Hörgeräte: Welche gibt es und was kosten sie?

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Hörgeräte helfen Schwerhörigen, wieder besser zu hören und können sogar die Wahrscheinlichkeit für eine Demenz verringern. Doch welches ist genau das Richtige? Es gibt eine große Bandbreite an modernen Geräten und auch die Preisspanne ist groß.

Mann setzt sein Hörgerät ein
Eine Schwerhörigkeit kann mit einem Hörgerät verbessert werden.
© iStock.com/RobynRoper

Artikelinhalte im Überblick:

Tipps für gesunde Ohren

Was ist Schwerhörigkeit?

Schwerhörigkeit (Hypakusis) ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das angeboren oder erworben, vorübergehend oder dauerhaft vorliegen kann. Es gibt verschiedene Arten und Schweregrade der Schwerhörigkeit und daher auch verschiedene Möglichkeiten, den Betroffenen zu helfen. Man unterscheidet zwischen der Schallleitungs- und der Schallempfindungsschwerhörigkeit, wozu auch die Altersschwerhörigkeit und die Lärmschwerhörigkeit gehören. Während einige Schwerhörige kaum wahrnehmbare Hörstörungen empfinden, kann bei anderen eine komplette Gehörlosigkeit vorliegen.

Manchmal kann man Störfaktoren, die zu Hörproblemen führen, entfernen oder mit Medikamenten oder einer Operation helfen. In anderen Fällen empfiehlt sich ein Hörgerät, um die Einschränkungen zu minimieren und das Hörvermögen zu verbessern. Generell gilt: Je früher man den Verlust des Hörvermögens behandelt, desto besser sind die Prognosen.

Warum ein Hörgerät?

Wer unter einer Schwerhörigkeit leidet, hat es schwerer, mit anderen Menschen zu kommunizieren und seine Umwelt wahrzunehmen. Im Verkehr oder bei der Arbeit beispielsweise kann es auch sehr gefährlich werden, wenn man Geräusche nicht oder zu spät wahrnimmt. Hörgeräte ermöglichen vielen Betroffenen eine normale Teilnahme am Leben und eine bedeutende Verbesserung der Lebensqualität. Studien der Johns Hopkins Universität in Baltimore, USA haben sogar gezeigt, dass ältere Menschen mit Hörverlust mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz leiden werden, als solche, die normal hören können.

Was können moderne Hörgeräte?

Bei Schallempfindungsstörungen ist das Innenohr häufig irreparabel geschädigt, sodass weder Medikamente noch Operationen das Hörvermögen wiederherstellen können. In vielen Fällen können Hörgeräte jedoch die Schallwahrnehmung deutlich verbessern. Sie beseitigen dann zwar nicht die Ursache, gleichen den Hörverlust jedoch soweit aus, dass der Betroffene Töne, Klänge und Sprache wieder besser hört und versteht.

Digitale Hörgeräte bestehen aus einem Mikrofon, einem Filter, einem Vorverstärker und einem Audioprozessor, der das empfangene Hörsignal je nach individuellen Bedürfnissen bearbeitet. Außerdem verfügen die Geräte über einen Wandler und eine Verstärkerendstufe.

Früher galt eine akustische Rückkopplung, wahrgenommen als „Pfeifen im Ohr“ als störende Nebenwirkung von Hörgeräten. Mit den heutigen modernen digitalen Systemen kann man das häufig verhindern oder stark vermindern.

Welche Hörgeräte gibt es?

Verschiedene Hörgerätetypen übertragen den Schall auf unterschiedliche Weise. Welches Gerät für den Betroffenen genau das Richtige ist, hängt von der Diagnose ab, von seinem individuellen Höreindruck sowie von bestimmten Messergebnissen.

Knochenleitungshörgeräte

Knochenleitungshörgeräte übertragen ankommende Hörsignale direkt auf den Knochen. Sie eignen sich für alle Arten von Schallleitungsstörungen, bei denen eine Operation zu keiner Besserung des Hörvermögens führen würde. Diese Hörgeräte können außerdem eine bestehende Innenohrschwerhörigkeit von bis zu 40 Dezibel ausgleichen.

Knochenleitungshörgeräte gibt es in zwei Varianten:

  1. Typisch für eine Variante der Knochenleitungshörgeräte ist ein Knochenleitungsbügel, der den Körperschallgeber an eine Stelle des Schläfenbeins hinter dem Ohr anpresst. Der Körperschallgeber ist der ohrseitige Wandler, der das Schallsignal überträgt.

  2. Eine andere Variante der Knochenleitungshörgeräte sind knochenverankerte Hörgeräte, bei denen man eine Titanschraube in die äußere Schicht des Schädelknochens platziert. Sobald die Schraube in den Knochen eingeheilt ist, hängt man den Wandler zur Übertragung des Signals am Ohr ein.

Luftleitungshörgeräte

Luftleitungshörgeräte sind häufiger, aber technisch aufwändiger als Knochenleitungshörgeräte. Sie leiten Schallsignale über einen kleinen Lautsprecher in den äußeren Gehörgang bis zum Trommelfell. Sie müssen dabei den Schall verstärken und an die verbliebene Aktivität des Hörvermögens anpassen. Luftleitungsgeräte eignen sich für Schallempfindungsschwerhörigkeiten sowie für gering bis hochgradig ausgeprägte Schallleitungsschwerhörigkeiten, jedoch nicht bei einer kompletten Taubheit.

Luftleitungshörgeräte gibt es ebenfalls in zwei Varianten:


  1. Bei Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten (HdO) befindet sich ein kleines Gehäuse hinter der Ohrmuschel, in dem sowohl die Batterie, als auch Elektronik und Mikrofon stecken. Ein kleiner Schallschlauch leitet ankommende Schallsignale direkt in den äußeren Gehörgang. HdO-Geräte gelten als robust und relativ unempfindlich gegenüber Einflüssen von außen wie Druck- und Temperaturschwankungen sowie Schweiß.

  2. Bei In-Ohr-Hörgeräten (IO) befinden sich alle Teile in einem individuell hergestellten Gehäuse, das man in der Ohrmuschel (Concha-Geräte) oder im Gehörgang nahe des Trommelfells (Complete-in-Canal-Geräte) trägt. IO-Geräte sind optisch unauffälliger als HdO-Geräte, jedoch etwas empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen und meist nicht so langlebig.

Implantierbare Hörgeräte

Bei implantierbaren Hörgeräten setzen Chirurgen entweder ein komplettes Gerät oder Teile des Gerätes operativ ein. Das wandelt Schallsignale in elektrische Spannungsschwankungen um und versetzt die Gehörknöchelchen mechanisch in Schwingungen. Mit einem implantierten Hörgerät bleibt der Gehörgang frei; es ist somit von außen nicht sichtbar. Es verbessert zudem laut Deutschem Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte e. V. die Klangqualität und vermeidet ein sogenanntes Rückkopplungspfeifen.

Implantierbare Geräte eignen sich bei Schallempfindungsschwerhörigkeiten, die man nicht durch Luftleitungshörgeräte oder eine Operation verbessern kann. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte klären im Einzelfall, welches Gerät am besten geeignet ist.

Cochlea-Implantate

Sogenannte Cochlea-Implantate (CI) gehören nicht zu den Hörgeräten. Sie sind vielmehr Hörprothesen, die die Funktion der Hörschnecke im Innenohr ersetzen sollen. Das CI ermöglicht auch hochgradig Schwerhörigen, denen ein Hörgerät nicht mehr hilft, wieder etwas zu hören.

Wie bekommt man ein Hörgerät?

Bei Verdacht auf eine Schwerhörigkeit empfiehlt sich ein frühzeitiger Besuch bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO). Er klärt die Ursache und das Ausmaß der Störung und bestimmt so die adäquate Therapie. Der HNO kann die individuelle Hörschwelle ermitteln und auch differenzierte Tests empfehlen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind beispielsweise ein Ton- und Sprachdiagramm sowie eine Impendanzmessung notwendig, um ein Hörgerät zu verordnen. Nur mit einer solchen offiziellen Verordnung können gesetzlich Versicherte die Kosten für ein Hörgerät bei ihrer Krankenkasse abrechnen.

Sobald der HNO-Facharzt ermittelt hat, welcher Hörgeräte-Typ geeignet ist, können Betroffene sich beim Hörgeräteakustiker über die unterschiedlichen Modelle beraten lassen und sie testen. Der Hörakustiker erstellt daraufhin einen Kostenvoranschlag, den man bei der Krankenkasse vorlegt.

Was kostet ein Hörgerät?

Es gibt innerhalb der unterschiedlichen Hörgeräte-Typen und -Varianten zahlreiche verschiedene Hörgerätemodelle. Je nach Technologie und Ausstattung kosten die meisten Hörgeräte zwischen knapp 1.000 und 4.000 Euro. Gesetzlich Versicherte können mit einer offiziellen Hörsystem-Verordnung eine Zuzahlung bei ihrer Krankenkasse beantragen oder auch Basisgeräte der Grundversorgung wählen. Diese kosten für den Versicherten dann meist zwischen 0 und 500 Euro.

Zum Kauf eines Hörgerätes gehört unbedingt eine vorherige ausführliche Beratung sowie die Anpassung des gewählten Gerätes bei einem Hörgeräteakustiker. In der Regel übernimmt der auch die routinemäßige Reinigung sowie spätere Nachjustierungen. Hörgeräte haben außerdem eine Garantie, die zwischen einem und drei Jahren liegen kann. Meistens deckt diese Garantie auch eventuell nötige Reparaturen ab sowie einen Ersatz, falls das Gerät einmal verloren gehen sollte. Einige Hörakustiker bieten während der Garantiezeit auch kostenlose Hörgerätebatterien an. Diese Möglichkeiten sollte man jedoch immer vorab klären.

Was bezahlt die Krankenkasse?

Krankenkassen sind verpflichtet, Hörhilfen zu bezahlen, wenn sie medizinisch notwendig sind und sie vom HNO-Facharzt verordnet wurden. Während die gesetzlich versicherten Patienten häufig nur eine Grundversorgung oder eine Zuzahlung in dieser Höhe erhalten, stehen Privatversicherte meist besser da. So können gesetzlich Versicherte für die meisten Modelle durchschnittlich mit Kosten zwischen 500 bis 2.500 Euro pro Ohr rechnen.

Hörgerätemodelle, die als Grundversorgung gelten, übernehmen die Krankenkassen komplett. Diese Geräte verfügen über die aktuellen technischen Standards, weisen in der Regel aber keine Zusatzfunktionen oder Komfortextras auf.

Bei privaten Krankenversicherungen hängt die Kostenübernahme von jeweiligen Angaben in den Vertragsbedingungen ab. So ist es möglich, dass hier Höchstgrenzen für Zuzahlungen bei Hörgeräten angegeben sind oder dass die Versicherung die Kosten unabhängig vom Preis vollständig übernimmt.

Bei manchen Kassen hängt die Zuzahlung auch vom Grad des Hörverlustes in Dezibel ab. Dies sollte man immer individuell mit der eigenen Versicherung klären.

Kann man Hörgeräte testen?

Gerade Geräte mit besonders guter Ausstattung oder Hintergrundgeräuschunterdrückung können sehr teuer sein. Sie sind eine wichtige und langfristige Investition und sollten für den Betroffenen daher „genau das Richtige“ sein. Vor dem Kauf sollte man auf jeden Fall mehrere Geräte für sieben bis zu 14 Tage lang im Alltag und bei den typischen Aktivitäten testen.

Hörgeräte-Batterien: Meist nicht aufladbar

Die meisten Batterien der Hörgeräte sind Zink-Luft-Batterien in der Bauform der Knopfzelle und nicht aufladbar. Ihre Vorteile sind eine relativ hohe Energiedichte auf kleinstem Raum und eine konstante Entladung bis zum Ende. Damit funktioniert das Hörgerät über die komplette Nutzungsdauer der Batterie zuverlässig und gleichbleibend. Da man Hörgeräte-Batterien in der Regel nicht aufladen kann, ist es ratsam, unterwegs eine Ersatzbatterie mitzunehmen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für Hörgeräte-Batterien nicht.

Wie lange halten Hörgeräte-Batterien?

Hörgeräte-Batterien halten meist zwischen fünf und 14 Tage lang. Das hängt zum einen von der Größe der Batterie ab – unterschiedliche Geräte erfordern unterschiedlich große Batterien – sowie von der benötigten Leistung des Modells. Normalerweise haben kleinere Batterien eine kürzere Lebensdauer als größere.

Hörgeräte-Batterien lagern

Zink-Luft-Batterien reagieren mit der Umgebungsluft. Daher tragen sie einen Schutzaufkleber, der die Luftlöcher der Hörgeräte-Batterie verschließt. So trocknet die Batterie beim Lagern nicht vorzeitig aus. Am besten bleibt eine neue Batterie in ihrer Originalverpackung und man entfernt ihre Hülle sowie die Schutzfolie erst direkt vor dem Gebrauch. Batterien sollte man bei Zimmertemperatur, jedoch nicht unendlich lange lagern, da sie auch beim Lagern mit Schutzaufkleber jährlich circa drei Prozent an Leistung verlieren. Wer das Hörgerät über Nacht abnimmt, kann die Haltbarkeit der enthaltenen Batterien verlängern, indem er das Batteriefach öffnet. So kann die tagsüber angesammelte Feuchtigkeit nachts entweichen.

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