Zervizitis oder Entzündung des Gebärmutterhalses

Gebärmutterhalsentzündung

Symptome, Ursachen und Behandlung der Zervizitis

Krankheitslexikon-Harmonisierung-Gebärmutterhalsentzündung-89585459.jpg
Bei Frauen mit öfter wechselnden Sexualpartnern tritt eine Zervizitis häufiger auf

Die Zervizitis bezeichnet eine Entzündung des Gebärmutterhalses. Lesen Sie hier, welche Symptome die Erkrankung ankündigen, wie Ärzte sie diagnostizieren und welche Therapien es gibt.

Die Häufigkeit der Zervizitis ist abhängig vom Erreger und davon, wie oft der Sexualpartner gewechselt wird. So sind durchschnittlich sechs bis neun Prozent der Frauen von einer Zervizitis durch Chlamydien betroffen, dem häufigsten Zervitiserreger. Bei Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern kommt sie sogar in bis zu 25 Prozent der Frauen vor.

Die Gebärmutter zählt zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau. Sie ist birnenförmig, etwa faustgroß und reich an Muskulatur. Man teilt sie in drei Abschnitte ein. Unten liegt der Gebärmutterhals, der sich zur Scheide hin mit dem sogenannten äußeren Muttermund öffnet. Der in die Scheide hineinragende Teil wird auch als Portio bezeichnet. Mittig trennt eine kurze Engstelle (Isthmus) den Gebärmutterhals vom oben liegenden Gebärmutterkörper ab.

Der Gebärmutterhals beinhaltet einen Kanal, der mit einer speziellen Schleimhaut ausgekleidet ist. Diese Schleimhaut bildet ein leicht alkalisches Sekret (pH 7-8), das über die Scheide abfließt. Im Bereich des äußeren Muttermunds geht die Schleimhaut in die Scheidenhaut über. Man bezeichnet diese Grenze auch als Übergangszone. Weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) beeinflussen die genaue Lage dieser Zone. Bei geschlechtsreifen Frauen liegt sie auf der Portio (Portioektopie). Bei Östrogenmangel, wie er beispielsweise bei Kleinkindern oder Frauen in der Postmenopause vorliegt, zieht sich die Übergangszone in den Kanal des Gebärmutterhalses zurück.

Der Gebärmutterhals verfügt über Schutzmechanismen, die ein Aufsteigen von Erregern aus dem Scheidenbereich erschweren. So stellen der äußere Muttermund als natürliche Engstelle und das im Gebärmutterhals gebildete zähe Sekret Hindernisse für Erreger dar. Auch die Abflussrichtung des Sekrets in Richtung Scheide wirkt dem Eindringen von Erregern entgegen. Zusätzlich liegen bestimmte Antikörper vor, die Erreger abfangen und neutralisieren können.

Symptome

Die Beschwerden einer Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) sind abhängig vom Erreger. Der Scheidenausfluss (Fluor genitalis) ist bei gesunden Frauen weiß, mittelfest und geruchlos. Das im Gebärmutterhalskanal gebildete Sekret ist ein Bestandteil des Scheidenausflusses, der bei einer Zervizitis meist verändert ist. So kann der häufig vermehrte Ausfluss übelriechend, gelblich-eitrig verfärbt oder in seiner Konsistenz verändert sein. Gelegentlich macht sich eine Zervizitis auch durch Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr bemerkbar. Eine Mitbeteiligung der ableitenden Harnwege äußert sich als schmerzhaftes Wasserlassen.

Bei gleichzeitiger Vaginitis kommen Beschwerden wie Juckreiz und Brennen im Intimbereich hinzu. Blutungsstörungen wie eine verlängerte Periode oder Zwischenblutungen weisen bereits darauf hin, dass sich die Entzündung auf die Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) ausgedehnt hat. Erfasst die Infektion auch die Muskulatur der Gebärmutter (Myometritis), treten zusätzlich Unterbauchschmerzen und gelegentlich Fieber auf.

Ursachen

Eine Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) kann vor allem dann entstehen, wenn die natürlichen Schutzmechanismen des Gebärmutterhalses beeinträchtigt sind. Folgende Faktoren können eine Zervizitis fördern:

  • Während der Periode und auch in den ersten sechs bis acht Wochen nach einer Geburt (Wochenbett) ist der Muttermund leicht geöffnet, sodass Keime leichter eindringen können. Ähnliches resultiert aus operativen Eingriffen wie dem Ausschaben der Gebärmutter, da der Gebärmutterhalskanal während der Operation geweitet werden muss.
  • Über Verletzungen am Gebärmutterhals, wie sie beispielsweise während einer Geburt auftreten können, können Krankheitserreger leichter in das Gewebe eindringen und eine Infektion hervorrufen.
  • Ein Östrogenmangel beispielsweise in den Wechseljahren wirkt sich auf den Aufbau der Schleimhaut des Gebärmutterhalskanals aus. Die Schleimhaut wird dünner und damit verletzlicher. Zusätzlich lässt die Bildung des schützenden Sekrets nach.
  • Neben Fremdkörpern wie der Spirale können auch die Portioektopie und gutartige Tumore der Gebärmutter wie Myome oder Polypen Infektionen begünstigen.

Erreger

Eine Zervizitis kann durch folgende Bakterien und Viren verursacht werden:

  • Bakterien: Chlamydien, Gonokokken, Streptokokken, Staphylokokken, Kolibakterien, Ureaplasmen, Mykoplasmen
  • Viren: Herpes-simplex-Viren, humane Papillom-Viren (HPV)

Auch Geißeltierchen wie Trichomonaden und Hefepilze wie Candida albicans können eine Zervizitis auslösen.

Ansteckung

Meist handelt es sich bei der Zervizitis um Infektionen, die beispielsweise im Zuge einer Scheidenentzündung (Vaginitis) aus der Scheide aufgestiegen sind. Ebenso können Erreger wie Chlamydien, Gonokokken oder HPV durch Geschlechtsverkehr eingeschleppt werden. Seltener gelangen Krankheitserreger über den Blutkreislauf oder absteigend über die Eierstöcke und Eileiter zur Gebärmutter.

Diagnose

Erste Hinweise auf eine Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) gewinnt der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Bei der anschließenden gynäkologischen Untersuchung steht die sogenannte Spekulum-Untersuchung an erster Stelle. Das Spekulum ist ein zweiteiliges Untersuchungsinstrument, welches die Scheide entfalten kann. Der Frauenarzt führt es in die Scheide ein und erhält so einen Blick auf die Scheidenhaut und die meist gerötete und geschwollene Portio des Gebärmutterhalses. Typisch für eine Infektion mit Herpes-Viren sind in Gruppen stehende kleine Bläschen. Bestimmte HPV können gutartige, flache Gewebswucherungen, die Feigwarzen, auf der Portiooberfläche verursachen. Mit dem sogenannten Kolposkop, einer Art Mikroskop, kann sie der Arzt vergrößert darstellen und besser erkennen. Betupft er sie mit einer dreiprozentigen Essigsäure, erscheinen sie weißlich.

Den Ausfluss aus dem Gebärmutterhals beurteilt der Frauenarzt nach Beschaffenheit, Farbe und Geruch. Um die Ursache der Zervizitis zu bestimmen, entnimmt er zusätzlich einen Abstrich vom Muttermund und untersucht ihn unter dem Mikroskop auf Erreger. Lässt sich der Erreger nicht identifizieren, wird er im Labor angezüchtet (Kultur). Unter Umständen kann auch der DNA-Nachweis des Erregers erforderlich sein.

Eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide (Vaginalsonographie) kann schließlich Veränderungen wie Myome und Polypen im Bereich der Gebärmutter bildlich darstellen. Zusätzlich liefert sie Hinweise auf eine mögliche entzündliche Beteiligung weiterer Organe.

Therapie

Die Therapie der Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) richtet sich nach dem verursachenden Erreger. Bei sexuell übertragbaren Infektionen ist es unbedingt empfehlenswert, auch den Partner mitzubehandeln.

Gegen Bakterien und Trichomonaden werden Antibiotika eingesetzt, gegen Pilzinfektionen sogenannte Antimykotika. Die Medikamente werden meist in Tablettenform eingenommen. Herpes-Infektionen können bis heute nicht geheilt werden. Um die Krankheitsdauer zu verkürzen und eventuelle Beschwerden zu lindern, werden jedoch Virustatika angewendet. Infektionen mit HPV heilen häufig ohne Therapie ab. Die Feigwarzen werden zunächst nur beobachtet, da sie sich von selbst zurückbilden können. Geschieht dies nicht, können Substanzen wie Podophyllotoxin oder Trichloressigsäure auf die Warzen getupft werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sie mittels Laser, Messer oder Elektroschlinge zu entfernen.

Wurde die Zervizitis beispielsweise in den Wechseljahren durch Hormonmangel gefördert, kann die zusätzliche Gabe von weiblichen Geschlechtshormonen wie Gestagen und Östrogen über 20 Tage sinnvoll sein.

Verlauf

Bei rechtzeitiger Therapie lässt sich eine Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) gut und komplikationslos behandeln.

Breiten sich die Erreger einer Zervizitis aber auf den Gebärmutterkörper, die Eileiter oder Eierstöcke aus, können sie auch hier eine Entzündung und, abhängig vom Erreger, spätere Komplikationen verursachen. Chlamydien und Mykoplasmen können beispielsweise zu Verklebungen der Eileiter führen. Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit sind mögliche Folgen. Eine frühzeitige Diagnose mit anschließender Therapie ist daher sehr wichtig.

Infektionen mit Herpes-Viren können nicht geheilt werden. Während sich die akute Entzündung des Gebärmutterhalses behandeln lässt, bleiben die verursachenden Viren im Körper und können beispielsweise bei Stress eine erneute Zervizitis auslösen. Infiziert sich eine werdende Mutter kurz vor der Geburt mit dem Herpes-Virus, besteht große Gefahr für das Kind, sich während der Geburt anzustecken. Da der Neugeborenenherpes mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht, muss die Infektion durch einen Kaiserschnitt umgangen werden.

Die Feigwarzen wachsen sehr selten zu großen Ansammlungen (Condylomata gigantea) zusammen, die einen Kaiserschnitt notwendig machen können. Selten ist auch die Infektion des Neugeborenen mit HPV während der Geburt. In der Folge können sich beim Kind Feigwarzen und sehr selten gutartige Tumore im Kehlkopfbereich bilden. Zur Vermeidung sollten die Feigwarzen vor der Geburt beseitigt werden.

Eine Infektion mit einer anderen Gruppe von HPV birgt das Risiko, Jahre später an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die gynäkologische Vorsorgeuntersuchung sollte daher immer wahrgenommen werden.

Vorbeugen

Kondome bieten einen gewissen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und werden daher auch zur Vorbeugung einer Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) uneingeschränkt empfohlen. Da Kondome aber nur Teile des Genitals bedecken, ist eine Einschleppung von Erregern in den Intimbereich trotzdem möglich.

Ein Impfstoff gegen bestimmte HPV ist mittlerweile erhältlich und bietet nach heutigem Wissen einen sehr guten Infektionsschutz.

Um aufsteigende Infektionen während des Wochenbetts zu vermeiden, sind Hygienemaßnahmen wie das regelmäßige Händewaschen und -desinfizieren und die Intimpflege sehr wichtig.

Autor: Yvonne Leupold / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 16. September 2011
Quellen: Frauenärzte im Netz: http://www.frauenaerzte-im-netz.de (Stand Juli 2008) Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag Stuttgart 2005 Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft: Condylomata acuminata und andere HPV-assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 059/001 (Stand: 11.07.2006) Petzoldt, D. et al: Der Herpes genitalis. Deutsches Ärzteblatt 1999; 96 (38): A-2358 / B-2010 / C-1891

Gesundheit und Medizin
Sinusitis

Mit dem Fachbegriff Sinusitis beschreiben Mediziner eine Entzündung der Nasennebenhöhlen mehr...

Rotaviren-Infektion

Für Säuglinge kann die Erkrankung lebensgefährlich werden mehr...

Einfach, schnell und kostenlos den richtigen Arzt finden und online Termine vereinbaren

Arzt finden
Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...
Fragen Sie unser Gesundheits-Team

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Zum Seitenanfang