Schwellung der Kehlkopfschleimhaut

Pseudokrupp: Atemnot in der Nacht

Pseudokrupp ist eine Atemwegserkrankung, die meist kleine Kinder betrifft. Die Ursache des Pseudokrupps sind Viren, Bakterien, Schadstoffe oder eine Allergie. Typische Symptome eines Pseudokrupp-Anfalls sind Atemnot, bellender Husten und Heiserkeit. Eltern können ihrem Kind oft selbst helfen – bei schwerer Atemnot muss sofort den Notarzt gerufen werden.

Kind mit Fieberthermometer
Pseudokrupp verursacht meist nur leichtes Fieber, äußert sich eher anfallartig mit Husten und Atemnot.
©iStock.com/Wavebreakmedia

Pseudokrupp ist eine Atemwegserkrankung, die meist bei Kindern auftritt. Die Schleimhäute im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder entzünden sich und schwellen an. Dadurch bekommen Kinder mit Pseudokrupp schlecht Luft. Typische Symptome sind Atemnot, Geräusche beim Einatmen, ein bellender Husten ("Krupphusten") und Heiserkeit. Mediziner bezeichnen den Pseudokrupp auch als Krupp-Syndrom, falscher Krupp, stenosierende Laryngotracheitis oder Laryngitis subglottica. Bei einem "echten Krupp" handelt es sich um Diphtherie, eine akute Atemwegsinfektion, die durch ein Bakterium namens Corynebacterium diphtheriae ausgelöst wird.

Kinderkrankheiten erkennen mit diesen Bildern

Wie häufig ist Pseudokrupp?

Ärzte schätzen, dass etwa fünf Prozent aller Vorschulkinder jährlich an einem Kruppsyndrom erkranken. Der Pseudokrupp tritt meist im Alter von 18 Monaten bis fünf Jahren auf. Einen Erkrankungsgipfel haben Ärzte im zweiten Lebensjahr ausgemacht. Jugendliche und Erwachsene erkranken nur sehr selten daran. Jungen sind etwa anderthalb Mal häufiger betroffen als Mädchen, und dickere Kinder öfter als normalgewichtige.

Pseudokrupp-Symptome: Atemnot und bellender Husten

Ein Pseudokrupp-Anfall entwickelt sich meist ohne jegliche Vorwarnzeichen, vor allem in den Abend- und Nachtstunden. Tagsüber verspüren die Kinder meist keinerlei Beschwerden. Betroffene Kinder entwickeln verschiedene Symptome aufgrund der entzündeten und geschwollenen Schleimhäute in der Kehlkopfregion.

Wichtige Anzeichen – so erkennt man Pseudokrupp

  • Atemnot: Die Kinder können schwer Luft holen und atmen angestrengt
  • hörbare, zischende Geräusche beim Einatmen (inspiratorischer Stridor), Keuchen
  • harter, trockener, bellender Husten
  • Heiserkeit

Zu diesen Pseudokrupp-Symptomen können Schnupfen, Fieber, Schwäche und ein allgemeines Krankheitsgefühl kommen, weil dem Pseudokrupp oft eine Erkältung (grippaler Infekt) oder eine andere Infektionskrankheit vorausgeht.

Viele Kinder ringen um Luft und haben das Gefühl zu ersticken, was Herzklopfen, Unruhe, Angst oder sogar Panik auslöst. Diese können die Atemnot aber weiter verstärken, deshalb ist es wichtig, dass Eltern ihr Kind beruhigen.

Symptome bei einem gefährlichen Pseudokrupp-Verlauf

Ein Pseudokrupp verläuft in unterschiedlichen Schweregraden. Manche Kinder haben nur mit milden Symptomen zu kämpfen, während andere sehr ausgeprägte Beschwerden entwickeln. In schweren Fällen besteht Erstickungsgefahr.

Anzeichen für einen lebensbedrohlichen Verlauf sind:

  • Blaufärbung der Lippen und Fingerspitzen wegen der mangelnden Sauerstoffversorgung (Zyanose)
  • Einziehungen zwischen den Rippen aufgrund des angestrengten Atmens
  • kalter Schweiß auf der Haut
  • Bewusstseinseintrübung

Viele Kinder haben wiederholte Pseudokrupp-Anfälle. Deshalb ist es entscheidend, dass Eltern die Anzeichen eines milden und schweren Verlaufs richtig deuten und unterscheiden lernen.

Lebensgefährliche Epiglottitis ähnelt Pseudokrupp

Ärzte kennen noch eine Erkrankung, die zwar selten auftritt, aber ebenfalls lebensgefährlich werden kann: die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Sie äußert sich anfangs mit ähnlichen Symptomen wie der Pseudokrupp. Die Epiglottitis wird durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ausgelöst. Aufgrund der Hib-Impfung, die Kinder in den ersten Lebensmonaten zusammen mit anderen Impfungen bekommen, kommt die bedrohliche Kehldeckelentzündung aber heute viel seltener vor.

Virusinfektion ist häufigste Pseudokrupp-Ursache

Eine wichtige Rolle beim Pseudokrupp spielt die Tatsache, dass die Atemwege bei Säuglingen und Kleinkindern enger sind als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Schwillt die Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes an, entsteht schnell ein Engpass in der Luftröhre, der das Atmen erschwert und zu Luftnot führt.

Viren attackieren die Schleimhäute

Pseudokrupp kann verschiedene Ursachen haben. Oft entwickelt sich die Atemwegserkrankung auf dem Boden von Infektionskrankheiten, die durch Viren ausgelöst werden. Die häufigsten sind:

  • Erkältung (grippaler Infekt): oft durch Parainfluenza-Viren, also grippeähnliche Viren
  • Grippe (Influenza-Viren)
  • Infektion mit RS-Viren (respiratorische Synzytial-Viren)
  • Masern (Masern-Viren)
Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Andere Pseudokrupp-Ursachen

Seltener sind Bakterien wie Staphylokokken (Staphylococcus aureus) oder Haemophilus influenzae Typ b (Hib) die Auslöser des Pseudokrupps. Daneben kommen auch allergische Reaktionen als Pseudokrupp-Ursache infrage, zum Beispiel eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Hausstaubmilben oder Katzenhaare. Auch Schadstoffe in der Umwelt und in den eigenen vier Wänden scheinen eine Rolle zu spielen, allen voran der Tabakrauch. Wissenschaftlich gut belegt ist, dass Kinder, die in Raucherhaushalten aufwachsen, häufiger Atemwegsinfekte haben als jene, die in Nichtraucherfamilien leben.

Diagnose Pseudokrupp – so geht der Arzt vor

Der Kinder- und Jungendarzt befragt in einem Gespräch zunächst die Eltern, weil sie am besten Auskunft über die Beschwerden und Krankheitsgeschichte (Anamnese) ihres Kindes geben können. Pseudokrupp äußert sich in typischen Symptomen wie Atemnot, bellendem Husten und Heiserkeit. Diese geben dem Arzt schon erste Hinweise auf die Diagnose Pseudokrupp.

Folgende Fragen sind für den Arzt interessant:

  • Welche Symptome hat Ihr Kind genau: Atemnot? Geräusche beim Einatmen, bellender, harter Husten, heisere Stimme?

  • Als wie stark ausgeprägt würden Sie diese beschreiben?

  • Zu welcher Tageszeit treten sie auf? Tagsüber oder eher abends und nachts?

  • Hatte Ihr Kind kürzlich eine Infektionskrankheit, zum Beispiel eine Erkältung oder Grippe mit Schnupfen und Husten?

  • Leidet Ihr Kind unter Allergien, zum Beispiel gegen Tierhaare?

  • Sind andere Krankheiten bei Ihrem Kind bekannt?

  • Wird in Ihrem Haushalt geraucht?

Anhand dieser und weiterer Fragen sowie der charakteristischen Symptome kann der Arzt die Diagnose Pseudokrupp oft schon stellen.

Vier Schweregrade bei Pseudokrupp

Wichtig ist es, den Schweregrad des Pseudokrupps zu ermitteln. Denn Eltern müssen das Ausmaß der Atemwegserkrankung einschätzen können, damit sie im Ernstfall richtig handeln.

Folgende vier Schweregrade gibt es bei Pseudokrupp:

  • Schweregrad I: bellender Husten, Heiserkeit, leise Atemgeräusche bei Aufregung

  • Schweregrad II: Atemgeräusche in Ruhe, beginnende Luftnot, leichte Einziehungen in der Nähe der Rippenbögen aufgrund der Atemnot und des angestrengten Atmens

  • Schweregrad III: Luftnot in Ruhe, ausgeprägte Einziehung des Brustkorbs, Blässe, beschleunigter Puls (Tachykardie) über 160 Schläge pro Minute

  • Schweregrad IV: hochgradige Atemnot, zunehmende Atemstörung, Blaufärbung von Lippen und Fingern (Zyanose), Erstickungsgefahr, verlangsamter Herzschlag (Bradykardie) von unter 60 Schlägen pro Minute, Bewusstseinseintrübungen

Im Zweifelsfall weitere Untersuchungen

Weitere Untersuchungen sind nur notwendig, wenn sich die Symptome nicht eindeutig zuordnen lassen, der Verdacht auf eine andere Ursache besteht oder der Pseudokrupp einen verlängerten Verlauf nimmt.

Eingesetzt werden:

  • Röntgenuntersuchung von Brustkorb und Kehlkopf
  • Bestimmung der Substanz „C1-Esterase-Inhibitor“ bei Allergieverdacht
  • Bestimmung des Kalziumstoffwechsels bei Verdacht auf Rachitis
  • bei untypischem Verlauf: Spiegelung (Endoskopie) bei Verdacht auf Eindringen eines Fremdkörpers in die Atemwege (Fremdkörperaspiration), Anomalie des Kehlkopfes
  • Ultraschall der Halsregion, um einen Kropf (Struma) oder Tumoren auszuschließen

Unterscheidung Pseudokrupp und Epiglottitis

Eine lebensgefährliche Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) äußert sich durch ähnliche Symptome wie ein Pseudokrupp. Dafür spricht, wenn das Kind zusätzlich unter Fieber, Stimmlosigkeit, deutlichem Speichelfluss und hörbaren Geräuschen beim Einatmen leidet. Es ist sinnvoll, einen Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten (HNO-Arzt) hinzuzuziehen. Dieser untersucht zunächst vorsichtig den Rachen des Kindes. Um einen besseren Blick auf den Kehlkopf zu haben, drückt er die Zunge mit einem Spatel herunter. Auch wird die Sauerstoffsättigung des Blutes überwacht. Steht die Diagnose Epiglottitis, wird das Kind intubiert – es wird eine Hohlsonde in die Luftröhre geschoben, um die Atmungsfunktion sicherzustellen. Dann folgen weitere Untersuchungen, zum Beispiel:

  • Blutkulturen, um den Erreger zu bestimmen
  • Blutgasanalyse
  • Bestimmung der Entzündungsparameter im Blut

Behandlung des Pseudokrupps – was tun bei einem Anfall?

Die wichtigste Maßnahme klingt einfacher, als sie für die meisten sein dürfte: Ruhe bewahren! Denn wenn das Kind nach Luft japst, Angst vor dem Ersticken hat und sein Herz rast, ist es für Eltern schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren. Aber ihre Nervosität kann sich auf das Kind übertragen und die Beschwerden verstärken.

Damit das Kind besser Luft bekommt, helfen folgende Maßnahmen bei Pseudokrupp (Schweregrad I und II):

  • Kind beruhigen: Ängste und Panik verstärken die Symptome wie Atemnot und Husten.

  • Körperkontakt: Das Kind auf den Arm nehmen und Körperkontakt halten. Alternativ in eine aufrechte Sitzposition bringen, damit es leichter atmen kann. Im Liegen kann das Kind schlechter Luft holen.

  • Feuchte, warme Luft hilft dem Kind beim Atmen. Dazu ein Waschbecken oder die Badewanne mit heißem, dampfenden Wasser füllen und das Kind an den Rand stellen oder setzen (gut festhalten). Wenn vorhanden, kann das Kind auch über Inhalationsgerät mit Kochsalzlösung inhalieren.

  • Dem Kind kleine Schlucke einer kühlen Flüssigkeit zu trinken geben, am besten Wasser oder Tee (keine Milch)

  • Nach dem Pseudokrupp-Anfall: Fenster öffnen und für frische Luft sorgen. Oder mit dem Kind vor die Tür gehen.

Pseudokrupp-Behandlung im Krankenhaus

Manche Kinder haben schwere Pseudokrupp-Anfälle mit heftiger Atemnot (Schweregrade III und IV). Sie müssen unbedingt in einem Krankenhaus behandelt werden. Eingesetzt werden folgende Medikamente:

  • Kortison: Das entzündungshemmende Medikament sorgt dafür, dass die Schleimhäute abschwellen und die Atemnot abnimmt. Meist wird Kortison als Zäpfchen angewendet.

  • Inhalation von Adrenalin: Das Medikament lässt die Schleimhäute abschwellen.

  • Sauerstoffgabe verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers.

Durch den Einsatz von Kortison treten heute deutlich weniger Komplikationen auf. Es werden aber immer noch ein bis drei Prozent aller in die Klinik aufgenommener Kinder intubiert und 1 von 30.000 Kindern stirbt an den Folgen eines Pseudokrupp-Anfalls.

Antibiotika helfen bei einem Pseudokrupp nicht, denn die Verursacher des Pseudokrupps sind meist Viren – und Antibiotika wirken nur gegen Bakterie.

Verlauf und Heilungschancen bei Pseudokrupp

Ein Pseudokupp heilt meist innerhalb weniger Tage wieder ab. Auch treten die Pseudokrupp-Anfälle mit zunehmendem Alter der Kinder seltener auf – der Pseudokrupp „wächst sich aus“. Denn mit den Jahren verändern sich die anatomischen Verhältnisse im Kehlkopf und die Atemwege erweitern sich. So gibt es auch kaum mehr Engpässe, wenn die Schleimhäute bei Infektionen anschwellen. Nach dem dritten Lebensjahr werden die Anfälle meist leichter, nach dem sechsten hören sie in fast allen Fällen ganz auf.

Pseudokrupp vorbeugen und Risiko senken

Gegen Pseudokrupp gibt es keine Impfung, mit der Eltern ihr Kind schützen können. Anders ist das bei der Epiglottitis, die oft durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verursacht wird. Die Hib-Impfung kann Kinder wirksam schützen. Deshalb ist die Kehldeckelentzündung heute seltener geworden. Auch gegen Diphtherie (echter Krupp) gibt es eine Schutzimpfung.

  • Ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen: Eltern können beispielsweise feuchte Tücher aufhängen oder im Winter Schalen mit Wasser auf die Heizkörper stellen. Besonders wichtig sind diese Maßnahmen im Kinderzimmer.

  • Einem Pseudokrupp geht oft eine Erkältung voraus. Eltern sollten dafür sorgen, dass der grippale Infekt möglichst schnell abklingt. Dazu können Kinder zum Beispiel mit Kamille oder Kochsalz inhalieren, um die Atemwege zu befeuchten und festsitzenden Schleim zu lösen. Außerdem sollte das Kind ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

  • Eltern sollten nur vor der Haustür rauchen, nicht in den Wohnräumen. Denn: Passivrauchen gilt als Risikofaktor für Pseudokrupp.

  • Ein Pseudokrupp ist manchmal auf eine Allergie gegen Hausstaub oder Tierhaare zurückzuführen. Hier hilft nur das Meiden des Allergieauslösers, die sogenannte Allergenkarenz.

  • Manche Kinder haben häufiger Pseudokrupp-Anfälle. In solchen Fällen kann der Kinderarzt vorsorglich Kortison-Zäpfchen verschreiben.

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