überprüfen.

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