Botulismus – Ursachen, Symptome und Behandlung

Botulismus ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum ausgelöst wird. Dieses kommt vor allem in schlecht konservierten Lebensmitteln vor und produziert das Nervengift Botulinumtoxin. Alles zu den Symptomen sowie den Folgen und wie vorgebeugt werden kann.

Frau krümmt sich vor Schmerzen Frau krümmt sich vor Schmerzen
Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall sind die ersten Symptome bei Botulismus, schnell folgen die typischen Lähmungserscheinungen.
© iStock.com/AndreyPopov

Clostridien vermehren sich unter Luftabschluss und in eiweißreicher Umgebung, weshalb Botulinumtoxin sich vor allen in Konserven und abgepackten Fleisch- und Wurstwaren befindet. Deshalb wird Botulismus auch Fleischvergiftung oder Wurstvergiftung genannt. In seltenen Fällen wird Botulismus auch durch eine Wund- oder Darmbesiedelung mit Clostridium botulinum ausgelöst.

Botulismus kommt weltweit vor und tritt meist in Einzelfällen oder kleinen Epidemien (drei bis fünf Fälle) auf. Er ist nicht ansteckend, die Epidemien beruhen auf dem Verzehr des gleichen vergifteten Lebensmittels durch mehrere Personen. In Deutschland erkranken zwischen 10 und 20 Personen pro Jahr daran.

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Formen von Botulismus und ihre Ursachen

In den meisten Fällen wird Botulismus durch kontaminierte Lebensmittel ausgelöst – es gibt aber auch einige andere Wege, auf denen die Erreger in den menschlichen Körper gelangen können. Prinzipiell wird zwischen sechs verschiedenen Formen des Botulismus unterschieden:

  • Nahrungsmittelbotulismus: Diese Form des Botulismus ist keine Infektionskrankheit, sondern eine klassische Lebensmittelvergiftung durch das von den Bakterien produzierte Gift. Da Clostridien erst beim Erhitzen auf 100 Grad Celcius abgetötet werden, treten sie vor allem in hausgemachten Fleisch- und Gemüsekonserven auf, die nicht ausreichend erwärmt wurden. In selteneren Fällen finden sie sich auch in vakuumverpackten Lebensmitteln wie Räucherfisch und Wurstwaren – das liegt daran, dass Clostridien sich vor allem in sauerstofffreier Umgebung vermehren. Da weder Clostridium botulinum noch Botulinumtoxin einen typischen Geruch oder Geschmack haben und sich auch optisch nicht bemerkbar machen, ist eine Besiedelung kaum zu erkennen. Aufgeblähte Konserven oder andere auffällige Lebensmittelverpackungen sind jedoch ein Warnsignal, das auf die Gas bildenden Clostridien hinweisen kann. Dies gilt ebenso für Haustierfutter, da auch Hunde von Botulismus betroffen sein können.

  • Wundbotulismus: In seltenen Fällen wird Botulismus auch durch eine Besiedelung von Wunden mit Clostridium botulinum ausgelöst. Hierfür müssen die Bakterien sich in einer sauerstofffreien Umgebung vermehren und ihr Gift produzieren. Wundbotulismus tritt meist im Zusammenhang mit Drogenkonsum durch Spritzen auf, kann aber auch nach chirurgischen Eingriffen oder Unfällen auftreten.

  • Säuglingsbotulismus: Diese Form der Vergiftung tritt meist bei Kindern im Alter von bis zu sechs Monaten auf. Anders als beim Lebensmittelbotulismus werden hier nicht bereits vergiftete Lebensmittel, sondern Clostridiensporen mit der Nahrung aufgenommen. Die noch schwache Darmflora von Säuglingen kann diese nicht eliminieren, die Bakterien vermehren sich unter Luftabschluss im Darm und produzieren ihr Gift. Eine typische Quelle der Sporen ist Honig, der Kindern unter zwei Jahren daher grundsätzlich nicht gegeben werden sollte.

  • Intestinaler Botulismus bei Erwachsenen: In seltenen Fällen kommt es auch bei Erwachsenen nach Aufnahme von Clostridiensporen zu einer Besiedelung des Darms. Diese Form des Botulismus tritt nahezu ausschließlich im Nachgang einer Behandlung mit Antibiotika auf, bei der die natürliche Darmflora zerstört wurde.

  • Inhalationsbotulismus: Wenn das reine Botulinumtoxin in die Luft gelangt und eingeatmet wird, kann es zu einer klassischen Vergiftungsreaktion kommen. Auf natürlichem Wege tritt so etwas nicht auf, es handelt sich dabei entweder um einen Unfall oder einen gezielten Anschlag.

  • Chronischer oder viszeraler Botulismus: Diese Form des Botulismus tritt ausschließlich bei Rindern auf. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für eine Übertragung auf den Menschen.

Symptome von Botulimus

Die Symptome sind bei sämtlichen Formen des Botulismus ähnlich. Wenige Stunden bis Tage nach Aufnahme des Giftes treten zunächst Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall auf. Gleichzeitig oder etwas später verursacht das Nervengift Augenmuskellähmungen, was zu Doppelbildern und Verschwommensehen führt. Hinzu kommen weite Pupillen und Mundtrockenheit. Später kommen Sprech- und Schluckstörungen hinzu.

Die Lähmungen setzen sich im Körper absteigend fort, sodass Betroffene unter Schwäche der Arme und Beine, später des Zwerchfells und der Atemmuskulatur leiden. Die Folge ist eine Atemlähmung, die unbehandelt zum Tod durch Ersticken führt. Auch eine Darm- und Blasenlähmung können auftreten. Das Bewusstsein ist in der Regel nicht getrübt und die Empfindung der Betroffenen nicht beeinträchtigt.

Diagnose: So wird Botulismus nachgewiesen

Aufgrund der anfangs unspezifischen Symptome wird Botulismus oft zu spät erkannt – vor allem, wenn nur eine Einzelperson betroffen ist. Die Diagnose erfolgt zunächst anhand einer Befragung des Betroffenen (beziehungsweise seiner Angehörigen) zu verzehrten Lebensmitteln und Symptomen. Vor allem der Verzehr von selbst eingemachten Speisen oder Konserven legt einen Botulismus-Verdacht nahe.

Mithilfe einer Untersuchung von Blut, Stuhl und Erbrochenem können die Erreger oder das Gift nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf Nahrungsmittelbotulismus sollten auch eventuell vorhandene Nahrungsreste untersucht werden. Bei Wundbotulismus wird eine anaerobe Kultur aus dem Wundmaterial angelegt. Da es mehrere Stunden bis Tage dauert, bis die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorliegen, sollte eine Therapie bereits vor dem Vorliegen dieser Ergebnisse eingeleitet werden.

Ist Botulismus bestätigt, muss die Krankheit in Deutschland gemäß Infektionsschutzgesetz vom Arzt gemeldet werden, da Meldepflicht besteht.

Behandlung von Botulismus

Bereits bei Verdacht auf Botulismus werden Betroffene in ein Krankenhaus eingewiesen und intensivmedizinisch überwacht. Liegt die Einnahme toxinhaltiger Nahrungsmittel weniger als 48 Stunden zurück, verabreicht der Arzt ein Gegengift (Antitoxin) – nach Überschreiten dieser Frist ist es nicht mehr wirksam. Da das Antitoxin vom Pferd gewonnen wird, besteht die Gefahr einer allergischen Reaktion, weshalb vorher ein Allergietest gemacht wird.

Wenn das Gift erst wenige Stunden vorher aufgenommen wurde, wird der Arzt unter Umständen eine Magenspülung vornehmen, um noch vorhandene Nahrungsmittelreste zu entfernen. Ist die Atmung beeinträchtigt, werden Betroffene künstlich beatmet.

Bei Wundbotulismus wird die Wunde chirurgisch gesäubert und mit antibiotischer Lösung gespült. Die anschließende Antibiotika-Behandlung beseitigt eventuell noch vorhandenen Clostridien in der Wunde, wirkt aber nicht gegen das Gift.

Krankheitsverlauf bei Botulismus

Botulismus ist eine lebensbedrohliche Erkrankung: Unbehandelt sterben bis zu 70 Prozent der Betroffenen. Bei einem schnellen und konsequenten Eingreifen liegt die Sterblichkeit jedoch nur noch bei fünf bis zehn Prozent.

Da die Wirkung des Nervengiftes bis zu zwölf Wochen anhalten kann, ist bis zur Genesung allerdings oft ein mehrwöchiger oder mehrmonatiger Klinikaufenthalt erforderlich. Einige Betroffene berichten selbst nach Jahren noch von Atemnot und Schwächegefühl und benötigen eine langwierige symptomatische Behandlung. In der Regel hinterlässt Botulismus jedoch keine bleibenden Schäden.

Wie lässt sich Botulismus verhindern?

Da Botulismus in den meisten Fällen durch den Verzehr selbst eingemachter oder vakuumverpackter Speisen ausgelöst wird, besteht die beste Vorbeugung in einem achtsamen Umgang mit Lebensmitteln. Mit folgenden Maßnahmen lässt der Lebensmittelbotulismus sich verhindern:

  • Meiden Sie aufgeblähte Konservendosen oder anderweitig auffällige Lebensmittelverpackungen.

  • Lagern Sie vakuumverpackte Lebensmittel im Kühlschrank bei unter 10 Grad Celcius – dann können sich in der Verpackung keine Keime vermehren.

  • Auch mit Kräutern oder Knoblauch versetzte Öle gehören in den Kühlschrank.

  • Clostridien und ihr Gift vertragen keine Hitze – nach 15 Minuten bei 100 Grad Celcius sind sie unwirksam.

  • Geben sie Kindern unter zwei Jahren keinen Honig, da dieser Clostridiensporen enthalten und daher zum Auslöser von Säuglingsbotulismus werden kann.

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