Das Kreuz mit dem Kreuz

Hexenschuss (Lumbago) - wenn der Schmerz in den Rücken fährt

Ein stechender Schmerz, der unvermittelt ins Kreuz fährt: Hexenschuss – medizinisch Lumbago oder Lumbalgie – wird der plötzliche, starke Schmerz im Rücken genannt. Ursache ist meist eine akute Muskelverspannung, weil man sich beispielsweise "verhoben" hat. Wie man einen Hexenschuss erkennt und was jetzt am besten hilft.

Hexenschuss,lumbago
Der Hexenschuss macht es oft unmöglich, sich wieder aufzurichten. Die Rückenschmerzen sind massiv und schränken die Beweglichkeit ein.
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Im schlimmsten Fall kann man sich bei einem Hexenschuss kaum noch aufrichten, weil der Rücken so weh tut. Schuld an der akuten Bewegungseinschränkung ist eine extrem schmerzhafte Muskelverspannung. Betroffen sind vor allem Menschen unter 50 Jahren. Beinahe jeder wird in diesem Alter mindestens einmal zur Zielscheibe der Hexe. Mit zunehmendem Alter scheint das Risiko jedoch zu sinken.

22 sanfte Hilfen gegen Rückenschmerzen

Der Name Hexenschuss für dieses Beschwerdebild stammt aus dem Mittelalter. Damals waren die Menschen überzeugt, dass jede Krankheit durch die Manipulation von Hexen, Geistern oder anderen übernatürlichen Wesen ausgelöst werde.

Hexenschuss: Ursache ist oft falsches Heben

Vor allem bei Fehlbelastungen oder abrupten Bewegungen wie beim Heben, Umdrehen, Aufrichten oder Aufstehen schießt der Schmerz in den Rücken – meist im Bereich der Lendenwirbelsäule und bis zum unteren Rippenbogen. Man hat sich im wahrsten Sinne "verhoben", wie man umgangssprachlich oft sagt. Manchmal tritt der Hexenschuss auch erst einen Tag nach dem Heben oder der Zugluft auf. Oft lässt sich auch gar kein konkreter Anlass feststellen.

Weil der Schmerz so stark ist, meinen viele Betroffene, dass es sich um einen Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) handeln müsse. Das trifft jedoch nur selten zu. Selbst wenn die Kreuzschmerzen bei einem akuten Hexenschuss noch so groß sein mögen: Es handelt sich in den allermeisten Fällen um keinen Organschaden, auch drohen keine bleibenden Lähmungen.

Denn Ursache für den plötzlichen Rückenschmerz ist in erster Linie, dass sich Rückenmuskeln verspannen und verkrampfen. Der Hexenschuss ist grundsätzlich also "nur" eine schmerzhafte Verspannung und Verkrampfung der Rückenmuskulatur oder eine Muskelzerrung. Das kann sich jedoch weiter auswirken, etwa auf:

  • Sehnen – die Muskelverhärtung zerrt an den Sehnen und reizt sie.

  • Gelenke – die Sehnen ziehen an ihnen und können sie aus der richtigen Position bringen (Blockierung der Wirbelgelenke).

  • Nerven – verhärtete Muskeln und leicht verschobene Gelenke können Nervenkanäle einengen. Betroffen sind beim Hexenschuss häufig das Kreuzbein mit den Iliosakralgelenken und damit der Ischianerv.

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Oft hat der Hexenschuss eine Vorgeschichte und kommt nicht aus heiterem Himmel. Bewegungsmangel, monotone und einseitige Bewegungen, Stress und Übergewicht schwächen den Rücken und machen ihn anfällig für Rückenschmerzen. Ein starker Rücken mit gut ausgebildeter Muskulatur ist dagegen fast nie von Hexenschuss und muskulären Verkrampfungen betroffen.

Zu den extrem seltenen Ursachen zählen Tumore oder eine Gefäßausbuchtung (Aneurysma) der Bauchschlagader. Dabei kommen jedoch zu den massiven Rückenschmerzen noch weitere Symptome dazu, etwa Kreislaufstörungen und Fieber.

Video: Sieben Fakten über Rückenschmerzen

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Symptome bei Hexenschuss sind meist eindeutig

Besonders typische Anzeichen für den Hexenschuss:

  • Aufrichten oder nach vorne beugen ist kaum noch möglich.
  • Der Betroffene verharrt in einer schmerzlindernden Haltung.
  • Manche Patienten können sich nicht mehr richtig umdrehen oder nach hinten beugen, die Wirbelsäule ist blockiert.
  • Betroffene beschreiben den Schmerz als stechend, heiß oder bohrend.
  • Zusätzlich kann der Schmerz in Gesäß, Leiste und Beine ausstrahlen.

Die starken Schmerzen und die Bewegungseinschränkung veranlassen die meisten Betroffenen, zum Arzt zu gehen – oder ihn im schlimmsten Fall kommen zu lassen. Unbedingt ärztlich abklären lassen sollten Sie, wenn zusätzlich eines der folgenden Alarmzeichen oder eine Kombination daraus auftritt:

  • Lähmungserscheinungen in den Beinen
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln der Beine
  • Beine schmerzen beim Gehen massiv
  • Probleme beim Wasserlassen und Stuhlgang wie Inkontinenz

Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall?

Viele Patienten tippen aufgrund der akuten Rückenschmerzen zunächst auf einen Bandscheibenvorfall. Für den Laien ist der Unterschied oft gar nicht so leicht zu erkennnen. Die genaue Diagnose kann deshalb nur ein Arzt stellen.

Zu Beginn der Diagnose stehen Fragen nach der Art der Beschwerden sowie wann und wie sie aufgetreten sind. Danach untersucht der Arzt den Patienten manuell (mit den Händen). Er prüft, ob die Gelenke verhakt sind, inwieweit sie sich bewegen lassen und wann Schmerz und Blockade auftreten.

Zusätzlich tastet der Orthopäde die schmerzenden Bereiche ab, prüft die Sensibilität und die Reflexe. So stellt er fest, ob Nerven betroffen sind. Reicht diese manuelle Untersuchung nicht für eine Diagnose aus, helfen folgende Untersuchungstechniken weiter:

Auf diese Weise lässt sich festmachen, ob es Komplikationen gibt, ob ein Bandscheibenvorfall oder Probleme mit dem Ischias die Ursache sind oder eventuell Nervenschäden aufgetreten sind.

Therapien bei Hexenschuss: Schmerzmittel, Spritze oder Hausmittel?

Das wichtigste Ziel bei der Therapie: Der Patient muss möglichst schnell wieder aktiviert werden. Das bedeutet, schmerzfrei zu werden, dadurch die Schonhaltung zu vermeiden, um durch Bewegung weitere Verkrampfungen zu verhindern.

Bei einem unkomplizierten Hexenschuss ist die Manipulation durch Einrenken, also Chiropraktik, anfangs oft eine passende Behandlungsmöglichkeit. Der Orthopäde oder Chiropraktiker bringt mittels Druck und Gegendruck das Gelenk wieder in die richtige Position, löst Blockaden und Verspannungen. Gelingt das, ist der Patient meist sofort wieder beschwerdefrei. Manchmal werden die Rückenbeschwerden jedoch nur etwas gelindert. In anderen Fällen hilft Chiropraktik gar nicht.

Die weiteren Maßnahmen bei Hexenschuss sind:

  • Medikamente in der akuten Schmerzphase: Gängige Substanzen sind vor allem die Schmerzmittel Paracetamol, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Daneben können auch muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien) sowie entzündungshemmende Arzneimittel wie Kortison zum Einsatz kommen. 

  • Cortisonspritze bei Hexenschuss: Schmerzstillende oder entzündungshemmende Medikamente wie Cortison können vom Arzt auch als Spritze verabreicht werden. Alle Medikamente sollten nur nach Rat des Arztes und kurzfristig angewendet werden, etwa um die Beweglichkeit wieder herzustellen.

  • Bewegung und Bewegungstherapie (anfangs Krankengymnastik, später Rückenschule): Der Physiotherapeut/Trainer zeigt dem Patienten entsprechende Dehnübungen, um die Rückenmuskulatur und Sehnen zu lockern. Nach und nach folgen Kräftigungsübungen, um die tiefliegende Muskulatur aufzubauen – denn diese stützen die Wirbelsäule und können Blockaden verhindern.

  • Das beste Hausmittel ist Wärme: Wärmflasche, Wärmepflaster, Heizkissen, Fangopackungen, Rotlicht oder ein heißes Bad mit entspannenden Zusätzen sind klassische Hausmittel bei Hexenschuss. Sie lockern das Gewebe und verbessern die lokale Durchblutung. Führen Sie jedoch die Wärmetherapie nur in der akuten Phase der Kreuzschmerzen durch.
    Achtung: Wenn Sie bemerken, dass durch Wärme die Schmerzen stärker werden, sollten Sie unbedingt Ihren Arzt darüber informieren.

  • Homöopathische Mittel können zusätzlich entlasten. Bei Hexenschuss werden vor allem Arnica, Rhus toxicodendron und Calcium carbonicum zur Schmerzlinderung eingesetzt.

  • Bei den Schüssler-Salze hat sich vor allem Nr. 7 (Magnesium phosphoricum) als Akutmittel bei Schmerzen und Krämpfen bewährt. Es hat zugleich eine entspannende Wirkung und kann als "heiße Sieben" (Tabletten in heißem Wasser auflösen und schluckweise trinken) angewendet werden.

  • Entspannungstechniken wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Diese Techniken helfen zwar nicht sofort, sorgen aber auf Dauer für Entspannung und beugen so weiteren Verspannungen vor.

Bewegung hilft besser als Ruhe

Bettruhe, wie sie früher oft bei Hexenschuss angeordnet wurde, wird in modernen Behandlungskonzepten überaus kritisch gesehen. Die Begründung: Durch Ruhigstellung kann der Rückenschmerz leichter chronisch werden. Mit sanfter Bewegung, wie zum Beispiel Spazierengehen, verschwinden die Beschwerden schneller, einem erneuten Hexenschuss wird vorgebeugt.

Handelt es sich jedoch um einen komplizierten Hexenschuss, etwa mit Beteiligung der Bandscheiben oder durch eine Einengung des Nervenkanals, sind weitere Untersuchungen nötig und die entsprechende Behandlung fällt anders aus.

Hexenschuss – Erste Hilfe mit Übungen

Man kann selber einiges tun, wenn ein Hexenschuss auftritt. Als Erste Hilfe eignen sich folgende Maßnahmen, die Sie allerdings nur ausführen dürfen, wenn sie die Schmerzen und Blockade nicht verschlimmern:

  • rücken-übung stufenlagerung
    Stufenlagerung zur Entlastung des Rückens
    GU/Johannes Rodach

    Stufenlagerung: Legen Sie sich auf den Rücken, positionieren Sie Ihre Unterschenkel auf einem Schemel, festen Polster oder zusammengerollten Decken. Dabei sollten die Oberschenkel senkrecht direkt an dieser Stütze liegen, die Knie angewinkelt sein und die Unterschenkel waagrecht im rechten Winkel auf dem Polster liegen. Das entspannt die Wirbelsäule, vor allem der untere Bereich wird entlastet.

  • Seitenlagerung: Sie liegen auf der Seite. Das untere Bein ist ausgestreckt, das obere liegt leicht angewinkelt über dem anderen. Falls möglich, berührt das obere Knie den Boden. Dabei wird der untere Rücken (Lendenwirbel und Iliosakralgelenke) aufgedehnt.

  • Warm duschen: Viele schwören auf den heißen Wasserstrahl bei Rückenschmerzen. Duschen Sie den Bereich im Rücken möglichst warm, wo die Blockade sitzt.

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Wie lange dauert ein Hexenschuss?

Die akuten, starken Schmerzen bei einem Hexenschuss dauern meist nicht länger als 48 Stunden. In den folgenden vier Tagen klingen die Beschwerden dann langsam ab – falls nicht, sollten Sie zum Arzt gehen.

Eine Woche, nachdem der Hexenschuss aufgetreten ist, sind die schlimmsten Probleme wie Schmerzen und Bewegungseinschränkung bei den meisten Patienten verschwunden. Bis der Hexenschuss jedoch ganz weg ist, dauert es individuell unterschiedlich lange. Ausschlaggebend für die Dauer des Hexenschusses ist auch die Eigeninitiative des Patienten. Wer sich bald wieder bewegt, ist meist schneller schmerzfrei.

Hexenschuss vorbeugen: Diese Rückentipps helfen

Wer ihn einmal erlebt hat, möchte nie wieder einen Hexenschuss erleiden. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen, in Zukunft keinen Rückfall mehr zu bekommen:

  • Bleiben Sie in Bewegung, am besten täglich. Verzichten Sie so oft wie möglich auf Lift, Rolltreppe und Auto. Gehen Sie besser zu Fuß. Vor allem das Treppensteigen stärkt die Rückenmuskulatur – und trainiert gleichzeitig Ihre Kondition.

  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Rückenfreundliche Sportarten sind unter anderem Nordic Walking, Radfahren, Wandern und Bergwandern, Rückenschwimmen sowie Wassergymnastik.

  • Belegen Sie einen Kurs für Wirbelsäulengymnastik in Sportverein, Volkshochschule oder Fitnessstudio. Dabei werden besonders die tiefen Rückenmuskeln gekräftigt, die wie ein Stützkorsett die Wirbelsäule umgeben und schützen.

  • Lernen Sie in einer Rückenschule, wie Sie sich im Alltag rückenfreundlich verhalten – also das richtige Tragen, Heben, Bücken, Aufstehen...

  • Tragen Sie Schuhe, die den Fuß nicht einengen. Schuhe mit hohen Absätzen bitte nur für wenige Stunden anziehen und nicht lange darin laufen.

  • Achten Sie auf die Qualität Ihrer Matratze, die weder zu hart noch zu weich sein darf. Sie sollten morgens auf keinen Fall mit Rückenschmerzen aufwachen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung:22. Januar 2018
Durch: Maxi Christina Gohlke
Quellen: Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, AWMF-Register-Nr.: nvl-007, Stand: 31.12.2016 Rückenschmerzen; Themenheft des Robert-Koch-Instituts, Hefte 35 Stand 28.11. 2012

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