Grundlagen des Sehsinns

Das Auge: Wichtigstes Sinnesorgan und Spiegel für Krankheiten

Wie sehr wir auf unseren Sehsinn angewiesen sind, wird uns meist erst dann bewusst, wenn wir nichts sehen – etwa bei völliger Dunkelheit. Schließlich ist unser Auge eines unserer wichtigsten Sinnesorgane und zur sicheren Orientierung von zentraler Bedeutung. Nicht nur das: Ein Blick in die Augen hilft dem Arzt auch, tieferliegende Krankheiten zu erkennen.

Nahaufnahme eines weiblichen Auges
Das Auge ist nicht nur ein Sinnesorgan, sondern kann auch Aufschluss über verschiedene Krankheiten geben.
Getty Images/iStockphoto

Die vom Auge aufgenommenen optischen Reize werden im Gehirn – genauer gesagt im Sehzentrum – verarbeitet und zu Bildern zusammengesetzt. Dieser Sehprozess ist hochkompliziert und erfordert ein fein justiertes Zusammenspiel zwischen zahlreichen anatomischen Strukturen.

Aufbau des Auges

Das Auge liegt in der knöchernen Augenhöhle (Orbita). Von außen sichtbar sind das Augenweiß (auch Lederhaut oder Sklera genannt), die farbige Regenbogenhaut (Iris) und die schwarze Pupille. Die Pupille fungiert wie ein "Sehloch", über das die Lichtreize ins Auge einfallen. Die farbige Regenbogenhaut wirkt dabei wie eine Blende im Fotoapparat, das heißt, sie kann die Größe des Sehlochs verändern und damit den Lichteinfall regulieren. Hinter der Pupille befindet sich die Augenlinse, die ähnlich wie ein Kamera-Objektiv funktioniert und das Gesehene "scharfstellen" kann.

Die Hornhaut (Kornea) liegt wie eine kleine "Fensterscheibe" im Augenweiß. Sie nimmt das einfallende Licht auf und ist für einen Großteil der Lichtbrechung verantwortlich. Bei manchen Menschen liegt eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vor, die zu einer Beeinträchtigung der Sehschärfe führen kann. Liegt eine Hornhautentzündung vor, spricht der Arzt auch von einer Keratitis.

Die Schleimhaut, die die innere Seite der Augenlider und den weißen Teil des Auges überzieht wird Bindehaut, medizinisch auch Konjunktiva, genannt. Dementsprechend wird eine Entzündung der Bindehaut auch als Konjunktivitis bezeichnet. Sie kann beispielsweise durch Allergien oder Infektionen ausgelöst werden.

Glaskörper des Auges

In der Augenhöhle liegt der Glaskörper, der aus einer geleeartigen Masse besteht und den größten Teil der Augenhöhle ausfüllt. Wenn sich die Zusammensetzung oder die Form des Glaskörpers ändert, berichten die Betroffenen, dass sie schwarze, bewegliche Punkte ("fliegende Mücken") sehen.

Den Glaskörper umgibt eine dreischichtige Hülle:

Lederhaut (Sklera): äußerste Hülle des Glaskörpers, die das Auge schützt. Im sichtbaren, vorderen Teil des Auges wird sie von der Hornhaut (Kornea) unterbrochen.

Aderhaut (Choroidea): liegt zwischen Lederhaut und Netzhaut. Sie enthält viele Blutgefäße und dient der Versorgung der Netzhaut.

Netzhaut (Retina): enthält die lichtempfindlichen Zellen, die das Nacht- oder Dämmerungssehen und das Farbsehen ermöglichen. Die Funktion der Netzhaut kann durch Alterungsprozesse (etwa altersbedingte Makuladegeneration) oder durch bestimmte Erkrankungen (beispielsweise Folgeerkrankungen bei Diabetes: Augen) beeinträchtigt werden. Diese Erkrankungen der Netzhaut zählen zu den häufigsten Ursachen für eine Erblindung.

Optische Täuschungen

Reize werden übers Auge ans Gehirn geleitet: der Sehprozess

Sehen bedeutet, dass ins Auge fallende Lichtstrahlen über verschiedene Mechanismen in Signale umgewandelt werden, die das Gehirn verarbeiten kann. Damit wir Gegenstände und Farben sehen und Helligkeitsabstufungen wahrnehmen können, müssen Lichtstrahlen, die auf die Netzhaut auftreffen in Nervenimpulse umgewandelt werden. Dies geschieht, indem spezielle lichtempfindliche Substanzen im Auge ihre räumliche Struktur ändern und in der Folge ein Nervenimpuls ausgelöst wird, der über den Sehnerv zum Sehzentrum im Gehirn weitergeleitet wird. Erst dort bekommt das, was wir sehen auch eine Bedeutung – die Voraussetzung dafür, dass wir die Information, die das Gesehene vermittelt, verstehen.

Die Augen sind der Spiegel des Körpers

Regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt sollten selbstverständlich sein. Er kümmert sich um die Gesundheit unserer Augen. Doch ein guter Augenarzt hält auch noch nach bestimmten Warnzeichen Ausschau. Denn das menschliche Auge dient nicht nur als Sinnesorgan, sondern spiegelt auch innere Krankheiten wieder: Ob Leberprobleme, Bluthochdruck oder Diabetes – ein Augenarzt erkennt am Augenhintergrund, an der Hornhaut oder an der Bindehaut die Warnsignale. Die enge Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten gewinnt deshalb immer mehr an Bedeutung.

Fettablagerungen sind ein Risikofaktor

Den Augenärzten stehen heute diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen sie bedrohliche Entwicklungen schon sehr früh erkennen können. So deuten ringförmige Ablagerungen (Arcus lipoides, die sogenannten Fettbogen) an der Hornhaut auf eine erhebliche Störung im Fettstoffwechsel hin. Das Sehvermögen wird dadurch nicht beeinträchtigt. Oftmals zeigen sich die Ablagerungen in höherem Alter. Treten Sie jedoch schon vor dem 50. Geburtstag auf, ist Vorsicht geboten: Sie können ein erhöhtes Herzinfarkt signalisieren.

Auch in der Netzhaut kann der Arzt Fettablagerungen lokalisieren. Darüber hinaus geben deren feine Kapillargefäße wieder, wie es um die Durchblutung und damit um die Gefäßgesundheit insgesamt im Körper bestellt ist. Denn die Netzhautgefäße gehören zum Gehirnkreislauf. Ihr Zustand lässt deshalb Rückschlüsse auf Hirndurchblutung und Hirndruck zu. Dies sind beide sehr wichtige Faktoren zur Vorbeugung eines Schlaganfalls.

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Wertvolle Informationen liefert der Zustand der Blutgefäße am Augenhintergrund. Hier kann der Augenarzt sehr gut die Auswirkungen von Diabetes mellitus: Formen, Arteriosklerose oder Bluthochdruck: Ursachen und Anzeichen der Hypertonie feststellen. Und zwar zu einem Zeitpunkt, wo der Patient möglicherweise noch gar nichts von dieser Bedrohung ahnt. Diese Krankheiten führen mittelfristig zu Schäden an den großen und an den feinen Gefäßen. Diese können Gefäßverschlüsse auslösen, also schlimmstenfalls Schlaganfall und Herzinfarkt. Häufig kommt hier vom Augenarzt die erste Diagnose, die den Patienten in die rettende Behandlung bringt.

Gelbfärbung des Auges warnt vor Leberproblemen

Die Gelbfärbung der Bindehaut ist ein ganz typisches Symptom für eine Lebererkrankung. Diese Gelbsucht wird durch eine zu hohe Konzentration von Bilirubin verursacht, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin.

Was vielfach unbekannt ist: Im Zusammenhang mit Rheuma tritt oftmals eine Entzündung der Aderhaut im Auge (Uveitis) auf, weil das eigene Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe angreift. Der Arzt kontrolliert dies.

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Letzte Aktualisierung: 28. September 2016

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