Rötung, Schwellung, Schmerzen

Otitis externa: Therapie der äußeren Ohrentzündung

Die Otitis externa, auch als äußere Ohrentzündung bekannt, betrifft den äußeren Gehörgang oder die Ohrmuschel. Welche Ursachen dahinterstecken und wie die Otitis externa behandelt wird.

Frauenohr
Entzündung des äußeren Ohrs (Otitis externa) lassen sich meist gut mit Salben behandeln.
(c) Stockbyte

Eine äußere Ohrentzündung (Otitis externa) betrifft die Ohrmuschel und/oder den äußeren Gehörgang und/oder die Trommelfelloberfläche. Bei der Ohrmuschel können die äußere Haut und/oder die darunter befindliche Knorpelhaut entzündet sein. Die Otitis externa kann auf die Umgebung und in die Halslymphknoten ausbreiten.

Man unterscheidet zwischen umschriebenen Entzündungen, die zunächst einen bestimmten Bereich des äußeren Ohres betreffen (beispielsweise ein Furunkel) und diffusen Entzündungen, die sich über das gesamte äußere Ohr erstrecken können.

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Eine Ohrentzündung kann durch Bakterien, Viren oder Pilze hervorgerufen werden. Unspezifische Entzündungen sind solche, die keine erregertypischen Zeichen, sondern lediglich allgemeine Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung und Schmerzen hervorrufen. Bei spezifischen Entzündungen verursacht ein bestimmter Krankheitserreger ein ganz typisches Entzündungsmuster, wie beispielsweise einen bläschenförmigen Ausschlag bei der Entzündung durch Herpes-Zoster-Viren.

So äußert sich die äußere Ohrentzündung

Die Symptome können bei einer äußeren Ohrentzündung unterschiedlich sein. Die Gehörgangsentzündung kann sich als kleiner Eiterherd im Gehörgang zeigen (Gehörgangsfurunkel), oder als Entzündung des gesamten Gehörgangs und auch der Ohrmuschel. Als Krankheitszeichen bemerken die Patienten vor allem Schmerzen, Juckreiz und eitriges Ohrenlaufen. Der Gehörgang und die Ohrmuschel können gerötet und geschwollen sein, manchmal auch mit Schuppen belegt. Schmerzhaft sind besonders der Zug am Ohrläppchen und der Druck auf den Knorpelvorsprung vor dem Gehörgangseingang (Tragus). Dazu können Fieber und eine Schwellung der Lymphknoten am Hals kommen.

Bei allen Entzündungen des äußeren Ohres mit Schwellung des Gehörgangs kann es zu einer Schwerhörigkeit kommen, da der Schall durch den Gehörgang nicht mehr optimal zum Trommelfell gelangt.

Knochenentzündung und Nervenlähmungen

Die Gehörgangsentzündung kann, meist bei (älteren) Zuckerkranken, einen besonders schweren Verlauf nehmen. Die Entzündung der Gehörgangshaut erfasst hier den umgebenden Knochen mit und kann immer weiter fortschreiten und zu Knochenzerstörung und Nervenlähmungen (Gesichts-, Hör- und Gleichgewichtsnerv) führen. Das Bild dieser seltenen Entzündungsform ist dem der klassischen Gehörgangsentzündung anfangs ähnlich, später kann im Gehörgang freiliegender Knochen gesehen werden.

Die Wundrose des Ohres, das sogenannte Erysipel, ist dadurch gekennzeichnet, dass neben Gehörgang und Ohrmuschel die umgebende Haut mitbetroffen ist. Typisch ist bei dieser Erkrankung die Mitbeteiligung des Ohrläppchens. Man kann eine starke Rötung und Spannung der Haut sehen. Die Haut glänzt und ist heiß, manchmal können sich zusätzlich Blasen bilden. Als allgemeine Krankheitszeichen bestehen oft eine starke Abgeschlagenheit und Fieber mit Schüttelfrost. Die Lymphknoten im Halsbereich sind regelmäßig schmerzhaft geschwollen.

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Die Knorpelhautentzündung der Ohrmuschel zeigt ebenfalls eine Schwellung und Rötung. Das Ohrläppchen ist hierbei jedoch nicht mitbetroffen. Die Schwellung kann so stark werden, dass die einzelnen Knorpelfalten der Ohrmuschel nicht mehr zu erkennen sind. Es kann auch zu einer Eiteransammlung unter der Haut kommen, die sich spontan nach außen entleeren kann.

Bei der Gürtelrose des Ohres (Herpes zoster oticus) kommt es häufig zu starken stechenden Schmerzen und zur Bildung von Blasen auf der Ohrmuschel und im Gehörgang. Kombiniert dazu treten oft eine Schwerhörigkeit (Nervenschwerhörigkeit) auf der betroffenen Seite sowie Schwindel auf. Dies ist dann der Fall, wenn der Hör- und Gleichgewichtsnerv von der Entzündung in Mitleidenschaft gezogen wird. Zusätzlich kann eine Entzündung des Gesichtsnervs hinzukommen, die sich durch Lähmung von Gesichtsmuskeln zeigt.

Die Pilzinfektion des äußeren Gehörgangs zeigt sich in einem feuchten, weißlich bis dunkelbräunlichen Belag im Gehörgang sowie durch Juckreiz im betreffenden Ohr.

Wie eine Otitis externa entsteht

Entzündungen des äußeren Ohres können durch Bakterien, Viren oder Pilze hervorgerufen werden und durch bestimmte Allgemeinerkrankungen, wie zum Beispiel die Zuckerkrankheit, in ihrer Entstehung begünstigt werden. Auch Allergien können eine Entzündung des äußeren Ohres verursachen. Außerdem können Fremdkörper im Ohr eine Entzündung auslösen.

Bei den bakteriell verursachten Entzündungen sind es meist kleine Verletzungen der Haut, die ein Eindringen der Keime ermöglichen und eine Otitis externa auslösen. Insbesondere nach (gut gemeinter) Ohrreinigung mit Wattestäbchen oder anderen Hilfsmitteln treten Gehörgangsentzündungen auf. Deshalb sollte die Reinigung tieferer Abschnitte des Gehörgangs, zum Beispiel bei Trägern von Hörgeräten, dem HNO-Arzt vorbehalten bleiben.

Eine häufige Entzündung des äußeren Ohres durch Viren ist vor allem die Gürtelrose des Ohres (Zoster oticus). Sie wird durch ein bestimmtes Virus, das Zoster-Virus, ausgelöst. Dieses Virus ist mit dem Windpockenvirus verwandt. Nach einer durchgemachten Windpockenerkrankung überleben einige Viren über Jahre in Nervenschaltknoten (Ganglien). In Situationen, in denen die Körperabwehr geschwächt ist, zum Beispiel bei einer Krebsbehandlung, anderen schweren Infektionen oder auch im höheren Lebensalter werden diese Viren wieder aktiv und verursachen eine Entzündung der Haut, die von dem entsprechenden Nerv versorgt wird. Ein Zoster-Virus kann jedoch auch direkt einen Nerv infizieren.

Pilzinfektionen des äußeren Ohres können entstehen, wenn die Haut im Gehörgang über einen längeren Zeitraum feucht gehalten wird. Dies kann zum Beispiel beim Tragen eines Hörgeräts oder bei chronischen Mittelohrentzündungen mit Ohrenlaufen vorkommen. Aber auch bestimmte Hauterkrankungen können die Gehörgangshaut betreffen und so für Pilzinfektionen empfindlich machen. Außerdem können manche Medikamente die Entstehung solcher Pilzinfektionen als Nebenwirkung fördern. Die Erreger sind hierbei häufig Schimmelpilze oder Hefepilze.

Bei den Allergien sind vor allem solche von Bedeutung, bei denen Stoffe durch bloßen Hautkontakt eine allergische Reaktion auslösen. Hier kommen verschiedenste Stoffe von Seifen über Haarpflegeprodukte bis hin zu Ohrpassstücken von Hörgeräten als Allergieauslöser infrage. Auch nicht allergische Überempfindlichkeitsreaktionen auf toxische Stoffe sind möglich. Antibiotikahaltige Ohrentropfen können ebenfalls eine Allergie auslösen. Bei Ohrsteckern oder -ringen kann zum Beispiel eine Nickelallergie eine Rolle spielen.

Die Entzündung der Knorpelhaut entsteht durch Gewalteinwirkung an der Ohrmuschel, wie Schläge, Quetschungen oder Reibemechanismen, aber selten auch durch Insektenstiche oder als Komplikation bei Operationen am Ohr. Die Erkrankung entsteht auch durch Ausbreitung einer Gehörgangsentzündung, nach Verätzungen, Erfrierungen, Verbrennungen und durch Bestrahlung.

In jüngster Zeit ist mit Zunahme der modischen Ohrstecker (Piercings), die immer häufiger auch durch den Knorpel gesteckt werden, mit einer gewissen Zunahme von Ohrmuschelentzündungen zu rechnen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn diese Eingriffe von medizinisch ungeschulten Anbietern unter unzureichenden hygienischen Bedingungen vorgenommen werden.

Ohrentzündung vom HNO-Arzt untersuchen lassen

Eine fachgerechte Untersuchung und Behandlung einer äußeren Ohrentzündung ist durch einen HNO-Facharzt möglich.

Die Otitis externa kann oft schon am äußeren Bild erkannt werden. Im Vordergrund der Untersuchungen steht eine genaue Erhebung der Krankheitsgeschichte, bei der insbesondere nach Art und Dauer des Schmerzzustands und einer eventuellen Hörstörung gefragt wird. Danach folgt eine komplette HNO-ärztliche Untersuchung. Dazu werden insbesondere die Ohren und die Nase mit Spiegeln oder Endoskopen von innen betrachtet. Der HNO-Arzt prüft eventuell ergänzend die Hör- und Gleichgewichtsfunktion des betreffenden Ohres im Vergleich zur gesunden Seite. Um abzuschätzen, ob die Entzündung sich über das Ohr hinaus ausgebreitet hat oder ob Lymphknoten betroffen sind, sind manchmal Untersuchungen des Halses und aufgrund der anatomischen Nähe auch der Kiefergelenke erforderlich.

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Mitunter ist eine Röntgenuntersuchung zur genaueren Unterscheidung der einzelnen Entzündungsformen nötig. Dies ist besonders dann der Fall, wenn der Verdacht besteht, dass die Entzündung auch auf die Knochen des Gehörgangs oder seiner Umgebung übergreift.

Bei Entzündungen mit Eiterbildung hilft ein sogenannter Abstrich bei der Erkennung des Erregers. Nach dem Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchung kann die Wahl des richtigen Medikaments getroffen oder angepasst werden.

Therapie der Otitis externa: In schweren Fällen helfen Tabletten

Die Behandlung einer Otitis externa kann meist ambulant erfolgen, bei schwereren Verlaufsformen und bei starker Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens wird sie jedoch stationär im Krankenhaus vorgenommen.

Bei der Behandlung der äußeren Ohrentzündung spielt zunächst die Reinigung eine wichtige Rolle. Der Gehörgang wird inspiziert und von Flüssigkeit und Eiter befreit. Gegen die Schwellung werden in Alkohol getränkte Streifen oder Kortison-Salben-Streifen in den Gehörgang eingelegt. Ist der Gehörgang nicht zu sehr angeschwollen, so kommen bei den bakteriellen Entzündungen antibiotikahaltige Ohrentropfen und Salben zur Anwendung, die mehrmals täglich auf die Ohrmuschel aufgetragen, beziehungsweise in den Gehörgang eingeträufelt werden. Auch Ohrspülungen können angewendet werden.

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Bei Pilzinfektionen ist es besonders wichtig, den Gehörgang trocken zu halten. Zusätzlich werden Salben oder Tropfen mit Pilz hemmenden Wirkstoffen in den Gehörgang eingebracht.

Bei schwereren Verlaufsformen, bei der Wundrose oder der Knorpelhautentzündung, kann eine Antibiotikagabe in Tablettenform oder als Infusion nötig werden. Außerdem kommen kühlende und desinfizierende Umschläge zur Anwendung. Bei einer Eiteransammlung unter der Gehörgangs- oder Ohrmuschelhaut muss diese chirurgisch entfernt werden. In der Regel kann dies in örtlicher Betäubung geschehen.

Die durch Viren bedingte Entzündung des äußeren Ohres, die Gürtelrose des Ohres, kann durch den Wirkstoff Aciclovir behandelt werden. Der Befall des Hör-, Gleichgewichts- oder Gesichtsnervs muss gegebenenfalls gleichzeitig behandelt werden. Dazu wird eine Infusionsbehandlung über einige Tage mit einem durchblutungsfördernden Medikament und einem Kortisonpräparat angewendet. Zur Behandlung dieser Erkrankung ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Ist zum Beispiel eine Zuckerkrankheit als Ursache einer Entzündung des äußeren Ohres zu vermuten, so steht die Normalisierung der Blutzuckerwerte im Vordergrund. Die Behandlung des Ohres mit den oben beschriebenen Maßnahmen erfolgt jedoch zusätzlich.

Wattestäbchen im Ohr ist tabu: Ohrentzündung vorbeugen

Zur Vorbeugung einer äußeren Ohrentzündung ist es wichtig, Manipulationen im Gehörgang zu vermeiden. Insbesondere vom Ohrreinigen mit Wattestäbchen sollte Abstand genommen werden, da selbst leichte Berührungen die Gehörgangshaut verletzen können und so eine Eintrittspforte für Keime entsteht.

Grundsätzlich sollte nichts ohne ärztliche Empfehlung in einen Gehörgang hineingesteckt werden, da dadurch der Selbstreinigungsmechanismus der Gehörgangshaut gestört und eine Otitis externa begünstigt wird.

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Auf keinen Fall darf bei Austritt von Entzündungssekret, zum Beispiel bei einer Mittelohrentzündung mit defektem Trommelfell, Watte in den Gehörgang eingebracht werden. Hierbei entsteht eine warme, feuchte Kammer vor dem Trommelfell, die zu einer beschleunigten Vermehrung von Krankheitserregern führt.

Kontakt mit bekannten Allergieauslösern muss vermieden werden. Möchte man Ohrschmuck tragen, so sollten zumindest die Teile, die direkt mit der Haut in Kontakt kommen, aus Edelmetallen (Silber, Gold, Platin) sein, da diese nicht Allergie auslösend sind. Bei Ohrclips kann es manchmal helfen, die entsprechenden Teile mit einem farblosen Lack zu versiegeln oder mit kleinen Kunststoffpads abzupolstern.

Träger von Hörgeräten und Patienten, die zu einer starken Bildung von Ohrenschmalz neigen, sollten regelmäßig eine Ohrreinigung beim HNO-Arzt durchführen lassen.

Patienten mit Zuckerkrankheit ist eine möglichst genaue Blutzuckereinstellung mit regelmäßigen Kontrollen zu empfehlen.

Bei der Behandlung einer Entzündung des äußeren Ohres sollte man sich möglichst genau nach den Empfehlungen des behandelnden HNO-Arztes richten. Hörgeräteträger sollten versuchen, einige Stunden des Tages ohne Hörgerät auszukommen (zum Beispiel beim alleinigen Aufenthalt zu Hause ohne Kommunikationsnotwendigkeit), damit der Selbstreinigungsmechanismus des äußeren Ohres möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Eine Ansteckungsgefahr besteht bei Entzündungen des äußeren Ohres nicht.

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