Ungebrochenes Ritual

Deutsche Paare drängen vor den Traualtar

Von wegen wild und unangepasst: Junge Paare orientieren sich an traditionellen Werten, allen voran die Ehe. Dennoch wurde das Ja-Wort niemals zuvor so lang herausgezögert.

Egal ob klassisch in Weiß, beim Standesamt oder auf einem kleinen Schiff auf offener See - allen Scheidungsstatistiken zum Trotz hat die Ehe nicht ausgedient. Dabei lässt ein erster Blick auf die Statistik anderes vermuten. Das Statistische Bundesamt weiß zu berichten, dass im Jahr 2007 2,4 Millionen Paare in Deutschland ohne Trauschein zusammenlebten. Das ist ein gutes Drittel mehr als noch im Jahr 2006. In nur elf Jahren hat die Zahl der Eheschließungen um 14 Prozent abgenommen. Laut einer aktuellen Befragung des Magazins Spiegel unter 20 bis 35jährigen hat die Ehe dennoch Hochkonjunktur.

Rebellentum war gestern. Gerade in Krisenzeiten sehnen sich junge Deutsche nach traditionellen Werten, die Sicherheit versprechen. Die meisten pflegen einen regen Kontakt zu ihren Eltern und wollen selbst eines Tages eine Familie gründen. Und das am liebsten mit ihrem derzeitigem Partner, mit dem mehr als die Hälfte der Befragten alt werden möchte. Dafür nehmen es 80 Prozent der Befragten besonders genau mit der Treue und träumen schon einmal von läutenden Hochzeitsglocken. Stolze 70 Prozent der jungen Deutschen geben an, irgendwann einmal heiraten zu wollen. Wie nun passt dieser Trend mit den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zusammen?

Das durchschnittliche Alter der Ja-Sager steigt

Ein Grund für die Kluft zwischen Heiratswille und der tatsächlichen Anzahl an Trauungen könnte das lange Zögern deutscher Paare sein. Niemals zuvor lebten ledige Frauen und Männer so lang ohne Trauschein mit ihrem Lebenspartner zusammen, bevor sie sich vor den Altar trauten. Und auch diesen Trend kann das Statistische Bundesamt mit Zahlen unterlegen. Im Jahr 2007 heirateten Frauen im Schnitt mit 29,8 Jahren. Vor zehn Jahren trauten sie sich noch zwei Jahre früher vor den Altar. Die Männer brachten es im Jahr 2007 auf im Schnitt 32,7 Lebensjahre, während es 1997 30,3 Jahre waren.Junge Paare scheinen es nicht eilig zu haben. Sie haben kein Problem, ihr Leben auch ohne Trauschein miteinander zu bestreiten. Die Mehrheit der Paare erprobt das Zusammenleben in einer Wohnung Jahre bevor sie sich einen Ring an den Finger stecken. Oft läuten sogar erst dann die Hochzeitsglocken, wenn der Nachwuchs unterwegs oder bereits da ist. 2007 zogen 28 Prozent der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mindestens ein minderjähriges Kind groß. Nur knapp jedes zweite Ehepaaren hatte keine Kinder. Bei 34 Prozent lebte mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt.

Welche Motive Paare vor den Traualtar treibt

Die traditionelle Ehe diente vor allem der Versorgung von Frau und Kindern. In dem Maße, in dem Frauen ihr eigenes Geld verdienen und finanziell unabhängig sind, verliert die Ehe an dieser Funktion. Andere Motive rücken in den Vordergrund, darunter die Sehnsucht nach einer dauerhaften Partnerschaft. Die Online-Partnervermittlung ElitePartner wollte es genauer wissen und befragte Singles nach ihren Motiven für eine Heirat. Für 35,2 Prozent der Befragten sind romantische Gefühle und ewige Liebe der Hauptgrund, sich das Jawort zu geben. 30,2 Prozent suchen nach Geborgenheit und Sicherheit. Steuerliche und rechtliche Vorteile landen mit 9 Prozent auf dem letzten Platz. Entgegen allem, was wir heute erleben und vermittelt bekommen, kommt die Ehe mit ihrem Versprechen einer dauerhaften Bindung der menschlichen Sehnsucht nach Beständigkeit entgegen. In Zeiten des schnellen Wandels ist der Lebenspartner häufig die einzige Konstante. Der Ehe hat damit eine ganz besondere Bedeutung und vermittelt dem Einzelnen Sicherheit und Stabilität in einer Zeit, in der alles andere unsicher geworden zu sein scheint. Gesund hält die Ehe übrigens obendrein. So haben Eheleute Studien zufolge ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselleiden und psychische Erkrankungen. Eine Studie aus Zürich zeigte außerdem, dass Ehepartner besonders zufrieden mit ihrem Leben sind.

Autor: Sibylle Fünfstück
Letzte Aktualisierung: 18. August 2009
Quellen: Nach Informationen von ElitePartner, dem Statistischen Bundesamt und dem Spiegel Spezial 1/2009; Was wird aus mir?

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