Beschwerden bei Wetterumschwüngen

Wetterfühligkeit

Wetterfühlige Menschen leiden oft unter Kopfweh, Gelenkschmerzen und schlechter Stimmung

Bei manchen Menschen beeinflusst das Wetter Stimmung, Leistungsfähigkeit und Allgemeinbefinden. Nur eingebildet? Oder ein Schutzreflex? Alles über Ursachen, Symptome und Therapie von Wetterfühligkeit lesen Sie hier.

wetterfühligkeit
Bei Wetterfühligkeit leidet nicht nur die Stimmung. Häufig plagen auch Kopfschmerzen. Auch Tiere sind übrigens wetterfühlig.
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Von Wetterfühligkeit spricht der Arzt nicht nur bei Beschwerden, die während eine Wetterwechsels sowie kurz zuvor und danach eintreten. Wetterfühligkeit bedeutet, dass Allgemeinbefinden, Stimmung und Leistungsfähigkeit durch Witterungserscheinungen beeinflusst werden. Das kann sich zum Beispiel durch Kreislaufstörungen äußern oder indem sich bestehende Krankheiten verschlechtern, etwa zunehmende Gelenkschmerzen bei Rheuma.

Wissenschaftler bezeichnen die Wetterfühligkeit als keine echte Krankheit. Die Medizin-Meteorologen, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Wetter und Gesundheit beziehungsweise Krankheit befassen, sind sogar der Ansicht, dass es sich bei der Wetterfühligkeit ursprünglich um einen unter Umständen lebenserhaltenden Mechanismus gehandelt habe: nämlich einen Schutzreflex, der Menschen (und Tiere, die auch auf das Wetter reagieren) bei Wetterwechseln rechtzeitig warnte.

Auch heute noch passt sich der Körper den Witterungsverhältnissen an, indem er zum Beispiel bei Hitze schwitzt und bei Kälte zu zittern beginnt. Wenn dieses Regelsystem trainiert wird, indem man sich den Wetterreizen auch wirklich immer wieder aussetzt, also nicht sein Leben überwiegend in klimatisierten Räumen verbringt, dann wird der Mensch unempfindlicher gegen Witterungseinflüsse. Dieser Effekt wird als Abhärtung bezeichnet.

Wetterfühligkeit und Straßenverkehr

Besondere Auswirkungen hat die Wetterfühligkeit im Straßenverkehr. Erwiesen ist, dass die Unfallzahlen steigen, wenn sich ein Gewitter zusammenbraut. Und an Tagen mit Föhnwetter hat man häufig den Eindruck, die Straßen seien mit "Verrückten" bevölkert. Föhnartiges Wetter gibt es übrigens nicht nur in Bayern, sondern auch in allen deutschen Mittelgebirgen und auch im Ruhrgebiet. Wer wetterfühlig ist, der reagiert dann langsamer – das kann bis zu einer halben Sekunde ausmachen, was bei Tempo 100 einen um zwölf Meter längeren Bremsweg bedeutet.

Symptome der Wetterfühligkeit

Die Medizin-Meteorologen unterteilen die Interaktion zwischen Mensch und Witterungseinflüssen in drei Typen:

Die Wetterreaktion ist die körperliche Reaktion auf Witterungsreize. In der Praxis heißt das: Um den Körper auf seiner normalen Temperatur, der Kerntemperatur, zu halten, muss der Wärmehaushalt ständig geregelt werden, das heißt, Wärme muss gebildet, aufgenommen oder abgegeben werden. Gesunde Menschen spüren diese Reaktion nur dadurch, dass sie schwitzen oder frieren, ansonsten findet diese Regulierung automatisch und unbemerkt statt.

Die Wetterfühligkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass das vegetative Nervensystem eine erniedrigte Reizschwelle aufweist. Dadurch nimmt der Betroffene die körperlichen Reaktionen auf Hitze, Kälte, Wind, Schwüle und so weiter verstärkt wahr und fühlt sich dann zum Beispiel müde, reizbar, unkonzentriert oder deprimiert. Auch Kopfdruck oder Kopfschmerzen, Schwindel und Schlafstörungen sind typisch bei Wetterfühligen. Zu den messbaren Symptomen der Wetterfühligkeit gehören zum Beispiel Schwankungen des Blutdrucks und der Hautdurchblutung.

Wetterfühlig ist nicht wetterempfindlich

Die Wetterempfindlichkeit bezieht sich auf Empfindungen wie Kopfschmerzen, Narben- oder auch Amputationsschmerzen, die sich nach entsprechenden Krankheiten oder Verletzungen zeigen. Auch die Erscheinungen des rheumatischen Formenkreises werden durch das Wetter beeinflusst. Dazu gehören Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Verspannungen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings die Unterscheidung zwischen Wetterfühligkeit und Wetterempfindlichkeit. Wer auf Temperaturschwankungen eher subjektiv und unspezifisch reagiert, ist wetterfühlig.

Wetterempfindlich sind dagegen Menschen, die bereits Vorerkrankungen haben und auf das Wetter reagieren. Dazu zählten zum Beispiel Herz- oder Lungenerkrankungen sowie sehr schwacher oder ungewöhnlich hoher Blutdruck. Betroffene dürften die Anpassungsfähigkeit ihres Körper aber nicht einfach selbst trainieren. Sie müssen vorher ihren Arzt fragen.

Keine exakten Ursachen für Wetterfühligkeit

Den beiden letzten Typen der Wetterfühligkeit gemeinsam ist, dass ein Arzt auch bei gründlichster Untersuchung keine körperlichen Ursachen feststellen wird. So geht man davon aus, dass wetterfühlig beziehungsweise wetterempfindlich diejenigen Menschen sind oder werden, deren Organismus ohnehin geschwächt ist.

Dadurch ist er schlechter oder nicht mehr in der Lage, auf die Wetterreize normal zu reagieren, er überreagiert. Betroffen sind übrigens zu etwa zwei Dritteln Frauen. Gefördert wird die Wetterfühligkeit unter anderem durch eine hektische Lebensweise, ungesunde Ernährung, Stress oder starke Anspannung.

Welche Wetterphänomene stehen unter Verdacht?

Die Quintessenz aus mehreren Studien ist: Es besteht ein Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Wetter. Die verantwortlichen Wetterphänomene sind jedoch nicht bewusst wahrnehmbar. Viele Betroffene schildern aber, dass besonders plötzliche Wetterumschwünge, wie sie in Föhnlagen häufig sind, die Beschwerden verursachen oder verschlimmern.

Feine Luftdruckschwankungen und elektromagnetische Wellen, wie sie an Wetterfronten entstehen – die sogenannten Spherics – sorgen dafür, dass besonders empfindliche Menschen Kopfschmerzen bekommen. Einer gemeinsamen Studie des Institutes für Umweltmedizin Freiburg und des Deutschen Wetterdienstes zufolge treten die wetterbedingten Beschwerden besonders bei sogenannter überstrahlter Hochdrucklage (im Alpenvorland Föhn) und labiler Wetterlage im Bereich eines Höhentiefs, fast ausschließlich in der ersten Tageshälfte und in den Sommermonaten auf.

Diagnose von Wetterfühligkeit

Wenn Sie Ihre Wetterfühligkeit stark belastet, sollten Sie sich Ihrem Arzt anvertrauen. Im Rahmen einer gründlichen Untersuchung und eines Beratungsgespräches (Anamnese) kann er Ihnen Rat geben und Ihnen, je nach Schweregrad der Symptome, eventuell mit Medikamenten über besonders unangenehme Situationen hinweghelfen.

Was gegen Wetterfühligkeit hilft

Wer bei Wetterkapriolen empfindlich reagiert, der kann rechtzeitig entgegenwirken: Finden Sie heraus, welches Wetter Sie krank macht. Führen Sie Tagebuch über Ihre Kopfschmerz-Beschwerden und berücksichtigen Sie dabei die jeweilige Wettersituation. Verhalten Sie sich gesundheitsbewusst, wenn eine für Sie heikle Wetterlage angekündigt wird:

  • Achten Sie auf eine ausgeglichene, vielseitige Ernährung, die Ihnen alle erforderlichen Nährstoffe zuführt. Übergewicht fördert übrigens die Wetterbeschwerden.

  • Wechselduschen, Saunagänge und regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft unterstützen die Fähigkeit des Köprpers auf Wetterreize reagieren zu können.

  • Wetterfühlige sollten Alkohol, Nikotin und Medikamente meiden, da diese einen Einfluss auf das vegetative Nervensystem haben.

  • Bei der Wahl des Urlaubsortes sollten Sie medizin-meteorologische Faktoren berücksichtigen. So sind zum Beispiel plötzliche Klimawechsel häufig ein Problem.

  • Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen fördert das allgemeine Wohlbefinden und härten den Körper ab. Doch auch die Gartenarbeit kann hilfreich sein.

Zur Selbstmedikation eignen sich  Naturheilmittel wie Melissengeist. Die Melisse ist bekannt als eine Pflanze, deren Inhaltsstoffe das vegetative Nervensystem unterstützen und gegen Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und depressive Stimmungslagen hilfreich sind.

Wenn Sie gesund leben und auf Ihre Wetterfühligkeit Rücksicht nehmen, wird es in den meisten Fällen gelingen, die übermäßige Reaktion auf Witterungsbedingungen wieder auf ein normales Maß zurückzuführen.

Überraschende Auslöser von Kopfschmerzen

Autor: Lifeline
Letzte Aktualisierung: 04. Mai 2015
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